Sven bloggt: Vor dem Vienna City Marathon

00:01:21:23:01 steht in goldenen Buchstaben auf der Website. Der Countdown läuft, nur noch zwei Tage zum Vienna City Marathon. Das wird mein zweiter Marathon und meine Ziele sind dafür hoch gesetzt – oder: sie wurden hoch gesetzt.

Bei meinem ersten Marathon wollte ich schnell ankommen. Eigentlich konnte ich mir schon da nicht vorstellen, so lange zu laufen. Hab auch immer bei der Frage, ob ich Marathon laufe, abgewunken. „Viel zu lang, das wird mir langweilig“. Nun, gleichzeitig sagte ich (mir) aber: wer weiß.

Ende Oktober vergangenen Jahres war es dann so weit. Ich stand an der Startline in Dresden und wusste, dass ich etwas vergessen hatte: die langen Läufe. Am Basisziel des Finishens sollte aber kein Zweifel aufkommen, denn längere Sporteinheiten bin ich gewöhnt. Anfang September hatte ich noch einen Mitteldistanztriathlon (1,9 km Schwimmen, 90 km Rad und den abschließenden Halbmarathon) absolviert, wusste also, dass mein Körper schon mal einige Stunden lang Leistung bringen kann.

Aber der Marathon das war dann doch etwas anderes. Das Rennen lief ganz gut, doch am Ende machten sich die fehlenden Einheiten bemerkbar. Oder die Taktik. Oder beides. Vielleicht fehlten auch die Konkurrenten. Nicht, dass ich so schnell war, aber nach der ersten Runde bogen die Halbmarathonläufer alle ins Ziel ab und plötzlich konnte ich mir meinen Weg mutterseelenallein durch Pappbecher entlang der Elbeaue bahnen. Vorne drückte der Wind, hinten zog mein Schweinehund. Letztlich polterte ich doch ins Ziel, mehr humpelnd als laufend.

Man lernt ja aus Schmerzen. Auch wenn sie erst am nächsten Tag kommen. Und erstmal bleiben. Aber es war ja nicht alles schlecht. Jedenfalls dann nicht, wenn man die Erfahrung, Treppen rückwärts hochzugehen, als Bereicherung empfindet.

Nachdem mein letztes „Nie wieder“ verstummte (das ich beim Aussprechen für genauso glaubhaft hielt, wie meine frühere Marathonablehnung), musste ein neues Frühjahrsziel her. Beim Durchblättern der Laufzeitungen fiel irgendwann der Blick auf den Eintrag für Wien. Da meine Freundin schon die ganze Zeit wieder drängelte, einen Halbmarathon zu laufen, hatten wir schon das perfekte Ziel gefunden.

Grundlage sollte nun ein sauber(er)es Trainingskonzept sein. Schließlich sind Männer wehleidig und wollen dieselben schmerzhaften Erfahrungen nicht stetig wiederholen. Nach einiger Recherche hatte ich den running.COACH entdeckt. Ein paar Testwochen später und dank guter Kommunikation mit dem Entwickler klickte ich also den Vienna City Marathon in den Trainingskalender. Das soll doch die optimale Lösung sein: Ein Kölner läuft in Österreich dank des Schweizer Trainings Marathons.

Das Training begann direkt ganz intensiv nach der Methode von Churchill: „No Sports“. Off-Season im gesamten Dezember. Die Rückkehr in die Laufschuhe schmerzte. Der Blick auf den Plan auch. Einzig das schöne Design des Portals konnte mich etwas beruhigen, war es auch im Januar das einzig Grüne beim Lauftraining. DL1, DL2, Intervalle und Mitteltempo: alles keine Fremdworte. Aber ich hatte mich für die geballte Laufladung entschieden. Oder besser, die ausgedehnte. Die gefürchteten LongJogs und dreistellige Minutenvorgaben im Plan haben mich schon erschreckt. Noch elf Wochen, die Zeit ist knapp.

Aber das Ziel vor Augen und der stetige Aufbau auf dem Geleisteten führten mich merklich weiter. Der Plan lässt sich abwechslungsreich gestalten, und man kann ja auch mal meine unliebigen Mitteltempoläufe wegklicken (nicht weitersagen) oder wenigstens die Einheit mal aufs Rad verlegen. Nun, die Basis steht hoffentlich. Die Zielzeitprognose treibt mir noch immer die Schweißperlen auf die Stirn. Vorne steht auf jeden Fall eine Zwei.

Aber falls es damit nicht klappt, habe ich ja schon eine Ausrede parat: „Wer war‘s? Die Schweizer!“

by Sven Mückenheim

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