Laufbandtraining für LäuferInnen – was gilt es zu beachten?

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Laufbandtraining ist ideal fürs Intervalltraining und um die Technik zu verbessern. Damit es effektiv ist, braucht es aber einen Kniff. Für die Rehabilitation gibt es spezielle Laufbänder – auf denen die Läufer regelmässig vor Freude strahlen.

Trainieren auf dem Laufband hat mehrere Vorteile:

  • Erstens ist die Leistung dort sehr gut kontrollierbar. Puls, zurückgelegte Distanz, Tempo – das Display liefert stets alle wichtigen Informationen.
  • Zweitens eignet sich das Laufband hervorragend fürs Intervalltraining, um die Lauftechnik zu trainieren und für die Leistungsdiagnostik.
  • Drittens erspart es einem bei Hudelwetter das Training draussen.
  • Und viertens kann es bei Überlastungsschäden, zur Rehabilitation oder bei Übergewicht eine grossartige Hilfe sein – vorausgesetzt, man steigt dafür aufs passende Laufband.

Grundsätzlich ist das Training auf dem Laufband zwar ähnlich wie das Laufen draussen, aber der Energieaufwand ist dabei geringer. Beim «normalen» Laufen bewegt man den Körper aktiv über das Standbein hinweg nach vorn. Auf dem Laufband dagegen wird einem das Standbein unter dem Körper «weggezogen». Hinzu kommen der geringere Luftwiderstand und die wärmeren Temperaturen drinnen. All das führt dazu, dass Laufbandtraining bei vergleichbarem Tempo weniger anstrengend ist – wobei dies bei höherem Tempo umso stärker ins Gewicht fällt: Bei einem Tempo von acht km/h beispielsweise verbrauchen Läufer auf dem Band etwa fünf Prozent weniger Energie als beim Laufen im Freien, bei 15 km/h hingegen sind zehn Prozent weniger Energie nötig.

Das lässt sich kompensieren, indem das Laufband auf ein Prozent Steigung eingestellt wird, ab einem Tempo von 15 km/h auf zwei Prozent Steigung. So verbraucht man auf dem Laufband etwa gleich viel Energie wie draussen.

Auch auf dem Laufband sollte man darauf achten, dass die Schrittfrequenz eher höher ist. Sie lässt sich dort gut kontrollieren und wenn nötig korrigieren. Abrollphase, Rumpfkontrolle, Gangbild – all das lässt sich dort ebenfalls präziser beobachten als im Gelände. Deshalb eignet sich das Laufband so gut für die Ganganalyse und fürs Techniktraining – mit einer Einschränkung: Auf dem Laufband werden die Muskeln etwas anders beansprucht als draussen.

Multitasking erforderlich

Ein Nachteil des Laufbands ist, dass es dem Läufer permanent hohe Konzentration abverlangt. Anfänger machen oft den Fehler, dass sie das Tempo zu hoch einstellen und vergessen dabei, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis man sich darauf so bewegt wie draussen. Wer sich anfangs unsicher fühlt, lässt sich am besten anleiten und betreuen.

Weil das Band unablässig weiterläuft, muss man sich dort mehr konzentrieren als auf gut bekannten, anspruchslosen Strecken draussen (und auch daran denken, dass man sich nicht an den Griffen festhalten soll). Auch in punkto Koordination und «multi-tasking» fordert das Band den Läufer anfangs stärker als das gewohnte Laufen im Gelände. Sollte man doch einmal straucheln, stellt der Notstopp das Gerät sofort ab (falls man ihn aktiviert hat).

Von der Nasa entwickelt

Eine Besonderheit sind Anti-Schwerkraft-Laufbänder wie etwa das «Alter-G-Laufband». Die Technologie dahinter wurde ursprünglich von der US-Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt. Diese speziellen Laufbänder sind – allein schon aufgrund ihres Preises – bisher nur im medizinischen Training, in der Sportmedizin und in der Sportphysiotherapie etabliert.

Beim «Alter-G-Laufband» steigt der Läufer zuerst in «Neoprenshorts», die ihn eng umfassen. Der gesamte Unterkörper befindet sich dann in einer Luftkammer und kann mittels Luftdruck von unten angehoben werden, was die Beine entlastet. Die Füsse bleiben trotzdem am Boden. Aufgepumpt nimmt diese Anti-Schwerkraft-Kammer bis zu 80 Prozent des Eigengewichts ab. Weil die Belastung in Ein-Prozent-Schritten verändert werden kann, ist sie sehr fein dosierbar.

Solche Laufbänder dienen vor allem zur Rehabilitation oder nach Verletzungen sowie Operationen der unteren Extremitäten oder der Lendenwirbelsäule. Bei Überlastungsschäden wie dem «Läuferknie» (runners knee) und bei Problemen an der Achilles- oder Patellarsehne ermöglicht das Anti-Schwerkraft-Laufband ein angepasstes Training. Auch Patienten mit neurologischen Erkrankungen können davon profitieren oder Menschen mit Übergewicht, die laufen wollen, ohne ihre Gelenke allzu sehr zu belasten.

Vor allem geht es auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband darum, in der Frührehabilitation das Gangbild wieder zu üben und Lernprozesse zu aktivieren. Ausserdem regt die Bewegung die Durchblutung an.

Die übliche Phase des Hinkens, zum Beispiel nach einer Operation am Bein, wird dank dem Anti-Schwerkraft-Laufbandtraining oft im wahrsten Sinn «übergangen», weil der Patient ab dem Moment, wo er wieder voll belasten darf, bereits «auftrainiert» ist.

Während dieses medizinischen Trainings, das ärztlich verordnet werden muss, kann die Physiotherapeutin die Gewichtsverteilung und das Gangmuster genau verfolgen. Neue Modelle des Anti-Schwerkraft-Laufbands analysieren überdies die Schrittlänge und die Gewichtsverteilung nach beiden Seiten.

Das Gefühl, so unbeschwert eine halbe Stunde wieder joggen zu dürfen, ist für Läufer herrlich – die meisten strahlen dabei übers ganze Gesicht vor Freude. Das ist aber «nur» der Nebeneffekt dieses speziellen Laufbandtrainings.

Tipps vor dem Laufbandkauf:

Wer sich überlegt, ein Laufband zu kaufen, steht vor eine Fülle an Angeboten: Gerade Laufbänder und gebogene, solche, die das Laufen auf weichem Waldweg simulieren, Laufbänder, die den Sportler in virtuelle Welten versetzen und mit denen das Training kurzweiliger werden soll, sind nur einige Beispiele.

  • Am besten testet man verschiedene Modelle und schaut, welches einem am meisten zusagt.
  • Wichtig ist, dass das Laufband eine Geschwindigkeit von mindestens 20 km/h schafft und genügend Leistung bringt.
  • Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist die Wartung: Wie oft ist sie nötig, was kostet sie, kann man sie selbst durchführen?

Autorin: Evelyne Vonarburg Schwarz, Dipl. Physiotherapeutin FH, Sportphysiotherapeutin SPT, Stv. Leiterin Therapien Medbase Luzern Allmend

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Laufen nach Puls oder Tempo?

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Immer wieder taucht die Frage auf, welche Methode sich am besten zur Intensitätskontrolle im Training eignet: Tempo, Puls oder Gefühl? Mit Sportwissenschaftler und Dozent (u.a. für Leichtathletik und Ausdauertraining) am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern, Roland Schütz, haben wir über diese komplexe Thematik gesprochen.
Grundsätzlich geht es beim Ausdauertraining darum, dass man seine Einheiten in bestimmten Intensitätsbereichen absolvieren will. Manchmal ist das Ziel des Trainings, voll an seine Grenzen zu gehen, während man andere Male ganz bewusst locker laufen will. Doch welches ist nun die geeignetste Methode zur Überwachung dieser Intensität? Einige meinen, dies sei anhand der Pulswerte am einfachsten, während andere sich eher am Tempo orientieren und wieder andere sich gänzlich auf ihr Gefühl verlassen. Doch warum die verschiedenen Methoden schwer vergleichbar sind und wann welche vielleicht mehr Sinn macht, versuchen wir in diesem Interview zu erklären.
Wie kann man überhaupt die Puls- und Tempowerte für die verschiedenen Intensitätsbereiche ermitteln?
Für beide Methoden müssen die Intensitätsbereiche zunächst individuell festgelegt werden. Das Hauptziel dabei ist es, die anaerobe Schwelle zu ermitteln (Intensität ab welcher der Körper das produzierte Laktat in Muskeln, Zellen und Blut nicht mehr schnell genug abbauen kann und dieses anfängt, sich zu kumulieren). Diese Schwelle kann durch spezifische Tests festgelegt werden. Es gibt mehrere Varianten. Die gebräuchlichsten sind der Laktatstufentest und der Conconitest. Beim Laktatstufentest werden bei steigenden Intensitätsstufen  jeweils deine Pulswerte  und die Menge an Laktat in deinem Blut gemessen, womit anaerober Schwellenpuls und -geschwindigkeit (enspricht der Grenze zwischen Intensitätszone 4 und 5), deine Maximalgeschwindigkeit und die Puls- und Geschwindigkeitszonen für die Intensitätsbereiche 1-5 eruiert werden können. Beim Conconi-Test läuft man eine bestimmte Strecke (200m, vorzugsweise auf einer 400m-Bahn) mehrere Male ununterbrochen hintereinander, wobei das Tempo bei jedem Mal etwas erhöht wird. Auch hier wird gelaufen, bis es nicht mehr geht. Anhand des Pulsverlaufes kann man die anaerobe Schwelle abschätzen und so wiederum die Puls- und Geschwindigkeitswerte für bestimmte Intensitätsbereiche bestimmen (jedoch liefert der Laktatstufentest genauere Resultate). Für eine Schätzung der Schwellengeschwindigkeit (nicht des Pulses!) reicht aber fürs erste auch ein 30‘-Tempolauf oder ein maximal 30-minütiger Wettkampf auf einer ebenen Strecke. Die gelaufene Durchschnittsgeschwindigkeit ist ein guter Schätzwert für die anaeroben Schwelle.

Welches sind die Vor- und Nachteile der Intensitätskontrolle nach Puls?
Vorteile: Die Pulskontrolle ist vor allem für die Zonen 1-4 geeignet, da der Puls dort linear mit zunehmender Intensität ansteigt und sich so ein relativ weiter Pulsbereich gut einem bestimmten Intensitätsbereich zuordnen lässt. Der Puls sagt mir auch in hügeligem Gelände oder im Gegenwind, ob ich im gewünschten Intensitätsbereich belaste. Das Einschätzen von Trainingsbelastungen auf abwechslungsreichen Strecken ist so möglich.
Nachteile: Intervalltrainings in Zone 5 können kaum mit Puls gesteuert werden, da der Puls der Belastung immer einen Moment hinterherhinkt (je kürzere Belastungen, desto schwieriger). Zudem ist die HF bei Intervalltraings in Zone 5 sowieso immer gegen Schluss der Belastungen im Bereich von HFmax.
Welches sind die Vor- und Nachteile der Intensitätskontrolle nach Tempo?
Vorteile: Eine Tempokontrolle macht Sinn, wenn du eine Standortbestimmung willst (so in der Art: „heute ist es mir leicht gefallen, dieses Tempo zu laufen“). Wer auf ein bestimmtes Wettkampfziel hin trainiert (z.B. Halbmarathon unter 1h 30min) kann sich für die intensiven Trainings auf flacher Strecke klare Tempovorgaben machen. Bei Intervalltrainings (Zone 4 und 5) können klare Tempovorgaben gemacht werden, oder zumindest kann kontrolliert werden, ob das Tempo bis zur letzten Belastung durchgehalten werden kann. Somit kann man auch das Einteilen der Kräfte gut erlernen.
Nachteile: Die Intensitätssteuerung mit Tempo funktioniert nur mit einer standardisierten Runde, damit ich meine gelaufene Zeit vergleichen kann, oder auf einer flache Strecke. Auf flachen Strecken brauche ich eine GPS-Uhr oder abgemessene Streckenmarkierungen. Die Genauigkeit von GPS-Uhren ist für mich noch nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Die angezeigte Momentangeschwindigkeit stimmt oft nicht (bei meiner nicht ganz billigen Uhr sind Abweichungen bis zu 50Sek pro Kilometer bei gefühlt konstanter Geschwindigkeit keine Seltenheit…). Durchschnittsgeschwindigkeiten über längere Strecken hingegen stimmen wohl recht gut. Weiter kann das Laufen nach Tempo dazu verleiten, auf seinen Runden jedes Mal eine Rekord laufen oder einen bestimmten Kilometerschnitt hinbekommen zu wollen (auch bei schlechter Tagesform oder ungünstigen Verhältnissen). Das kann tendenziell zu zu hoher Intensität im Grundlagentraining führen.

Das mit der flachen Strecke gilt aber auch für die Pulskontrolle. Muss ich denn bergauf das Tempo drosseln, so dass der Puls nicht aus der gewünschten Intensitätszone geht, oder kann man dafür mit einem unterdurchschnittlichen Puls bergab kompensieren?
Wenn du in der vorgesehenen Intensitätszone bleiben willst, musst du das Tempo drosseln und eventuell sogar marschieren. Bergauf ist man rasch in Zone 3. Das muss bei der Trainingsplanung berücksichtigt werden (bewusst das Grundlagentraining auf hügeligen oder flachen Strecken planen). Ein Kompensieren ist nicht möglich. Der Durchschnittspuls eines Trainings auf einer hügeligen Strecke sagt nichts aus (sonst könntest du ja auch ein knallhartes Intervalltraining durch den tiefen Puls in den Pausen und beim Auslaufen kompensieren und es wäre plötzlich nur noch ein mittelhartes Training).
ÜBRIGENS: Im running.COACH gibt es die GAP-Funktion („grade adjusted pace“), mit der das Tempo auf deiner gelaufenen Trainingsrunde jeweils umgerechnet wird auf die Pace, welche du auf einer komplett flachen Strecke gelaufen wärst. So kannst du deine Leistungen auf den verschiedenen Strecken bequem miteinander vergleichen! Siehe den Wert ganz rechts im Screenshot unten.

Welche Art von Intensitätskontrolle schlägst du vor, wenn man einen Wettkampf gut einteilen will?
Will man einen Wettkampf über Puls steuern, funktioniert das nur in der ersten Wettkampfhälfte. Man kann so verhindern, zu schnell zu starten. Die ersten paar Minuten muss man allerdings im Gefühl haben, da dort der Puls noch nicht immer der Leistung entspricht. In der zweiten Hälfte ist der Puls dann aber keine zuverlässige Kontrolle mehr. Unter anderem aufgrund des sogenannten „Cardiac Drift“. Dieser steht für die Erhöhung des Pulses bei gleichbleibender Anstrengung, bedingt durch Faktoren wie zum Beispiel erhöhter Wärme im Körper. Für die Wettkampfeinteilung auf flacher Strecke bei Windstille ist eine Kontrolle übers Tempo grundsätzlich geeignet. Wenn du allerdings nach dem ersten Kilometer merkst, dass du viel zu schnell gestartet bist, wirst du das im weiteren Verlauf des Wettkampfs büssen.
Eignet sich eine Variante besser für Beginner und eine andere eher für Fortgeschrittene?
Wenn wir davon ausgehen, dass AnfängerInnen nicht gleich mit intensiven Trainings loslegen (Regel: steigere zuerst die Anzahl der Trainings, dann die Länge und erst dann die Intensität) und noch kein gutes Belastungsempfinden haben, eignet sich für diese die Pulskontrolle gut. Sie setzt allerdings voraus, dass die Bereiche wie oben beschrieben individuell festgelegt werden. Faustregeln wie HFmax=220-Alter sind im Einzelfall unbrauchbar. Für Fortgeschrittene würde ich empfehlen: Primär die Belastungswahrnehmung zu schulen, Grundlagentraining ab und zu mit HF kontrollieren, ab und zu auf standardisierten Strecken auch mit Tempo. Intervalltrainings vorwiegend mit Tempokontrolle. Generell ist ein exaktes Einhalten bestimmter Intensitätsbereiche bei wenig Training weniger wichtig als bei viel Training.
Fazit: 
Sowohl Puls als auch Tempo berücksichtigen Schwankungen in Tagesform oder äusseren Bedingungen (z.B. Hitze, Streckenprofil) zu wenig. Besser wäre es, wie auch running.COACH es empfiehlt, sein Belastungsempfinden so gut zu entwickeln, dass man spürt, in welchem Intensitätsbereich man läuft. Wer ein gutes Körpergefühl und/oder einige Trainingserfahrung hat, kriegt das in der Regel gut hin. Jedoch kann die Puls- und Tempokontrolle durchaus zur Überprüfung des Gefühls eingesetzt werden. Im Grundlagentraining (Zonen 1-3) kann das Gefühl gut durch die Pulskontrolle unterstützt werden (das Tempo kann eine interessante Zusatzinformation sein) und bei intensiven Trainings (Zonen 4-5) kann man es gut mit der Tempokontrolle ergänzen (dort ist der Puls die interessante Zusatzinformation). Leistungsveränderungen bei konstantem Puls oder Pulsveränderungen bei konstantem Tempo können längerfristig Hinweise auf Fortschritte oder Probleme (z.B. Mangelerscheinungen oder Übertraining) geben.
Wenn du mit running.COACH trainierst, musst du dir jedenfalls keine Gedanken darüber machen, ob du genügend in den verschiedenen Intensitätsbereichen trainierst, da dir running.COACH den optimalen Intensitäten-Mix automatisch berechnet (Regenerationslauf, Dauerlauf, Intervall, Mitteltempo, Long Jog). Solange du die Einstellungen richtig ausgefüllt hast und dein Training entsprechend unseren Empfehlungen absolvierst, sind die verschiedenen Intensitätsbereiche in deinem Training abgedeckt.

Roland Schütz,  Jahrgang 1962, ist ein ehemaliger Mittel- und Langstreckenläufer (Bestzeit am Grand-Prix von Bern: 51:24), heute OL- Läufer. Weiter ist er langjähriger Trainer im Mittel- und Langstreckenlauf im ST Bern, Berater von OL-KaderläuferInnen für das Lauftraining und

Dozent am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern (Leichtathletik, Ausdauertraining, Leistungsdiagnostik, u.a.m.).

Verfasst von: Marion Aebi