Vegane Ernährung im Sport: Interview mit einem Läufer

Das Thema Vegane Ernährung im Sport – geht das überhaupt? hat für ausgiebige Diskussionen gesorgt. Zahlreiche Läufer mit veganer Lebensweise meldeten sich, dass sich die vegane Ernährungswiese problemlos mit Sport kombinieren lasse. Mladen Milić ernährt sich bereits seit 24 Jahren vegan und nimmt unter anderem an Ultra Läufen teil. running.COACH hat mit ihm über das Thema vegane Ernährung und Laufsport gesprochen und dabei Themen wie beispielsweise eine bessere Regenerationszeit oder vegane Ernährung an Wettkämpfen aufgegriffen. 

An dieser Stelle wollen wir betonen, dass durch den Inhalt der beiden Blogbeiträge keine Rückschlüsse auf die Ansichten des running.COACH Teams gezogen werden können. Wir möchten jedoch unsere Plattform nutzen, um der Thematik Raum zur Diskussion zu bieten und freuen uns deshalb über anregende / konstruktive Kommentare.

Mladen, wie lange läufst du schon und wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus?

Ich betreibe den Laufsport seit neun Jahren ernsthaft.

Meine letzte Woche sah so aus:

DI  Fahrtspiel: 20 min mittlere Belastung, 3 min max. Belastung, 10 min moderate Belastung, 20min mittlere Belastung, 3 min max. Belastung, 10 min moderate Belastung, 10 min harte Belastung, 6 min sehr harte Belastung, 8 min leichte Belastung

MI Dauerlauf: 90 min bei moderatem Puls (ca. 136)

SA Höhenmetertraining: 10 min Einlaufen, 4×400 HM

SO Run/Hike: 240 min in steilem Gelände – laufen. wo es möglich ist und marschieren, wo es nicht anders geht

Diese Woche hatte ich gut elf Stunden trainiert, bin dabei auf 80 km gekommen und habe 3077 Höhenmeter gesammelt. Typisch dabei ist, dass ich mich wie fast immer in einer Vorbereitung befinde, momentan ist dies die Ultra Variante bei der Swiss Trail Tour, einem dreitägigen Etappenlauf über gesamthaft 150 km Ende September.

Welche Wettkämpfe läufst du? Was war dein bisheriges läuferisches Highlight?

Mein erster Wettkampf war ein flacher Halbmarathon, im Jahr darauf lief ich meinen ersten Marathon.

Nach der Operation an der Halswirbelsäule wegen eines Bandscheibenvorfalls musste ich wesentliche Dinge umstellen. Ich begann mit Vorfusslauf und fand auch heraus, dass die Belastung für die Wirbelsäule bergwärts viel geringer ist als im Flachen. Also probierte ich zuerst einen kürzeren Berglauf aus, tastete mich an einen 20 km Traillauf und wollte danach mehr davon. Mehr Berge, längere Distanzen. So probierte ich meinen ersten Marathon anlässlich des Swissalpine und meldete mich für den K42. Diesen konnte ich hervorragend bewältigen, weshalb ich mich für noch mehr Läufe von diesem und grösserem Kaliber anmeldete.

Letztes Jahr schaffte ich beim Swissalpine nochmals den K78, da war es um mich geschehen.

Im Frühling 2018 lief ich auf der kroatischen Halbinsel Istrien ein Rennen über 110km mit 4400 HM und gelangte nach 22:36 auf der anderen Seite der Halbinsel ins Ziel. Ich möchte 2019 am gleichen Wettkampf die Distanz von 100 Meilen schaffen, darauf wird ab Mitte Herbst trainiert.

Wie lange ernährst du dich bereits vegan?

Ich bin seit meinem 10. Lebensjahr Vegetarier und wurde 1994 vegan.

Warum hast du dich für eine vegane Ernährungsweise entschieden?

Mein Interesse an Dingen wie Milch, Eier, Jagd und Zirkusse wurde in besagtem Jahr geweckt. So bestellte ich Broschüren zu diesen Themen bei einem Kontakt, welcher mir von einer Bekannten vermittelt wurde. Kurz darauf war für mich klar, dass ich aus diesen neuen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen werde und so begann ich, mich vegan zu ernähren und auch dementsprechend meine übrigen Konsumgewohnheiten auszurichten.

Im Artikel Vegane Ernährung und Sport – geht das überhaupt? wird veganen Sportlern geraten, sich von einer Fachperson zu beraten, um eine allfällige Supplementierung zu besprechen. Welche Erfahrungen hast du diesbezüglich selber gemacht?

Diesen Ratschlag kann man genau so gut sämtlichen Menschen geben, die Sport treiben, insbesondere im ambitionierten Bereich. Denn viele der erwähnten Mängel in der Nährstoffversorgung sind in allen Bevölkerungskreisen verbreitet. Es ist ein fataler Trugschluss, anzunehmen, dass wer sich „normal“ ernährt auf nichts achten muss. Mindestens Sportlerinnen und Sportler im Profibereich, egal welcher Ernährungsweise, sind sich dessen bestens bewusst.

Warum war Carl Lewis ein derart begabter Sprinter? Gemäss dem Artikel hätte er stets ein ganzes Rudel Ärzte und Ernährunsfachpersonen um sich haben müssen. Solche Beispiele gibt es zuhauf, ich erspare uns hier eine weitere Auflistung von vegan lebenden Personen mit sportlichen Bestleistungen.

Worauf achtest du im Zusammenhang mit Laufen besonders bei deiner Ernährung?

Meine Ernährung soll mich mit allen Nährstoffen versorgen, welche mein Körper benötigt. Daher halte ich sie auf einem ausgewogenen und abwechslungsreichen Niveau. Speziell in der Phase vor Wettkämpfen kommen Kohlenhydrate vermehrt vor, um den Körper auf die erhöhte Aufnahme dieser Energieform einzustimmen. Unterwegs besteht meine Verpflegung aus Riegeln, Gels und Isogetränken.

Triffst du auf besondere Herausforderungen durch den Verzicht auf Tierprodukte?

Nein, zumindest nicht was meinen eigenen Proviant angeht, wenn es mal wieder länger dauern sollte. Bei Wettkämpfen kann das Angebot sehr unterschiedlich sein für vegan lebende Menschen. So kann ich beispielsweise nicht verstehen, wenn eine Bouillon aus Tieren statt eine pflanzliche Bouillon angeboten wird. Den meisten Teilnehmenden kommt es darauf überhaupt nicht an, es geht einzig darum, etwas gut Verträgliches anzubieten, um den Salzhaushalt wieder ins Lot zu bringen.

Ein Freund ist im Frühling an einem 400km Etappenrennen in Schottland gestartet. Die Verpflegung für alle Teilnehmenden war ausschliesslich vegan. Die meisten dieser Leute werden gewiss nicht vegan leben, wegen Nährstoffmangel ist jedoch auch niemand zusammengebrochen.

Deine Tipps für andere vegane Läufer?

Eine schmackhafte und abwechslungsreiche Ernährung trägt viel zu einer hohen Lebensqualität bei und kann auch die Lust auf zu viel Süsses eindämmen. Der kanadische Spitzentriathlet und Buchautor Brendan Brazier hat dazu viele eigene Rezepte ersonnen, sowohl für Mahlzeiten daheim wie auch zur sportlichen Verpflegung unterwegs. Ausserdem ist sein Buch „Vegan in Topform“ eine hervorragende Motivationsquelle.

Welche Vorteile siehst du in einer veganen Ernährungsweise?

Einen wesentlichen Vorteil sehe ich in den kürzeren Regenerationszeiten sowie dem Umstand, dass es damit auch zu weniger Entzündungen kommen kann, sofern auch der Essensplan darauf ausgerichtet ist. Gerne verweise ich hierbei nochmals auf Brendan Brazier, welcher alle seine Erkenntnisse auf Forschungsergebnisse und Studien abstützt, die in seinem Buch erwähnt sind.

Vielleicht kannst du an dieser Stelle noch etwas zu den Vegan Runners Zurich sagen?

Die Vegan Runners Zurich sind aus dem Bedürfnis entstanden, einen sportlichen Treffpunkt für andere vegan lebende Menschen ins Leben zu rufen. Indem gemeinsam jeden Sonntag Morgen eine davor festgelegte Distanz in lockerem  Tempo absolviert wird, schaffen die Vegan Runners Zurich eine solide Basis für die Vernetzung von Gleichgesinnten. Ins Leben gerufen wurde dieser Lauftreff von Fabrizio Passalaqua im letzten Winter. Ich nahm besonders am Anfang sehr regelmässig daran teil, als wir meist noch zu zweit oder zu dritt liefen. Inzwischen haben sich die Vegan Runners Zurich als eine bekannte Veranstaltung etabliert, an welcher sich immer mehr und immer wieder andere Menschen beteiligen. Es tut gut, diese Entwicklung in dieser Form mitverfolgen zu können, so habe ich selbst seit dem kurzen Bestehen der Vegan Runner Zurich schon spannenden Kontakte knüpfen können.

Bei der Gelegenheit möchte ich gerne auf einen schon etwas länger existierenden Lauftreff hinweisen. Es handelt sich dabei um den Gutenachtlauf von Zürich. Der Gutenachtlauf findet in jeder Vollmondnacht exakt um 20:30 Uhr vom selben Treffpunkt beim GZ Wipkingen in Zürich am Fussgängersteg aus statt. Es ist ein Spendenlauf des veganen Laufvereins „Laufen gegen Leiden“ aus Deutschland. Zugleich laufen in 70 weiteren Ortschaften mehrere hundert Menschen zum gleichen Zweck. Es soll pro teilnehmende Person an jedem Lauf 1 Euro oder Franken gespendet werden für periodisch wechselnde Spendenziele im Tierschutz/Tierrechtsbereich. Auf diese Weise kommen dann pro Gutenachtlauf 800-1400 Euro zusammen. In Zürich leite ich den Gutenachtlauf seit mehr als zwei Jahren. Eingeladen zur Teilnahme sind alle, unabhängig von ihrer Ernährungsweise.

Ich freue mich stets wenn ich damit das Leid der Tiere etwas zu reduzieren mithelfen kann. Darum laufe ich.

Verfasserin Blogbeitrag: Stefanie Meyer

4 Comments

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  • Danke ans Runningcoach Team!

    Das ihr einen solchen Post nachreicht zeugt von Charakter und wirklichem Interesse!

    Super Interview mit Mladen!

  • P.S. Den Gutenachtlauf gibt es ebenfalls in Luzern/Ebikon, Treffpunkt Badi Rotsee immer zu Vollmond um 20.30 Uhr, für die jenigen aus Luzern und Umgebung! 😉

  • Ich kann die Erfahrungen von Mladen nur im vollem Umfang bestätigen. Ich Laufe seit 2013 Ultras, seit 2017 fast ausschließlich, und es gibt jedes Jahr so bestimmte Zeiten in denen ich 2 richtig harte und lange Dinger innerhalb einer Woche erledigen muss. Regenerationszeit findet dann maximal im Flieger und Auto während der An – und Abreise statt. Und mir fällt immer wieder während der Läufe auf das ich unterwegs kaum an Nahrung benötige, die Fleischesser müssen offenbar ständig „nachlegen“ um durchzukommen

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