Sven bloggt: Erlebnisbericht Vienna City Marathon Teil 1

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Am 17. März war es soweit. Endlich. Der Startschuss für den Vienna City Marathon, das Hauptziel für das erste Halbjahr 2011, stand unmittelbar bevor. Inmitten einer amorphen Masse von Läufern finde ich mich in der UNO-City von Wien. Den Blick gerichtet auf die erste  Steigung, die Reichsbrücke, stehe ich im roten Block.

Sven Mückenheim nach dem Marathon
Sven Mückenheim nach dem Marathon

Der rote Punkt auf der Startnummer markiert die Zielzeit bis 3 Stunden. Eigentlich wollte ich bei den „Blauen“ starten, also im zweiten Block. Aber daran hinderte mich ein überraschender Faktor: Die junge Dame, die mir die Startnummer gab. Denn dabei sagte sie direkt: „Bei der Einordnung ist etwas durcheinander gekommen. Sie starten doch bei rot, oder?“. Das sollte ja das Ziel sein, aber ich will es doch besser langsam angehen. Oder ich sollte, wie mir nach kurzer Rücksprache mit meinem running.COACH-Trainer noch gesagt wurde. Das dachte ich mir und meine große Klappe sagte schon ein „Äh. Ja. Klar.“
Klatsch, prangte der rote Punkt auf der Startnummer. Selbst schuld.
Aber gegen den blauen Block sprach auch noch ein ganz wichtiger Gesichtspunkt. Er liegt etwas hinter dem Roten auf der anderen Spur der  vierspurigen Straße und damit weiter von der Startlinie entfernt. Die ist auf der steilen Brücke. Also nein, wirklich nicht.
Nachdem ich überraschend früh im Startbereich angekommen war, gab es nach dem obligatorischen Check des Umfelds die ersten Aufwärmübungen. Ätherische Dämpfe von Massageölen zogen über die Straßen, jeder baute auf sein eigenes Ritual und Mittelchen. Als ich mich noch fragte, ob ein Walzer die richtige Stimmung für so einen Lauf aufbringen könnte, durfte ich schon an die Seite gehen und Platz machen für Ihre Gnaden, Haile Gebrselassie und das Feld der weiteren Topathleten.
Als ich im Startblock stehe und noch darüber nachdenke, ob eine LKW-Waage, wäre sie im Startblock der Eliteläufe installiert, überhaupt zu einem Ausschlag kommen würde, ging es schon los. Kaum über den Scheitelpunkt der Brücke hatte man einen tollen Blick nach Wien. Und schon jetzt auf die verstopfte Straße. Hey, wie kann das sein …
Fortsetzung folgt am 2. Mai

running.COACH bloggt

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Ryffel, Röthlin, Belz

Seit einigen Tagen verfügen wir neu über einen Blog. Wir möchten euch damit über verschiedene Themen auf dem Laufenden halten, die Meinung und Erlebnisse von Usern präsentieren, aber euch auch über die neusten Entwicklungen ins Bild setzen. Folgende 5 Themenbereiche haben wir dazu gegründet:

  • Ryffel, Röthlin, Belz: Wir sagen unsere Meinung und erzählen aus unserem Alltag.
  • Aktuelles: Alles Wissenswerte rund um den running.COACH.
  • Valipedia: Laufexperte Valentin Belz gibt Ratschläge.
  • User-Stimme: Ausgewählte User berichten aus ihrem Trainingsalltag.
  • Running Equipment: News aus der Welt der Hersteller und Entwickler.

Wir wünschen viel Spass und freuen uns über eure Kommentare.
Beste Grüsse
Markus Ryffel, Viktor Röthlin und Christian Belz

Vik live: Vor dem London Marathon

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Viktor Röthlin steht kurz vor seinem ersten Saisonhöhepunkt, dem London Marathon. Vor seiner Abreise hat er sich noch Zeit für ein Interview genommen.


Viktor Röthlin
Viktor Röthlin

Am 17. April steht dein 21. Marathon an. Wie verlief deine Vorbereitung?
Nach einem Unterbruch von 2 Jahren konnte ich wieder wie gewünscht zwei Trainingsblöcke in der Höhenlage von Kenia in Eldoret absolvieren. Dies war einerseits für meine Leistungsfähigkeit wichtig, anderseits für meine Psyche und mein Gemüt: Kenia ist meine zweite Heimat. Der Kontakt zu meinen afrikanischen Freunden und das gemeinsame Laufen hat mir gefehlt. Die ganze Vorbereitung verlief planmässig. Musste ich in der Vorbereitung auf andere Marathons ab und zu auf Plan B oder sogar Plan C umsteigen, konnte ich dieses Mal Plan A voll und ganz durchziehen.
Hat sich das Training verändert oder trainieren die Kenianer immer noch gleich wie 2009?
Die Trainingsphilosophie ist immer noch die gleiche. Claudio Berardelli, der Coach der Trainingsgruppe, achtet jedoch neu darauf, dass der Anteil an Asphaltkilometern höher ist. Während wir vor zwei Jahren jede einzelne Einheit auf Sandstrassen liefen, wird jetzt zumindest eine Schlüsseleinheit auf Asphalt durchgeführt. Damit gewöhnt sich der Bewegungsapparat zumindest ein wenig an die harte und immer gleichmässige Unterlage.
Dies dürfte auch eine Message an alle Läuferinnen und Läufer sein, die in der Vorbereitung auf einen Städtemarathon stecken. Welche drei Tipps würdest du sonst noch geben?

  1. Schraubt in den zwei letzten Wochen vor dem Marathon das Trainingsvolumen runter. Verpasstes kann nicht mehr nachgeholt werden. Vielmehr ist Erholung angesagt. Nur so kann sich die Leistungskurve nach oben entwickeln.
  2. Legt euch eine gute Taktik zurecht. Erstens sollte es das Ziel sein, die zweite Hälfte schneller zu laufen als die erste. Wer auf der ersten Hälfte versucht, eine Zeitreserve aufzubauen, büsst dies auf der zweiten Hälfte gleich doppelt. Zweitens muss die Geschwindigkeit den äusseren Bedingungen angepasst werden. Herrschen Temperaturen über 20 Grad muss langsamer gelaufen werden. Diese Taktik erlaubte es mir, in Osaka, Peking und Barcelona stärker eingestufte Läufer zu schlagen.
  3. Wer einen Marathon läuft, sollte danach dem Körper die nötige Erholung gewähren. Auch ich verzichte 3 bis 4 Wochen auf Lauftraining und gebe so meinem Körper die Möglichkeit, Mikroverletzungen auszuheilen. Indem ich dieses Tief bewusst zulasse, schaffe ich auch, ein wirkliches Hoch zu erreichen.


Am London-Marathon steht nach deinen diversen Meisterschaftsrennen erstmals wieder eine schnelle Zeit im Vordergrund. Was traust du dir zu?

Nach meinem erfolgreichen Halbmarathon in Mailand (1:02:45) bin ich zuversichtlich, eine Zeit im Bereich von unter 2:10:00 zu laufen. Danach wird entschieden wie es weitergeht.

Sven bloggt: Vor dem Vienna City Marathon

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00:01:21:23:01 steht in goldenen Buchstaben auf der Website. Der Countdown läuft, nur noch zwei Tage zum Vienna City Marathon. Das wird mein zweiter Marathon und meine Ziele sind dafür hoch gesetzt – oder: sie wurden hoch gesetzt.
Bei meinem ersten Marathon wollte ich schnell ankommen. Eigentlich konnte ich mir schon da nicht vorstellen, so lange zu laufen. Hab auch immer bei der Frage, ob ich Marathon laufe, abgewunken. „Viel zu lang, das wird mir langweilig“. Nun, gleichzeitig sagte ich (mir) aber: wer weiß.
Ende Oktober vergangenen Jahres war es dann so weit. Ich stand an der Startline in Dresden und wusste, dass ich etwas vergessen hatte: die langen Läufe. Am Basisziel des Finishens sollte aber kein Zweifel aufkommen, denn längere Sporteinheiten bin ich gewöhnt. Anfang September hatte ich noch einen Mitteldistanztriathlon (1,9 km Schwimmen, 90 km Rad und den abschließenden Halbmarathon) absolviert, wusste also, dass mein Körper schon mal einige Stunden lang Leistung bringen kann.
Aber der Marathon das war dann doch etwas anderes. Das Rennen lief ganz gut, doch am Ende machten sich die fehlenden Einheiten bemerkbar. Oder die Taktik. Oder beides. Vielleicht fehlten auch die Konkurrenten. Nicht, dass ich so schnell war, aber nach der ersten Runde bogen die Halbmarathonläufer alle ins Ziel ab und plötzlich konnte ich mir meinen Weg mutterseelenallein durch Pappbecher entlang der Elbeaue bahnen. Vorne drückte der Wind, hinten zog mein Schweinehund. Letztlich polterte ich doch ins Ziel, mehr humpelnd als laufend.
Man lernt ja aus Schmerzen. Auch wenn sie erst am nächsten Tag kommen. Und erstmal bleiben. Aber es war ja nicht alles schlecht. Jedenfalls dann nicht, wenn man die Erfahrung, Treppen rückwärts hochzugehen, als Bereicherung empfindet.
Nachdem mein letztes „Nie wieder“ verstummte (das ich beim Aussprechen für genauso glaubhaft hielt, wie meine frühere Marathonablehnung), musste ein neues Frühjahrsziel her. Beim Durchblättern der Laufzeitungen fiel irgendwann der Blick auf den Eintrag für Wien. Da meine Freundin schon die ganze Zeit wieder drängelte, einen Halbmarathon zu laufen, hatten wir schon das perfekte Ziel gefunden.
Grundlage sollte nun ein sauber(er)es Trainingskonzept sein. Schließlich sind Männer wehleidig und wollen dieselben schmerzhaften Erfahrungen nicht stetig wiederholen. Nach einiger Recherche hatte ich den running.COACH entdeckt. Ein paar Testwochen später und dank guter Kommunikation mit dem Entwickler klickte ich also den Vienna City Marathon in den Trainingskalender. Das soll doch die optimale Lösung sein: Ein Kölner läuft in Österreich dank des Schweizer Trainings Marathons.
Das Training begann direkt ganz intensiv nach der Methode von Churchill: „No Sports“. Off-Season im gesamten Dezember. Die Rückkehr in die Laufschuhe schmerzte. Der Blick auf den Plan auch. Einzig das schöne Design des Portals konnte mich etwas beruhigen, war es auch im Januar das einzig Grüne beim Lauftraining. DL1, DL2, Intervalle und Mitteltempo: alles keine Fremdworte. Aber ich hatte mich für die geballte Laufladung entschieden. Oder besser, die ausgedehnte. Die gefürchteten LongJogs und dreistellige Minutenvorgaben im Plan haben mich schon erschreckt. Noch elf Wochen, die Zeit ist knapp.
Aber das Ziel vor Augen und der stetige Aufbau auf dem Geleisteten führten mich merklich weiter. Der Plan lässt sich abwechslungsreich gestalten, und man kann ja auch mal meine unliebigen Mitteltempoläufe wegklicken (nicht weitersagen) oder wenigstens die Einheit mal aufs Rad verlegen. Nun, die Basis steht hoffentlich. Die Zielzeitprognose treibt mir noch immer die Schweißperlen auf die Stirn. Vorne steht auf jeden Fall eine Zwei.
Aber falls es damit nicht klappt, habe ich ja schon eine Ausrede parat: „Wer war‘s? Die Schweizer!“
by Sven Mückenheim