Was für ein Tag im Wallis! Bei brütenden 32 °C bereits am Start und wolkenlosem Himmel ging am vergangenen Samstag die 52. Austragung von Sierre-Zinal über die Bühne. Die kenianischen Favoriten Philemon Kirago und Joylene Chempengeno setzten sich eindrucksvoll durch und feierten überlegene Siege. Wir haben den Lauf ausgewertet und Statistiken erstellt.
Entlang der gesamten Strecke säumten unzählige Zuschauerinnen und Zuschauer den Kurs und verwandelten das Rennen in ein einziges, 31 Kilometer langes Stimmungsband. Die elektrisierende Atmosphäre war nicht nur vor Ort spürbar – dank Eurosport und zahlreicher weiterer TV-Übertragungen konnte die ganze Welt live mitfiebern.
Aus Schweizer Sicht sorgte Adrien Briffod für das sportliche Ausrufezeichen des Tages: Mit einer Fabelzeit unterbot er den 12 Jahre alten Schweizer Rekord von Marc Lauenstein – wenn auch denkbar knapp – um 8 Sekunden.
In diesem Beitrag blicke ich auf spannende Statistiken, analysiere das Pacing der Top-Athletinnen und -Athleten und zeige, wie sich das Rennen unter diesen extremen Bedingungen entwickelte. Zwei neue Namen in den Top 10 der ewigen Bestenliste runden dieses aussergewöhnliche Jahr ab.
Ergebnislisten: Datasport-Link
Facts and Figures
Wir haben alle Finisherzahlen (Coureurs und Touristes) ausgewertet.
Finisher:
- Total: 5430
- Männer: 3726 (68%)
- Frauen: 1704 (32%)
Siegerzeiten:
- Männer: Philemon Kirago (23 Jahre) – 2:28:45
- Frauen: Joylene Chempengeno (27 Jahre) – 2:54:49
Durchschnittliche Zielzeiten:
- Gesamt: 05:13:00
- Frauen: 05:40:59
- Männer: 05:00:12
Pro Kategorie:
- Elites Hommes: 04:16:52
- Elites Femmes: 04:28:24
- Vétérans I: 04:34:45
- Vétérans II: 04:47:47
- Femmes I: 04:50:54
- Vétérans III: 05:04:49
- Femmes III: 05:05:36
- Touristes: 05:33:06
Nationen
Bei der diesjährigen Austragung feierten Läuferinnen und Läufer aus 73 Nationen ihren Zieleinlauf.
Mit 68 % bzw. 3’701 Finishern stellte die Schweiz erwartungsgemäss die grösste Gruppe. Dahinter folgten:
- Frankreich: 12,5 % (677)
- Belgien: 7,5 % (405)
- Italien: 1,8 % (100)
- Spanien: 1,4 % (80)
- Deutschland: 1,4 % (80)
- Grossbritannien: 1,1 % (61)
Die grösste Überraschung: Belgien. Das Land ist nicht gerade als klassische Trailrunning-Nation bekannt – und dennoch stellte es die drittgrösste Teilnehmergruppe.

Verteilung der Finisher nach Alter und Geschlecht

Die meisten Teilnehmenden pro Alter sind um das 30. Lebensjahr.
- Gesamt: 31 (Jahrgang 1994) – Total 274 Teilnehmende
- Frauen: 29 (Jahrgang 1996) – 194 Teilnehmer
- Männer: 31 (Jahrgang 1994) – 105 Teilnehmerinnen
Durchschnittliche Zielzeit pro Jahrgang

Durchschnitsszeit:
- Frauen: 05:18:48 – 27 (Jahrgang 1998)
- Männer: 04:30:15- 25 (Jahrgang 2000)
Rennverlauf Top-Athleten
Wenn wir uns den Rennverlauf der besten Athletinnen und Athleten anschauen, dann sehen wir auch bei der diesjährigen Austragung, wie wichtig ein gutes Pacing ist. In den folgenden Grafiken ist der Verlauf des Rennens anhand der Zwischenzeiten dargestellt.
Rennverlauf – Herren

Ein Blick auf den Rennverlauf der besten Athleten zeigt auch 2025 eindrucksvoll, wie entscheidend ein kluges Pacing ist. Die Linien der drei Erstplatzierten verdeutlichen, wie diszipliniert sie den ersten Teil bis Chandolin angingen. Während viele Konkurrenten dort teilweise über ihrem Niveau liefen, liefen Philemon Kiriago, Patrick Kingeno und Michael Saoli kontrolliert – und legten den Grundstein für ihre Spitzenplätze.
Besonders bemerkenswert: Saoli lag bei Ponchette noch auf Rang 11, rund 3:30 Minuten hinter dem Führenden. Im zweiten Teil des Rennens spielte er seine Stärke auf den leicht technischen Trails voll aus. Hier ist es entscheidend, die Beine „laufen zu lassen“ und locker über das Terrain zu fliegen. Viele Athleten verloren in diesem Abschnitt wertvolle Zeit – sei es durch suboptimales Pacing, unzureichende Verpflegung oder fehlende Fähigkeiten im flach-hügeligen und Downhill-Bereich.
Rennverlauf – Damen

Im Rennen der Damen gab es innerhalb der Top 10 weniger Positionswechsel. Das spricht einerseits für gutes Pacing, andererseits für eine etwas grössere Zeitdifferenz zwischen Rang 1 und 10 (12 Minuten) im Vergleich zu den Herren (9 Minuten).
Auffällig ist, dass der letzte Downhill oft den Unterschied machte: Katie Schide, aktuell eine der besten Trailrunning-Athletinnen auf den Ultradistanzen, konnte hier gleich zwei Konkurrentinnen überholen. Umgekehrt verloren Läuferinnen mit stärkerem Strassen- oder Vertikal-Background – wie Laura Hottentrott und Susanna Saapunki – in diesem Abschnitt deutlich Zeit.
An der Spitze setzte sich Joylene Chepngeno durch. Ihre Erfahrung zahlte sich besonders im zweiten Renndrittel aus, wo sie den entscheidenden Vorsprung auf ihre Teamkollegin Caroline Kimutai herauslief. Die Rekordhalterin Maude Mathys bewies trotz schwieriger Vorbereitung und ohne optimale Form einmal mehr ihre Klasse: Mit kluger Renneinteilung erkämpfte sie Platz 4 und blieb sogar unter der 3-Stunden-Marke.
Analyse Top 20 bei Ponchette

Wenn wir neben den Top 10 (Herren) auch die 20 Zeitschnellsten bei der ersten Zwischenzeit in Ponchette betrachten, wird der Effekt eines guten Pacings noch deutlicher.
Mehrere Läufer lagen nach dem ersten Renndrittel noch in Reichweite der Spitze – einige sogar nur wenige Sekunden dahinter. Auf den letzten beiden Abschnitten verloren sie jedoch ein Vielfaches dieser Zeit und fielen weit zurück.
Pacing Analyse – Breitensport
Zur Illustration und Veranschaulichung des Pacings haben wir auch bei jeder halben Stunde Finisherzeit je die nächsten 5 Herren und Damen analyisert. Daraus ergibt sich auch ein spannendes Bild und zeigt die unterschiedlichen Rennverläufe auf. Die Zeitunterschiede während dem Rennen sind teilweise markant.
(Damen: organge, Herren: schwarz)
Zielzeit: 3:00h

Zielzeit: 3:30h

Zielzeit: 4:00h

Zielzeit: 4:30h

Zielzeit: 5:00h

Zielzeit: 5:30h

Zielzeit: 6:00h

Fazit
- Die Männer nutzen ihren Vorteil von besserem Kraft-Last-Verhältnis in der ersten Steigung
- Die Damen haben ein eher konstanteres Pacing und machen speziell auf den mittleren Abschnitt Zeit gut
- Je höher die Finisherzeit, desto höher sind auch die Schwankungen bei den Zwischenzeiten
- Ein gutes Pacing, auf Basis der eigenen Möglichkeiten und Stärken lohnt sich bei allen Wettkämpfen mit stark varierender Topografie
Ewige Top-10 Liste
Wir haben die ewige Top-10 Liste aktualisiert. Es gibt sowohl bei den Herren wie auch bei den Damen einen neuen Namen in den Top 10. Alle anderen Athleten, welche bereits in den Top 10 waren und bei der diesjährigen Austragung gelaufen sind, haben ihre Bestzeit nicht verbessert. Neu in den Top 10 sind die beiden kenianischen Athleten Caroline Kimutai (6.) und Michael Saoli (6.). Sie haben ihre Landsleute Joyce Njeru und Robert Pkemoi aus den Top 10 verdrängt.
Alltime Herren Top 10

Alltime Damen Top 10

Falls du neu hier bist: In meinen letzten drei Blogartikeln zu Sierre-Zinal habe ich bereits 1.) den Mythos und die Herausforderungen der Strecke beleuchtet sowie 2.) die optimale Wettkampfverpflegung vor und während des Rennens und das optimale Pacing beschrieben.
Data Analysis by Siarhei Thor

Autor: Gabriel Lombriser
running.COACH Product Manager. Nationaltrainer Berglauf/Trailrunning in der Schweiz. Liebt es, seine Leidenschaft und sein Knowhow im Laufsport, speziell Trailrunning, zu vermitteln. Organisiert auch Trailrunning Camps: indurance.ch
