Barbara Lüscher-Hegnauer – running.COACH Teammitglied

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Was sagen Statistiken aus? Der Leser, der Zahlen sieht, ob die Vorgaben erreicht wurden oder nicht. Also so im Sinne von „bestanden“ oder „nicht bestanden“.
Tja, wer meine running.COACH-Statistik des Monats Oktober liest, erkennt rasch, dass ich somit auf der vollen Länge versagt habe. Die Vorgabe lautete: Lege in 13 Einheiten total 109 km zurück. Der Istwert liegt bei 6 Einheiten und gerade mal 41 km.
Und genau hier fängt das Problem einer Statistik an: sie zeigt lediglich Soll und Ist, liefert aber keine Hintergrundinformationen.
Habe ich die fehlenden sieben Einheiten wirklich nicht absolviert? Oder sind nur die manuellen Eintragungen vergessen gegangen? Oder habe ich einfach mal beschlossen, eine Auszeit vom Sport zu nehmen?
Bevor das wilde Spekulieren losgeht, lüfte ich das Geheimnis. Zu Beginn des Monats waren wir noch in den Ferien. Später dann, am 17. Oktober, klagte unsere Tochter frühmorgens über starke Bauchschmerzen im Bereich des Blinddarms. Der Hausarzt schickte uns nach Bern ins Kinderspital zu einer Ultraschall-Untersuchung. Dieser Entscheid war hundertprozentig richtig, denn Janina wurde noch am gleichen Tag operiert. Und so verbrachte ich die nächsten Tage an ihrem Krankenbett. Wieder zu Hause durfte sie die Schule noch nicht besuchen, was für mich ein Training verunmöglichte. Ich merkte auch, dass ich mich selber vom Spitalaufenthalt erholen musste. Ich holte verpassten Schlaf nach und versuchte, allmählich das daheim entstandene Chaos aufzuräumen. Es wurden Telefonanrufe nötig, um abgesagte Termine in meiner Praxis neu zu vereinbaren. Die Tochter erhielt haufenweise Hausaufgaben und Schulstoff zum Nachholen, was mehrheitlich meine Hilfe notwendig machte, da ihr die Erklärungen des Lehrers fehlten. Unterdessen sind wir wieder einigermassen im Alltagsmodus angelangt…
Ich habe im letzten Bericht versprochen, euch auch betreffend meiner eigenen Krankengeschichte auf dem Laufenden zu halten. Der Arzt brauchte Bildmaterial von meiner Schulter, um das weitere Vorgehen festlegen zu können. Er schickte mich zum Röntgen, doch die Knochen sind alle in Ordnung. Als nächstes folgte eine MRI-Untersuchung. Vor der Besprechung der Resultate war ich doch ziemlich nervös, denn eine gerissene Sehne braucht zwingend eine Operation und anschliessend eine Riesenportion Geduld. Der Arzt hatte aber nur gute Nachrichten für mich. Die Bilder zeigten keine Läsionen. Nur, warum schmerzt mich die Schulter dann seit meinem Sturz mit dem Bike am 1. Mai so stark? Darauf gibt es wohl (noch) keine abschliessende Antwort. Ich bekam eine weitere Serie Physiotherapie verordnet und muss nun die Muskulatur aufbauen. Auf die Skisaison hin will ich unbedingt wieder fit und beweglich sein!
Diese Termine bei der Physiotherapeutin heisst es nun zweimal wöchentlich in die ohnehin schon gut bestückte Agenda zu drücken. Hinzu kommen etliche Besuche beim Kieferorthopäden, da in diesem Monat unsere BEIDEN Kinder eine Zahnspange erhalten. Es wird also nicht nur der Oktober statistisch gesehen Lücken in meinem Training aufweisen, sondern mit grösster Wahrscheinlichkeit auch der November.
Letzte Woche absolvierte ich plangemäss in drei Trainingseinheiten total 21 Kilometer. Da ich vorwiegend tagsüber laufen gehe, merke ich nicht viel von der Zeitumstellung und das frühere Dunkelwerden stört mich zumindest deswegen nicht. An die kältere Jahreszeit muss ich mich noch etwas gewöhnen, vor allem was die Kleiderwahl betrifft. Letzte Woche zog ich mich beim einen Training nach dem Zwiebelschichtprinzip an, hätte aber dann während des Laufens gerne mal eine Schicht abgelegt. Ich war klar zu warm angezogen. Das blaue Langarmshirt und die leichte weisse Jacke, die ich von Brooks erhalten habe, hielten mich beim nächsten Lauf warm genug.

Andreas Kempf: Ein spezieller Marathon

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Einen Marathon zu laufen ist etwas spezielles. Und erst recht, wenn es die 42.195 Kilometer an den Europameisterschaften in Berlin sind. Andreas Kempf war als einer der Schweizer Athleten dabei und platzierte sich auf dem 42. Schlussrang mit einer Zeit von 2h21’35’’ bei seinem zweiten Marathon überhaupt. running.COACH hat mit Andreas Kempf, welchen wir schon seit längerer Zeit begleiten, über seine EM-Erfahrungen in Berlin sowie seine Zukunftspläne gesprochen. 

Schöne Laufrunden in der Schweiz: Teil zwei

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Wie in Teil eins unseres Laufrunden-Blogs zeigen wir euch hier, welches die Lieblings-Laufrunden einiger Laufbegeisterter in der Schweiz sind. In diesem Teil zeigen dir Monika (Bern), Patrick (Brig), Melanie (Chur) und Thomy (Zürich) ihre liebsten Laufrouten.

Alle hier vorgestellten Läuferinnen und Läufer sind aktive Instagram-Nutzer. Wir haben ihre Benutzernamen angegeben, für den Fall, dass du ihnen bei ihren Laufaktivitäten folgen möchtest.

BERN – Monika (@mo.running)
Monika präsentiert uns hier gerade zwei Lieblingsrunden. Die eine kann sie jeweils direkt von sich zuhause aus absolvieren, während die zweite etwas weiter entfernt in den Alpen liegt.
1. „Hausrunde“: Unterzollikofen – Grauholz – Bolligen – Ferenberg bei Stettlen – Bantiger – Geristein – Grauholz – Unterzollikofen.
23.56 km, 728 Höhenmeter aufwärts, 728 Höhenmeter abwärts.

„Die Runde eignet sich super als Longjog mit ein paar Höhenmetern und man kann bestens varieren und kleine Zusatzschlaufen rennen. Als Belohnung gibt’s auf dem Bantigerturm eine schöne Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Ein grosser Teil der Strecke geht durch den Wald, es gibt auch mehrere Möglichkeiten, die Wasserflasche wieder zu füllen. Die letzten 25 Minuten geht es nur abwärts, ein lockeres Auslaufen nach dem Longjog.“

2. „Stockhorn Halbmarathon“: Oberwil im Simmental – Weissenburgbad – Weissenburgberg – Balzenberg – Vorderstockenalp – Oberstockensee – Stockhorn.
21.1 km, 1590 Höhenmeter aufwärts, 360 Höhenmeter abwärts.
„Der Lauf startet eher flach in Oberwil im Simmental und bietet wunderschöne Aussichten ins Simmental. Teilweise durch den Wald, von der Steigung her lange so, dass man noch rennen kann. Beim Oberstockensee kann man sich die Füsse abkühlen und danach den Schlussanstieg aufs Stockhorn in Angriff nehmen. Hat man dies geschafft, wird man ebenfalls mit einer super Aussicht in Richtung Thunersee etc. belohnt. Ausserdem kann man sich hier auf der Sonnenterrasse wieder stärken und danach mit der Seilbahn runter nach Erlenbach im Simmental fahren. Ein wunderschöner (Trainings-)Ausflug im Sommer.“

BRIG – Patrick (@swiss_mountainrunner)
Walliser Rundkurs
Länge: ca. 27.5 km
Höhenmeter ca. D+/- 1000m


Anreise:
• Bus Ab Visp (Bus Bahnhof Station 3), bis Brigerbad Thermalbad
• BLS bis Lalden
Schuhempfehlung: Bei guter Witterung reicht ein Strassenschuh aus. Man läuft zwar zum Teil auf einem Wanderweg, jedoch ist dieser technisch nicht sehr anspruchsvoll.
Beschrieb: „Sehr schöner Rundkurs von Brigerbad bis Brigerbad, den man je nach Jahreszeit mit Höhenmetern und Kilometern erweitern kann.
Zuerst gehts via „Walliser Sonnenweg“ vorbei am Gardemuseum Naters. Anschliessend quer durch Naters bevor der nächste kurze Anstieg nach Termen folgt. Von Termen läuft man via Ried-Brig Richtung Glis, wo es dann wieder einige Höhenmeter ansteigt. Hat man diese geschafft, rennt man stetig abwärts nach Gamsen, von wo es dann die letzten Höhenmeter zu überwinden gilt. Sind diese geschafft, führt ein Single Trail parallel einer «Wasserleita» nach Eyholz. Ab Eyholz gehts es dann wieder zurück nach Brigerbad.“

Warum diese Runde?
• Sehr Abwechslungsreich: mal aufwärts mal abwärts, mal auf der Strasse, mal auf einem Single Trail, Mal Stadt, mal im Wald.
• Sehr individuell und spontan anpassbarer Weg, es werden einige Routen gekreuzt wie zum Beispiel auch der «Stockalperweg», welcher auf den Simplonpass führt.
• Sollte mal der Proviant ausgehen, ist man nicht komplett abgelegen und kann beispielsweise in Naters, Termen oder Ried-Brig einen Boxenstopp einlegen.
• Kleine Erfrischung nach dem Laufen Gefällig? Im Brigerbad Thermalbad ist’s möglich!
• Es besteht auch die Möglichkeit die Route zu kürzen, Bushaltestellen sind auf dem Rundkurs gut erreichbar.

CHUR- Melanie (@melixmei)
„Meine Lieblingslaufstrecke befindet sich in den wunderschönen Davoser Bergen im Kanton Graubünden, wobei auf knapp 14km ca. 600 Höhenmeter überwunden werden.  Der erste Teil der Stecke führt von Davos Dorf über die Hohe Promenade hoch bis zur Schatzalp, wo nach den ersten 3.5km, mit 290 Höhenmeter, bereits ein grosser Teil des Anstiegs geschafft ist. Weiter geht es auf wunderschönen Singletrails und Kieswegen mit herrlicher Aussicht auf die Berge bis zur Staffelalp. Auf den letzten 2.5km geht es rasant bergab nach Frauenkirch, dem Ziel meiner Lieblingsstecke.“

„Da sich der Weg hauptsächlich auf über 1900 m.ü.m befindet, ist die komplette Strecke leider nur in der schneefreien Zeit passierbar, weshalb ich den Weg auch noch nicht so oft komplett gelaufen bin. Dass sie zu einer meiner absoluten Lieblingsstrecken zählt, hat nebst den offensichtlichen Gründen wie der wunderschönen Aussicht und den tollen Trails noch einen weiteren:  Vor knapp einem Jahr war dies mein erster Lauf in den Bergen, den ich alleine gelaufen bin und bei dem ich mich absolut ins Trailrunning verliebt habe.“

ZÜRICH – Thomy (@runthomyrun)
Tobellauf mit Flair
18km, 407 Höhenmeter
„Immer am Sonntag ist es Zeit für eine längere Einheit. Damit die Abwechslung möglichst gross ist, suche ich mir Routen aus, bei denen ich möglichst viele unterschiedliche Eindrücke sammeln kann. Genau eine dieser Routen ist mein «Tobellauf mit Flair». Gestartet wird beim Feuerwehrdepot im Zollikerberg, gleich oberhalb der Schulanlage Rüterwies. Der Startpunkt ist auch gut mir den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (S18 bis Station Zollikerberg, Zürich). Von dort aus führt eine verträumte Strasse entlang des Waldrandes, welche nach kurzer Zeit von einem Kiesweg abgelöst wird. Für die nächsten 17,5 km ist Asphalt mehr oder weniger Mangelware, was mein Herz erfreut. Bei gutem Wetter kann man nun die Rigi in weiter Ferne erblicken und sie zeigt auch die Richtung an, in die ich laufen werde. Via Fussballplatz Rüterwis runter bis zum Rumensee, wo es eine öffentliche Toilette gibt – man weiss ja nie…

„Nochmals einige hundert Meter auf Asphalt und dann ist unten beim Schübelweiher definitiv Schluss mit «Zivilisation». Wer genug Zeit hat, kann mit ein wenig Geduld die beiden Schildkröten, die im Weiher heimisch geworden sind, beim Sonnenbad beobachten. Gleich am hinteren Ende des Weihers führt eine steile Treppe ins wunderschöne Küsnachtertobel, in welchem es auch bei heissen Temperaturen immer angenehm kühl bleibt, hinunter. Die nächsten Kilometer führen dem Bach entlang über Brücken, immer wieder mit Sonne im Gesicht (oder im Rücken), hoch in Richtung Forch bis zu den Guldenen. Der höchste Punkt ist erreicht! Es folgt ein kurzer Abstieg und dann geht es wieder hoch zum Forchdenkmal, von wo aus man eine herrliche Aussicht auf das Zürcher Oberland und die Alpen hat. Grund genug, um etwas zu verweilen und den Moment zu geniessen. Nach rund 11km bergauf kommen nun noch gemächliche 3km leicht bergab zum Wassberg über die Süssplätze (Golfplätze) in Zumikon, durch den Sennhof im Zollikerberg und zurück zum Ausgangspunkt, dem Feuerwehrdepot. Eine letzte Bemerkung: Auf der ganzen Strecke hat es 5 Brunnen in etwa gleichmässigen Abständen, an denen man wunderbar seinen Durst löschen kann.“

Nun hoffen wir, dass dich die eine oder andere Route aus Teil eins oder Teil zwei angesprochen hat und dass du vielleicht einige davon bald selber ausprobierst. Gerne kannst du dich auf Instagram weiterhin von den hier vorgestellten Läufern und ihren Lauferlebnissen inspirieren lassen.
Keep on running!

Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von: Marion Aebi

Schöne Laufrunden in der Schweiz: Teil eins

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Laufen kann man überall. Manche mögen es steil, andere flach, manche Strassen, andere kleine Pfade. Wir haben fleissige Laufbegeisterte aus der ganzen Schweiz zu ihren Lieblings-Laufrunden befragt. In diesem Teil stellen dir Christin (Luzern), Michel (Basel), Anita (Uri) und Stefan (Winterthur) ihre liebsten Laufrouten vor. 

Alle hier vorgestellten Läuferinnen und Läufer sind aktive Instagram-Nutzer. Wir haben ihre Benutzernamen angegeben, für den Fall, dass du ihnen bei ihren Laufaktivitäten folgen möchtest.

LUZERN – Christin (@christinh89)
Diese Route ist für mich der perfekte Abschluss nach einem langen Arbeitstag oder ein super Start ins Wochenende, wenn ich nicht allzuviel Zeit für einen langen Lauf habe, aber auch nicht nur 5 km joggen möchte. Die Route startet in der Nähe vom Luzerner Stadion, führt Richtung Horw und anschliessend Richtung Kastanienbaum wieder zurück nach Luzern.


Während dem Lauf hat man super Ausssichten auf den Pilatus und die Rigi und kann während einer kurzen Pause das Panorama des Vierwaldstättersees auf sich wirken lassen. Wenn ich etwas länger laufen möchte, baue ich nach Belieben noch ein paar Runden auf der Laufbahn in der Siwsspor Arena ein. 🙂

BASEL – Michel (@kohmic79)
Meine Lieblingslaufrunde führt mich von der Bäumlihofstrasse durch das Hirzbrunnenquartier, direkt in die Langen Erlen – einem Erholungsgebiet mit Wald, Wiesen und Bächen. Von da aus geht es quer durch den Wald bis nach Riehen. Entlang der schönen „Wiese“ – einem Fluss durch die Langen Erlen – führt mich meine Route bis kurz über die Deutsche Grenze bei Lörrach. Beim Kreisel kurz nach der Grenze quere ich rüber über die Dammstrasse bis wieder auf die Schweizer Seite in den Lettackerweg. Der Weg führt mich weiter durch die Quartiere in Riehen zum Eisenbahnweg und schlussendlich zum Grenzacherweg, auf welchem ich dann bis zum Hörnli wieder nach Basel zurück jogge. Der letzte Teil führt hinab auf dem Kohlistieg hinunter zur Habermatten und wieder zurück auf die Bäumlihofstrasse, auf welcher ich dann wieder bis nach Hause jogge. Vielleicht mit einem letzten Sprint bis vor die Haustüre.

Ich mag diese Strecke aus verschiedensten Gründen. Einerseits kann ich direkt von zu Hause los joggen und bin nach nur wenigen Metern (ca. 900m) im Wald. Ich kann abschalten, die Natur geniessen, den Vögeln und dem Rauschen der Bäche zuhören und dabei einfach mal gedanklich die Seele baumeln lassen. Andererseits habe ich dann ab Riehen wieder was mehr „Action“ um mich rum. Nach dem Lauf durch den Wald und die Ruhe, geniesse ich es auch wieder dem Quartierleben zuzusehen, Einfamilienhäuschen beim Vorbeilaufen zu sehen, oder einfach auch dem Feierabendleben ein paar Blicke zu widmen. So habe ich auf der Strecke beides: Erholung und Natur, aber auch Quartierleben und ein wenig Action. Nicht zuletzt gefällt mir die Runde auch von der Distanz her. Ich bin Marathon-Läufer und zur Vorbereitung auf Halbmarathons oder Marathons ist diese Laufstrecke ein optimales Training. Ich kann die Strecke bis auf 20 Kilometer erweitern (indem ich nach der Grenze einfach weiter jogge) und dies alles von und bis zu Hause. Ich habe also keine langen Reisewege und kann nach einem regnerischen Lauf direkt unter die Dusche springen. Als ein weiterer wichtiger Effekt dient es mir sehr, dass ich fast überall auf meiner Strecke sehr schnellen Zugang zu den Öffentlichen Verkehrsmittel habe. So kann mir auch im Notfall nicht viel passieren und ich kann mit Tram oder Bus wieder bis fast vor die Haustüre fahren.

Aus all diesen Gründen liebe ich diese Runde. Und werde sie wahrscheinlich noch sehr viele Male geniessen. Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter.

URI – Anita (@anita.uri)
Meine Lieblingslaufstrecke befindet sich in meinem Heimatkanton Uri. Wann immer ich zurück in meiner alten Heimat bin, dürfen Laufschuhe und -kleider im Gepäck nicht fehlen. Nicht selten geniesse ich dabei auf meiner Lieblingslaufstrecke die wunderschöne Natur entlang von See, Fluss und Wald. Die Strecke mit 10.8 km und 65 Höhenmetern eignet sich sowohl für einen Genusslauf wie auch für schnelle Einheiten. Coupierte, anspruchsvolle Elemente wechseln sich mit schnell belaufbaren Teilen ab. Egal welches Training gerade ansteht, die wunderschöne Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die Urner Berge entschädigen für manche Strapaze


WINTERTHUR – Stefan (@renne_auf_und_ab)
Die Kyburg ist ein Schloss beim gleichnamigen Dorf (Kyburg ZH) in der Gemeinde Illnau-Effretikon in der Schweiz. Es liegt südlich von Winterthur hoch über der Töss und geht auf eine mittelalterliche Burg zurück. Die Kyburg ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft. Aber die ganze Kyburg-„Arena“ erstreckt sich von Kollbrunn über den Weiler Brünggen  bis weiter leicht ansteigend wo man AUF_ das Plateau der Kyburg gelangt (629 m ü. M.). Der Kyburglauf mit der Hauptdistannz 10km und der berüchtigten Kyburgtreppe von 159HM oder 450 Treppenstufen, startet hier jedes Jahr im November. Der Kyburglauf ist ein lokaler Laufanlass, der für alle Altersklassen und Läufer etwas bietet.
Das Spielparadies beginnt jetzt für mich. Jede Menge Trails die über diverse Bachtobel wieder AB_ zur Töss führen. Ob mit Bike oder rennend, jedes Teilstück hat seine eigenen kurzen knackigen Herausforderungen. Wieder an der Töss entlang besteht die Möglichkeit gleich wieder AUF_ zu steigen Richtung Eschenbergturm. Der aussichtsreiche Eschenberg mit seiner schönen Hofbeiz liegt am Wegrand. Etwas weiter erreicht man den 30 Meter hohen Eschenberger Aussichtsturm. Ab diesem Jahr mit neu errichteten gemütlichen Feuerstellen. Bei klarer Sicht reicht das Panorama vom Säntis über den Tödi bis weit in die Berner Alpen – oder halt eben über die ganze #kyburgtrainingsarena ☺. Weiter in den Wäldern Richtung Winterthur Töss / Breite besteht die Möglichkeit sich auf einem Viteparcour auszutoben und nach dem AB_ stieg beim Reitplatz einzukehren. Oder aber, man rennt entlang der Töss auf den schmalen wurzeligen Singletrails mit leichtem AUF_und_AB bis auch wieder der Reitplatz erreicht wird. Im Leisental, ist dann auch der Start vom 10km Lauf vom Winterthur Marathon. Ende Mai ist es wieder soweit – mein Homerun und Teilsaisonhöhepunkt. Gleich zwei attraktive Läufe in einer, auf kleinem Raum spektakuläre Landschaft. Kleine Bäche, hübsche Wassfällchen, auch steile Tobel, Treppen, weiche Waldwege, knackige kurze Singletrails, breite lange Wanderwege und zum Schluss: Kieswanderwege mit einer mässigen Ansteigung für Steigerungsläufe. (…)

Genau diese aufgezählte Vielfalt rund um die Kyburg macht die Szenerie so speziell. Und zum Schluss. Es liegt auf meinem Arbeitsweg. Wenn ich mit dem Auto zur Arbeit fahre kannst du an der Kyburgbrugg halten und nach dem Einlaufen mit Treppensprints beginnen. Oder mit dem Bike auf dem Heimweg von der Arbeit unterwegs einige Runden mitten durch fahren. Schon viele Kilometer habe ich da verbracht. Warum immer noch die Motivation? Es sind die kleinen Spielchen mit deiner Selbst. Wie viele Laufkilometer kommen zusammen bis ich 1000 HM auf und ab gerannt bin? Welche Wege und Tobel können verbunden werden dass nicht zweimal der gleiche Weg ab zu spulen ist? Wo ist das steilste Stuck? Wie lange ist die Umrundung der Kyburgtrainingsarena? – Und immer noch entdecke ich neue Wege. Ein Lieblingsfleck. Es ist die abwechslungsreiche Möglichkeit der Trainingsgestaltung die diese Region für mich so attraktiv macht.

Wir hoffen, dass dich die eine oder andere Runde angesprochen hat und du vielleicht auch bald eine davon ausprobierst. Falls in diesem Teil nichts aus deiner Region dabei war, hoffen wir, dass dies im zweiten Teil der Fall sein wird. Dort werden dir Monika aus Bern, Melina aus Graubünden, Patrick aus dem Wallis und Thomy aus Zürich ihre Lieblingsrouten vorstellen.
Keep on running!

Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von: Marion Aebi

Andreas Kempf: Berlin, Berlin

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39’101 Läufer aus 137 Nationen haben dieses Jahr den Berlin Marathon gefinisht – einer davon ist der Schweizer Andreas Kempf. Mit seiner Zeit von 2 Stunden 19 Minuten und 22 Sekunden lief er er ausserdem ganz knapp unter der geforderten EM-Limite. Herzliche Gratulation an Andreas zu seiner Leistung und hier ein paar Worte von ihm zu seinem Marathon-Debüt.

Berlin scheint für mich ein gutes Pflaster zu sein. Im Frühjahr 2016 konnte ich in der deutschen Hauptstadt die Limite für die Europameisterschaften sowie den Freiburger Rekord im Halbmarathon unterbieten. Nun gelang mir am vergangenen Sonntag an selber Stätte trotz teilweise windigen und regnerischen Verhältnissen das gleiche Kunststück äusserst knapp auch über die doppelte Distanz.

Marathon Ausrüstung

In 2 Stunden 19 Minuten und 22 Sekunden verbesserte ich bei meinem Marathon-Debüt den Kantonalrekord, welcher fast 25 Jahre lang von Jean-François Cuennet gehalten wurde, um 13 Sekunden. Zudem erfüllte ich somit auch den Richtwert von Swiss Athletics (2:19:30) für die Leichtathletik-Europameisterschaften im August 2018. Zusammen mit einer gewissen Portion Wettkampfglück spielten viele Faktoren eine wichtige Rolle, dass ich am entscheidenden Tag diese Leistung erbringen konnte.
Einerseits wählte ich bewusst den Berlin-Marathon aus, weil die Strecke überaus flach und schnell ist, eine einzigartige Stimmung am Strassenrand herrscht, das Teilnehmerfeld um meine gewünschte Zielzeit jeweils sehr dicht besetzt ist und normalerweise das Wetter gut mitspielt. Andererseits versuchte ich seit den Schweizermeisterschaften Ende Juli auf der Bahn alles dem Marathon unterzuordnen. Das heisst, ich stellte das Training um, verbrachte vier Wochen auf dem Berninapass auf 2300 Metern über Meer und testete die optimale Wettkampfverpflegung mehrmals aus. Dabei konnte ich auf die volle Unterstützung meines Umfelds und auf erstklassige Trainingspläne meines langjährigen Coaches Erwin Grossrieder zählen. Nach dieser (eigentlich zu) kurzen zweimonatigen Marathonvorbereitung reduzierte ich einige Tage das Training stark. Daneben ernährte ich mich ab 72 Stunden vor dem Start besonders kohlenhydratreich und ballaststoffarm, was vor hohen sportlichen Belastungen über 90 Minuten von Ernährungswissenschaftlern empfohlen wird. Nach dieser sogenannten Tapering- und Carboloadingphase steht man dann möglichst erholt und mit vollen Speichern an der Startlinie.

Mit Coach und Freundin

Bei mir reichten zum Glück die Energiereserven und die mentale Willenskraft, um den Freiburger Rekord sowie die EM-Limite in Extremnis zu knacken. Sofern ich bis zum Selektionsentscheid im Frühling weiterhin den schnellsten sechs Schweizern angehöre und gesund bleibe, steht einem weiteren Einsatz im Nationaldress also nichts im Weg. Und wo finden diese nächsten kontinentalen Titelkämpfe statt? Genau, in Berlin!

Mit Fabian Kuert (2:19:51) und Adrian Lehmann (2:15:12, bester Schweizer)

Andreas Kempf: Zurück in Kenia

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Der Schweizer Spitzenläufer Andreas Kempf berichtet über sein einmonatiges Trainingslager in der kenianischen Hochebene.

Nachdem ich letztes Jahr äusserst gute Erfahrungen mit einem Trainingslager in der kenianischen Hochebene gemacht hatte, entschied ich mich anfangs Jahr wieder für einen ganzen Monat dorthin zu reisen. Gemeinsam mit einigen anderen Schweizer Langstreckenläufern war ich wiederum im gleichen Hotel, dem Kerio View Lodge, in der Läuferhochburg Iten auf 2400 Meter über Meer untergebracht. Somit war ich bereits mit der Umgebung und den dortigen Gepflogenheiten vertraut, was ich als sehr angenehm erachtete.

Andreas Kempf: Cross-Europameisterschaften

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Letztes Wochenende hat der Schweizer Läufer Andreas Kempf an den Cross-Europameisterschaften teilgenommen und gibt uns hier einen Einblick. running.COACH gratuliert Andreas zu seiner Leistung. 
start
Nach den Europameisterschaften in Amsterdam war ich physisch und mental ziemlich erschöpft. Also gönnte ich mir bereits Mitte Juli eine zweiwöchige Trainingspause, um wieder erholt und voller Tatendrang ins Training einsteigen zu können. Doch dazu musste noch ein konkretes Ziel im Herbst/Winter her, denn die für mich im nächsten Jahr prioritären Bahnrennen beginnen erst im Mai. So beschloss ich zusammen mit meinem Trainer nebst dem traditionellen Murtenlauf, welcher für einen Freiburger Läufer zur Pflicht gehört, die Cross-EM-Qualifikation in Angriff zu nehmen.

Urban Halter: Höhepunkt Jungfrau Marathon

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1830 Höhenmeter galt es zu bezwingen auf dem Weg zum grossen Jahresziel auf der Kleinen Scheidegg. Der Jungfrau-Marathon, der grösste und attraktivste Marathon der Schweiz.

Die Wetterprognosen waren gut, im schlimmsten Fall war mit einzelnen Schauern gegen Nachmittag zu rechnen. Die Vorbereitung war leicht durchzogen, aufgrund der dreiwöchigen Zwangspause fehlten mir ein paar Kilo- und Höhenmeter. Was mir aber mehr Sorgen bereitete, war eine Erkältung, die sich eine Woche vor Start mit einem kratzigen Hals ankündigte.
So liess ich die letzte etwas schnellere Trainingseinheit am Montag vor dem Lauf aus und beschränkte mich auf kurze Regenerationsläufe. Und versuchte mit Lutschtabletten, Kräuterbonbons und Nasenspray die Symptome zu dämmen. Das gelang auch einigermassen, aber ob ich wirklich fit war, blieb eine offene Frage.
Am Freitag vor dem Lauf nahm ich mir einen Tag frei, um noch etwas auszuruhen und dann am Nachmittag mit der Familie nach Interlaken in die bereits vor einem Jahr reservierte Jugendherberge zu reisen. Aufgestanden bin ich mit Kopfschmerzen – wohl bedingt durch die Erkältung, oder war das der steigenden Nervosität bzw. der Anspannung zu verdanken? Die Nacht auf Samstag schlief ich recht gut; früh aufstehen war angesagt, damit der Körper genug Zeit hat, in Schwung zu kommen. Frisch geduscht fühlte ich mich heute viel besser als am Vortag. Bei Eröffnung des Frühstückbuffets um 6 Uhr herrschte bereits Hochbetrieb. LäuferInnen aus verschiedenen Länder waren da. Ich kam ins Gespräch mit einem 13-fachen Finisher am Nebentisch, er schwärmte von der landschaftlichen Schönheit der Strecke, der ausgezeichneten Organisation und gab mir letzte Tipps, wie ich welche Streckenabschnitte angehen sollte. Vor allem nicht zu schnell auf den ersten 10 Kilometern! Das hatte ich mir auch vorgenommen.
Zweilütschinen
Um 9 Uhr war es soweit. Der Startschuss fiel. Im anfänglich dicht gedrängten Läuferfeld galt es das eigene Tempo zu finden. Vor der Jugendherberge feuerte mich meine Familie an und ich nahm den Weg Richtung Lauterbrunnen voller Energie unter die Füsse. Ich fand problemlos die Pace, die ich mir vorgenommen hatte, und lief locker mit dem Gefühl, noch Reserven zu haben.
Leider verliess mich diese Lockerheit nach rund 20 Kilometern. Ich spürte, dass ich Mühe bekam, mein Tempo zu halten. Spürte immer deutlicher, dass das Kreislaufsystem doch nicht voll leistungsfähig war am heutigen Tag. Die Herausforderung bestand nun primär darin, mit den verbliebenen Energiereserven so umzugehen, dass ich oben ankommen und dabei den Lauf und die Landschaft geniessen konnte. In der ersten steilen Steigung hinauf nach Wengen suchte ich die Belastungsintensität, die ich heute auf den verbleibenden 17 meist steilen Kilometern halten konnte. Es war hart, zahlreiche Läuferinnen und Läufer vorbeiziehen zu lassen. Einen Strassen-Marathon hätte ich vermutlich an dieser Stelle aufgegeben.
Heute kam das aber hier nicht in Frage; ich drosselte mein Tempo so weit wie nötig und liess mir Zeit, genug zu trinken und mich zu verpflegen. Wasser, Iso, Bouillon, ja sogar Cola habe ich becherweise zu mir genommen. Das war wegen dem warmen Wetters nötig und aufgrund des tieferen Tempos hier etwas einfacher als bei schnellen flachen Wettkämpfen.
Wengernalp-min
Auch den Blick für die kraftvolle imposante Bergwelt verlor ich nicht, das richtete mich immer wieder auf und zauberte zwischendurch ein Lächeln aufs Gesicht. Auf dem flacheren Zwischenstück vor und nach Wengen versuchte ich, wieder ein paar Energiereserven für den steilen Schlussaufstieg zu sammeln. Der finale Anstieg war dann anstrengend wie erwartet: Es dauerte gefühlte Ewigkeiten zwischen den Distanzanzeigen, obwohl diese im 250Meter-Abstand gesetzt wurden. Der Dudelsack-Spieler oben auf der Moräne erlöste die in Einerkolonne wandernden LäuferInnen, und auf dem Schlussabschnitt konnte man die Beine nochmals fliegen lassen und den Zieleinlauf geniessen.
Nach dem Zieleinlauf entdeckte ich dann auch meine Familie in den Zuschauermassen und genoss in ihren Armen die intensiven Emotionen. Den Stolz, es trotz nicht optimaler Verfassung geschafft zu haben und dabei auch das Laufen und die Natur-Eindrücke sowie die zahlreichen Zuschauer genossen zu haben, die am Wegrand die Läufer anfeuerten. Das Gefühl, das Beste aus den heute vorhandenen Möglichkeiten gemacht zu haben. Unglaublich schöne Momente, emotional sicher mein Jahres-Höhepunkt.

Andreas Kempf: Team-Gold

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Andreas Kempf ist am Halbmarathon in Amsterdam mit dem Schweizer Team Europameister geworden – herzliche Gratulation an ihn, das ganze Team und an den Europameister Tadesse Abraham. Andreas berichtet hier von seinem persönlichen EM-Erlebnis und was es mit der Team-Goldmedaille auf sich hat.

EM3
„Team – toll, ein anderer macht’s!“, meinte Christian Kreienbühl im Zielbereich scherzhaft zu Marcel Berni und mir. Wir hatten gerade an den Europameisterschaften in Amsterdam die Goldmedaille für die Schweiz in der Halbmarathon-Teamwertung gewonnen. Da bei diesem Klassement jedoch nur die Summe der Zeiten der drei besten Läufer pro Nation gewertet werden, kamen unsere drei Einzelzeiten gar nicht in die Wertung. Denn mit dem überragenden Sieger Tadesse Abraham, dem 15. platzierten Julien Lyon und Adrian Lehmann auf Rang 26 waren drei andere Schweizer noch schneller.

Somit wurden wir sozusagen als Trittbrettfahrer Europameister.

EM4

Wie soll man sich nun fühlen?

Und hatte ich, als einer der drei Überzähligen, diese Auszeichnung überhaupt verdient? Einerseits war ich sehr enttäuscht über meine eigene Leistung. Mit dem 80. Rang in einer Zeit von 71:10 Minuten blieb ich deutlich unter meinen Möglichkeiten. Andererseits freute ich mich wahnsinnig mit dem Team über den überraschenden und sehr knappen Sieg (zwei Sekunden vor Spanien bei einer summierten Laufzeit von über drei Stunden).

Selten passte der Ausdruck „gemischte Gefühle“ besser zu meiner Gemütslage.

EM1
Mit einigen Tagen Abstand und vielen Gesprächen mit Familie und Freunden bin ich der Meinung, dass Christian, Marcel und ich diese Medaille durchaus auch verdient haben. Obwohl wir am vergangenen Sonntag sportlich nicht zum Teamresultat beitrugen, mussten wir uns zuerst für diese Meisterschaft qualifizieren, und waren deshalb ein Teil des Schweizer Halbmarathonteams. Sei es beim gemeinsamen Trainingslager im Juni in St. Moritz oder bei der Wettkampfvorbereitung in Amsterdam; wir waren dabei und wichtig für eine funktionierende Gruppe. Jeder motivierte den anderen, jeder war um eine gute Stimmung besorgt und jeder kämpfte schlussendlich bis zur Ziellinie nicht nur für sich, sondern auch für die Schweiz und das Team. Und eigentlich bestand dieses Team nicht nur aus uns sechs Läufern, sondern zusätzlich aus Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten, Fans usw. Aus diesem Grund steht in unserem Fall „Team“ eher für: Totaler Einsatz aller Mitwirkenden!

Quelle der Fotos: http://www.mitchellmedia.ch und http://www.athletix.ch

Gert Bodamer: ein Laufbericht über die 56km von Biel

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Gert Bodamer hat sich mit dem Online Lauftrainer, Gold-Coach Ueli Bieler, erfolgreich auf den 56km Ultramarathon in Biel vorbereitet.  Sein Erfahrungsbericht zum Training und Lauf des Ultramarathons könnt ihr hier nachlesen. Running.COACH gratuliert Gert zu dieser tollen Leistung. 

Gert beim Start in Biel
Gert beim Start in der Abenddämmerung von Biel

Da stand ich also am 10. Juni in Biel; warm war es am Start. In der schon leichten Abenddämmerung zum neuen Ultramarathon über 56 km, dem kleinen Bruder des großen, legendären 100km Laufs. Aber für mich auch in der Halbdistanz ein großes Ding. Mein letzter Marathon war schon viele Jahre her und über die 42km hinaus bin ich noch nie gelaufen. „Irgendwann musst Du nach Biel!“ – welcher Läufer hat diesen Satz nicht schon mal gehört? Während mir das Adrenalin über die pushende Musik am Start ins Blut schoss, hörte ich innerlich immer wieder den Satz von meinem Gold Coach Ueli Bieler:

„Du bist gut vorbereitet, jetzt musst Du es nur noch umsetzen. Genießen und Durchhalten.“

Das war an dem Tag mein Mantra. Im Strom der sich in der Startnervosität überschlagenden Gedanken mein Fixstern. Wie kam es denn, dass diese Stimme in meinem Kopf sprechen konnte? Ich kannte den Ueli ja persönlich gar nicht. Wie geht das? Ueli war mein virtueller Lauf Coach. Und der Weg dahin entstand so: Ich hatte mir Ende Januar so langsam mal Gedanken über ein sportliches Laufziel im 2016 gemacht. Vielleicht wieder einen schönen Halbmarathon? Jetzt nur noch etwas finden…
Und wie es dann halt so kommt, verfing sich eine Runner’s World in meinen Händen und eine Story von einem Redakteur, der es in seiner Altersgruppe nochmal wissen wollte auf der Marathondistanz. Aha, der holte sich vom running.COACH, mit welchem ich ja auch schon über zwei Jahre trainiere, einen Gold-Abo Laufcoach online in die USA und stemmte damit tatsächlich sein Ziel, was für sein Alter ziemlich ambitioniert war. Dann war mir klar, was kommt, nämlich der andere Satz in meinem Kopf: „Wenn der das schafft, schaff ich das auch.“
Damit entrollte sich eine „Zufallskette“ und ich landete genauso zufällig auf der Website von Biel 100km und siehe da: es gab einen neuen Lauf, der genau zu meinen 2016 Ambitionen passte. Die 56km. In Biel, der Zeit- und Uhrenstadt in der Schweiz. Das war dann der Beginn meines Trainings zum ersten Mal mit einem persönlichen Coach. Höchste Zeit, denn mittlerweile war es schon Ende Februar, also noch gut drei Monate zum Start in Biel.
„Wenn man nach Plan acht Intervalle intensiv gelaufen ist, dann hat man keine Lust auf ein neuntes.“ Das war so ein weiterer Satz von meinem Coach als Kommentar auf mein Lamento, dass ich nach dem achten Intervall im Training völlig platt war. Intervalle zählen nicht gerade zu meinen Lieblingseinheiten. Aber bei den harten Steigungen auf der Strecke von Biel nach Kirchberg eine super Vorbereitung. Irgendwann macht es an einer 6km langen Steigung mit 7% keinen Sinn mehr zu laufen. Dann geht‘s in den Stechschritt, aber wer kommt als erstes wieder ins Laufen, wenn es ein bisschen flacher wird oben am Kamm? Genau, der der sich nach der siebten Trabpause motiviert, sobald die Pulsuhr vibriert, nochmal alles zu geben und wieder loszulaufen, auch wenn es gerade wehtut.

Verpflegung

Aber jetzt mal der Reihe nach. Erstes Thema und ständiges Credo von Coach Ueli: Verpflegung, Verpflegung, Verpflegung; regelmäßig und nach genauem Plan! Wichtig bei Langdistanzen: Wasser und Kohlenhydrate ständig zuführen. Das, was ich früher meist weggelassen habe oder unregelmäßig oder zu spät zu mir genommen habe, weil es immer zu lang dauert an der Station und die blöden Gelbeutel einfach nicht schmecken. Also früher habe ich erst angehalten, wenn ich Durst und/oder Hunger hatte. Das lief diesmal komplett anders! Und das war richtig systematisch trainiert. Wassermenge, Anzahl der kcal, nach genauem Plan der Verpflegungsstationen im Lauf getimt. Bringt das was? Absolut! Spätestens als der junge Läufer, an dem ich ab Kilometer 50 dran war – es war hart, ihm zu folgen, denn er wollte mich loswerden – plötzlich bei km 54 komplett einbrach und beinahe stehen blieb, spürte ich, dass ich den richtigen Sprit im Tank für meinen Schlussspurt hatte. Großartiges Gefühl! Ich war im letzten Drittel 12. im Gesamtklassement von über 85 Läufern als M60 Typ! Das ist doch was Vorzeigbares, oder? Das Geheimnis: Verpflegung, Verpflegung, Verpflegung!

Ausrüstung

Ready Biel
Übrigens gab es eine Stunde nach dem Start auch ein ziemlich heftiges Gewitter. Erst starker, böiger Wind, dann Blitz und Donner und dann natürlich Regengüsse. Auch die Ausrüstung hatten wir per Mail durchgesprochen. Deshalb war die dünne Laufjacke anzuziehen und das nasse Shirt loswerden auf halber Strecke, gereicht von meiner im Auto navigierenden Tochter Lisa, ein Segen. Für die 56km sind noch keine Begleitradler erlaubt, nur für diejenigen als Tipp, die den Lauf jetzt auch machen wollen.
Stirnlampe hatte ich nicht. Hat ja jeder! Dann sehe ich halt mit dem Licht der anderen Läufer. Aber was macht man im komplett dunklen Wald, abschüssig und Holperstrecke, wenn man der einen Gruppe weggelaufen ist und zur nächsten noch keinen Sichtkontakt hat? Ja richtig, ganz allein im Dunklen laufen! Und das nächste Mal eine Lampe mitnehmen und auf seinen Coach hören!
„He thinks, I run“: Das war in der Vorbereitung für Biel das grundsolide Fundament zur Arbeit mit dem Coach. Da ich wusste, dass Ueli als Triathlet auf der Langdistanz Belastungen über acht Stunden kennt und schon lange trainiert, hatte ich von Anfang an das Vertrauen, dass mein Training passt. Wenn ich alleine trainiere, tauchen bei mir immer die Fragen auf: Mache ich genug? Ist das Training richtig? Zumal der running.COACH Trainingsplan sich zwar automatisch, aber nur bis zur Marathondistanz von 42km einstellt. Danach muss das Training individualisiert werden. Aber auch für die mittleren Distanzen ist der Lerneffekt enorm. Ich dachte zuvor, dass die Energie bei Mittel- und Langdistanzen allein aus dem Fettstoffwechsel stammt und Kohlehydrate nur nice to have sind, bis der Organismus auf reinen Fettstoffwechsel umstellt. Auch das war eine Coaching Lektion mit dem Titel Bedeutung der Wettkampfernährung wert.

Ziel Kirchberg
Gert im Ziel in Kirchberg

Mittlerweile ist der Lauf fast schon einen Monat her und ich kann mit etwas Abstand auf die vielen Erlebnisse sowie die schönen Begegnungen mit den Läufern und dem netten Organisationsteam in Biel zurückblicken. Zentraler Punkt für dieses sportlich sehr positive Erlebnis ist meine optimal aufgebaute Fitness. Das Vertrauen, dass ich die Distanz schaffen werde, der in den Trainingseinheiten gewachsene Glaube, was mein Körper kann und was er lernen kann. Auch und gerade im Alter von 60 Jahren. Dafür ist im Zeitalter der Apps und Internetinformationen trotz alledem ein Lehrer mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl notwendig; meiner Meinung und Erfahrung nach. Ich würde mich freuen, wenn noch viele Läufer das Angebot eines persönlich betreuten Coachings für den Preis von etwa zwei bis drei Laufschuhpaaren nutzen würden. Die Investition nicht nur in Hardware, sondern auch in unsere Software sollte immer selbstverständlicher werden. Die Belohnung dafür sind verletzungsfreie, erfolgreiche Läufe und daraus ein wachsendes sportliches Selbstbewusstsein. Bei mir jedenfalls hat es geklappt. Kein schlechtes Ergebnis, oder?
Sportliche Grüße aus München
Euer Gert