Fortsetzung: Erlebnisbericht Vienna City Marathon Teil 2

Sven Mückenheim, in der Mitte mit Kopftuch, geschickt im Windschatten der Mitläufer laufend.

Sven Mückenheim, in der Mitte mit Kopftuch, geschickt im Windschatten der Mitläufer.

…17 Grad, Sonnenschein, viele Zuschauer und Sehenswürdigkeiten. Ab und zu der Blick auf die Uhr, ich soll es ja ruhig angehen. Schwierig bei der Kulisse, der optimalen Vorbereitung, den vielen Zuschauern und Sehenswürdigkeiten. Okay, von letzteren habe ich wieder kaum etwas  mitbekommen, irgendwie wandert der Blick in den entscheidenden Momenten immer zum Becher, zur Uhr, zum Laufnachbarn. Dabei hätte ich vielleicht lieber mal zum Prater oder später zum Stadion geschaut, denn dabei hätte ich meine Pace sicher etwas runtergeschraubt. Zum Halbmarathon lag ich zwar nur etwas unter den locker avisierten 1:29, aber auf den ersten zehn Kilometern wollten meine Beine meinen Kopf wohl überholen.

Das sollte sich natürlich rächen. Kilometer 18. Meine Oberschenkel beratschlagen gerade darüber, ob sie mich noch weiter tragen wollen. Kilometer 19. Keine Einigung, der rechte gewinnt aber die Oberhand und stellt auf stur. Kilometer 21, links zieht gleich. Ach ja, denke ich noch, das drückt jetzt mal und nachher ist wieder gut. Irgendwas hat man ja immer. Der Zeh drückt, eine Blase macht sich bemerkbar, der Socken sitzt schief, der Schnürsenkel. Und überhaupt der da vor mir. Davon kann ich ja loslassen. Wenn ich will. Aber mentale Stärke reicht manchmal wohl nicht bis in die Oberschenkel. Da sind sie wieder die beiden Optionen: Laufen oder Laufen. In Gedanken an die verhassten Long Jogs, an die der running.COACH in meinem Trainingsplan wie in Stein gemeißelt hat, laufe ich weiter.

Die Halbmarathonläufer verlassen die Bühne und ich drücke mit dem ganzen Gewicht meines Oberkörper den Rest von mir in die linke Spur für den Marathon, während die Beine schon Feierabend machen wollen und auf die rechte Spur für das Halbmarathonziel ziehen. Nichts da!

Volkstheater, Rathaus, dann entlang der Donau. Das Auf und Ab entlang den Brückenauffahrten kostet doch mehr Kraft als gedacht. Bei Kilometer 27 kommt mir der erste Österreicher entgegen. Klar, der hat‘s einfach. Im Windschatten von dem PKW. Ich muss hier alleine kämpfen! Fünf Kilometer weiter sehe ich schon die Kilometrierung auf der Gegenseite, ein Abschnitt Pendelstrecke. Das tut weh, im Kopf drehen sich die Zahlen und ich weiß es: Konzentriere dich aufs Laufen, nicht aufs Rechnen. Es gehört schon einiges dazu, bis der Moment kommt, in dem ich besser rechne als laufe. Aber der ist nicht schön. Unter drei Stunden? Das wird so sehr knapp. Ich müsste anziehen. Haha.

Irgendwie bin ich dann überrascht, dass ich mich nicht richtig ärgere, als ich dann auf die Zielgerade einbiege. Der lange rote Teppich am Heldenplatz, ich laufe durch das Tor auf die Hofburg zu. Die Stimmung ist fantastisch. Herrlich. Geschafft. In 3:07 zwar deutlich langsamer als geplant, aber was soll‘s? Nächstes Mal.

Und ich war auf der Marathonstrecke schneller als der Weltmeister. Der ist nämlich nur den „halben“ gelaufen.

3 Comments

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  • Der Vienna-City-Marathon war wunderschön. Konnte die Stimmung geniessen und einen schönen Lauf absolvieren.
    Im Gegensatz zu Sven hab ich den schnellsten Österreicher auf der Strecke nicht gesehen. Dafür ist mir auf der Hauptalle im Praterwald die Tanja Eberhart entgegengekommen. Vor ihr der Smart mit der Aufschrift 1. Frau Österreich. Im Ziel hatte Tanja 15min und 17 Sekunden Vorsprung auf mich. Ich konnte bei meinem 2. Marathon die Schallmauer von 3h unterbieten (2:59:30, erste Hälfte 1:29:52).
    Es war ein fast perfekter Lauf, nur der ToiToi Stop zwischen km26 und 27 währe nicht notwendig gewesen.
    Ansonsten konnte ich die Pace vom 1. km bis ins Ziel halten. Ab km 40 konnte ich die Pace trotz Steiung sogar noch erhöhen.
    Und wie Viktor es mal sinngemäss so schön schrieb: Marathon laufen macht so richtig Spass, wenn man auf den letzten Kilometern noch überholen kann.

    Den Rest kann man auf meiner Homepage lesen.

    Gruss
    Mike

  • Hallo Mike,
    gratuliere zum Erfolg. Dann hat Dich die schnellste Österreicherin beflügelt, mich der Herr dagegen ausgebremst!

    Hah, jetzt weiß ich endlich, woran es lag!

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