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Knochenhautentzündung beim Laufen: Das solltest du wissen

Eine Knochenhautentzündung – der Fachbegriff lautet Schienbeinkantensyndrom – gehört zu den häufigsten Überlastungsbeschwerden bei Läuferinnen und Läufern. Viele Betroffene interpretieren die Frühsymptome als harmlos und laufen weiter, bis der Schmerz so stark wird, dass an Training kaum mehr zu denken ist. Wie es dazu kommt, was die Warnsignale sind und was hilft.

Experte:

Dr. med Rubén Oliver, Leiter Sportmedizin, Medbase Wetzikon
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Sportmedizin SEMS, Manualmedizin SAMM
 

 

 

 

Knochenhautentzündungen beim Laufen: Was dahinter steckt

Wenn das Schienbein ständig schmerzt, handelt es sich oft um eine sogenannte Knochenhautentzündung oder medizinisch korrekt ausgedrückt: um ein Schienbeinkantensyndrom. Diese Überlastungsverletzung betrifft das Gewebe rund um das Schienbein: Sehnenansätze und Bindegewebe werden gereizt, was bei wiederholter oder falscher Belastung zu Schmerzen führen kann. Der Beginn ist schleichend und die Symptome nehmen zu, bis die Trainingsbelastung deutlich reduziert wird oder weitere Massnahmen getroffen werden.

Typisch sind brennende oder stechende Schmerzen ein- oder beidseitig an der Innenseite des Unterschenkels, meist in der unteren Hälfte. Manchmal ist auch die Vorderseite des Schienbeins betroffen. Zu Beginn treten die Schmerzen kurz nach Trainingsbeginn auf, lassen während des Laufens etwas nach und kehren am nächsten Morgen oder zu Beginn des nächsten Trainings wieder zurück.

Warum gerade Läufer betroffen sind

Die Ursachen für ein Schienbeinkantensyndrom sind vielfältig, meist führen verschiedene Faktoren zur Überlastung, zum Beispiel wenn Laufumfang oder Trainingsintensität zu schnell gesteigert werden. Auch unpassende Schuhe können ein Grund sein: in der Zwischensohle zu weiche, bereits stark abgenutzte Schuhe oder Schuhe, die zu wenig stabil sind. Eine Fehlbelastung wie die Überpronation, ein starkes Einknicken des Fusses bei der Landung, ein Knick-Senk-Fuss oder schwache Wadenmuskeln können ebenfalls beteiligt sein. Genauso wie häufiges Training auf harter Unterlage wie Asphalt oder Tartan, auf schrägem Untergrund oder häufiges Bergablaufen zu einer Überlastung führen können, Verkürzte Fussflexoren und eine ungenügende Calcium-Einnahme sind weitere Risikofaktoren.

Die Warnzeichen

Eine Knochenhautreizung tritt selten ganz plötzlich auf. Oft beginnt sie langsam und schleichend. Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen:

  • Wiederkehrende brennende Schmerzen am Unterschenkel kurz nach Trainingsbeginn
  • Beschwerden, die zwar während des Trainings etwas abklingen, aber im Verlauf des Tages oder am nächsten Morgen zurückkehren
  • Starke Druckempfindlichkeit entlang des Schienbeins

Kommen die Beschwerden während dem Training zurück oder hast du nach dem Training immer noch Schmerzen und sind diese im Alltag weiterhin spürbar, sollte eine Woche pausiert werden. Wenn die Beschwerden im Training immer stärker werden und es zu einem Abbruch der Belastung kommt, besteht eine Entzündung im Gewebe und es sollte mindestens zwei Wochen eine Pause eingelegt werden, da ansonsten die Beschwerden meistens wieder auftreten.

Was tun bei ersten Beschwerden?

Oft kannst du erste Schmerzen mit einfachen Massnahmen lindern und so eine Verschlimmerung verhindern. Wenn die Beschwerden während dem Training bestehen bleiben, solltest du die Einheit abbrechen und nach Hause spazieren oder walken. Kühlen der schmerzenden Stellen und entzündungshemmende Salben sind ebenfalls nützlich. Ausserdem kannst du die Weichteile rund um das Schienbein mit den Fingern massieren und so Verspannungen lösen.

Wenn die akuten Symptome abgeklungen sind, kannst du mit stabilisierenden Übungen beginnen – etwa mit Einbeinstand oder barfuss auf weichem Untergrund laufen. Mit gezielter Fussgymnastik kannst du die Fuss- und Unterschenkelmuskulatur stärken und so die Stabilität fördern. Zusätzlich solltest du den Trainingsumfang um ca. die Hälfte reduzieren und vorübergehend auf Intervalltrainings, Bergablaufen und Sprünge verzichten.

Und bei fortgeschrittenem Schienbeinkantensyndrom?

Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Symptomen ist eine mehrwöchige Pause nötig. Das heisst nicht, dass du mit dem Ausdauertraining aufhören musst. Alternativ kannst du Velofahren oder Schwimmen. Wichtig ist, dass es sich um Ausdauersportarten handelt, die keine Schläge verursachen, wie zum Beispiel auch das Aquarunning mit einer entsprechenden Veste. Weitere Massnahmen sind eine begleitenden Physiotherapie, Behandlung der Unterschenkelmuskulatur und der Weichteile, Triggerpunkt-Behandlungen oder eine fokussierte Stosswellentherapie, auch Stretchingübungen helfen, die Spannung in den Schienbeinen zu reduzieren. Orthopädische Einlagen oder Taping können den Fuss zusätzlich unterstützen und die Rückkehr zum Laufsport beschleunigen.

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Der Weg zurück zum Laufen

Wenn du wieder mit Laufen beginnst, ist es wichtig, langsam zu beginnen und stufenweise zu steigern. Das heisst:

  • Mit kurzen, langsamen Jogging-Einheiten starten – ohne Intervalltraining, keine schnellen Tempo-Wechsel!
  • Zu Beginn mindestens einen Tag Pause machen zwischen den Trainings
  • Auf weicherem Untergrund wie Waldwegen statt Asphalt trainieren, um die Schläge zu mindern
  • Umfang und Distanz langsam steigern – lieber mehrere kurze als lange Einheiten und ein zu grosses Ziel in kurzer Zeit anvisieren.
  • Auf stabile Laufschuhe und Alltagsschuhe achten, die ausreichend Stützung bieten.
  • Mit regelmässigen Fuss-Kräftigungsübungen fortfahren, um Fuss- und Unterschenkelmuskulatur zu kräftigen und die Stabilität zu fördern.

Dieselbe Grundregeln helfen auch grundsätzlich vorzubeugen, so dass es nicht zu anderen Überlastungen kommt. Zentral auch hier: Abwechslung ins Training bringen. Das heisst nicht nur Laufen, sondern von Beginn an alternative Ausdauersportarten einplanen.

Fazit

Eine Knochenhautentzündung ist keine unvermeidbare Nebenwirkung beim Laufen – sie entsteht meist durch eine Kombination Trainingsfehlern, falschem Schuhwerk und biomechanischer Fehlbelastung. Wenn du erste Warnzeichen ernst nimmst, dein Training bewusst aufbaust und mit  Stabilisierungsübungen für eine ausreichende Unterschenkelkräftigung sorgst, kannst du diese häufig zu Beginn oder bei intensivierung des Lauftrainings auftretenden Beschwerden vorbeugen und und vom Beginn an mehr Freude am Laufen haben.

 

Wer ist Medbase?

Medbase ist das grösste multidisziplinäre sportmedizinische Netzwerk der Schweiz und bietet spezialisierte sportmedizinische Dienstleistungen für Athletinnen und Athleten, Vereine und Sportverbände aller Aktivitätsstufen in den Bereichen Sportmedizin, Sportphysiotherapie, Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung. 

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