Pronation… Gut oder schlecht?

Die Fuss-Pronation ist sehr wichtig und es kann nicht behauptet werden, dass Überpronation an sich schlecht ist. Die Pronation bis zur Überpronation muss kontrolliert werden, eine kontrollierte exzentrische Pronation ist als aktive Landung sowie Vorbereitung für einen kräftigen Abstoss erwünscht.

Pronation ist eine natürliche Bewegung

Dieses Video von Haile Gebrselassie wird oftmals als Argumentation gezeigt, dass die Überpronation kein Problem ist. Haile Gebrselassie läuft nicht immer mit einer so ausgeprägneten Überpronation und sowieso findet diese Pronation bei ihm kontrolliert statt. Wir sehen in diesem Video auch deutlich, dass sein Knie stabil und geführt bleibt.

Haile Gebrselassie ist trainiert und hat sein Techniktraining gewissenhaft absolviert. Für ihn ist die Überpronation kein Problem –  sie ist sogar erwünscht. Dennoch sei angemerkt, dass Haile Gebrselassie jahrelang mit Achillessehnenproblemen kämpfte. Ob dies einen direkten Zusammenhang hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass durch eine erhöhte Überpronation unter anderem die Achillessehne enorm strapaziert und/oder gereizt wird.

Als Physiotherapeut sehe ich immer häufiger das Bild von Personen mit unkontrollierter oder passiver Überpronation. Hier ist diese unkontrollierte Überpronation ein grosses Problem und kann viele Beschwerden verursachen. Probleme entstehen nicht nur im Fuss. Im Gegenteil! Die Fehlstellung der Füsse kann Schwierigkeiten im gesamten Körper verursachen.

Unser Lebenswandel stellt uns vor Probleme

Wir, als moderne Menschen, sind immer häufiger unterwegs und unsere Mobilität nimmt stetig zu! Nur zu Fuss tun wir das immer seltener. Der Anteil «zu Fuss-Gehende» bei der Verkehrsmittelwahl nimmt kontinuierlich ab. Wählten wir in 1972 noch 41% zu Fuss und 20% mit einem Auto unterwegs zu sein, hat sich dieses Verhältnis im Jahr 2000 nahezu umgekehrt. Dieser Bewegungsmangel hat Folgen!

Unser Gang wird zunehmend passiver und langsamer. Dies führt zu einer grösseren Spurbreite mit kürzeren Schritten und vermehrte Aussenrotation der Beine und Füsse. Die Haltung wird schlechter, wir sehen Platt-, Knick- und Senkfüsse, wie auch Valgusstellung der Knie und Innenrotationen der Hüfte.

Ein schwacher Musculus tibialis posterior führt zu Knick-/Senkfüssen

Die Füsse sinken passiv in sich zusammen, die Pronation kann nicht mehr kontrolliert werden, vor allem der Musculus tibialis posterior degeneriert stark. Der Musculus tibialis posterior ist der Hauptstabilisator des medialen Längsgewölbes der Füsse. Seine Aktivität hebt dieses Gewölbe und fixiert damit die Mittelfussknochen. Diese aktive Stabilisierung oder Verschraubung (Spiraldynamik) macht aus dem beweglichen Fuss einen stabilen, steifen Hebel. Dank dieser Hebelfunktion des Fusses wird das Abstossen durch die Wadenmuskulatur viel effizienter und kraftvoller. Ein schlecht funktionierender Musculus tibialis posterior führt demnach unweigerlich zur Überbelastung der Wadenmuskulatur, Achillessehnen und plantaren Fusssehne.

Der Musculus tibialis posterior ist bereits aktiv vor der Ladung. Bein- und Rumpfmuskulatur sind ebenfalls sehr stark aktiv vor der Landung. Die Landungsvorbereitung scheint damit muskulär betrachtet  viel wichtiger zu sein als der Abstoss. Diese Aktivität vor der Landung – der Fuss befindet sich noch in der Luft – bestätigt einmal mehr, dass das Gehen und Laufen „antizipierend“ ist und nicht „reagierend“. Gehen und Laufen sind vorprogrammierte Bewegungsabläufe.

Viele und unterschiedliche Symptomatiken im Fussbereich lassen sich auf einen schlecht funktionierenden Musculus tibialis posterior zurückführen. In der Spiraldynamik wird von fehlender oder reduzierter Fussverschraubung gesprochen.

Die EMG Analyse zeigt, dass der Musculus tibialis posterior kurz vor und während der Landephase sowie während der Standphase aktiv ist. Diese Aktivität bestimmt unter anderem den Auftrittswinkel des Hinterfusses. Dieser Auftrittswinkel des Hinterfusses ist bei verschiedener Bodenbeschaffenheit unterschiedlich:

Die Bodenbeschaffenheit beeinflusst den Supinationswinkel

Auf hartem Untergrund ist der Supinationswinkel grösser als auf weichem Boden. Diese Winkeleinstellung findet bereits in der Luft als Landungsvorbereitung statt. Offenbar wird die Bodenbeschaffenheit visuell analysiert und die Landung dementsprechend vorbereitet. Die vermehrte Supination bei der Landung auf harten Boden ist von Vorteil, weil die gesamte Pronationsbewegung sich damit verlängert und damit die Landung besser aktiv gedämpft werden kann.

Während der Landung nimmt die EMG Aktivität des Musculus tibialis posterior ab. Die exzentrische Kontraktion kontrolliert die Pronation, die durch die Schwerkraft und die Geschwindigkeit verursacht wurde. Diese kontrollierte Pronation dämpft die Landung. Fehlt hier die Musculus tibialis posterior-Aktivität, fällt oder kippt das Fersenbein nach innen, was gleichbedeutend ist mit dem Beginn eines Knick- / Senkfusses.

Kurz nach der Landung wird der Musculs tibialis posterior ein zweites Mal aktiv. Diese Aktivität verschraubt den Fuss. Die geführte Pronation wird angehalten und das Os Naviculare und die davor liegenden Knochen des Mittelfusses werden fixiert. Der Fuss versteift sich, wird rigide und bildet damit einen stabilen Hebel, um effizient abstossen zu können.

Der Musculus tibialis posterior und das Fussgewölbe sind trainierbar!

Ein optimales Trainingsgerät als Ersatz oder Ergänzung zu einem Personal Trainer oder Physiotherapeut ist der X10D Schuh. Der X10D ist darauf ausgerichtet, das langsame, passive und breite Gangbild zu korrigieren. Die Fussgewölbe können sich erholen und die Funktion des Musculus tibialis posterior wird reaktiviert. Einfach und zielgerichtet wird der Bewegungsablauf verbessert und die optimale Gangart wieder antrainiert. Der X10D ermöglicht richtig zu laufen, dieses Muster beizubehalten und bei jedem Schritt den ganzen Körper zu trainieren.

X10D – Trainingsgerät zur Schulung der Beinachsen

Studien haben gezeigt, dass der verbesserte Bewegungsablauf auf andere Schuhe und das Laufen übertragen wird. Der X10D verbessert die Fussaktivität beim Laufen: die Landung kann kontrolliert werden und der Abstoss wird kräftiger! Das Laufen wird aktiver, stabiler und schneller.

Dieser Blog wurde von Jan Swager van Dok, Physiotherapeut und Erfinder des X10D, verfasst.

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