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Gesundheit

Wie Hormone unsere Laufleistung beeinflussen

Hormone sind körpereigene Botenstoffe, die Informationen zwischen Organen und Geweben übermitteln und damit zentrale Funktionen wie Stoffwechsel, Wachstum, Regeneration und Leistungsentwicklung steuern. Diese sogenannten endokrinen Systeme arbeiten in aller Regel unbemerkt und sehr zuverlässig im Hintergrund. Körperliche Belastungen erfordern diverse kurz- und langfristige Anpassungsprozesse, die nur mithilfe unserer Hormone funktionieren können.

Experte:

Martin Litzel, Dipl. med. Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie FMH, Medbase Kriens Mattenhof

 

 

 

 

 

Gut untersucht: die Wirkung von Testosteron

Testosteron ist eines der am besten untersuchten Hormone im Sport. Es wirkt anabol, unterstützt also den Aufbau und Erhalt von Muskelgewebe und steigert die Muskelmasse, Knochendichte und somit die strukturelle Belastbarkeit des Bewegungsapparates. Testosteron stimuliert auch die Bildung roter Blutkörperchen und trägt damit zur Sauerstofftransportkapazität des Blutes bei – ein Faktor, der die maximale aerobe Leistungsfähigkeit beeinflusst. Testosteronspiegel unterliegen natürlichen Schwankungen: Sie variieren im Tagesverlauf, nehmen mit dem Alter langsam ab und reagieren sensibel auf Training, Energieverfügbarkeit und Erholung.

Die Bedeutung von Cortisol

Cortisol wird als zentrales Stresshormon von den Nebennieren freigesetzt. Häufig wird es mit negativen Wirkungen in Verbindung gebracht, erfüllt aber physiologisch essenzielle Funktionen. Bei  körperlicher Belastung sorgt es kurzfristig für die Bereitstellung von Energie, erhöht den Blutzuckerspiegel, stabilisiert den Blutdruck und verstärkt die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin. Ohne diese Effekte wäre intensives Training oder ein Wettkampf kaum möglich.

Problematisch wird Cortisol nicht durch seine akute Ausschüttung, sondern durch dauerhaft erhöhte Spiegel, wie sie typischerweise bei medikamentösen Cortisontherapien vorkommen. In solchen Situationen überwiegen katabole Effekte, die langfristig Knochenbrüchigkeit, Muskelabbau, verzögerte Regeneration und eine erhöhte Verletzungs- oder Infektanfälligkeit begünstigen können.

Das Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S)-Syndrom

Die Steuerung dieser und weiterer Hormone – etwa der Schilddrüsen- oder Wachstumshormone – erfolgt über das sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-System, ein hochadaptives zentrales Regulationsnetzwerk. Es passt die hormonelle Antwort laufend an Trainingsreize, Energieverfügbarkeit, Schlaf und psychische Belastung an. Regelmässige körperliche Aktivität wirkt dabei grundsätzlich positiv auf diese Regulation. Wird dem Körper jedoch über längere Zeit mehr abverlangt, als er energetisch und regenerativ kompensieren kann, kann es zu Störungen kommen. Ein bekanntes Beispiel ist das Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S)-Syndrom . Bei Frauen zeigt sich dies klassisch durch Zyklusstörungen, bei Männern oft unspezifischer, etwa durch anhaltende Müdigkeit, stagnierende oder rückläufige Leistungsfähigkeit trotz Training oder mit einer verminderten Libido. Die individuelle Anfälligkeit ist dabei unterschiedlich und hängt nicht allein von Trainingsumfang oder Laufkilometern ab, sondern auch von zusätzlichen Stressoren.

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Balance ist wichtig

Für die grosse Mehrheit der Freizeitläufer gilt: Ein ausgewogenes Verhältnis von Training und Erholung, ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr sowie guter Schlaf sind wichtige Voraussetzungen, damit die körpereigenen Hormonsysteme ihre leistungsunterstützende Wirkung entfalten können. Unter diesen Bedingungen funktionieren sie in der Regel stabil und bedarfsgerecht, ohne dass externe Eingriffe notwendig sind.

Warnzeichen ernst nehmen

Bestimmte Warnzeichen sollten jedoch ernst genommen werden, da sie auf relevante hormonelle oder metabolische Störungen hinweisen können. Dazu zählen Libidoverlust oder ein Ausfall des Menstruationszyklus. Auch Stressfrakturen, Veränderungen von Hautpigmentierung, Körperbehaarung oder ein Brustwachstum bei Männern deuten auf eine mögliche hormonelle Erkrankung hin. In solchen Fällen ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Fazit

Zusammengefasst sind Hormone keine Stellschrauben, an denen aktiv „gedreht“ werden muss, sondern Teil eines robusten, anpassungsfähigen Systems. Wer regelmässig trainiert, sich ausgewogen ernährt, ausreichend schläft und Erholungsphasen ernst nimmt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass dieses System langfristig Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützt.

 

Wer ist Medbase?

Medbase ist das grösste multidisziplinäre sportmedizinische Netzwerk der Schweiz und bietet spezialisierte sportmedizinische Dienstleistungen für Athletinnen und Athleten, Vereine und Sportverbände aller Aktivitätsstufen in den Bereichen Sportmedizin, Sportphysiotherapie, Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung. 

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