Lauflegenden: Hezekiah Kipchoge Keino

Hezekiah Kipchoge Keino wurde am 17. Januar 1940 in der Nähe von Eldoret, Kenia geboren. In den 60er-Jahren wurde er dank seinen Leistungen auf den Mittelstrecken zu dem Vorbild für kenianische und ostafrikanische Läufer. Er verkörpert die afrikanische Laufrevolution dieser Zeit und geniesst in seiner Heimat bis heute Helden-Status. Keino, häufig nur unter seinem Übernamen „Kip“ bekannt, gewann in seiner Karriere zwei olympische Goldmedaillen (1500m 1968 in Mexiko-City, 3000m Steeple 1972 in München). Ausserdem stellte er Weltrekorde über 3000 und 5000 Meter auf. Eine Leistung wird besonders in Erinnerung bleiben: Sein Sieg über 1500m an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko City. Keino galt vor dem Rennen nicht als Favorit. Vielmehr erwarteten die meisten einen Sieg des US-Amerikaners Jim Ryun. Der damalige Weltrekordhalter (und in dieser Funktion Nachfolger von Herb Elliot) hatte Keino vor den Spielen mehrmals bezwungen und ging mit einer Siegesserie von 47 Rennen über die 1500m- und die Meilen-Distanz an den Start. Im olympischen Wettkampf lief Keino dann aber wie von einem anderen Stern. Im Wissen, dass Ryun, sein härtester Konkurrent, über eine sehr starke Schlussrunde verfügt, beschleunigte Keino bereits in der zweitletzten Runde. Von da an baute er seinen Vorsprung bis ins Ziel auf rund 20 Meter oder knapp drei Sekunden aus. Dies ist bis heute der grösste Vorsprung, den ein 1500m-Läufer in einem olympischen Final gegenüber seinen Konkurrenten jemals aufwies. Die 3:34.9, welche für Keino im Ziel gestoppt wurden, waren damals die zweitschnellste je gelaufene Zeit. Angesichts der Höhenlage (2200 m.ü.M.) eine fantastische Leistung.

"Kip" Keino lief an den Olympischen Spielen 1968 mit historischem Vorsprung ins Ziel des 1500m-Laufes

„Kip“ Keino lief an den Olympischen Spielen 1968 mit historischem Vorsprung ins Ziel des 1500m-Laufes

Die Taktik, bereits in der zweitletzten, und nicht erst in der letzten Runde zu attackieren, war damals völlig neu. Marti Liquori, der amerikanische Meilen-Spezialist, sagte deshalb über Keino, dass dieser das Meilen-Laufen revolutioniert habe. Details über das Trainingsprogramm des Kenyaners finden sich in Tim Noakes Buch „Lore of Running“:

Hezekiah Kipchoge Keinos Trainingsprogramm (1968)
Morgen Nachmittag
Mo 10km cross 4-8 x 400 bis 800m in 55 bis 58s, 400m Pause
Di
Mi 10km cross 4-8 x 400 bis 800m in 55 bis 58s, 400m Pause
Do
Fr 10km cross 4x800m in 1’53“ bis 1’56“, 5min Pause
Sa
So

(Quelle: Noakes Timothy, Lore of Running, Kapstadt 42003, 405)

Im Jahr seines denkwürdigen Olympiasieges absolvierte Keino also nur an drei Tagen in der Woche ein formales Training. Zu dieser Zeit hatte Keino auch keinen Coach, er trainierte sich vielmehr selber. Dieses für moderne Standards extrem wenig umfangreiche Training wurde beim Kenianer durch seinen Beruf als Sportlehrer ergänzt. Keino dürfte daneben ein überdurchschnittlich begabter Athlet gewesen, der mit relativ wenigen Trainingskilometern auskam. Ausserdem ist ihm, der in der Höhe aufgewachsen ist und stets auf vergleichbaren Höhe trainiert hat, die Lage bei seiner Jahrhundertleistung in Mexiko City entgegen gekommen. (Übrigens: Archivaufnahmen vom 1500m-Final an den Olympischen Spielen 1968 gibt es auf Youtube zu sehen).

Keino ist Mitglied der Leichtathletik-Hall of Fame und amtet seit 1999 als Präsident des kenianischen Olympischen Komitees.

Der Australier Derek Clayton wird der nächste Protagonist in der Serie „Lauflegenden“ sein.

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