Laufen hilft gegen Asthma

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Wer Ausdauersport treibt, beansprucht seine Atmung. Asthma hingegen beeinträchtigt die Atmung. Dennoch ist Sport bei Asthma kein Widerspruch – im Gegenteil.
Das Wort Asthma stammt aus dem Griechischen und bedeutet „erschwertes Atmen“, was die Situation treffend beschreibt. Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege (Asthma bronchiale). Die Bronchien von Asthmatikern reagieren unverhältnismässig stark auf alle möglichen und unmöglichen Reize mit einer variablen Verengung der Atemwege, die teilweise rückbildungsfähig ist. Die Beschwerden machen sich meist mit anfallsweiser Atemnot bemerkbar, die entweder spontan oder nach Inhalation von Medikamenten („Asthmaspray“) wieder abklingt. Gelegentlich äussert sich ein Asthma alleine durch trockenen Reizhusten (z.B. nach Anstrengung), durch ein Engegefühl auf der Brust und/oder mit vermehrter Müdigkeit und Leistungsintoleranz. Die Entzündung verursacht generell eine Zunahme der Empfindlichkeit der Atemwege auf eine Vielzahl von Reizen wie Kälte, Staub, Allergene, Rauch, Ozon oder körperliche Anstrengung. Rund 5% der Erwachsenen und bis 10% der Kinder sind von Asthma betroffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen.

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Bei Asthma sind die Atemwege gerade bei Kälte besonders empfindlich

 

Zwei unterschiedliche Asthmaformen

Man unterscheidet das allergische vom nicht allergischen Asthma, wobei häufig Mischformen zu beobachten sind. Das allergische Asthma wird verursacht durch Allergene wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Insektengift, oder Tierhaare. Das nicht-allergische Asthma wird hauptsächlich ausgelöst durch Atemwegsinfektionen, aber auch durch Überempfindlichkeit gegen Medikamente oder toxische Reize (Chemikalien). Eine Sonderform ist das sogenannte Anstrengungsinduzierte- oder auch Kälteasthma, welches auf einer chronischen Entzündung der Bronchien beruht, ausgelöst durch intensive sportliche Betätigung in der Kälte. Dabei kommt es nach rund 5-10 Minuten Belastungsdauer zu Asthma-ähnlichen Beschwerden mit (trockenem) Husten und/oder Atemnot, einhergehend mit einer Leistungsverminderung. Die Beschwerden bessern sich typischerweise unter Fortsetzung der körperlichen Aktivität, was man auch als „running through“-Phänomen bezeichnet. Vor allem trockene und kalte Luft können die Beschwerden auslösen; typischerweise sind Wintersportler davon häufiger betroffen.

Sport als Bestandteil der Therapie

Asthma und Sport ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Sportliche Betätigung ist für jeden Asthmatiker wichtig und Bestandteil der Asthmatherapie. Eine gute körperliche Kondition erhöht die Leistungsreserven und insbesondere auch die Leistungsfähigkeit der Lunge, unter anderem durch die Stärkung der Atemmuskulatur. Zudem sorgt Sport für eine Verbesserung des Körperempfindens und der Eigenbeobachtung, wodurch wiederum die Angst vor einem Asthmaanfall reduziert werden kann. Dank regelmässiger sportlicher Aktivitäten werden Anstrengungen allgemein besser toleriert und zudem kann die Erschöpfung hinausgeschoben werden.
Grundsätzlich darf jeder Sport ausgeübt werden. Ideale Sportarten sind solche mit gleichbleibender Belastung sowie Wassersportarten, die kaum eine Austrocknung der Atemwege verursachen. Ein feuchtwarmes Klima ist für Asthmatiker in der Regel besser geeignet als kalte oder trockene Luft, weshalb ein Belastungsasthma vermehrt in der kalten Jahreszeit auftritt oder im Frühsommer während der Pollenzeit. Auf Sport verzichten sollte man bei einem akuten Asthmaanfall, was auf der Hand liegt. Sport im Freien einschränken sollten Asthmatiker zudem bei hoher Luftverschmutzung (Ozon, Smog) und sehr kalten Aussentemperaturen (Minus acht Grad und darunter).

Tipps zur Vorbeugung

Die Grundregel ist simpel: Wenn man allergisch auf gewisse Substanzen reagiert, sollte man diese meiden. Dies ist jedoch nicht immer möglich, wie z.B. bei Pollen. Eine Variante ist in diesem Fall die Durchführung einer Desensibilisierung bei Heuschnupfen oder Milbenallergie. In ausgewählten Fällen kann dies vorbeugend gegen einen sogenannten „Etagenwechsel“ wirken. Ein Etagenwechsel bedeutet, dass ein Heuschnupfen mit Augen-und Nasensymptomatik im späteren Leben in ein Asthma bronchiale übergehen kann.

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Für viele Asthmatiker ein Muss: Inhalieren

 
Die Asthmatherapie beruht in erster Linie auf einer Basis- und Bedarfstherapie mit entzündungshemmenden sowie Bronchien erweiternden Medikamenten zur Inhalation. Zusätzlich können antiallergische und entzündungshemmende Medikamente in Tablettenform eingesetzt werden. Bei einem Infekt-bedingten Asthma muss der Infekt behandelt werden, evtl. mit Antibiotika. Bei Anstrengungs- und Kälteasthma hilft therapeutisch ein Bronchus erweiternder Asthmaspray (z. B Ventolin), am besten rund 15 Minuten vor dem Sport.
Ausserdem sollte man sich vor sportlichen Aktivitäten ausreichend aufwärmen, dies bei niedriger Intensität mit kurzen Intervallläufen dazwischen, allenfalls auch mit integrierten Atemübungen. Beim Sport in der Kälte kann allenfalls ein LungPlus-Gerät von Nutzen sein. Das ist ein einzigartiges, im Mund getragenes Wärme- und Feuchtigkeitsausstausch-Gerät, welches die kalte eingeatmete Luft anwärmt und gleichzeitig befeuchtet. Eine ärztliche Abklärung bei Asthmaverdacht ist immer angezeigt, dies zur Klärung der Ursache und zur Einleitung einer passenden Therapie.
akroDieser Beitrag wurde von Dr. med. Alexandra Kronenberg geschrieben. Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin und arbeitet bei Medbase Thun und Bern.