Unsere neue Botschafterin: Paula Radcliffe

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Die ehemalige Spitzenläuferin und Marathon-Weltrekordhalterin Paula Radcliffe ist neue running.COACH Ambassadorin und lässt ihr Wissen sowie ihre Trainingsphilosophie in unseren Trainingsplan einfliessen.
Seit 2005 hält Paula Radcliffe den Weltrekord über die Marathondistanz (2:15:25 Stunden), welchen die Engländerin am London-Marathon gelaufen ist. Diesen sowie auch den New-York-Marathon hat sie insgesamt drei Mal gewonnen.
Während ihrer 23-jährigen Karriere lief sie auf verschiedenen Distanzen (5‘000 Meter, 10‘000 Meter, Marathon) ausgesprochen erfolgreich. Wir freuen uns sehr, dass nun all die Jahre Trainings- und Wettkampfserfahrung in den running.COACH Trainingsplan einfliessen und wir so auch euch daran teilhaben lassen dürfen.
Im Interview mit running.COACH gibt Paula Radcliffe bereits einen Einblick.
Letztes Jahr wurde am Berlin-Marathon der Weltrekord bei den Männern von Eliud Kipchoge gebrochen und auf ein ähnlich unerreichbar scheinendes Niveau gehoben, wie dir dies vor 15 Jahren gelungen ist. Wie weit wird dieser Männer-Weltrekord noch runter gehen?
Ich denke, es war bereits ein grosser Schritt nach vorne von Kipchoge. Wahrscheinlich haben wir spätestens seit Monza (inoffizieller Weltrekordversuch) realisiert, dass er den Weltrekord wirklich weit vorantreiben kann. Jetzt hat er es am Berlin-Marathon offiziell getan. Ich denke, dass er den anderen im Moment ein wenig voraus ist. Dieser Rekord wird für eine Weile bestehen. Wenn jemand aktuell näher an zwei Stunden herankommt, dann wohl Kipochge selber.
Wenn wir über Weltrekorde sprechen, wie lange wird der Rekord von Paula Radcliffe noch stehen?
Ich weiss nicht – bereits jetzt bin ich dankbar, dass er schon so lange besteht. Je länger ich ihn bereits habe, desto stolzer bin ich und auch glücklich, dass ich an jenem Tag das Optimum aus mir herausholen konnte. Denn für den Marathon muss man einfach optimale Bedingungen haben: eine gute Form, das Wetter muss stimmen, es muss einfach alles passen. Dazumal in London ging es auf, es war ein top Tag für mich (London-Marathon 2003, 2:15:25 Stunden). Dafür bin ich heute noch sehr dankbar. Und je länger ich den Weltrekord inne halte, desto weniger will ich ihn abgeben.

Was hat dir persönlich der Laufsport all die Jahre gegeben?
Er hat mir so viel gegeben. Spass, Vergnügen und Genuss, aber ebenso ein persönliches Gefühl der Erfüllung. Und auch, mehr über meinen Körper sowie meine Psyche zu erfahren – einfach allgemein stärker zu werden: Ein gesunder Mensch zu sein mit einer positiven Lebenseinstellung.
Ich durfte viele interessante Menschen treffen und an so viele Orte reisen. Erfahren, was es heisst, im Team zu arbeiten, sich mit viel Ausdauer auf etwas vorzubereiten. Ich habe aber auch gelernt, wie man Rückschläge überwindet.
2015 hast du deine erfolgreiche Karriere beendet. Was würdest du anders machen, wenn du das Rad der Zeit zurückdrehen könntest?
Für mich gilt generell „no regrets“. Weil so oder so gibt man sein Bestes: Einiges geht auf, darauf darf man stolz sein. Und aus den weniger guten Erfahrungen lernt man meistens sehr viel. Natürlich würde ich jetzt im Nachhinein gerne auf eine Verletzung vor den Olympischen Spielen in Athen und Peking verzichten. Aber insgesamt hatte ich wohl Glück: Es hat mehr funktioniert als nicht.
Wie hat dein Körper auf den Rücktritt reagiert? 
Ich denke, ich habe Glück, denn als Langdistanzläufer ziehen wir uns zwar aus dem Wettkampfgeschehen zurück, müssen uns aber nicht vom Laufen verabschieden. So vermisse ich zwar den Wettkampf, schätze aber auch die Tatsache, dass ich eine lange Karriere hatte und heute geniesse ich es einfach, zum Vergnügen zu laufen. So kommt mein Körper sehr gut zurecht, denn, wenn ich laufen will, tue ich es und wenn mein Körper müde ist, muss ich ihn nicht mehr durch Trainings boxen. Ich konnte beispielsweise sehr geduldig sein, als ich mein Training nach meiner Fussoperation wieder aufbaute und konnte so wirklich auf meinen Körper hören.
Hat sich deine Einstellung zum Laufen seitdem verändert? 

Laufen war immer mein Vergnügen und Stressabbau, aber jetzt kann es das durchaus mehr sein. Ich kann den Lauf jetzt wirklich für alles nutzen, was ich mental und physisch aus ihm herausholen will, während es vorher immer einen Trainingszweck gab. Jetzt kann ich schnell laufen, um meinen Kopf zu befreien und mich gut zu fühlen, wenn ich Lust habe, oder ich kann einfach locker laufen und die Landschaft oder Gesellschaft geniessen und den Lauf als Denkzeit oder auch Problemlösungszeit nutzen!

 
Wie sieht heute eine typische Trainingswoche von Paula Radcliffe aus? Wie viel läufst du noch?

Ich laufe meistens täglich und jeweils für etwa eine Stunde. Ich schalte dabei nur selten meine Sportuhr an und habe beim Start nicht wirklich einen Plan für den Lauf. Ich laufe nach meinem Gefühl und schliesse improvisierte Tempoläufe, Intervalle oder Hill Sessions ein, wenn ich Lust dazu habe. Oftmals entscheide ich mich auch erst während des Laufes für eine Route, je nachdem, wohin ich gehen möchte.
Welches ist bzw. war dein Lieblingstraining?
Das war für mich definitv der Long Jog, weil er wichtig ist und ich ihn mochte. Ich war auch Fan von Fartlek- und Hügeltrainings, und irgendwie mochte ich die Bahntrainings, wenigstens als ich in Form war. Also habe ich darauf geachtet, dass diese Trainings auch bei running.COACH enthalten sind.
Welches sind deine Trainingsprinzipien? Können diese auch von Hobbysportlern angewendet werden?

Ja, denn es geht vor allem darum, das Laufen zu geniessen. Das ist das Wichtigste, um langfristig Spass am Laufen zu haben. Weiter ist es wichtig, dass man seine Schwächen sowie Stärken kennt. Natürlich müssen wir an unseren Schwächen arbeiten, aber wir müssen auch erkennen, worin wir gut sind und das Training sowie den Wettkampf dann an unsere Stärken anpassen. Es hilft zudem, nach einem Plan zu laufen und sich daran zu halten.
Kannst du uns ein paar Tipps für die letzte Vorbereitung vor einem Rennen geben?
Besonders für einen Marathon- oder Langstreckenlauf ist es sehr wichtig, einige Trainingsläufe in den Schuhen und in der Ausrüstung zu machen, die du am Renntag tragen wirst. Bis dahin sind die letzten Hauptvorbereitungen abgeschlossen, so dass der letzte Teil darin besteht, sich gut zu fühlen und frisch zu sein fürs grosse Rennen. Der Schlaf während der Rennwoche ist sehr wichtig, denn oft schlafen die Leute in der Nacht vor dem Rennen nicht gut. Daher gilt es also vorzuholen! Auch eine passende Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Unmittelbar vor dem Laufen soll man sich auch aufwärmen und den Körper mit ein paar Steigerungsläufen sowie ein paar Mobilisationsübungen vorbereiten.
Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Einen Trainings-, Ernährungs- oder Erholungstipp zum Beispiel?
Oft vergessen wir die Erholung und denken nur ans Lauftraining. Aber wenn der Körper und der Geist müde sind, ist manchmal ein Ruhetag das beste Training.
Was überzeugt dich persönlich am running.COACH Trainingsplan?

Dass sich der Plan individuell dem Läufer anpasst. Die Tatsache, dass es von Menschen geplant wird, die das Laufen verstehen und kennen, was Läufer aus ihrem Training herausholen wollen. Die Erfahrung des Teams und die ganzheitliche Planung kommen zusammen, um dem einzelnen Läufer zu helfen, das Beste aus sich selbst und seinem Training herauszuholen.
Verfasserin Blogbeitrag: Stefanie Meyer

Die Schweizer Lauflegende Markus Ryffel über den Laufsport damals und heute

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Der Laufsport hat sich seit seinen Anfängen stark weiterentwickelt. Einer, der die Entwicklungen der letzten 40 Jahre selbst durchlebt hat,  ist der 63-jährige Schweizer Rekordhalter über 3000m und 5000m, Markus Ryffel. Der Olympia-Silbermedaillengewinner von 1984 ist running.COACH Aushängeschild der ersten Stunde und war bei der Entwicklung massgeblich beteiligt. In diesem Interview gibt er uns einen Einblick den Laufsport von damals.
Heute ist das Wissen in Sachen Training und Leistungsdiagnostik um einiges grösser als zu der Zeit, als Markus Ryffels selber aktiver Elite-Athlet war. Da ist es doch erstaunlich, dass bis heute keiner seiner zwei Schweizer Rekorde hat unterboten werden können. Es scheint, als wären die Trainingsmethoden von damals den heutigen doch nicht so klar unterlegen. Wie Markus Ryffel trainierte, welche Aspekte des heutigen Laufsports er begrüsst und welche er eher ablehnt, hat er uns in diesem Interview erklärt.
Markus, heute bedeutet Intervalltraining für viele vor allem das Einhalten bestimmter Kilometerschnitte oder Pulswerte, was wir beides bequem von unserer Pulsuhr ablesen können. Zu deiner Zeit gab es diese Art von Uhr aber noch nicht. Wie gestaltete sich denn dein intensives Training damals?
Trainingsformen der aerob-anaeroben Ausdauer sind Trainingsformen, die bei mir wöchentlich auf dem Training standen. Das waren vor allem Mischformen, die im aeroben sowie im anaeroben Bereich (Toleranztraining) einen günstigen Trainingseffekt bewirkten. Dazu gehörten beispielsweise das schwedische Fahrtspiel oder einfach freudvolles Laufen im Gelände mit 20min Aufwärmen und anschliessend 45min Fahrtspiel mit vielen Tempowechseln. Umfang und Intensität wurden jeweils von mir selber festgelegt (z.B. 3min Hügellauf, 2min Erholung, 5min Belastung im Flachen, etc.). Beim polnischen Fahrtspiel standen längere Distanzen auf dem Programm. Nach einem 45min langen Aufwärmen folgen Tempowechsel mit der Stoppuhr (z.B. eine Pyramide à 30‘‘, 60‘‘, 90‘‘, 2‘. 3‘, 2‘, 90‘‘, 60‘‘, 30‘‘ bei gleich langen Trabpausen und zwei Serien).
Wir sind da jeweils einfach losgelaufen, mit einer analogen Uhr ohne Pulsmesser. Wenn der Sekundenzeiger oben war, hat das Intervalltraining begonnen und die innere Uhr hat die Intensität bestimmt. Sehr wohl haben wir aber den Puls gemessen, dies selbst während 10-15s kurzen Belastungen, und dann auf eine Minute addiert.
Diese Abhängigkeit von technologischen Hilfsmittel führt nicht selten dazu, dass Läufer eher individuell, statt in der Gruppe trainieren. Wie war das bei dir? Liefst du eher in der Gruppe oder alleine?
Mehrheitlich bin ich in Gruppen gelaufen. Ich hatte das Glück, dass in meinen ersten Jahren im Stadtturnverein Bern bis zu 30 Mittel- und Langstreckenläufer olympische Ambitionen hatten. Später habe ich in Deutschland, Österreich, Neuseeland, den USA und St. Moritz immer versucht, mit „Weltklasse-Sparring-Partnern“ eine hohe Trainingsqualität zu erschaffen. Ich habe aber nie das Training von anderen kopiert. Nicht zu unterschätzen ist der soziale Aspekt in der Gruppe. Es macht einfach auch mehr Spass, gemeinsam zu laufen und sich auszutauschen. Zudem lernt man, vom „Vordermann“ den Schritt abzunehmen. Bei einem „Vordermann“ von 1.70m oder 1.90m fühlt sich dies ganz unterschiedlich an. Da man nie genau weiss, mit wie grossen Vordermännern man es im Wettkampf zu tun haben wird, ist es hilfreich, die verschiedenen Situationen schon im Training testen zu können. Ausserdem wird bei Intervalltrainings in einer Gruppe die Mentalkraft geschont, da das Tempo von allein hoch bleibt.

Markus Ryffel an auf dem Weg zu seiner Olymischen Silbermedaille über 5000m in Los Angeles 1984. Bild: imago/WEREK
Wie würdest du deine Trainingsphilosphie beschreiben? Was erachtest du als wichtig im Training und was als weniger wichtig?
Das Krafttraining hatte für mich immer einen hohen Stellenwert. Die Muskelkraft diente dazu, die motorischen Grundeigenschaften zu optimieren und sie sorgte für die Prophylaxe gegen Überlastungen des passiven Bewegungsapparates. Deshalb gehörte neben dem reinen Lauftraining auch 3x wöchentlich ein Krafttraining zu den entscheidenden Mosaiksteinchen, beziehungsweise zu den leistungssteigernden und leistungskonservierenden Massnahmen. Ich absolvierte sowohl Übungen aus dem Schnellkraftbereich als auch Sprünge aller Art. Auch von Sprints (Bergsprints bis 10% Steigung, Sprints im Schnee oder Sand) konnte ich profitieren. Von grosser Bedeutung war insbesondere das Kraftausdauertraining mit hoher Wiederholungszahl und geringen Lasten. Bei Sprüngen und Sprints arbeitete ich hauptsächlich mit der extensiven Intervallmethode, das heisst, mit hohem Umfang und geringen Pausen. Oft mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Handgeräten wie Sprossenwand, Kletterstange, Schwedenkasten, Medizinball oder Springseil. Sie alle waren entscheidende Hilfsmittel zur Entwicklung der Kraftfähigkeiten. Und schliesslich stand wöchentlich ein mehrstündiges polysportives Training zur Verbesserung der Kraft- und Ausdauer wie Velofahren, Skilanglaufen oder Aqua-Fit auf dem Programm, welches immer mit 20-30min Laufen abgeschlossen wurde, um die Laufökonomie zu bewerkstelligen.
Zu meiner Trainingsphilosophie gehört es auch, sanfte polysportive Sportarten nicht nur für die Kraftausdauer, sondern auch zur Ausbildung der Grundlagenausdauer regelmässig einzubauen. Denn unser Herz unterscheidet prinzipiell nicht, ob wir laufen, velofahren oder skilanglaufen. Zudem wird der Bewegungsapparat geschont.
So ist aus einem meiner Trainingsprotokolle zu entnehmen: Mit einem Gesamtumfang von 6071km in der ersten und zweiten Saisonhälfte lief ich 5582km aerob, aerob-anaerob 152km, anaerob 24km, Schnelligkeit/Koordination 158km, Wettkampf 155km.
Was hat sich in deinen Augen verändert im Laufsport gegenüber vor 40 Jahren…

  • in der Gesellschaft…? Damals war die Zeit, in der verschwitzte Gelände-, Strassen- und Waldläufer verständnislos belächelt wurden. Heute lächelt man Ihnen verständnisvoll zu und bewundert sie.
  • punkto Ausrüstung…? Man lief nicht nur ohne Pulsuhr los, sondern auch ohne Handytasche, ohne Trinkgurt und schon gar keine Musik. Lieder wie „Too Low for Zero“ von Elton John hat einem bis vor die Haustüre begleitet und keinen Schritt weiter.
  • in Sachen Ernährung? Ich stamme aus einer Zeit, als der Glaube manchmal noch wichtiger war, als das Wissen. So ass ich beispielsweise täglich eine Tafel Schokolade und genoss Stückchen für Stückchen.

Die Spitze ist dünner geworden in der Schweiz. Zum Beispiel werden heute deutlich weniger Zeiten unter einer Stunde am GP von Bern gelaufen. Worauf würdest du das zurückführen?
Ich erlebte eine Zeit, in der Ablenkungen, wie sie zum Beispiel die sozialen Medien mit sich bringen, kein Thema waren. Heute ist diese Ablenkung um ein Vielfaches grösser, was die Fokussierung auf ein bestimmtes Ziel hin erschwert.
Was hältst du von den vielen Nahrungsergänzungsmittel, die heute im Sport eingesetzt werden (Recovery-shakes, Gels für unterwegs, etc.)? Diese ganze Industrie gab es ja damals auch noch nicht…
Man wusste schon in den 1970er 1980er Jahren, dass wer nicht mehrmals trainiert, während der Trainingseinheiten erstmals keine Verpflegung braucht. Alleine mit unseren Kohlenhydrate-Speichern kann man 1.5h ohne Nahrungsaufnahme laufen. Und wir haben auch noch Fettspeicher. Bei einem Durchschnittlichen Hobbyläufer reichen diese theoretisch für weitere 2h joggen. Warum soll man also auf einer Jogging-Runde mühselig Verpflegung mitschleppen?
Zudem waren meine Trainingsaufenthalte in Neuseeland sehr prägend. Ich lernte zum Beispiel, dass Longjoggs ohne Kohlenhydrate gelaufen werden sollten. So starteten wir mit zwei Tassen Tee ohne Zucker zum Longjogg von 32km. Da ich daran nicht gewohnt war, stand ich nach 25km plötzlich still, völlig erschöpft – Feierabend. Dieses Schlüsselerlebnis zeigte mir auf, wie wichtig nüchterne Trainings sind und prägte in Zukunft meinen wöchentlichen Longrun.
Gibst du deine Erfahrungen heute aktiv weiter?
Meine Leidenschaft gebe ich vor allem in unseren Workshops und Aktivferien mit Markus Ryffel’s weiter (www.markusryffels.ch). Zudem habe ich einige Hobby-Athleten, die ich betreue und auf Wettkämpfe vorbereite. Zusätzlich betreue ich Marcel Berni, der unter anderem Team-Europameister im Halbmarathon 2016 war.

Markus Ryffel am Greifenseelauf 2016 zum 30-Jährigen Jubiläum seiner Marke Ryffel Running. Bild: swiss-image.ch/Nadja Simmen
Hast du deine Philosphie mit den Jahren angepasst oder würdest du heute wieder gleich trainieren wie damals? Welche der neuen Entwicklungen machst du dir heute selbst zu Nutze? 
Das meiste würde ich machen wie damals. Selbstverständlich würde ich die Leistungsdiagnostik nutzen, um Übertrainings zu vermeiden. Heute laufe ich persönlich 4-5 Mal pro Woche, ohne Musik und ohne Recovery-Shake, und geniesse das Stadion Natur mit all seinen Jahreszeiten.
Wie stehst du zum Doping? Glaubst du, die heutigen Marathon-Rekorde sind möglich ohne Doping? 
Das Thema Doping ist und bleibt einem einen Dorn im Auge. Ich hoffe und glaube aber daran, dass Rekorde auch ohne Doping gelaufen werden können. Gute Leistungen werden automatisch oft mit Doping gleichgesetzt, was schade, aber auch nachvollziehbar ist.
Wie erklärst du dir, dass du trotz des heute fortgeschrittenen Wissens immer noch Schweizer Rekordhalter über 3’000m (7:41,00) und 5’000m (13:07,54) bist?
Meine Grundlagenausdauer, die ich mir durch den elterlichen Hauslieferdienst angeeignet hatte, war die entscheidende Grundlage, um überhaupt in die europäische Elite und später in die Weltklasse vorzustossen. Das tägliche Radfahren von durchschnittlich 20km an 6 Tagen die Woche war quasi „Gratis-Training“. Die von meinem Entdecker, Heinz Schild, geforderten Hausaufgaben in den Konditionsfaktoren Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit ökonomisierten meine Lauftechnik auf Weltklasseniveau.

Markus Ryffel (links) bei der Siegerehrung an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Bild: Keystone
Heute gehen Schweizer Läufer vermehrt nach Kenia trainieren. Ist das wirklich nötig?
Viktor Röthlin hat uns allen aufgezeigt, wie wichtig es ist, sich den „ausserirdischen“ Weltklasse Läufer zu stellen und mit ihnen in der Abgeschiedenheit Afrikas die Leistungsbatterien physisch und psychisch aufzutanken. Es lohnt sich also auf alle Fälle!
Wie beurteilst du insgesamt die Entwicklungen, die der Laufsport in den letzten 40 Jahren durchlaufen hat?
Ich bin hocherfreut, wie sich der Laufsport global zur Breitensportart Nummer 1 entwickelt hat.
 
Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von: Marion Aebi

Neuer running.COACH Ambassador: Frank Shorter

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Wir haben ihn, Frank Shorter, dazumal vorgestellt in unserer Serie: Lauflegenden. Eine Lauflegende wie Frank Shorter hat ausserordentliche Leistungen zu verzeichnen, die auf einer speziellen Trainingsphilosophie beruhen. Und sein Wissen fliesst neu auch in den running.COACH mit ein: Frank Shorter, der Olympiasieger im Marathon von 1972 in München, ist neuer Ambassador – wir sind stolz und freuen uns.

Olympiasieger 1972 in München 

Frank Shorter war der dominierende Marathon-Läufer der 1970er-Jahre. 1972 gewann er den Marathon an den olympischen Spielen in München. Und wie: Bereits auf der ersten Hälfte der Strecke setzte er sich vom Rest des Feldes ab. Im Ziel betrug sein Vorsprung mehr als zwei Minuten. Vier Jahre später, an den olympischen Spielen in Montréal, gewann er die Silbermedaille. Shorter gelang zwischen 1971-1974 auch das Kunststück, den damals prestigeträchtigsten Fukuoka-Marathon in Japan viermal hintereinander zu gewinnen.

Laufboom durch Shorter’s Leistungen

Shorter lief bei seinem Olympiasieg nicht nur zu seinem sportlich wichtigsten Sieg. Er lief ebenso ins Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit (der Olympia-Marathon wurde in den USA live im Fernsehen übertragen) und machte damit den Laufsport für eine breite Masse attraktiv. Seine Leistungen, insbesondere der Triumph an den Spielen in München, trugen damit wesentlich zum Beginn des Laufbooms in den USA bei.

Frank Shorter kurz vor seinem grössten Triumph: Dem Sieg am Olympia-Marathon 1972 in München

Shorters Karriere zeichnete sich durch mehrere interessante Aspekte aus

Erstens: Sie war unglaublich erfolgreich. Von den 15 Marathons, die er lief, gewann er zehn. Ein vierter Rang war neben einer Aufgabe sein schlechtestes Resultat. Diese Resultate erreichte Shorter zwischen 1971 und 1976. Er lief also während sechs Jahren an der absoluten Marathon-Spitze. Dieser lange Zeitraum an der Spitze gelang ihm, weil ihm das Peaking auf wenige Wettkämpfe wichtig war. Er selber finde es fast unmöglich, zweimal in einer Saison in der bestmöglichen Form zu sein, sagte er. Deshalb lief er nur wenige ernsthafte Wettkämpfe pro Jahr und versuchte sich jeweils nur für den Fukuoka-Marathon und die Olympischen Spiele in absolute Höchstform zu bringen oder eben zu „peaken“.
Zweitens: Shorter war kein Top-Athlet während Schulzeiten. Erst gegen Ende seiner universitären Karriere begann er, seriös zu trainieren und gute Resultate zu erreichen.
Drittens: Shorter trainierte zuerst für die Bahn. Er war auch auf den 5000m (Bestzeit: 13‘26‘‘) und den 10‘000m (Bestzeit: 27‘45‘‘) sehr kompetitiv. Dies hat er zum Beispiel mit Paavo NurmiEmil Zatopek oder auch Derek Clayton gemeinsam.

Was lernen wir von Frank Shorter?

Von diesen drei Aspekten kann auch jeder Gelegenheitsläufer viel lernen. Erstens lohnt es sich, sich auf wenige wichtige Wettkämpfe im Jahr zu konzentrieren. Das gilt besonders fürs längere Distanzen; Trainings- und Vorbereitungswettkämpfe sind natürlich immer möglich. Zweitens ist es nicht nötig, schon in jungem Alter Spitze zu sein. Für längere Distanzen erzielt strukturiertes Training auch zu einem späteren Zeitpunkt grosse Wirkung. Drittens: Schnelle Beine über kürzere Distanzen führen zu besseren Leistungen auf längeren Strecken. Das erklärt die Wichtigkeit von Schnelligkeits- und Intervall-Trainings.

Gut zu wissen, dass das Wissen der Lauflegende Frank Shorter in den Trainingsplan von running.COACH einfliesst. 


„Die Trainingsphilosophie, die mich zum Olympiasieger machte, ist im running.COACH beinhaltet. Bei der Entwicklung des Programms haben wir darauf geachtet, dass es für Läufer jedes Niveaus passt. Egal ob Anfänger oder Wettkampfläufer.“