Training trotz Erkältung? – Ja!

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Solange man ein paar Dinge beachtet, tut Bewegung dem Körper gut – auch, wenn die Nase läuft.
Autor: Raphael Huber, MSc. Bewegungs- und Sportwissenschaften, MAS in Nutrition & Health, Medbase Winterthur WIN4
 
 
Aktive Menschen haben nicht nur einen fitteren Körper als Couch-Potatoes, sondern auch ein stärkeres Immunsystem. Denn Sport verbessert die Immunabwehr. Das macht den Körper widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern.
Irgendwann aber erwischt es auch Sportler einmal: Laufende Nase, Kratzen im Hals, leichtes Kopfweh – soll man da wirklich laufen? Ja, lautet die Antwort, aber gehen Sie es locker an!

Fit fürs Lauftraining?

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Empfehlenswert ist es, sich gut einzupacken. So sorgt beispielsweise ein Schal um den Mund dafür, dass die kalte und trockene Winterluft nicht direkt eingeatmet wird.
Das Warm-Up vor dem Lauf erledigt man bei Erkältung am besten in der Stube. Wer da schon spürt, dass er nicht so gut fühlt, wie es fürs Training nötig ist, kann jetzt noch einfach aufhören  – und zum Auskurieren daheim bleiben.
Dasselbe gilt natürlich auch draussen: Merkt man zum Beispiel bei Kilometer drei, dass man nicht so kann wie gewohnt, beendet man den Lauf am besten – und spaziert wieder heim.

Genesung dank lockerer Bewegung

Vor allem Amateure neigen dazu, ihr Körpergefühl zu «übergehen», wenn es ihnen eine Krankheit anzeigt. Damit tun sie ihrem Organismus jedoch keinen Gefallen.
Denn etwas Bewegung unterstützt bei einer Erkältung die Immunabwehr. Als Nebeneffekt werden beim Laufen die Nasenschleimhaut besser durchblutet und die Atemwege gut «durchlüftet». Beides fördert die Genesung.
Zu intensives Training aber bewirkt das Gegenteil: Es schwächt den Körper und macht ihn verletzungs- und infektionsanfällig. Konkret heisst das deshalb: Kein hochintensives Training bei Erkältung, kein plyometrisches Training, kein Intervalltraining und selbstverständlich keine Teilnahme an einem Wettkampf. Kein falscher Ehrgeiz zum falschen Zeitpunkt!

Bei Fieber kein Training

Fieber ist – im wahrsten Sinn – ein No-Go. Der Grund: Beim Sport steigt die Körperkerntemperatur an. Fieber plus Sport kann die Körpertemperatur derart in die Höhe treiben, dass dadurch lebenswichtige Eiweissstoffe im Organismus zerstört werden. Ebensowenig bereit fürs Training ist der Körper bei allgemeinem Krankheitsgefühl, Schwindel, Halsschmerzen, Atemproblemen oder wenn sich der Husten bei Aktivität verstärkt. Besteht mindestens eines dieser Symptome, pausiert man besser noch.
Eine optimale Regeneration ist von vielen Faktoren abhängig. Genügend Flüssigkeit, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sind die Schlüssel zum baldigen Trainingswiedereinstieg.

Training bei Erkältung

Wichtig ist generell, bei Erkältung im Training nicht ans Limit zu gehen. Leichtes Schwitzen beim Laufen ist in dieser Situation gut, voll ins Schwitzen geraten dagegen mutet dem Körper zu viel zu.
Eine gute Richtschnur gibt die Pulsfrequenz. Ist der Ruhepuls morgens höher als gewohnt, kann dies ein Hinweis sein, dass der Körper noch mit der Immunabwehr beschäftigt ist. Dann lässt man lieber mal ein Training ausfallen.
Wer seine Herzfrequenzzonen (Trainingspuls) auf der Laufstrecke kennt, kann sich unterwegs daran orientieren. Schlägt das Herz schneller als sonst oder fühlt sich die Etappe anstrengender an, dann braucht der Körper noch Schonung – und zwar sofort, nicht erst nach beendetem Lauf.
Neben dem Laufen können auch lockeres Krafttraining, Gymnastik oder Stretching sinnvoll sein. Schwimmen wäre von der körperlichen Belastung her zwar ebenfalls geeignet, trotzdem lässt man es während einer Erkältung besser sein. Denn das Desinfektionsmittel im Wasser kann die Atemwege zusätzlich reizen und die Keime im warmen Hallenbad tun ein Übriges.

Tipps:

  • Verboten sind bei Erkältung hochintensive Trainingseinheiten und Wettkämpfe
  • Wenn es draussen kalt ist, bei Erkältung lieber eine Schicht mehr anziehen als sonst
  • Bei starker Erkältung genügend trinken, genügend schlafen, gesund essen, sich Zeit geben und dafür sorgen, dass sich der Stress in Grenzen hält
  • Ein guter Trainingsplan verbessert sowohl die Fitness als auch das Immunsystem. Zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Intensität zu trainieren bringt mehr, als im Training immer «Vollgas» zu geben

 

Kein Training bei Drüsenfieber

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Für Läuferinnen und Läufer kann die Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber eine längere Trainingspause bedeuten. Oft wird sie mit einem gewöhnlichen grippalen Infekt verwechselt. Bei geschwollenen Mandeln, Halsschmerzen und Fieber über längere Zeit kann deshalb eine genauere Abklärung sinnvoll sein.
95 Prozent aller Menschen tragen das Epstein-Barr-Virus in sich, den Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Es gehört zur Gruppe der Herpesviren. Übertragen wird das Virus durch Speichel beim Küssen – meist schon im Teenageralter – im englischen Sprachraum wird die Krankheit deshalb «kissing desease» genannt.
Radrennfahrer Stefan Küng und Tennisstar Roger Federer sind zwei prominente Opfer des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Beide mussten das Training wochenlang aussetzen, um sich zu erholen. Bei anderen Sportlern führte diese Erkrankung zu einer monatelangen Trainingspause bis hin zur Aufgabe des Spitzensports. Normalerweise tritt diese Erkrankung nur einmal im Leben auf. Bei einer Schwächung des Immunsystems und hartem Training kann es in seltenen Fällen wieder ausbrechen.

Oft mit einer Grippe verwechselt

Kinder und Jugendliche haben meist nur grippeähnliche Beschwerden und erholen sich rascher wieder. Bei Erwachsenen sind Fieber, Rachenentzündung und Schwellung der Gaumenmandeln sowie der Halslymphknoten oft hartnäckiger. In 50 Prozent der Fälle kommt es zu einer Milzschwellung und etwas seltener zu einer Leberentzündung. Die Erkrankung kann mittels Blutanalyse festgestellt werden; ein Ultraschall lässt die Grösse der Milz erkennen. Eine Therapie oder Impfung gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es bislang leider nicht.

Schonung als Therapie

Die akuten Symptome klingen in der Regel innerhalb von zwei Wochen wieder ab. Restbeschwerden wie Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit können jedoch über Monate andauern. Sportler erholen sich in der Regel schneller wieder. Das Training sollte jedoch nicht zu früh wieder aufgenommen werden. Ist das Fieber abgeklungen, die Milzschwellung zurückgegangen und sind die Leberwerte wieder normal, kann nach drei bis vier Wochen mit leichtem aerobem Training begonnen werden. Hartes Training und erste Wettkämpfe sollten dann aber noch vermieden werden. Wenn zu früh zu intensiv trainiert wird, kann es leicht zu Rückfällen kommen. Die Geschwindigkeit der Genesung bestimmt allein der Körper.
Dieser Beitrag wurde durch Dr. med. Martin Narozny erstellt. Er arbeitet als Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH im Medbase Sports Medical Center Zürich. Das spezialisierte Zentrum für Sportmedizin betreut Team- und Einzelsportler und bietet ein breites Spektrum vom Leistungstest über sportmedizinische Checkups bis zur sportspezifischen Physiotherapie und Rehabilitation.