3 Faktoren, warum du deine Ziele immer wieder verfehlst

Am Anfang brennst du für dein Ziel. Du trainierst genau nach dem Plan von running.COACH, passt an, wo es notwendig ist, und bist zufrieden mit deinem Fortschritt. Doch schon nach kurzer Zeit ist die Luft raus und du schrammst wieder an deinem Ziel vorbei. Dabei hast du bei der Zielsetzung alles richtig gemacht und dein Ziel konkret formuliert.

Die ersten Stimmen aus deinem Umfeld sagen dir: Dein Ziel ist zu hoch gegriffen, es ist zu ambitioniert oder du hörst tolle Sprüche wie: „Der Weg ist das Ziel.“

Der Weg kann nicht das Ziel sein. Es sein denn, du hast den Weg als Ziel definiert.

Stell dir vor, du gehst auf einen Segeltörn. Deinen Weg lässt du vom Wind bestimmen. Schliesslich ist der Weg das Ziel. Wenn du Glück hast, bringt dich der Weg (in diesem Fall der Wind) an einen wunderbaren Ort. Vielleicht siehst du auf deinem Weg springende Wale, Delphinschulen, schöne Abendstimmungen und vieles mehr. Hast du Pech, geht dir jedoch die Nahrung und das Wasser auf hoher See aus. Dann hilft dir auch der schönste Weg nicht weiter, wenn deine Ressourcen am Ende sind.

Verstehst du jetzt, warum der Weg nicht das Ziel sein kann?

Ohne Ziel gibt es keine Handlung!

Ziele motivieren

Motivation entsteht immer dann, wenn ein Motiv angeregt wird oder ein Ziel für dich erstrebenswert ist. Wie zum Beispiel einen Marathon unter 3 h 30’zu laufen.

Wie stark du motivierst bist, ist davon abhängig, wie sehr du für dein Ziel brennst und wie stark deine unbewussten Motive gesättigt sind. Hast du dein Ziel erreicht oder ist das Motiv gesättigt, beginnt der ganze Prozess wieder von vorne.

Motivation ist also nichts anderes als ein „temporärer Zustand“ der „Energetisierung“, welche dir Handlungsenergie gibt.

motivation

Motivation erzeugt Handlungsenergie

Smart formuliert?

Spezifische Ziele sind omnipräsent. Die SMART-Ziele sind in der Wirtschaft omnipräsent.

Obwohl du dich an die Empfehlungen gehalten hast und dir ein hohes, spezifisches Ziel gesetzt hast, bist du damit gescheitert.

SMART ist das Akronym für Specific (spezifisch)/Measurable (messbar)/Assignable (zuordenbar)/Realistic (realistisch)/Time-related (terminiert). Einen tollen Artikel zu den SMART-Zielen findest du hier.

Bei jedem Mitarbeitergespräch werden SMART-Ziele definiert. Und dennoch sind die Mitarbeiter demotiviert. Dabei haben sie doch ein Ziel. Hmm …

Das gleiche Phänomen kannst du beobachten, wenn ein neues Jahr beginnt. (Fast) alle haben grosse Ziele und noch bessere Vorsätze. Mehr Sport, bewusster essen und aufhören mit dem Rauchen.

Die Fitnesscenter sind im Januar und Februar bis unter den Rand gefüllt und du bist genervt, dass die Geräte nie frei sind. Spätestens im März ist der Ausnahmezustand beendet und Normalität kehrt ein.

Was ist also verkehrt mit den spezifischen Zielen?

Grundvoraussetzungen für spezifische Ziele

Damit die spezifischen SMART-Ziele erfolgsversprechend sind, müssen sie drei Faktoren erfüllen.

1. Sie müssen einfach, strukturiert und ergebnisorientiert sein.

Besonders erfolgsversprechend sind spezifische Ziele, wenn sie einfach und strukturiert sind und sich an einem klaren Ergebnis orientieren.

10 km unter 40’laufen.

Bei meinen nächsten Intervall jede Serie in der Zeit X laufen.

Den Marathon im ersten Drittel beenden.

2. Esbraucht die innere Verpflichtung

Ein wichtiger Faktor ist die innere Verpflichtung, das Ziel zu erreichen. Hohe und anspruchsvolle Ziele fördern deine Leistung, wenn du dich innerlich auch verpflichtet fühlst.

Psychologen verwenden für die innere Verpflichtung einen speziellen Begriff: Das Goal-Commitment.

Wenn du beispielsweise keinen Sinn in einem Intervalltraining siehst – für was muss ein Marathonläufer Intervall trainieren, so ein Schwachsinn – wirst du dieses kaum vernünftig, wenn überhaupt, absolvieren. Sogar wenn das Trainingsziel korrekt und genau formuliert ist.

3. Du darfst keine bewussten oder unbewussten Zielkonflikte haben

Du machst dich gerade für das Training bereit und deine Partnerin kommt mit einer Überraschung zu dir. Heute Abend hat sie sich etwas ganz Besonderes für dich ausgedacht. Für einmal gestaltest du das Training etwas kürzer, nimmst die Intensität zurück, damit du später noch fit bist.

Das mag jetzt ein wenig banal klingen. Den bewussten Konflikt zeigt es jedoch gut auf. Die meisten Zielkonflikte laufen jedoch auf unbewusster Ebene ab. Überlege dir einmal, wessen Ziele verfolge ich überhaupt? Sind das deine Ziele oder machst du das nur für deinen Partner? Oder willst du deinen Trainingspartner nicht enttäuschen?

Ist das der Fall, ohne dass dir das bewusst ist, spricht man von „Introjektion“. „Introjektive Ziele“ werden oft verfolgt, um es anderen recht zu machen und Schuldgefühle zu vermeiden.

Der Konflikt entsteht, weil dein Unbewusstes andere Ziele und Bedürfnisse hat, als du denkst. Deine Lustlosigkeit und Leistungseinbusse kannst du dir in diesem Fall gar nicht genau erklären. Weil es unbewusst abläuft.

Motive treiben dich an

Nur wenn kein unbewusster Zielkonflikt besteht, können Ziele erreicht werden

Überprüfe dein Ziel

Stell dir einmal die folgenden Fragen zu deinem aktuellen Ziel.

  1. Verfolge ich ein einfach strukturiertes und ergebnisorientiertes Ziel?
  2. Identifiziere ich mich mit meinem Ziel und fühle ich mich innerlich verpflichtet?
  3. Verfolge ich wirklich meine Ziele?

Wenn du alle Fragen mit JA beantworten konntest, bist du mit deinem Ziel perfekt unterwegs.

Ist jedoch ein NEIN dabei, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Ziel verfehlen wirst.

Deine Handlungsenergie geht verloren, wenn die Zielbindung fehlt, ein Zielkonflikt vorhanden ist oder „die Aufgabe“ zu komplex ist. Natürlich kannst du an deinem Ziel festhalten, dich zum Training disziplinieren und dein Unbewusstes an die Leine nehmen. Für ein einzelnes Training mag das o.k. sein. Langfristig ist diese Strategie jedoch nicht sehr smart.

Das macht keinen Spass, ist in höchstem Mass frustrierend.

Ein anderes Ziel?

Du fragst dich sicher: Ja, aber was soll ich denn tun? Du brauchst ein anderes Ziel, das motivierend ist und dein Unbewusstes anspricht. Nur mit dem Unbewussten im Boot verfolgst du deine Ziele mit Freude und Spass.

Versuch es mit einem Motto-Ziel.

Motto-Ziele sind Haltungsziele, die bildhaft und metaphorisch formuliert werden. Damit wird das Unbewusste angesprochen. Weil du mit Motto-Zielen dein Unbewusstes ins Boot holst, sind diese sehr motivierend.

„No risk no fun“ oder „Carpe diem“ sind gute Beispiele für Motto-Ziele, wie du sie im Alltag antriffst.

Einen ausführlichen Artikel zu Motto-Zielen und ihrer Wirkungsweise findest du hier.

Fazit

Ziele sind ein wichtiger Faktor für deine Motivation.

Fehlt das innere Feuer und die Identifikation mit dem Ziel, wirst du damit kaum erfolgreich sein.

Manchmal reicht eine kleine Anpassung deiner Haltung oder der Zielsetzung, damit du wieder auf Kurs kommst und für dein Ziel brennst.

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel umherirrt. – Gotthold Ephraim Lessing

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

Martin Feigenwinter ist Sport-Mentaltrainer und Olympionike im Eisschnelllaufen und bloggt auf feigenwinter.com. Er unterstützt Athleten dabei, am Tag X ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. 

Athleten profitieren von seiner persönlichen Erfahrung aus 15 Jahren Leistungssport und als Sport-Mentaltrainer. Er ist zweifacher Olympiateilnehmer (1994, 1998) und mehrfacher Schweizermeister & -rekordhalter im Eisschnelllaufen. 1998 belegte er bei der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft den 7. Rang über 10.000 Meter. Mit der gelaufenen Zeit schaffte er den Sprung in die Top 10 der Weltrangliste aller Zeiten.

2 Comments

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  • Hallo,
    ich bin einfach total begeistert von deinen Informationen… Dankeschön.
    Du vermittelst sie in einer leichtverständlichen Sprache, dazu so lebendig und irgendwie ganz klar nachvollziehbar.
    Ueberhaupt bin ich sehr dankbar für die monatlichen Informationen von running Coach.
    Ja, ihr seid mein Runningcoach .
    Ich hoffe ganz fest, ihr schreibt mir auch im 2018 weiterhin.

    In diesem Sinne, auf eine weitere gute Zusammenarbeit.

    <Herzlich
    Barbara Krauthahn

    • Liebe Barbara

      Herzlichen Dank für deine motivierende Rückmeldung.

      Ich freue mich sehr, wenn meine Artikel und Tipps leicht verständlich und umsetzbar sind.

      Ich bin sicher, dass Stefanie und das running.Coach Team, dich auch im 2018 mit super Informationen und Tipps füttern werden.

      Ich wünsche dir frohe Festtage und einen super Start ins 2018!

      Nutze deinen Möglichkeiten!

      Lieber Gruss

      Martin

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