Andreas Kempf: 15 Unterschiede zwischen kenianischen und europäischen Läufern

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Jambo! Diesen Winter schloss ich mich für ein Trainingslager der Schweizer Marathon Rekordhalterin Maja Neuenschwander und den Schweizer Marathonläufern Adrian Lehmann, Christian Kreienbühl und Michael Ott an, und verbringe mit ihnen dreieinhalb Wochen in Kenia. Dies nicht nur, um dem europäischen Winter zu entfliehen, sondern auch um einmal live zu sehen, wie die besten Langstreckenläufer der Welt trainieren. Hier in Iten ist einer von unzähligen Trainingsstützpunkten der Kenianer in der Nähe der Stadt Eldoret und des Rift Valleys im Westen Kenias.
Wir wählten die „europäische“ Variante und sind, anstatt in einem einheimischen Trainingscamp, im schönen Hotel Kerio View untergebracht. Da wird für uns gekocht, das Zimmer geputzt und die Kleider gewaschen. Eigentlich das Einzige, was wir selber machen müssen, ist schlafen, essen, trainieren und ab und zu duschen. Glücklicherweise hat es fliessend Wasser sowie Strom und sogar Internet. Trotzdem bekommen wir natürlich etwas von der Lebensweise der einheimischen Läufer mit. Deshalb hier die 15 Unterschiede zwischen den kenianischen und den Schweizer Läufern, welche ich bis jetzt beobachten konnte:

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„Europäische Variante“: Unterkunft im Hotel

1. Wohnort: Hochebene vs. Flachland

Die Kenianer leben hier permanent auf bis zu 2400 Metern über Meer, während wir Zuhause im Flachland wohnen. Somit sind die Mechanismen in ihrem Körper gewohnt, mit weniger Sauerstoff auszukommen. Dadurch haben sie an den Wettkämpfen in tiefer gelegen Gebieten einen Vorteil, weil ihrem Körper zur Muskelversorgung plötzlich mehr Sauerstoff zur Verfügung steht.

2. Trainingsstart: Frühaufstehen vs. Ausschlafen

Während es uns häufig schwer fällt, am Morgen aus dem Bett zu kommen, sind in Kenia um kurz nach 6:00 Uhr alle zum ersten Training des Tages bereit. Die klimatischen Bedingungen und der frühe Sonnenaufgang begünstigen einen frühen Trainingsstart.

3. Trainingsmethode: Gefühl vs. GPS-Uhr

Wer denkt, dass die Kenianer völlig ohne Struktur trainieren, irrt sich gewaltig. Am Dienstag steht Bahntraining, am Donnerstag Fahrtspiel und am Samstag Long Run auf dem Programm. Alle anderen Trainings (bis zu drei am Tag!) dienen primär der Verbesserung der aeroben Ausdauer und bestehen aus Dauerläufen in teilweise sehr gemächlichem Tempo. Während wir uns meistens strikt an Pulswerte und/oder an eine vorgegebene Pace halten, trainieren viele Kenianer einfach nach Gefühl. Jedoch „täuscht“ sie ihr Gefühl häufig, in dem sie einfach mitlaufen bis sie nicht mehr können. Deshalb gilt oft „the strongest survives“, was zwingend dazu führt, dass sich viele Kenianer völlig verheizen. Dafür gehören die, welche diese Trainings überstehen, zu den besten der Welt.

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Die Schweizer Spitzenläufer Adrian Lehmann, Andreas Kempf, Michael Ott und Christian Kreienbühl (von links) trainieren gemeinsam in Kenia und versuchen, nicht nur nach Gefühl zu trainieren

4. Trainingsgruppe: Gemeinsam vs. Einsam

Da die Kenianer fast ausschliesslich in Gruppen (von bis zu 50 Läufern) trainieren, besteht die vorher beschriebene Gefahr, dass die Trainings für viele zu hart sind. Dafür mangelt es ihnen nie an Trainingspartnern und Motivation. Bei uns muss man sich hingegen häufig alleine zum Laufen aufraffen. Erschwerend kommt hinzu, dass den wenigen Schweizer Spitzenläufern oftmals nur kurze Zeitfenster am Tag zum Training zur Verfügung stehen, und sie sich meistens genau an ihren Trainingsplan halten wollen. Deshalb bleibt für Kompromisse, um Trainingseinheiten in Gruppen zu absolvieren, nicht viel Spielraum übrig.

5. Laufstrecken: Coupierte Dirtroads vs. Flache Strassen

In diesem hügeligen Gebiet hier um Iten ist es praktisch unmöglich, einen flachen Dauerlauf zu machen. Ausserdem gibt es nur eine asphaltierte Strasse. Alle anderen Wege sind sogenannte Dirtroads, welche aus einem roten staubigen Erduntergrund bestehen. Das dämpft nicht nur die Schläge auf den Körper, sondern fordert auch gehörig die (Fuss-)Muskulatur. Bei uns wird im Gegensatz dazu mangels Alternativen häufig auf asphaltierten Wegen gelaufen. Zudem wird bevorzugt flach trainiert (sonst würde sich ja die Durchschnittspace des Dauerlaufs unnötig verschlechtern).

6. Infrastruktur: Aschenbahn vs. Tartanbahn

Der berühmt berüchtigte Kamariny Track in Iten ist eine Aschenbahn, die ungefähr 406 Meter lang ist. Mittlerweile gibt es zwar eine 400-Meter-Tartanbahn in der Nähe, der Eintritt ist jedoch so hoch, dass man dort praktisch nur europäische Athleten antrifft. Das heisst, die Kenianer absolvieren ihre Bahntrainings auf einer (zu langen) Aschenbahn, während wir auf perfekten, genau ausgemessen Tartanbahnen trainieren.

7. Laufschuhe: Gebrauchte rote vs. Neue farbige

Während bei uns bereits Hobbyläufer mit den neusten farbigen Modellen der Schuhindustrie unterwegs sind, trainieren die meisten Kenianer (ausser den Top-Athleten) in geschenkten Occasion-(Lauf-)Schuhen. Die Farbe der Schuhe spielt dabei keine Rolle, da nach ein paar Trainings auf den Dirtroads sowieso alle Schuhe mit rotem Staub bedeckt sind.

8. Trainingsbekleidung: Lang vs. Kurz

Bei Temperaturen ab 15 Grad Celsius sieht man bei uns eigentlich keine Läufer in langen Trainingskleidern. Ganz anders hier, die Kenianer laufen sogar bei Temperaturen um 25 Grad Celsius in langärmligen Shirts und langen Tights. Ob sie wirklich kalt haben, die langen Kleider als Schutz vor der Sonne einsetzen, (übermässiges) Schwitzen als zusätzlichen Trainingseffekt ansehen, oder ob es dazu dient, ihre Kleidersammlung zu präsentieren und einen gewissen Lebensstandard  zu untermauern, konnte ich noch nicht herausfinden. Ich war bis jetzt jedenfalls fast immer in kurzen Trainingskleidern unterwegs, um nicht mehr zu schwitzen (resp. Flüssigkeit und Mineralstoffe zu verlieren) als nötig.

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Trotz hohen Temperaturen häufig in langen Trainingskleidern unterwegs: Kenianische Spitzenläufer

9. Ernährung: Frisches unverarbeitetes Essen vs. Convinience-Food

Die kenianische Küche besteht primär aus lokalen frischen Früchten, Gemüse, Ugali (kohlenhydratreicher Maisbrei) und ein bisschen Fleisch. Fertiggerichte existieren kaum. Zudem wird Wert darauf gelegt, sich genügend Zeit zu nehmen zum Essen. Der durchschnittliche Schweizer Läufer ernährt sich bestimmt ungesünder und unter mehr Stress, als man das hier pflegt.

10. Erholung: Schlafen vs. Arbeiten

Ein grosses Problem vieler Schweizer Läufer stellt sicherlich die zu kurze Erholungszeit dar. Die meisten betreiben den Sport, wenn überhaupt, halbprofessionell und gehen noch einer anderweitigen Arbeit nach. In Kenia dagegen ist praktisch jeder, der einigermassen laufen kann, Profisportler und träumt von einer grossen Karriere. Deshalb bleibt genügend Zeit, um sich zwischen den Trainings wieder hinzulegen und sich zu entspannen.

11. Freizeit: Tee trinken vs. Handy/Computer/Fernsehen

In Kenia funktioniert das Leben generell noch ein bisschen gemütlicher. Man trinkt viel Tee, geniesst die Natur, geht zur Kirche und besucht einige Freunde. Unsere Freizeit ist meistens kurz und häufig auch noch verplant. Und haben wir einmal eine freie Minute übrig, beschäftigen wir uns mit einem unserer unzähligen elektronischen Geräte.

12. Genetische Veranlagung: Schwarz vs. Weiss

Die Wissenschaft tut sich zum Teil schwer mit diesem heiklen Thema. Wenn man jedoch die Schweizer Strassenläufe anschaut oder die Weltbestenlisten der letzten Jahre in den Laufdisziplinen konsultiert, ist die Frage berechtigt, ob Afrikaner beim Laufen einen genetischen Vorteil haben. Ein Artikel in der NZZ vom 02.06.2014 greift dieses Thema mit dem Titel „NZZ-Montagsklischee: Schwarze sind die besseren Läufer“ auf. Der Artikel beruft sich auf den britischen Physiologen Yannis Pitsiladis, der herausfand, „…dass die genetische Variabilität in Afrika viel grösser ist als im Rest der Welt. Das bedeutet, dass sich zwei kenianische Nachbarn im Erbgut viel deutlicher voneinander unterscheiden können als von einem Weissen weit weg in Europa.“ Wie kann man sich die Überlegenheit der afrikanischen Läufern dann erklären?

13. Kindheit: Viel Bewegung vs. Viel Sitzen

Der vorhergenannte Artikel aus der NZZ kommt zum Schluss, dass ein anderer Faktor als die genetische Veranlagung für die Überlegenheit der Afrikaner im Laufbereich verantwortlich ist. Nämlich die viel häufigere Bewegung der afrikanischen Kinder: „Eine grossangelegte Studie hat gezeigt, dass sich europäische Kinder durchschnittlich 11 bis 20 Minuten pro Tag moderat bis intensiv bewegen. Bei kenianischen Schülern mass Pitsiladis mit den Methoden der europäischen Studie 109 bis 234 Minuten. Moderate Bewegung entspricht leichtem Jogging. Das bedeutet, dass kenianische Kinder bis zu vier Stunden täglich laufen – und das über Jahre hinweg. Schon bei 14-Jährigen werden deshalb physiologische Werte gemessen, wie sie in Europa nur Spitzensportler aufweisen.“ Der Artikel kommt zum Schluss, dass Weisse zwar die Voraussetzungen zum Laufen haben. Aber wenn sie mit dem Training beginnen, sind die Schwarzen schon enteilt. Und ich kann bestätigen, dass wir während den Dauerläufen noch nie von so vielen laufbegeisterten Kindern wie hier angefeuert und zu Fuss (bis zu jeweils einigen hundert Metern) begleitet worden sind.

14. Mentale Einstellung: Selbstvertrauen vs. Selbstzweifel

Erfolgreiche Läufer sind in Kenia Helden und Idole. Und jeder kenianische Läufer ist überzeugt, in einigen Jahren selber Weltmeister zu sein. Zusammen mit ihrem starken Glauben an Gott, besitzen sie ein riesiges Selbstvertrauen. Der Grat zur Selbstüberschätzung ist jedoch schmal. Deshalb übernehmen sie sich häufig im Training oder beginnen einen Wettkampf viel zu schnell, und büssen dann dafür auf der zweiten Hälfte. Der typische Schweizer Läufer macht sich viele Überlegungen zum Training und zur Renntaktik, oft begleitet mit Gedanken wie „bin ich zu schnell/langsam unterwegs?“ oder „halte ich dieses Tempo bis zum Schluss durch?“. Dieses ständige Nachdenken verhindert oft bessere Leistungen. Wenn wir jedoch mit einem gesunden Selbstbewusstsein an den Start gehen und das Rennen klug einteilen, sind plötzlich Kenianer schlagbar, die eigentlich stärker einzustufen sind als wir.

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„Home of Champions“ – das Selbstvertrauen in Iten ist (zu Recht) gross

15. Doping: Unwissenheit vs. Kontrolle

Zu guter Letzt noch das leidige Thema Doping, das besonders im Moment in der Leichtathletik wieder allgegenwärtig ist. Es gibt über die aktuelle Situation in Kenia keinen Bericht von einer unabhängigen Kommission der Welt Anti Doping Agentur (WADA) wie über Russland. Trotzdem scheint es in Kenia (u.a. gemäss der ARD-Dokumentation vom deutschen Dopingexperten Hajo Seppelt) nicht schwierig zu sein, an unerlaubte Substanzen zu kommen. Korruption ist darüber hinaus in allen Bereichen Kenias, welches im internationalen Korruptionsranking 2014 der Organisation Transparency International Platz 145 von 175 untersuchten Ländern belegt, weit verbreitet. Deshalb erstaunt es nicht, dass das nationale Doping-Kontrollsystem schlecht funktioniert. Überdies wissen die meisten Kenianer nichts über die möglichen physischen und psychischen Folgen von Doping und haben bedingt gesellschaftliche Konsequenzen durch einen positiven Dopingfall zu befürchten, da die moralischen und ethischen Vorstellungen ein wenig anders sind als bei uns. Der Sport ist zudem für viele die einzige Perspektive und Chance zum sozialen Aufstieg. Gegen ein flächendeckendes staatliches Doping wie in Russland spricht allerdings, dass weder der kenianische Staat noch der nationale Leichtathletikverband über solche Strukturen und die nötigen Mittel zu verfügen scheinen. Des Weiteren sind die meisten Kenianer sehr arm und können sich gar keine unerlaubten Substanzen leisten. Die kenianischen Spitzenläufer mit ihren europäischen Trainern und Managern scheinen mir hingegen sehr gut organisiert und ziemlich suspekt. Dopende Schweizer Spitzenläufer sind selbstverständlich nicht prinzipiell auszuschliessen. Aber die Kontrollen durch die unabhängige Agentur Antidoping Schweiz, die mögliche gesellschaftliche Ächtung und das Bewusstsein für den eigenen Körper minimieren das Risiko des Doping-Missbrauchs beachtlich. Und nicht zuletzt sind die Ausbildungsmöglichkeiten und die Berufsaussichten in der Schweiz riesig im Vergleich zu Kenia, was den Stellenwert des Leistungssports in unserem Land beträchtlich relativiert.
Nun stellt sich die Frage, welche Schlüsse kann ich für mich aus diesen Unterschieden ziehen? Da ich meine Anzahl Minuten an Bewegung in der Kindheit nicht mehr erhöhen kann, liegt der Schlüssel zum Erfolg für mich weiterhin (ab und zu in Höhentrainingslagern) hart zu trainieren, mich gesund und ausgewogen zu ernähren, dem Körper die nötige Erholung zu gönnen, mental stark zu sein und für ein unabhängiges, internationales und flächendeckendes Anti-Doping-System einzustehen.
Kwaheri kutoka Kenya,
Andreas

Jonas Kiefer: Zum Schluss noch das…

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Ja, was soll ich sagen. Mein Laufjahr hatte wirklich alles zu bieten. Angefangen mit dem harten Wintertrainings und somit der Vorbereitung auf den Cityrun, die vielen Aufstiege auf den Uetliberg für den Zermatt Marathon und den tollen Hallwilerseelauf zum Abschluss. Hallwilerseelauf zum Abschluss? Da war doch was…
Ja, genau. Noch im Oktober hat es mich dann doch auch erwischt. Ich hatte mit Shin Splints zu kämpfen. Genauer hatte ich wieder mit Shin Splints zu kämpfen. Schon fast vergessen, aber vor über 10 Jahren hatte ich das Problem schon einmal, damals vom Handball her. Es hatte Pyhsiotherapie zur Folge, die wirklich sehr schmerzhaft war. Seither hatte ich aber keine Probleme mehr damit und war auch sonst mehrheitlich verletzungsfrei.

Kulisse
Jonas Kiefer verletzungsfrei unterwegs vor dem Matterhorn

Letzten Herbst kam das ganze aber nochmals kurz hoch, aber es ging schnell wieder weg und hat mich dann auch nicht weiter beschäftigt. Auch dieses mal war es am Anfang noch ganz harmlos. Mit regelmässigem Dehnen und kühlen hatte ich es eigentlich gut im Griff. Ich habe den Trainingsumfang aber drastisch reduziert gehabt, damit ich nicht Gefahr laufe, dass es schlimmer wird und immer genügend Zeit hatte zur Erholung vorhanden war. Doch nach einem Training ging es dann gar nicht mehr. Hatte am nächsten Tag sogar beim normalen Gehen Schmerzen und es wurde nicht besser. Ich habe das Training also gänzlich eingestellt und war bereits schon in der Physiotherapie. Diese hatte ich dann natürlich beibehalten. Langsam ging es stetig aufwärts, dann wieder abwärts und dann doch langsam besser. Nach fast 2,5 Monaten Problemen konnte ich letzten Samstag dann tatsächlich das erste mal wieder 30min locker Laufen gehen, ohne dass ich danach Schmerzen hatte. Es geht also wohl wieder aufwärts und ich hoffe nun dauerhaft. Werde nur ganz langsam wieder mit dem Laufen beginnen und mir viel Zeit lassen, auch wenn es einem schwer fällt. Die Physio in der Zeit war teilweise sehr schmerzhaft und ich möchte das nur bedingt verlängern müssen 😉
Nun heisst es langsam nach vorne schauen und neue Ziele zu setzen. Sicherlich werde ich das Training mit Lina-Kristin Schink beibehalten. Es hat mir sehr viel gebracht und ich kann jedem Läufer nur empfehlen, sich auch mal ein solches Training zu gönnen. Man kann so das Laufen nochmals neu entdecken und setzt auch neue Reize gegen allfällige Trainingslangeweile. Meine Lauftechnik hat sich ebenfalls verbessert und ich hoffe bald auch meine Zeiten.
Erstes grosses Ziel wird deshalb sicherlich wieder der Cityrun sein. Im Sommer suche ich mir was bergiges. Der Engadin Ultraks interessiert mich mit seiner 30km Strecke. Ansonsten schaue ich sicherlich nochmals nach einem flachen Halbmarathon, um eine gute Zeit zu setzen. Es nimmt alles langsam Formen an.
blick nach vorn
Der Fokus auf die nächsten Ziele ist eingestellt

Auch hoffe ich bis am 28. Februar wieder voll einsatzfähig zu sein, dass ich eine Etappe des neuesten Projektes von RUEDIRENNT mitlaufen kann. Ein verrücktes Projekt, dass auf dem Weg durch die ganze Schweiz Geld sammelt für verschiedene Projekte. Ich hoffe also, dass ich da mein Laufen nutzen kann, um was Gutes zu tun. Vielleicht ermutigt das ja auch den einen oder anderen von Euch?
Sonst bleibt mir durch die lange Verletzung eigentlich gar nicht mehr so viel zu erzählen, denn läuferisch passierte leider wenig. Nun gehören aber halt auch diese Momente zum Sport und ich möchte mich deswegen auch nicht weiter beschweren.
Nun nimmt mein Jahr als running.COACH-Teammitglied mit diesem Blog leider ein Ende. Gerne möchte ich mich an dieser Stelle aber bei allen von running.COACH bedanken. Es war ein spannendes Jahr und ich habe wahnsinnige Fortschritte gemacht dank dem Tool und natürlich dem Support der Leute.
Auch möchte ich mich bei denen bedanken, die meinen Blog zwischendurch gelesen haben 😉 Ich hoffe es hat Euch einigermassen unterhalten. Die vielen Geschichten dieses Jahr werden mir auf jeden Fall in bester Erinnerung bleiben.
Deswegen wünsche ich Euch herzlichst alles Gute für das 2016. Machts gut und vielleicht bis bald?
Jonas

Stell dir vor… Du läufst durch das Ziel eines Marathons

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Gänsehaut, Stolz, Erschöpfung, unendliche Freude und vielleicht sogar die eine oder andere Träne – die ganze Klaviatur der Gefühle in einem Moment kannst du erleben, wenn du durch das Ziel deines ersten Marathons rennst.
Der erste Marathon, welch ein großes Ziel! Und doch erreichbar, selbst wenn du ganz am Anfang deiner Läuferkarriere stehst. Eines solltest du aber in jedem Fall mitbringen – jede Menge Geduld und Ausdauer! Auch wenn das Ziel noch so lukrativ ist, lasse dir und deinem Körper mindestens 2-3 Jahre Zeit, ehe du zum ersten Marathon antrittst. Dein Körper wird es dir danken und du wirst sehr lange Spaß am wunderschönen Laufsport haben.

Mache aus einem Traum dein Ziel

Wenn Marathon dein Traum ist, dann mache ein Ziel daraus. Überlege dir einen Zeitpunkt in der Zukunft und suche dir ein attraktives Rennen. Der Marathonkalender bietet sehr viele spannende Events – seien es kleinere Landschaftsläufe oder riesige Stadtmarathons. Am besten visualisierst du dein Ziel. Bastle dir eine hübsche Grafik und verziere deine Pinnwand damit. So behältst du dein Ziel stets im Auge. Und natürlich gehört es auch in deinem Kalender eingetragen – DICK und FETT. Wie zukünftig alle deine Trainingseinheiten.
Nach einer optionalen, aber empfehlenswerten Untersuchung beim Sportarzt darfst du dein Umfeld von deinem Ziel begeistern. Hast du die volle Unterstützung deiner Familie und Freunde, so wirst du harte Zeiten im Training leichter überstehen. Externe Motivation ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Bei aller Euphorie für dein noch fernes Ziel solltest du dein Umfeld allerdings keinesfalls vernachlässigen. Es ist wichtiger als dein sportliches Ziel.

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© sportfotografin.com

Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry prägte den wertvollen Satz: „Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch.“ Denn sobald du das Ziel Marathon vor Augen hast, genügt es nicht mehr „nur“ Laufen zu gehen. Informiere dich über deine Voraussetzungen und lasse dir einen passenden Trainingsplan erstellen. Ein Trainingsplan ist ein gutes Fundament für ein effektives und zielführendes Training. Gerade wenn deine Zeit begrenzt ist, solltest du diese Möglichkeit zwingend nutzen.
Ein Plan ist jedoch kein Allheilmittel und ohne Fleiß und Disziplin wirst du nicht den Preis „Marathon“ ernten. Sei dir dessen immer bewusst. Vor allem, wenn die ersten Probleme auftauchen. Ob leichte Blessuren oder zeitliche Herausforderungen – gerade als Hobbysportler wirst du nie in der Lage sein, deinen Plan zu 100% zu erfüllen. Sei entsprechend flexibel und passe ihn an deine Bedürfnisse an. Räume so die Hindernisse aus dem Weg und lasse dich nicht von deinem Ziel abbringen. Du bist kein Sklave deines Trainingsplans! Variiere Strecken, Umgebung und Untergrund und bringe Abwechslung in dein Marathontraining.
Nicht der falsche Plan ist der häufigste Fehler von Hobbysportlern, sondern der zu große Ehrgeiz. Zu viel Training und zu wenig Regeneration sind dein größter Feind. Die Mischung aus genügend Ehrgeiz und dem Überwinden des inneren Schweinehundes ist eine der größten Herausforderungen. Denk auch immer daran, deine Rumpfmuskulatur nicht zu vernachlässigen. Gerade wenn deine Beine schwer werden, wird ein starker Rumpf dir helfen.

Geduld ist eine Tugend – Motivation auch…

Das Training für einen Marathon ist eine langwierige Angelegenheit. Behältst du die Geduld und die Motivation, schaffst du es bis zur Startlinie. Bei allen meinen Marathon-Läufen war stets die Trainingsphase die größere Herausforderung als das Rennen selbst. Vor allem, wenn man gut vorbereitet ist.

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© sportfotografin.com

Und auch wenn es schwerfällt, in der Rennwoche kannst du durch zu viel Training nur noch verlieren und nichts gewinnen. Lege die Füße hoch und trainiere nur noch locker und kurz, dann steht einem erfolgreichen Debüt nichts mehr im Wege. Viel Spaß und Erfolg dabei!
 
tp2_150pxTorsten Pretzsch ist 2008 von der Couch aufgestanden, um ein sportlicheres Leben zu führen. Begonnen mit einer Laufrunde von nur 15 Minuten ist er Jahre später am Ziel. Er lief Marathon und absolvierte einen Ironman. Als Teamleiter und Projektmanager war dieser Weg nur durch gutes Selbst-management möglich. Schaue in seinem ausdauerblog vorbei und lass dich dabei unterstützen, endlich mehr Sport zu machen.

Andreas Kempf berichtet von den Military World Games 2015

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Normalerweise neigt sich die Saison eines Bahnläufers spätestens im September dem Ende zu. Dies galt jedoch dieses Jahr nicht für mich. Gemeinsam mit neun weiteren Schweizer Leichtathleten und Linda Züblin wurde ich für die im Oktober zum sechsten Mal ausgetragenen Military World Games (sog. Militärweltspiele) in Mungyeong, Südkorea selektioniert. Die Military World Games wurden 1995 zum Jubiläum des Endes des zweiten Weltkrieges ins Leben gerufen und finden seither immer ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen statt. Organisator der Spiele ist der Council International du Sport Militaire (CISM), der sich das Motto „Friendship through Sport“ auf die Fahne geschrieben hat. Es werden eine grosse Anzahl olympischer sowie einige militärspezifischere Sportarten (Militärischer Fünfkampf, Fallschirmspringen, Orientierungslaufen) abgedeckt. Um als Schweizer Athlet/-in an den Military World Games teilnehmen zu können, muss man Angehöriger der Schweizer Armee sein und vom jeweiligen nationalen Sportverband selektioniert werden. So viel zu den Hintergrundinformationen…
CH-Delegation
Die Reise nach Südkorea dauerte von meiner Läufer-WG im Liebefeld bis nach Goesan in die Athletenunterkunft rund 27 Stunden. Da wir mit Emirates von Zürich via Dubai nach Seoul zwei Mal mit einem A380 fliegen konnten, waren die Flüge relativ angenehm. Trotzdem war ich natürlich nach so einer Reise ziemlich auf den Felgen und froh, endlich einige Stunden in der Horizontalen liegen zu können. Die Unterkunft in Goesan war das grösste von drei Athletendörfern und bot in sechs Häusern rund 4300 Personen Platz. Das Zimmer, welches ich mit den anderen neun Schweizer Leichtathleten teilte, war ganz in Ordnung und hatte ein grosses Fenster mit einem nicht allzu dichten Rollladen. Damit ich in der Nacht ungestört schlafen konnte, war ich um meine Ohropax und meine Schlafbrille froh. Die sanitären Einrichtungen wie Toiletten, Duschen und Waschmaschinen befanden sich im gleichen Gang wie unser Zimmer. Des Weiteren fand man im Athletendorf so ziemlich alles, was ein richtiges Dorf auch zu bieten hat: Bank, Post, Apotheke, kleiner Einkaufsladen, Fitnesscenter, Religiöse Einrichtungen, Kino, PC-Räume und überall Wifi. Am beeindruckendsten fand ich jedoch die riesige „Dinning Hall“, in welcher alle Nationalitäten zusammenkamen und von 6:00 – 10:00 Uhr Morgenessen, 11:00 – 16:00 Uhr Mittagessen und 17:00 – 24:00 Uhr Abendessen konnten. Am Buffet gab es so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Da fiel es manchmal schwer den Überblick zu behalten und sich zu entscheiden.
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Sollte man den Überblick ansonsten einmal wirklich verloren haben oder sonst irgendeine Frage auftauchen, halfen einem die südkoreanischen Volunteers weiter. Sie waren überall anzutreffen (meistens scharenweise), stets gut gelaunt und manchmal fast übertrieben freundlich. Mit Englisch und ein bisschen mit Händen und Füssen konnte man sich sehr gut mit ihnen verständigen. Schwierig wurde es nur, wenn sie etwas entscheiden mussten, das ihre Kompetenz überschritt, oder wenn man bei der Zutrittskontrolle ins Athletendorf Essen (auch Waffen oder Drogen stellten ein Problem dar) dabei hatte. Allgemein war die Stimmung unter den Helfern, Athleten und Funktionären verschiedenster Herkunft ausgesprochen gut und friedlich. Da gerieten sich weder der 150 Kilogramm schwere chinesische Boxtrainer und der dünne amerikanische Rennvelofahrer, noch der kleine palästinensische Fallschirmspringer und der grosse syrische Hochspringer in die Haare.
Das Motto der Games „Friendship together, peace forever“ wurde insbesondere an der imposanten Eröffnungsfeier stark gelebt. Neben lokaler Prominenz wohnten unter anderem die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye und der Chef der Schweizer Armee André Blattmann, welcher anschliessend noch kurz das Gespräch mit uns suchte, im Stadion der Feier bei. Schwer beeindruckend war nebst der Eröffnungsfeier auch die ganze Organisation dieses Anlasses. Beinahe alles funktionierte einwandfrei. Von den Mahlzeiten über die tadellose Internetverbindung bis zu den 45-minütigen Transporten in Bussen mit kitschigem Interieur zwischen dem Athletendorf und den Sportstätten.
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Die Leichtathletikwettkämpfe fanden im KAFAC Sports Complex statt. Dieses Stadion wurde für die Military World Games neu gebaut, bietet 10‘000 Zuschauern Platz und war auch der Austragungsort für die Eröffnungs- und Schlussfeier. Es ist Teil einer gigantischen Sportanlage im Grünen, ein wenig abseits der Stadt Mungyeong. Mein Vorlauf war am Dienstagmorgen um 10:30 Uhr Ortszeit, knapp eine Woche nach unserer Ankunft in Südkorea, angesetzt. Somit hatte ich genügend Zeit, mich zu akklimatisieren. Der Modus war wie folgt: Die fünf Ersten kommen direkt ins Finale sowie die fünf Zeitschnellsten. Glücklicherweise wurde ich in den zweiten von zwei Vorläufen eingeteilt. Nach den Resultaten vom ersten Vorlauf war klar, dass eine Zeit unter 14:45 und mindestens Rang 9 in meiner Serie für den Finaleinzug reichen würden. Dies war eine nicht allzu schwierige Aufgabe für mich, die ich sogar mit ein bisschen Reserve mit Rang 7 und 14:35 erfüllen konnte.
Da der Final bereits zwei Tage später auf dem Programm stand, musste ich mich so schnell und so gut wie möglich erholen. Dazu nahm ich ein Eisbad, ass gut, schlief viel und vertrat mir die Beine bei lockeren Footings. Am Abend vor dem Final wurde die Taktik mit Philipp Weissenberger und Alexander Hochueli, welche als Coaches von uns Leichtathleten dabei waren, sowie mit Stefan Spahr, dem Disziplinenchef CISM Leichtathletik Schweiz, besprochen.
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Voller Zuversicht auf einen Top-Ten-Platz und mit der Möglichkeit, sogar bester Europäer zu werden, startete ich in den Final. Kurz nach Beginn setzte sich eine Spitzengruppe bestehend aus sechs Läufern, die klar stärker einzuschätzen waren als ich, vom Rest des Feldes ab. Ich positionierte mich in der zweiten Gruppe, welche unter dem Tempodiktat des Amerikaners Benjamin Payne auch eine schnelle Pace anschlug. Wie sich im Nachhinein herausstellte, eine zu hohe Pace für mich. Die 3000-Meter-Marke passierten wir in 8:23, was einer Endzeit von knapp unter 14:00 entspricht. Danach lief ich komplett in die Wand. Es ging nicht nichts, sondern gar nichts mehr. Ich wurde von Läufern überholt, die ich zwischenzeitlich 100 Meter distanziert hatte. Als enttäuschender 13. von 15 Läufern beendete ich das Rennen in 14:40. So hatte ich mir den Saisonabschluss natürlich nicht vorgestellt. Aber scheinbar war ich schlechter erholt als gedacht vom Vorlauf und ging bei 25 Grad zu viel Risiko ein.
Die Enttäuschung schlug dann an den folgenden Tagen schnell wieder in Freude um. Zusammen mit den anderen Schweizern verfolgte ich noch einige Wettkämpfe, genoss die Schlussfeier, erkundete Seoul und besuchte die Grenze zu Nordkorea. Kurz bevor wir wieder ins Flugzeug nach Hause stiegen, wurden wir sogar noch auf der Schweizer Botschaft in Seoul empfangen. Was für eine Ehre!
Zusammenfassend waren die Military World Games ein eindrückliches Erlebnis für mich. Ich fühlte mich ein wenig wie an einer kleineren Version der Olympiade. Vielen Dank an die Schweizer Armee und Swiss Athletics, die mir diese Erfahrung ermöglichten. Schade klappte es nicht ganz mit einem Top-Ten-Ergebnis. Vielleicht bekomme ich ja in vier Jahren in Wuhan/CHN nochmals eine Startgelegenheit…
Andreas Kempf

Silvan Geiser: Mein Halbmarathon-Erfolgserlebnis

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Rund 10’000 Wettkämpfe sind die running.COACH-User im Jahr 2015 bisher gelaufen. Manche zum Training, viele, um eine spezielle Herausforderung zu meistern und hoffentlich alle mit Freude am Laufen. Wie aber die Wettkämpfe ausgegangen sind, welche Emotionen sie ausgelöst haben und durch was jeder Einzelne während dem Wettkampf durch gehen musste – kurz: die Geschichten hinter diesen Anlässen – das alles bleibt uns in der Regel verborgen. Dieser Regel soll mit dem nachfolgenden Text eine Ausnahme hinzugefügt werden. Sozusagen stellvertretend für die anderen 9999 Wettkämpfe berichtet Silvan Geiser von der Vorbereitung und seinem ganz persönlichen Erlebnis am Swiss City Marathon in Luzern, wo er den Halbmarathon absolviert hat. Geiser arbeitet für unseren Partner Garmin und ist durch diese Zusammenarbeit zum running.COACH gekommen.

Silvan Geiser Fribourg
Silvan Geiser in seinem Element

Die Vorgeschichte

Über Jahre hatte ich versucht, meine Halbmarathon-Zeit zu verbessern. Ich lief aber nie besser als 1:35 Stunden. Mir wurde klar, dass ich mein Training verändern muss, um mein GROSSES Ziel, einmal unter 1:30 zu bleiben, erreichen zu können. Die Frage war nur, was genau. Da kam im Sommer 2015 running.COACH ins Spiel. Also startete ich am Montag, 6. Juli meine persönliche Challenge: Ich wollte am 24. Oktober in Luzern am Swiss City Marathon die 21,1km in 1:29:59 absolvieren.

Der Wettkampf

17 Wochen oder 1044 Kilometer, 104:26:53 Stunden und 85 Trainings später stehe ich also in Luzern am Start. Ich weiss: Ich bin so fit wie noch nie. Jetzt muss ich nur noch im Kopf genügend stark sein. Ich habe mir viele positive Bilder geladen.
Pünktlich um 9:00 Uhr geht’s los. „Nicht zu schnell starten, lauf locker“, sage ich mir. Das Publikum ist der Hammer. Kilometer 11: Ich bin auf Kurs. Jetzt läuft es sich aber nicht mehr ganz so einfach. Auf einmal kommen mir einzelne Trainings in den Sinn. Diese waren hart, aber ich habe sie immer gemeistert. Das gibt mir das Selbstvertrauen, mein Tempo zu halten. Ich rede mir zu: „Wenn meine Frau, meine Freunde und die Jungs von running.COACH an mich glauben, dann ist das zu schaffen!“ Es geht zurück nach Luzern. Noch zwei Kilometer. Jetzt fühle ich mich leer. Aber mein Körper läuft. Solche Situationen hatte ich ja auch im Training. Also kein Stress, einfach Pace halten. Die letzten 700 Meter werden zur Langdistanz. Der Kopf will nicht mehr, meine Lungen brennen aber meine Beine halten wundersamerweise das Tempo. Auf einmal taucht das Verkehrshaus vor mir auf. Nur noch einmal quer hindurch. Ich bin am Ziel und schaue auf meine Garmin Forerunner 920HR: Sie zeigt 1:29:08 an.

UhrSilvan
Geschafft!

Ich bin fix und fertig aber HAPPY! Endlich habe ich mein Ziel erreicht. Ich glaube, dass dafür drei Faktoren entscheidend waren. Erstens: running.COACH hat mir die perfekten Trainings gegeben. Zweitens: Ich habe die Trainings durchgezogen – egal ob Regen, Wind oder Sonnenschein. Drittens: Meine Frau und meine Freunde haben mir das Selbstvertrauen gegeben, dass ich es schaffen kann. Am Ende steht auf der Rangliste von Datasport 1:29:05,1.

Das nächste Ziel

Nun, einige Tage später, schaue ich bereits nach vorne. Meine nächste Challenge wird sein, am Kerzerslauf eine neue persönliche Bestzeit zu laufen.

Anna Hahner am Berlin Marathon

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Weil die beiden Erfolgsgeschichten der Schweizer Christian Kreienbühl (2:13:57, Olympia-Limite geschafft) und Adrian Lehmann (2:15:08, PB um mehr als zwei Minuten verbessert) am Berlin Marathon sehr beliebt waren, lassen den Mega-Event noch einmal hochleben. Dieses Mal hat uns Anna Hahner, die aktuell schnellste Marathon-Läuferin Deutschlands, Auskunft über ihre ganz persönliche Marathon-Reise durch die Hauptstadt gegeben.
1. Du bist in Berlin als beste Deutsche und 13. Frau ins Ziel gelaufen, die 2h30-Marke hast Du knapp verpasst – bist du zufrieden?
Ich bin mit sehr großen Erwartungen in das Rennen gegangen. Ich wollte nicht nur die Olympia Norm von 2:28:30h laufen, sondern sogar meine Bestzeit von 2:26:44h unterbieten. Bis zum Halbmarathon lief alles nach Plan, dann hat es mir plötzlich den Stecker gezogen. Von daher bin sehr enttäuscht aber nicht niedergeschlagen. Dieter Baumann hat mal nach einem total verkorksten 5000m Rennen gesagt „Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären.“ Wichtig ist, dass ich aus dieser Erfahrung lerne, denn dann hatte sie ihren Sinn und wird mich stärker machen.

Enttäuschung im Ziel: Anna Hahner in Berlin.
Enttäuschung im Ziel: Anna Hahner in Berlin. Copyright: BMW AG.

2. Wie lief deine Vorbereitung, was waren die Schlüsselwochen und -einheiten und wie sorgst du dafür, dass du am Tag X das Training umsetzen kannst?
Meine Vorbereitung auf den Marathon verlief sehr gut. In den Schlüsselwochen bin ich bis zu 230km gelaufen, insgesamt bin ich vor dem eigentlichen Marathon in Berlin zwei Mal die Marathondistanz sowie zwei weitere 40km Läufe im Training gelaufen. Wichtig ist, dass der Körper vor dem Marathon ausgeruht und voller Energie ist. Es muss überall Kribbeln und man muss sich wie ein Rennpferd fühlen, das endlich aus der Box rennen möchte.
3. Kannst du uns kurz durch deine 42km in Berlin begleiten?
Ich habe mir den Marathon in 9 Abschnitte unterteilt, 8x5km + 1×2,195km. Somit hat sich die zu laufene Distanz gar nicht mehr so lang angefühlt. Für jeden Abschnitt habe ich mir einen Ohrwurm überlegt, der mich im Kopf begleitet hat und mir geholfen hat, fokussiert und konzentriert zu sein. Die positive Energie sauge ich auch von den vielen Zuschauern an der Strecke auf. Vor allem im zweiten Streckenteil, als die Beine nicht mehr so wollten, wie ich will, hat es mir total geholfen, dass mich die Zuschauer angefeuert und unterstützt haben.
4. Wie erholst du dich vom Marathon und was sind deine nächsten Ziele?
Die Nacht nach dem Marathon habe ich durchgetanzt. Ich dachte mir, die Beine fangen erst an weh zu tun, wenn ich im Bett liege, also habe ich den Moment so lange wie möglich heraus gezögert. Auch wenn der Marathon nicht so verlief, wie ich es mir vorgestellt hatte, habe ich hinterher gefeiert. Monate und Wochen im Vorhinein haben sich all meine Gedanken fast ausschließlich um diesen einen Tag gedreht, und plötzlich ist er vorbei. Am nächsten Tag bin ich dann für eine Woche in den Urlaub geflogen, um abzuschalten, Energie zu tanken und sich auf neue Herausforderungen zu freuen. Mein großes Ziel sind und bleiben die Olympischen Spiele in Rio. Ich werde im Frühjahr die Chance nutzen, mich dafür zu qualifizieren.
hahnertwins
Oft zusammen unterwegs: Anna mit ihrer Zwillingsschwester Lisa. Copyright: Moritz Schleiffelder

5. Du bist selbst durch einen Vortrag von Joey Kelly zum Laufen gekommen. Wie fühlt es sich an, wenn dir Menschen schreiben, dass du eine Inspiration für sie bist?
Es ist ein großartiges Gefühl zu wissen, dass ich Menschen mit meinem Laufen erreichen und etwas bewegen kann. Ich habe unheimlich viel Feedback nach dem Berlin Marathon bekommen von Menschen, die durch meinen Lauf inspiriert und motiviert wurden. Ich möchte meine Leidenschaft fürs Laufen weitergeben. Daher haben wir auch Ende letzten Jahres den Hahnertwins Club gegründet. Wir haben mittlerweile 120 Mitglieder, die super aktiv und motiviert sind. Der Austausch in der Facebook Gruppe ist gigantisch und beim Frankfurt Marathon wird es sogar eine Club-Staffel geben.
Zur Person: Anna Hahner ist mit ihrer Zwillingsschwester Lisa und drei weiteren Geschwistern auf einem Bauernhof in einem 300-Seelen-Dorf in der von Vorderrhön aufgewachsen. Bewegung an der frischen Luft war für die Zwillinge von klein auf etwas ganz Natürliches. Mit 17 Jahren sind Anna und Lisa durch einen Vortrag von Ex-Kelly-Family-Star Joey Kelly zum Laufen gekommen. In der Zwischenzeit 25-jährig, haben sich die „Hahnertwins“ mit Marathon-Bestzeiten von 2:26:44 (Anna, aufgestellt 2014 in Berlin) und 2:30:17 (Lisa) zu den ambitioniertesten Langstrecken-Läuferinnen Deutschlands entwickelt.

3 Faktoren, warum du deine Ziele immer wieder verfehlst

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Am Anfang brennst du für dein Ziel. Du trainierst genau nach dem Plan von running.COACH, passt an, wo es notwendig ist, und bist zufrieden mit deinem Fortschritt. Doch schon nach kurzer Zeit ist die Luft raus und du schrammst wieder an deinem Ziel vorbei. Dabei hast du bei der Zielsetzung alles richtig gemacht und dein Ziel konkret formuliert.
Die ersten Stimmen aus deinem Umfeld sagen dir: Dein Ziel ist zu hoch gegriffen, es ist zu ambitioniert oder du hörst tolle Sprüche wie: „Der Weg ist das Ziel.“
Der Weg kann nicht das Ziel sein. Es sein denn, du hast den Weg als Ziel definiert.
Stell dir vor, du gehst auf einen Segeltörn. Deinen Weg lässt du vom Wind bestimmen. Schliesslich ist der Weg das Ziel. Wenn du Glück hast, bringt dich der Weg (in diesem Fall der Wind) an einen wunderbaren Ort. Vielleicht siehst du auf deinem Weg springende Wale, Delphinschulen, schöne Abendstimmungen und vieles mehr. Hast du Pech, geht dir jedoch die Nahrung und das Wasser auf hoher See aus. Dann hilft dir auch der schönste Weg nicht weiter, wenn deine Ressourcen am Ende sind.
Verstehst du jetzt, warum der Weg nicht das Ziel sein kann?
Ohne Ziel gibt es keine Handlung!

Ziele motivieren

Motivation entsteht immer dann, wenn ein Motiv angeregt wird oder ein Ziel für dich erstrebenswert ist. Wie zum Beispiel einen Marathon unter 3 h 30’zu laufen.
Wie stark du motivierst bist, ist davon abhängig, wie sehr du für dein Ziel brennst und wie stark deine unbewussten Motive gesättigt sind. Hast du dein Ziel erreicht oder ist das Motiv gesättigt, beginnt der ganze Prozess wieder von vorne.
Motivation ist also nichts anderes als ein „temporärer Zustand“ der „Energetisierung“, welche dir Handlungsenergie gibt.

motivation
Motivation erzeugt Handlungsenergie

Smart formuliert?

Spezifische Ziele sind omnipräsent. Die SMART-Ziele sind in der Wirtschaft omnipräsent.
Obwohl du dich an die Empfehlungen gehalten hast und dir ein hohes, spezifisches Ziel gesetzt hast, bist du damit gescheitert.
SMART ist das Akronym für Specific (spezifisch)/Measurable (messbar)/Assignable (zuordenbar)/Realistic (realistisch)/Time-related (terminiert). Einen tollen Artikel zu den SMART-Zielen findest du hier.
Bei jedem Mitarbeitergespräch werden SMART-Ziele definiert. Und dennoch sind die Mitarbeiter demotiviert. Dabei haben sie doch ein Ziel. Hmm …
Das gleiche Phänomen kannst du beobachten, wenn ein neues Jahr beginnt. (Fast) alle haben grosse Ziele und noch bessere Vorsätze. Mehr Sport, bewusster essen und aufhören mit dem Rauchen.
Die Fitnesscenter sind im Januar und Februar bis unter den Rand gefüllt und du bist genervt, dass die Geräte nie frei sind. Spätestens im März ist der Ausnahmezustand beendet und Normalität kehrt ein.
Was ist also verkehrt mit den spezifischen Zielen?
Grundvoraussetzungen für spezifische Ziele
Damit die spezifischen SMART-Ziele erfolgsversprechend sind, müssen sie drei Faktoren erfüllen.
1. Sie müssen einfach, strukturiert und ergebnisorientiert sein.
Besonders erfolgsversprechend sind spezifische Ziele, wenn sie einfach und strukturiert sind und sich an einem klaren Ergebnis orientieren.
10 km unter 40’laufen.
Bei meinen nächsten Intervall jede Serie in der Zeit X laufen.
Den Marathon im ersten Drittel beenden.
2. Esbraucht die innere Verpflichtung
Ein wichtiger Faktor ist die innere Verpflichtung, das Ziel zu erreichen. Hohe und anspruchsvolle Ziele fördern deine Leistung, wenn du dich innerlich auch verpflichtet fühlst.
Psychologen verwenden für die innere Verpflichtung einen speziellen Begriff: Das Goal-Commitment.
Wenn du beispielsweise keinen Sinn in einem Intervalltraining siehst – für was muss ein Marathonläufer Intervall trainieren, so ein Schwachsinn – wirst du dieses kaum vernünftig, wenn überhaupt, absolvieren. Sogar wenn das Trainingsziel korrekt und genau formuliert ist.
3. Du darfst keine bewussten oder unbewussten Zielkonflikte haben
Du machst dich gerade für das Training bereit und deine Partnerin kommt mit einer Überraschung zu dir. Heute Abend hat sie sich etwas ganz Besonderes für dich ausgedacht. Für einmal gestaltest du das Training etwas kürzer, nimmst die Intensität zurück, damit du später noch fit bist.
Das mag jetzt ein wenig banal klingen. Den bewussten Konflikt zeigt es jedoch gut auf. Die meisten Zielkonflikte laufen jedoch auf unbewusster Ebene ab. Überlege dir einmal, wessen Ziele verfolge ich überhaupt? Sind das deine Ziele oder machst du das nur für deinen Partner? Oder willst du deinen Trainingspartner nicht enttäuschen?
Ist das der Fall, ohne dass dir das bewusst ist, spricht man von „Introjektion“. „Introjektive Ziele“ werden oft verfolgt, um es anderen recht zu machen und Schuldgefühle zu vermeiden.
Der Konflikt entsteht, weil dein Unbewusstes andere Ziele und Bedürfnisse hat, als du denkst. Deine Lustlosigkeit und Leistungseinbusse kannst du dir in diesem Fall gar nicht genau erklären. Weil es unbewusst abläuft.

Motive treiben dich an
Nur wenn kein unbewusster Zielkonflikt besteht, können Ziele erreicht werden

Überprüfe dein Ziel

Stell dir einmal die folgenden Fragen zu deinem aktuellen Ziel.

  1. Verfolge ich ein einfach strukturiertes und ergebnisorientiertes Ziel?
  2. Identifiziere ich mich mit meinem Ziel und fühle ich mich innerlich verpflichtet?
  3. Verfolge ich wirklich meine Ziele?

Wenn du alle Fragen mit JA beantworten konntest, bist du mit deinem Ziel perfekt unterwegs.
Ist jedoch ein NEIN dabei, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Ziel verfehlen wirst.
Deine Handlungsenergie geht verloren, wenn die Zielbindung fehlt, ein Zielkonflikt vorhanden ist oder „die Aufgabe“ zu komplex ist. Natürlich kannst du an deinem Ziel festhalten, dich zum Training disziplinieren und dein Unbewusstes an die Leine nehmen. Für ein einzelnes Training mag das o.k. sein. Langfristig ist diese Strategie jedoch nicht sehr smart.
Das macht keinen Spass, ist in höchstem Mass frustrierend.

Ein anderes Ziel?

Du fragst dich sicher: Ja, aber was soll ich denn tun? Du brauchst ein anderes Ziel, das motivierend ist und dein Unbewusstes anspricht. Nur mit dem Unbewussten im Boot verfolgst du deine Ziele mit Freude und Spass.
Versuch es mit einem Motto-Ziel.
Motto-Ziele sind Haltungsziele, die bildhaft und metaphorisch formuliert werden. Damit wird das Unbewusste angesprochen. Weil du mit Motto-Zielen dein Unbewusstes ins Boot holst, sind diese sehr motivierend.
„No risk no fun“ oder „Carpe diem“ sind gute Beispiele für Motto-Ziele, wie du sie im Alltag antriffst.
Einen ausführlichen Artikel zu Motto-Zielen und ihrer Wirkungsweise findest du hier.

Fazit

Ziele sind ein wichtiger Faktor für deine Motivation.
Fehlt das innere Feuer und die Identifikation mit dem Ziel, wirst du damit kaum erfolgreich sein.
Manchmal reicht eine kleine Anpassung deiner Haltung oder der Zielsetzung, damit du wieder auf Kurs kommst und für dein Ziel brennst.

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel umherirrt. – Gotthold Ephraim Lessing

Nutze deine Möglichkeiten!
Martin
PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

Martin Feigenwinter ist Sport-Mentaltrainer und Olympionike im Eisschnelllaufen und bloggt auf feigenwinter.com. Er unterstützt Athleten dabei, am Tag X ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. 
Athleten profitieren von seiner persönlichen Erfahrung aus 15 Jahren Leistungssport und als Sport-Mentaltrainer. Er ist zweifacher Olympiateilnehmer (1994, 1998) und mehrfacher Schweizermeister & -rekordhalter im Eisschnelllaufen. 1998 belegte er bei der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft den 7. Rang über 10.000 Meter. Mit der gelaufenen Zeit schaffte er den Sprung in die Top 10 der Weltrangliste aller Zeiten.

Wer möchte noch Spass beim Laufen haben?

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Du musst wieder einmal alleine laufen gehen. Obwohl du gerne läufst und gerne trainierst, fällt es dir immer schwer, dich aufzuraffen, wenn du keine Gesellschaft zum Training hast. Dann lässt du auch gerne einmal ein Training ausfallen.
Dass du in dieser Situation alles andere als motiviert bist, kann etwas mit deinen unbewussten Motiven zu tun haben, die in dieser Situation nicht befriedigt werden. Doch was tun?

Motive sind deine Antreiber

Motive steuern dein Verhalten und geben deinem Handeln Kraft und Energie. Ein Motiv wird immer dann angeregt, wenn der Ist-Zustand vom Soll-Zustand abweicht. Oder einfach gesagt, wenn ein Bedürfnis befriedigt und ein Ziel oder ein Zielzustand erreicht werden muss.
Im Kern von einem Motiv können verschiedene Bedürfnisse aktiv sein. Wenn du beispielsweise das Bedürfnis nach Gesellschaft beim Laufen hast, wirst du deine Laufkollegen kontaktieren und versuchen, sie zu einem gemeinsamen Training zu motivieren.
Das Motiv verbindet dein Bedürfnis nach Gesellschaft beim Laufen mit einem konkreten Verhalten – Laufkollegen kontaktieren -, damit es befriedigt wird.
Ein Motiv kann durch eine bestimmte Situation oder durch ein Bedürfnis aktiviert werden. Dies geschieht spontan, ohne dass du weisst, warum das so ist. Denn es läuft unbewusst (implizit) ab.
Implizite Motive sind zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die durch Erfahrung entstehen. Nur unbewusste Motive verleihen deinem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie. Es sind deine ganz persönlichen Kraftquellen!
Im Gegensatz dazu sind explizite Motive stark mit deinen Erwartungen und bewussten Zielen verbunden. Das Verhalten, das aus diesen Motiven resultiert, ist eher eine kurzfristige Reaktion für spezifische Situationen.
Auch wenn du (bewusst) denkst, dass du mit deinen Laufkollegen Schritt halten und dich mit ihnen messen musst, heisst das nicht, dass es unbewusst auch so ist. Es ist denkbar, dass für dich das gemeinsame Laufen und das gesellschaftliche Erlebnis viel wichtiger sind und die Leistung sekundär ist.
Die beschriebene Situation ist ein Motivkonflikt, der dir langfristig die Freude am Laufen verderben kann.

Motive treiben dich an
Motive treiben dich an

Vier Basis-Motive

In der PSI-Theorie (Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen) von Julius Kuhl unterscheiden wir vier Basis-Motive: die beiden wirkungsorientierten Motive Macht und Leistung sowie die beiden anreizorientierten Motive Beziehung (Anschluss) und Freiheit.
Jeder Sportler hat sein individuelles Motivprofil.
Weil sie eben unbewusst sind, ist es nicht ganz einfach, ihnen auf die Spur zu kommen. Dies ist nur mit projektiven Tests wie dem Sportmotivtest möglich.
Du kannst dich ihnen jedoch ein wenig annähern, wenn du die folgende Frage für dich beantwortest.
Was gibt dir ein gutes Gefühl?

  • Zusammen mit Kollegen laufen?
  • Die Trainingsrunde oder den Wettkampf mit einer neuen persönlichen Bestzeit absolvieren?
  • Dich gegen deine Gegner durchsetzen?
  • Das Laufen für dich geniessen und eins sein mit der Natur?

Ich weiss, du könntest dich für das eine oder andere entscheiden. Nimm mal die Variante, die am ehesten auf dich zutrifft.

Beziehungsmotiv (Anschluss) – Kontakte pflegen

Als beziehungsmotivierter Sportler holst du dir deine Energie aus zwischenmenschlichen Kontakten. Dabei ist dir wichtig, Teil von einem Team und einer Gruppe zu sein. Das Laufen selber kann dabei sogar zur Nebensache werden.
Beim gemeinsamen Training und einem herzlichen Austausch fühlst du dich besonders wohl.
Du fühlst dich bei Stafetten und Teambewerben besonders wohl, weil du dich gerne in den Dienst vom Team stellst. Dabei kannst du auch über dich hinauswachsen.

Das Leistungsmotiv – Herausforderungen meistern

Als leistungsmotivierter Sportler suchst du dir immer wieder Herausforderungen. Für dich stehen die Zeit und das Ergebnis im Vordergrund. Du möchtest dich stetig verbessern und dein Maximum ausreizen. Aber Achtung! Nur echte Herausforderungen aktivieren dein Leistungsmotiv. Zu leichte und zu schwierige Aufgaben sind gleichermassen demotivierend.
Du wächst über dich hinaus, wenn du dir herausfordernde Ziele gesteckt hast. Dabei geht es dir vor allem um deine persönliche Leistung. Die Chance auf einen neuen persönlichen Rekord kann dich im Wettkampf beflügeln.

Ziel erreichen
Herausfordernde Ziele und persönliche Leistung stehen bei einigen Läufern im Zentrum

Machtmotiv – Durchsetzen und beeinflussen

Du musst nicht gewinnen, du musst einfach besser sein als deine Gegner. Für einen machtmotivierten Sportler wie dich gibt es nichts Schöneres, als deine Gegner zu besiegen. Das gibt dir das Gefühl von Stärke und Anerkennung.
Wie der beziehungsmotivierte Sportler brauchst du andere Sportler um dich herum. Jedoch aus einem anderen Grund. Du übernimmst auch gerne Verantwortung und gibst dein Wissen in Laufgruppen weiter.
Im Wettkampf liebst du den Kampf Mann gegen Mann. Im direkten Duell kannst du die letzten Reserven „anzapfen“.

Freiheitsmotiv – Unabhängig sein

Du läufst am liebsten für dich und hängst ein wenig deinen Gedanken nach. Beim Laufen in der Natur geniesst du deine Freiheit und deine Unabhängigkeit.
Zu starre Rahmenbedingungen und Trainingspläne sind für dich ein Gräuel. Darum läufst du gerne alleine, weil du dich frei fühlst und dich selber verwirklichen kannst. Das Vertrauen in deine Fähigkeiten verleiht dir dabei Flügel.
Für welche Variante hast du dich entschieden? Das könnte dein dominierendes Motiv sein. Wie ich bereits erwähnte, ist das nur eine Annäherung. Herausfinden kannst du das nur mit einem projektiven Test.

Was motiviert?

Motivation entsteht, wenn ein Motiv angeregt wird oder ein Ziel für dich erstrebenswert ist. Motivation ist demzufolge ein „temporärer Zustand“ der „Energetisierung“, welche dir Handlungsenergie gibt. Diese wird so lange aufrechterhalten, bis das Motiv gesättigt oder das Ziel erreicht ist. Dann beginnt das Ganze wieder von vorne.
Wie stark deine Motivation ist, hängt davon ab, wie bedeutend und wichtig ein Ziel für dich ist und wie stark deine unbewussten Motive gesättigt sind.

Fazit

Gestaltest du dein Lauftraining nach deinen unbewussten Kraftquellen, macht es noch mehr Spass.
Kennst du dein Motivprofil und hast du das Unbewusste im Boot, ergeben sich für dich neue Möglichkeiten in Training und Wettkampf.
Du möchtest noch mehr über unbewusste Motive und den Sportmotivtest erfahren? Das kannst du hier tun oder du kontaktierst mich persönlich.
Nutze deine Möglichkeiten!
PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

Martin Feigenwinter ist Sport-Mentaltrainer und Olympionike im Eisschnelllaufen und bloggt auf feigenwinter.com. Er unterstützt Athleten dabei, am Tag X ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. 
Athleten profitieren von seiner persönlichen Erfahrung aus 15 Jahren Leistungssport und als Sport-Mentaltrainer. Er ist zweifacher Olympiateilnehmer (1994, 1998) und mehrfacher Schweizermeister & -rekordhalter im Eisschnelllaufen. 1998 belegte er bei der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft den 7. Rang über 10.000 Meter. Mit der gelaufenen Zeit schaffte er den Sprung in die Top 10 der Weltrangliste aller Zeiten.

Die Geschichte zum 24-Stunden Höhenmeter-Weltrekord

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20’407 Höhenmeter in 24 Stunden – das sind die Zahlen zum Weltrekordlauf von Friedrich Dähler. Friedrich ist von Haus aus Radrennfahrer und Spezialist für Langdistanz-Wettkämpfe. Wie kam er also auf die verrückte Idee, den 24h-Höhenmeter-Weltrekord anzugreifen? Wie erlebte er den Rekordlauf? Wir haben nachgefragt und Friedrich hat running.COACH exklusiv Auskunft gegeben…
…zur Ausgangslage
Die Zeit Anfang August 2014 gehörte zu den schwierigsten meiner Sportkarriere. Ich war in Topform und der Start zur Tortour (Nonstop-Radrennen über 1000 km und 14’500 Höhenmeter) lag nur noch wenige Tage vor mir. Dann erlitt ich einen Bandscheibenvorfall und ich konnte mich während vier Wochen nur noch unter stärksten Schmerzen bewegen. An Sport oder etwas ähnliches war nicht mehr zu denken. Ein Freund, der ebenfalls bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, erzählte mir, dass bei ihm das Bergaufgehen die Schmerzen linderte. So spazierte ich ein erstes Mal den Berner Hausberg Gurten und fuhr mit der Bahn wieder runter. Dies wiederholte ich in den folgenden Tagen und die Schmerzen nahmen wirklich ab. Weil ich damals ausserdem mein Studium beendete und den Job gekündigt hatte, um eine längere Reise zu unternehmen, hatte ich viel Zeit. Irgendwann ging ich dann zum nächsthöheren Berg, dem Niesen (2362 m.ü.M.) im Berner Oberland. Aus einmal Niesen wurden einige Wochen später drei Mal Niesen an einem Tag und so weiter. Die Idee für den Weltrekord kam dann von meiner Schwester.

Üblicherweise ist Friedrich Dähler auf dem Rad unterwegs
Üblicherweise ist Friedrich Dähler auf dem Rad unterwegs

…zur Vorbereitung
Mein Training für den Rekord sah dann nicht viel anders aus als das bisher bekannte Training für die Strassenrennen auf dem Rad. Ich baute pro Woche einfach noch ein bis zwei Berglauftrainings ein. Durch den Winter war ich meistens ein bis zwei Mal pro Woche am Gurten. Ab April trainierte ich einmal pro Woche am Niesen, dann machte ich den Aufstieg à je 1670 Höhenmeter meistens drei Mal. In der direkten Vorbereitung trainierte ich drei Mal auf der Weltrekordstrecke mit sechs bis elf Aufstiegen pro Training. Zudem bestritt ich als „Vorbereitungswettkampf“ den Niesenlauf, welcher mir die Bestätigung lieferte, für die Rekordjagd bereit zu sein.
Materialtechnisch verfügte ich dank Salomon über Top Material, welches ich dann den Besonderheiten der Strecke anpasste (Stöcke, Schuhe). Mental machte ich nichts besonderes, ich freute mich einfach auf die Herausforderung. Die Aufgabe an sich war einfach, ich musste ja nur bergaufgehen…
…zur Wahl des Ortes
Der Ort ist sehr entscheidend, damit ein Rekord überhaupt möglich ist. Ich liebe sehr steile Aufstiege mit möglichst wenig Flachpassagen. Ich analysierte verschiedene Orte, doch war Ennenda (Kanton Glarus, Schweiz) perfekt. Die Flachstrecke bis zum „richtigen“ Start ist nur knapp 400 Meter lang und danach steigt die Strecke auf ca. 2.6 km fast 1000 Hm an. Der steile Aufstieg selber bringt dir noch wenig, wenn du nicht eine schnelle Bahn hast. Die Aeugstenbahn braucht für die Retourfahrt nur 7.5 Minuten und die Verantwortlichen der Bahn waren von Beginn an begeistert von meinem Projekt. Alles Faktoren, die perfekt zusammenspielten.
Karte
Die Strecke bei Enneda, Kanton Glarus, Schweiz

…zur Logistik
Bei der Talstation hatte ich einen Camper mit allem Material. Auf der Strecke waren zwei Verpflegungsposten stationiert und an der Bergstation betreute mich mein Arzt, der jeweils einen kurzen Check machte. Das ganze Team inklusive Bahnpersonal war über Funk verbunden. So wussten sie immer, wann ich etwa wo bin, was ich brauche oder ob es Probleme gibt. Da das gesamte Team aus meinem Freundeskreis bestand, kannte man sich untereinander sehr gut, was sicher ein grosser Vorteil war. Weil es fast nonstop regnete, wechselte ich meistens bei der Talstation kurz Trikot und Unterleibchen.
Der bisherige Rekord von 17’000 Höhenmetern steht bei Guiness. Damit dort ein Rekord angenommen wird, muss er hohe Standards aufweisen. Deshalb mussten wir meinen Versuch auf verschiedene Arten dokumentieren. Ich trug 24 Stunden ein Garmin Edge 510 auf mir, welcher alles dokumentierte. Zudem installierten wir vier Fotofallen, die jeweils ein Foto mit Ort und Zeit aufnahmen. Weiter wurde an vier Stellen die Durchgangszeit von 4 unabhängigen Personen dokumentiert und bestätigt. Die Strecke ist zudem anderweitig nicht begehbar und die vielen Zuschauer machten ein Betrügen unmöglich.
…zum Rekordtag
Es war Freitagnachmittag, als ich gemeinsam mit Andreas Binder im vollgepackten Camper meiner Eltern ins Glarnerland fuhr. Auf dem Parkplatz der Aeugstenbahn wurden wir bereits von Werner Waldvogel und seinem Team begrüsst. Während Andi gemeinsam mit Wildhüter Marco bereits einmal die Strecke abmarschierte und an vier Stellen zur lückenlosen Dokumentation des Rekords vier Fotofallen aufstellte, organisierte ich das Chaos im Camper und kochte massenweise Pasta.
Später am Abend trafen auch noch meine Freundin Daniela Schneider und mein Chiro Martin Kumm ein. Im Camper schlief ich tief und fest, das rhythmische Tropfen des Regens auf das Dach des Campers wirkte wohl sehr beruhigend.
Die Ruhe in mir war dann spätestens beim Morgenessen weg. Ich bekam kaum mehr einen Bissen runter und war froh, dass es bald losgehen würde.
Aufstieg
Konzentriert beim Aufstieg

Um 8 Uhr war auch das komplette Team vor Ort. Ich besprach mit Werner die letzten Details zu Funk etc., danach machten sich meine Helfer auf den Weg zu ihren Posten. Unter dem Applaus zahlreicher hartgesottener Zuschauer, es regnete in Strömen, startete ich Punkt 9.00 Uhr zu meinem 24 Stunden-Unterfangen. Ich war froh, endlich auf der Strecke zu sein und fühlte mich extrem gut. Es machte trotz sehr garstigen meteorologischen Bedingungen einfach nur Spass. Unterwegs wurde ich an zwei Punkten von meinem Team betreut. An der Bergstation wartete Martin, mein Arzt auf mich, unterzog mich einem kleinen Check und schickte mich danach mit der Bahn wieder zurück an den Startpunkt. Dort wurde ich von der Talstationcrew in Empfang genommen und beim Rennen in der Fläche verpflegt. Ich verpflegte mich fast ausschliesslich flüssig, wobei ich auf die bekannte Sportlernahrung verzichtete. Als Getränke nahm ich Wasser, Bouillon und verschiedene Tees (Fenchel, Früchte und Ingwer) zu mir. Als Energielieferanten dienten mir zwei verschiedene „Shakes“. Der eine bestand aus Bananen und Haferflocken, der andere aus Kartoffeln und Karotten. Alles sehr gut püriert und mit Wasser angereichert, damit es trinkbar wurde. Als Ergänzung ass ich teilweise etwas Kleines wie Datteln oder Laugenbrötchen mit Trockenfleisch. Ich hatte über 24h keine Magenprobleme.
Das Wetter spielte nicht mit
Das Wetter spielte nicht mit

Die Runden vergingen wie im Flug, bis ich in den Runden 6 – 8 in eine Krise geriet. Dazu ist diese Vorgeschichte wichtig: An Pfingstmontag hatte ich den Aufstieg in elf Stunden bereits elf Mal gemacht, was 10’500 Höhenmetern entspricht. Die reine Laufzeit hatte bei 8.5 Stunden gelegen. Ich war sehr zügig unterwegs gewesen und hatte mich super gefühlt. Nach diesem Training war auf einmal gar nichts mehr gegangen. Urplötzlich hatte ich plötzlich starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel bekommen. Lange hatte ich danach versucht, mit meinem Trainer und meinen betreuenden Arzt die Ursachen ausfindig zu machen. Die Symptome passen zur akuten Höhenkrankheit, doch war ich dafür in zu tiefen Höhen unterwegs gewesen. Unsere Lehre aus dem Vorfall: Wir hatten für den Rekordversuch geplant, nach jedem Aufstieg eine kurze Pause zu machen, im Laufen einen Gang zurückzuschalten und die Gondel etwas langsamer runterfahren zu lassen. Das Ziel war ja, den Rekord zu brechen und nicht aufs Maximum zu gehen und dann wegen bekannten Problemen abbrechen zu müssen.
Blick aus der Gondel ins Tal
Blick aus der Gondel ins Tal

Als die Probleme nach Runde sechs wieder auftauchten, mussten wir reagieren. In den ersten Runden hatte mir Martin jeweils an der Bergstation zwei Minuten Pause gegönnt. Danach passten wir diese Taktik an. Es gab bis zum Schluss ausser bei der Bahnfahrt keine Pause mehr. Mein Körper musste immer im Rennmodus bleiben, so durfte ich mich in der Gondel auch nicht mehr hinlegen. Zudem wechselte ich den Atemrhythmus. Von da an lief es super, teilweise lief ich die Strecke sogar deutlich unter 50 Minuten und die Nacht, meine Lieblingszeit, sollte ja erst noch kommen.
Kurz nach 5 Uhr war es so weit: Friedrich Dähler bricht den bestehenden Weltrekord
Kurz nach 5 Uhr war es so weit: Friedrich Dähler bricht den bestehenden Weltrekord

Punkt fünf Uhr in der Früh knackte ich den bisherigen Rekord. Ein genialer Moment, erwartete mich mein Team doch bereits mit einem Zielbanner, um den Moment festzuhalten. Noch hatte ich vier Stunden Zeit, um die neue Bestmarke weiter zu verbessern. Schnell war in meinem Kopf die Marke von 20’000 Höhenmetern gesetzt. Dafür hiess es noch einmal hart beissen. Am Ende wurden es 20’407 Höhenmeter. Das gesamte Betreuungs- und Aeugstenbahnteam sowie Zuschauer empfingen mich beim letzten Anstieg bei der Bergstation. An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an alle! 24 Stunden draussen im nasskalten Wetter auszuharren, verdient ganz grossen Respekt. Vielen Dank auch der Aeugstenbahn.
…zu den Nachwehen
Oft wurde ich in den letzten beiden Tagen gefragt, welche Schmerzen oder Probleme ich hatte. Ich war selber erstaunt, dass ich bis auf die leichten Kopfschmerzen in Runde 6-8 keine einzigen Probleme hatte. Der intensive Regen durchnässte meinen Schuh zwar bereits nach wenigen Minuten, doch wechselte ich bis zum Schluss weder Socken noch die Schuhe. Mein Salomon LAB Schuh funktionierte einfach perfekt. Auch die neu umgestellte Ernährung passte hervorragend.
Ziel
Der letzte Aufstieg, kurz vor dem Ziel

…zu den Tipps fürs Erreichen eines grossen Ziels

1. Setze dir viele kleine Zwischenziele auf dem Weg zum grossen Ziel.
2. Analysiere, was es alles für den Erfolg braucht. Welches Training, Ernährung, Betreuung, Erholung, Streckenbesichtigung etc.
3. Plane Testrennen (Testläufe) ein, bei welchen du dich an das grosse Ziel heranstasten kannst. Damit wirst du auch eventuelle Schwachpunkte aufdecken und kannst reagieren. Zusätzlich stärkt es deine Sicherheit und nimmt den Druck.
4. Stelle dich mental auf die Herausforderung ein. Freu dich darauf und mach dir keinen Druck von Aussenstehenden.
5. Versuche nichts Neues während dem Ernstkampf, vor allem keine Experimente mit der Ernährung!
6. Höre im Rennen auf deinen Körper, finde deinen Rhythmus und geniesse es. Du hast lange darauf hingearbeitet.

Den inneren Schweinehund gibt es nicht!

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Du bist so diszipliniert! Ich werde immer wieder gefragt, wie ich es schaffte, meinen inneren Schweinehund regelmässig zu überwinden und konsequent zu trainieren. Meine Antwort ist immer die Gleiche. Ich musste ihn nicht überwinden, weil es keinen inneren Schweinehund gibt!
Der Begriff macht mir sowieso Bauchschmerzen, da er im Dritten Reich entstanden ist. Die Soldaten mussten damals ihren „inneren Schweinehund“ für ihre Gräueltaten überwinden.
Keine Lust
Du schaust zum Fenster hinaus und stellst fest, dass es heftig regnet. Auf deinem Trainingsprogramm steht ein Longjog. Bei diesem Wetter verspürst du wenig Lust zum Laufen. Auf dem Sofa mit einem warmen Cappuccino und einem guten Buch ist es doch viel gemütlicher. Doch eigentlich solltest du ja …
Kommt dir diese Situation bekannt vor? In solchen Fällen haben Verstand und das Unterbewusstsein unterschiedliche Bedürfnisse. Das ist ein Motivkonflikt.

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Die Aussicht auf Laufen im Regen kann zu einem Motivkonflikt führen

Eine Sache der Bewertung
Alle deine Erfahrungen speicherst du nach einem einfachen Prinzip mit einer Bewertung in deinem Unbewussten. Die Erfahrung war gut für dich, dann wird diese mit einer positiven Emotion (Affekt) in deinem „Belohnungssystem“ gespeichert. War es eine schlechte Erfahrung, hinterlässt diese eine negativen Emotion im „Angstsystem“.
Dein Unbewusstes lebt den Moment (im Hier und Jetzt) und hat nur ein Ziel: Psychisches Wohlbefinden. Deshalb will dich dein Unbewusstes vor Dingen bewahren, die schlecht für dich sind. Bei garstigem Wetter zu laufen ist nicht unbedingt das, was mit Wohlbefinden verbunden wird. Das muss vermieden werden!
Mit dem Verstand kannst du dein Unbewusstes zu etwas zwingen, das es gar nicht möchte, und an die Leine nehmen. Die Psychologen nennen das Selbstkontrolle. Es wird immer wieder passieren, dass du dich für ein ungeliebtes Training „disziplinieren“ musst. Disziplin (Selbstkontrolle) ist jedoch eine suboptimale Form von Selbstmanagement, die vor allem für langfristige Ziele in höchstem Masse ungeeignet ist. Deshalb sollte sie sparsam eingesetzt werden. Disziplinierst du dich regelmässig über einen längeren Zeitraum, wirst du den Spass am Laufen sehr schnell verlieren.
Es macht also wenig Sinn, dein Unbewusstes als „inneren Schweinehund“ zu bezeichnen und diesen zu bekämpfen und zu disziplinieren. Denn es ist die wichtigste Ressource, die du hast.
Warum machst du dein Unbewusstes nicht zu deinen (Trainings-)Partner und holst es mit ins Boot?
Das Unbewusste muss ins Boot
Eine weitaus bessere Variante ist es, wenn du das Unbewusste ins Boot holst. Dazu gibt es verschiedene Varianten. Du kannst es beispielsweise mit einer positiven Zukunftsaussicht ins Boot locken. „Wenn wir das Training durchziehen und beim Marathon gut vorbereitet sind, dann können wir ‚locker‘ eine neue Bestzeit laufen. Wir werden das ‚Runner’s High‘ richtig auskosten und hinterher eine schöne Party feiern.“
Weil diese Aussicht für dein Unbewusstes sehr verlockend ist, bekommst du es damit ins Boot. Das momentane Bedürfnis nach Wohlbefinden wird in den Hintergrund gestellt. Menschen sind nämlich die einzigen Lebewesen, die eine Belohnung aufschieben können.
Feigenwinter
Hole dein Unbewusstes mit ins Boot. So wird dir alles etwas einfacher fallen.

Aber Achtung!
Als Läufer ist es entscheidend, dass du deinen Körper gut wahrnimmst und eine (Wetter-)Situation richtig einschätzen kannst. Ein Trainingsprogramm auf Biegen und Brechen durchzuziehen, machen nur schlechte Sportler. Damit kannst du nur verlieren.
Langfristig wirst du damit die Lust am Laufen verlieren. Im schlimmsten Fall kann das zu Verletzungen, chronischen Beschwerden und längeren Ausfällen führen.
Verstehe mich nicht falsch. Es braucht regelmässiges Training, wenn du Wettkämpfe mit einem klaren Ziel läufst. Dann wirst du auch ab und an an deine Grenzen kommen und vielleicht auch einmal darüber gehen müssen, damit sich der gewünschte Trainingseffekt einstellt. Aber …
Gute Sportler spüren ihren Körper und passen ihren Trainingsplan bei Bedarf ihrem Befinden oder den Wetterbedingungen an. Der running.COACH ist flexibel und stellt sich auf dich ein. Bist du es auch?
Fazit
Den inneren Schweinehund kannst du nicht bekämpfen, weil es ihn nicht gibt! Gehe sparsam mit Selbstkontrolle um, nimm deinen Körper wahr und sei flexibel. Dann ist es auch nicht verkehrt, wenn du einmal ein Training ausfallen lässt und deinen Trainingsplan deinem Befinden oder den äusseren Bedingungen anpasst.
Entscheide selber, was gut für dich ist!
Nutze deine Möglichkeiten.
Martin
PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

Martin Feigenwinter ist Sport-Mentaltrainer und Olympionike im Eisschnelllaufen und bloggt auf feigenwinter.com. Er unterstützt Athleten dabei, am Tag X ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. 
Athleten profitieren von seiner persönlichen Erfahrung aus 15 Jahren Leistungssport und als Sport-Mentaltrainer. Er ist zweifacher Olympiateilnehmer (1994, 1998) und mehrfacher Schweizermeister & -rekordhalter im Eisschnelllaufen. 1998 belegte er bei der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft den 7. Rang über 10.000 Meter. Mit der gelaufenen Zeit schaffte er den Sprung in die Top 10 der Weltrangliste aller Zeiten.