Urban Halter: Im und am Rhein

Einige Wochen sind ins Land gezogen seit meinem letzten Blogbeitrag. Unmittelbar nach dem Hundwilerhöhe-Lauf, über den ich hier berichtete, erwischte mich eine fiese und hartnäckige Magen-Darm-Grippe, die die Trainings-Vorbereitung auf mein nächstes grosses Ziel, den Jungfrau-Marathon am 10. September, etwas durcheinander brachte. 

Das erste Training, langsam und vorsichtig, anderthalb Wochen nach Krankheitsbeginn verlief harzig, und auch während den Ferien im Bündnerland – eigentlich prädestiniert für Bergtrainings – war ich gerade ein einziges Mal im Lauftempo unterwegs. Immerhin war ich da schon wieder soweit auf der Höhe, dass wir fast täglich eine kürzere oder längere Wanderung unternehmen konnten und ich mich so wieder ans Training herantasten konnte.

Es dauerte insgesamt volle drei Wochen, bis ich mich wieder ganz gesund fühlte und wieder richtig Lust auf intensivere Laufeinheiten bekam.

So blieb denn die Höhen- und Kilometerausbeute im Juli deutlich unter dem Plan und meinen Vorstellungen, obwohl das immer wieder mal kühle Wetter eigentlich gute Trainingsbedingungen geboten hätte. Aber auch der Umgang mit Verletzungen und Krankheiten will gelernt sein. Zu meinem eigenen Erstaunen fiel mir der Verzicht aufs Training leicht, ich hatte über weite Phasen überhaupt keine Lust darauf. Auch wenn ich es natürlich sehr schade fand, mich nicht wie geplant vorbereiten zu können.

Nach dieser Phase wartete aber ein nächstes Abenteuer, das eine ungewohnte Vorbereitung erforderte: der  Schaffhauser Triathlon.

SH-Tri 2016-08-19-PHOTO-00002152

Der älteste der Schweiz und auch sonst ein ganz spezieller: Die Wechselzone befindet sich traditionell auf einem Getreide-Stoppelfeld, geschwommen wird im Rhein, und die Radstrecke weist in der Kurzdistanz 400 Höhenmeter auf. Ein Anlass, der nicht nur gestandene Triathleten, sondern auch Ausdauer-Breitensportler anzieht, die sonst kaum an solchen Anlässen zu finden sind.

Auch ich habe mich durch den Gewinn eines Gratis-Startplatzes zu einem Start über die Kurzdistanz (2.1 km Schwimmen, 31.6 km Radfahren, 7.5 km Laufen) hinreissen lassen, nachdem ich früher auch schon als Staffel-Läufer im Dreierteam teilgenommen hatte. Mein fast 20-jähriges Rennrad, das ein langes Schattendasein gefristet hatte, erwies sich nach einem Service beim Velomechaniker als durchaus tauglich für mein Vorhaben. So wurde nun mein Laufplan zusätzlich aufgemischt durch Velo-Trainings, wobei aus Zeitgründen insgesamt vier Fahrten auf der Triathlon-Strecke genügen mussten. Aber gerade an heissen Sommertagen fand ich das Radfahren eine ausgezeichnete Alternative zum Lauftraining, der Fahrtwind lässt einen doch einige Grade mehr ertragen.

SH Tri Ausstieg aus dem Rhein

Dass ich kein grosser Schwimmer bin wusste ich. Auf Schwimmtraining hatte ich abgesehen von einer Schwimmstreckenbesichtigung verzichtet; ich setzte darauf, dass der Rhein relativ viel Wasser führte und mich sozusagen die 2.1 Kilometer hinunter tragen würde. Das klappte dann auch einigermassen, der Zeitverlust hielt sich in Grenzen, aber fast am Schluss des Feldes anzukommen war dann doch eine eher ungewohnte Situation. Die aber den Vorteil hatte, dass ich auf der Radstrecke zum Überholen ansetzen konnte, das spornte zusätzlich an.

Was mich dann aber völlig überraschte, war der Wechsel vom Rad zum Laufen, auf „meine“ Disziplin: meine Beine waren schwer wie Blei, obwohl ich mich auf dem Rad noch gut gefühlt hatte. Ich hatte den Eindruck, kaum vorwärts zu kommen. Erst nach zwei bis drei Kilometern fühlte sich das Laufen wieder normal an und ich konnte nochmals einige Teilnehmer überholen. Nach etwas mehr als zwei Stunden konnte ich meinen ersten Triathlon mit einem Lachen auf der Zielkurve beenden.
Ja, wenn das Schwimmen nicht wäre, vielleicht würde ich wieder einmal – wir werden sehen, ob mein erster auch mein letzter war. Aber mit Sicherheit war es ein tolles Erlebnis. Triathlon ist ein sehr vielfältiger und abwechslungsreicher, in vieler Hinsicht fordernder Sport. Und ich liebe Herausforderungen.

Eine Woche später folgte schon der nächste Wettkampf am Rhein: der Rheinfall-Lauf.

Auch das ein ungewöhnlicher Anlass: ein Lauf mit 50% Single-Trail-Passagen, die durch ständiges Auf und Ab einiges an Kraftausdauer fordern. Mittlerweile war das meine vierte Teilnahme, und jedes Mal habe ich auf den letzten Kilometern den Eindruck, am Ende meiner Kräfte zu sein. So auch diesmal. Ob es am Triathlon eine Woche zuvor oder an der Tagesverfassung lag: ich zog nicht meinen stärksten Tag ein. Gegen Ende des Laufs kämpfte ich auf den Steigungen gar gegen den Gedanken, den Rest des Laufes gehend zu beenden. Zumindest der Kopf blieb Sieger: ich zog den Lauf im Laufschritt durch – auch wenn dieser in den Aufwärts-Passagen sehr sehr kurz wurde. Und konnte den Lauf zumindest als erfolgreiche mentale Vorbereitung auf härte Momente auf dem Weg zur Kleinen Scheidegg  abbuchen.

So stehe ich jetzt kurz vor meinem grossen Jahresziel, dem Jungfrau-Marathon.

Etwas unsicher, wie gut meine Vorbereitung wirklich war. Aber da ja diesmal das Ziel „oben ankommen und geniessen“ heisst, haben Zeit und Rangierung keine grosse Bedeutung. Das Kribbeln und die Vorfreude aber steigen und steigen.

One Comment

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  • Hey urban
    Viel spass und vieleicht sehen wir uns ja oben ….wird mein 1.Marathon und freu mich schon sehr darauf :)))
    Bis auf der kleinen Scheidegg !!
    Lg lexy

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