Interview mit Maja Neuenschwander: persönlicher Rück- und Ausblick

Seit Anfang September ist sie nun Vollzeit Laufprofi: Maja Neuenschwander. Davor hat sie Teilzeit gearbeitet und sich auf die Olympischen Spiele in Rio vorbereitet. running.COACH blickt mit Maja zurück auf ihre zweite erfolgreiche Olympiateilnahme. Und sie verrät uns auch, was ihre nächsten Ziele sind. Wir wünschen Maja einen guten Einstieg als Vollzeit Laufprofi und danken herzlich für das Interview.

 

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Zwei Olympiateilnahmen im Marathon: Hast du immer davon geträumt?

Definitiv – es ist für einen Sportler immer noch sehr speziell, Olympische Spiele erleben zu dürfen. Geträumt habe ich aber trotzdem nicht davon. Noch vor sechs Jahren, also zwei Jahre vor meiner ersten Teilnahme in London, dachte ich nicht wirklich daran, dass ich einmal dabei sein werde.

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Auf was verzichtest du alles während den Vorbereitungen für einen solchen Grossevent?

Mich stört hier immer der Begriff ‚verzichten‘. Sportler ordnen ihren Zielen und Träumen alles unter, aber in meinem Fall muss ich nicht laufen, ich DARF. Entsprechend stört es mich nicht, wenn ich halt das ‚Rahmenprogramm‘ in meinem aktuellen Leben entsprechend auf den Sport bzw. auf das Laufen ausrichte. So gesehen, verzichte ich auf nichts – im Gegenteil, ich darf genau das machen, was ich am liebsten tue, nämlich LAUFEN und das ganz viel!

Der Tag X zählt: Wie bereitest du dich mental auf einen solches Rennen vor?

Für mich beginnt der Prozess immer schon in der Vorbereitung auf einen Marathon. Oft sage ich, dass ich in jedem Marathontraining mentales Training ausführe. Im Training eigne ich mir Schritt für Schritt die nötige Wettkampfhärte an, das ist ein Prozess, der fast vier Monate braucht.

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Welche drei Erinnerung kommen dir spontan in den Sinn, wenn du an deinen Olympiamarathon in Rio de Janeiro zurückdenkst?

Gänsehaut, lange Zielgerade und Sommerhitze.

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Wie hast du die Olympischen Spiele in Rio abseits deines Wettkampfes erlebt?

Von Rio habe ich kaum etwas gesehen – immerhin die beiden Strände Copacabana und Ipanema. Aber ich war weder auf dem Zuckerhut noch dem Corcovado. Olympische Spiele sind vom Erlebnis her das intensivste, was ich bis jetzt erlebt habe – die Eindrücke (Olympisches Dorf, Athleten, Abläufe, Dining Hall etc.), die auf mich einwirkten, sind unglaublich.

London 2012 und Rio de Janeiro 2016 aus der Perspektive der Sportlerin: Welches ist dein persönlicher Favorit und weshalb?

Ich möchte die beiden nicht vergleichen. Die ersten Spiele in London sind besonders, weil es das erste Mal ist und ich die Qualifikation erst mit der letzten Möglichkeit erreichen konnte. Für Rio war schon mehr als ein Jahr im voraus klar, dass, wenn ich gesund bleiben würde, es reichen sollte. In London erlebte ich die Spiele von der Eröffnungs- bis zur Schlussfeier mit – nach Rio reiste ich praktisch ‚nur‘ für meinen Marathon. Daher erlebte ich hier die beiden emotionalsten Events nicht mit – entsprechend hat im Endfazit London bei mir die Nase vorne.

Doping und Betrug waren vor und während den Spielen ein Thema. Wie schätzt du als Athletin die Lage ein und was sollte hier global unternommen werden?

Doping ist leider ein Thema seit es Leistungssport bzw. sportliche Wettkämpfe gibt! Das begann bereits in der Antike. Antidoping Schweiz ist hier sicher vorbildlich in seinen Bestrebungen – ich bin als Athletin Teil dieses Systems. Es ist aber nicht an mir, hier in wenigen Worten darzulegen, wie das System zu funktionieren hätte. Es beginnt aber sicher damit, dass im Minimum in allen Ländern eine unabhängige Antidopingbehörde ihre Athleten kontrolliert.

Die Spiele in Rio de Janeiro schneiden eher schlecht ab. Was hältst du von der Nachhaltigkeit solcher Spiele? Werden die Probleme in Rio die gleichen bleiben für die Bevölkerung?

Das Erbe Olympischer Spiele ist in den meisten Fällen wohl erst nach ein paar Jahren sichtbar, wenn überhaupt. Es ist aber eine Illusion anzunehmen, dass Olympische Spiele die ‚grossen Probleme‘ der Bevölkerung lösen können .

Nach den Spielen sind bekanntlich vor den Spielen: Wie geht es bei dir läuferisch weiter?

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Maja Neuenschwander gibt zwei Wochen vor dem Basler Marathon interessierten Läuferinnen und Läufern Inputs (running.COACH Event).

 

Seit Anfang des Monats bin ich nun Laufprofi – ähnlich dem Pokerspiel ‚spiele‘ bzw. laufe ich nun mit ‚vollem Einsatz‘. Sicher ist, dass ich bis zur Europameisterschaft in Berlin 2018 mit diesem Einsatz weiterlaufe – ob es bis zu den Spielen 2020 in Tokyo weitergeht, weiss ich heute noch nicht.

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