Lauf-Knigge: Wie sich LäuferInnen gut benehmen

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Menschen, die laufen, dürfen sich manchmal etwas mehr erlauben, als andere. Zum Beispiel den Chef duzen, wenn sie ihn beim Rennen treffen. Es ist für Laufsportler aber wichtig, dass sie auch wissen, was sich nicht gehört. Esther Diener-Morscher hat Ratschläge gesammelt zur Frage, was sich für Läuferinnen und Läufer geziemt und was nicht.
«Grüessech Frou Scheidegger»? Nein. Wenn sich zwei Menschen beim Laufen treffen, heisst es richtig: «Tschou Eva». Ist der Vorname unbekannt, sind auch ein freundliches «Hallo», ein skandinavisch inspiriertes «Hej» oder – wenn man mehrere Läufer trifft – auch ein lässiges «Zäme» möglich. Selbstverständlich ist es auch erlaubt «tschau Ueli» oder «salut Alain» zu sagen, sollte man beim Laufen einmal auf einen sportlichen Bundesrat treffen.

Über der Schwelle nicht mehr obligatorisch

Es ist unhöflich, beim Laufen gar nicht zu grüssen – mit zwei Ausnahmen: Sind so viele andere Läuferinnen und Läufer unterwegs, dass man gar nicht mehr fertig würde mit Grüssen, darf man darauf verzichten. Und wer den Puls schon über der anaeroben Schwelle hat, darf Sauerstoff sparende Alternativen wählen: Lächelnd nicken oder kurz die Hand heben.

Schwitzen und Ähnliches

Auch Läufer aus bestem Haus und Läuferinnen mit hervorragender Erziehung können es nicht vermeiden: Beim Laufen tritt ab einer gewissen Intensität Schweiss aus den Hautporen. Und auch die besttrainierten Gesässmuskulatur kann nicht unlimitiert Luft zurückhalten. Beide Absonderungen sind also normal und in Läuferkreisen durchaus toleriert.
Laufsportler müssen aber wissen: Häufig mag man sich selber noch ganz gut riechen, während es anderen bereits ziemlich stinkt, hinter einem zu rennen. Heikle Duftnoten beim Laufen sind: Zu viel Parfum, verschwitzte Kleider vom letzten Training, schwefelhaltige Gase aufgrund reger Verdauung von Brokkoli und anderer ballaststoffreicher Ernährung.
Ist man unsicher, ob der eigene Geruch anderen noch zumutbar ist, kann man unter Läufern völlig unkompliziert mal schnell nachfragen: Riecht man, dass ich vergessen habe, ein neues Laufshirt einzupacken/dass ich heute Knoblauch gegessen habe/dass ich ein neues Rasierwasser habe? Selbstverständlich gehört es sich für die Befragten, dann auch eine ehrliche Antwort zu geben. Erlaubt ist die schönfärberische Abschwächung: «Ja, ein bisschen riecht man es schon.»
Mit weniger Verständnis für ihre sportspezifische Ausdünstungen dürfen Läufer rechnen, wenn sie sich in der Nähe von Menschen aufhalten, die gerade keinen Sport treiben. Solche Situationen gibt es etwa nach einem Berg-Training im Gipfel-Restaurant oder nach einem Long-Jog im Bus oder Zug. Folgende Benimmregel gilt für diese Fälle: Hat es keine belüftete Restaurant-Terrasse, sind frisch gewaschenen Ersatzkleider Pflicht.

Richtig spucken und schneuzen

Im höflichen Umgang mit anderen Sportlern ist eine diskrete Sekretentsorgung das A und O. Absonderungen aus der Nase oder dem Mund werden möglichst geräuscharm und bei Laufgruppen immer nur an hinterster Position weggeschafft. Geht es um aufwendigere Entsorgungsaktivitäten, sollte dies in Einklang mit der Umwelt geschehen: Mitläufer müssen darüber orientiert werden, wie und wo sich die Gruppe wieder trifft. Unbeteiligte Mitmenschen sollten davor bewahrt werden, unfreiwillige Zuschauer zu werden.

Für das Laufen zu zweit oder in Gruppen gelten zusätzlich folgende speziellen Benimmregeln:

  1. Bei vereinbarten Lauftrainings muss niemand pünktlich sein. Man darf durchaus auch früher am Treffpunkt sein – aber niemals zu spät.
  2. Alle Einstellungen inklusive GPS-Empfang der Sportuhr sind bereit, wenn die Gruppe starten will.
  3. Die Schnellste oder der Schnellste sollte bei Gefühlen von Unterforderung nicht zuvorderst laufen und ständig nervös hin- und hertänzeln. Wer wirklich schnell ist, macht nach hinten eine Zusatzrunde. Ist einem das zu anstrengend, ist man nicht wirklich schneller als die anderen.
  4. Kopfhörer sind in einer Laufgruppe tabu.

Wer es angesichts dieser Benimmregeln in der Gruppe vorzieht, alleine zu laufen, sollte beachten: Fremde Läuferinnen und Läufer dürfen unterwegs durchaus angesprochen werden. In einigen heiklen Fällen – etwa, wenn ein Mann über eine längere Zeit hinter einer Frau läuft – ist das Ansprechen sogar höchst empfehlenswert, damit keine Missverständnisse aufkommen.
Nur in einer Situation ist das Ansprechen von fremden Laufsportlern nicht angebracht: Wer sich sichtlich über der anaeroben Schwelle befindet, sollte anstandshalber in Ruhe gelassen werden.
Die letzte Benimmregel betrifft den Kontakt mit Hunden. Brauchte es früher gute Ratschläge, wie man sich von vierbeinigen Mitläufern nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist heutzutage ein anderer Tipp wichtiger geworden: Spaziergänger mit einem Kästchen in der Hand sollten weiträumig umlaufen werden. Am Kästchen hängt meistens eine lange, kaum sichtbare Leine und an deren Ende noch ein Hund.
Was gehört für euch zum Lauf-Knigge?


Diesen Blogbeitrag verfasst hat Esther Diener-Morscher (55). Sie ist Journalistin und macht etwa drei Lauftrainings pro Woche. An den anderen Tagen fährt sie Rennvelo, macht Orientierungslauf oder geht im Winter langlaufen. Vier Höhepunkte ihres Sportlerlebens: Ihr erster und letzter Marathon (Lausanne in 3:36), der Pico Veleta (3384 m) mit dem Velo, OL-Posten-Suche am Fuss des Theodulgletschers in Zermatt und die Grande Traversée du Jura mit den Langlaufskis.