Urban Halter: Lauf mal anders

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Die ersten Monate dieser Laufsaison verliefen noch in gewohnten Bahnen. Der Zürich Marathon stellte den ersten Hauptwettkampf des Laufjahres dar. Das Vorbereitungstraining lief optimal, ich konnte den Trainingsplan ohne Beschwerden und Krankheitsphasen durchziehen. Damit war aber das Bewegen im vertrauten Rahmen vorläufig zu Ende…
Ein erstes Novum in meinen Marathonerlebnissen bildete am Wettkampftag das Wetter: Kurz vor dem Start setzte Regen und Graupelschauer ein, der im Verlaufe des Rennens in Schneefall überging. Zeitweise war sogar eine leicht rutschige Matschschicht unter den Füssen zu spüren, die in durchnässten Schuhen steckten. Nicht nur für Adrian Lehmann und Martin Ott, die die Olympialimite im Visier hatten, sondern auch für alle anderen Marathonis schwierige Bedingungen. Da ich die ersten rund 15km zusammen mit zwei anderen Läufern aus Schaffhausen laufen konnte, war für Ablenkung gesorgt. Bis km 30 konnte ich meine Pace halten, dann zollte ich der nicht optimalen Tapering-Phase (Städteferien und zwei schlafreduzierte Nächte im Schlafwagen) sowie dem nass-kalten Wetter Tribut und musste Tempo rausnehmen. Dank Endspurt auf den letzten 200 Metern reichte es aber doch noch zu einer Zeit knapp unter 03:15 – erfreulich angesichts der Umstände!

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Urban Halter beim Zürich Marathon

Aus den Begegnungen am Zürich Marathon und dem ersten gemeinsamen Training entstand anschliessend eine weitere Premiere: nach vier Jahren als einsamer Autodidakt schloss ich mich einer Laufgruppe an, den WhatsApp Runners Schaffhausen. Und entdeckte dabei Vorzüge von gemeinsamen Trainings- und Wettkampferlebnissen. Sich über die gemeinsame Leidenschaft austauschen, neue Trainingsstrecken kennenlernen, sich über Erreichtes, nächste Ziele und Träume austauschen, die Freuden und Leiden der gemeinsamen Leidenschaft zu teilen macht Spass, bereichert und motiviert.
Auch zum ersten Mal wagte ich mich über die Marathondistanz hinaus: Aus der Lust auf eine neue Herausforderung heraus schloss ich mich einem Trainingslauf von zwei Kollegen an, die bereits Ultra-Erfahrung gesammelt hatten. Die Strecke von Schaffhausen nach Romanshorn dem Rhein entlang war ideal geeignet, es gab mehrere Gelegenheiten abzubrechen und mit dem Zug zurück zu fahren. Einer von uns dreien musste leider eine der ersten Gelegenheiten bereits wahrnehmen, und alleine hätte ich die 50km nie durchgezogen. Aber es dann doch gemeinsam geschafft zu haben, eine Grenze verschoben zu haben war ein Gefühl fast wie nach dem ersten Marathon. Daraus könnte durchaus ein neuer Lauftraum entstehen.
Eine weiterer neuer Aspekt zeigte sich im Trainingsplan: da sich dieser nun auf den Jungfrau Marathon als nächsten Hauptwettkampf ausrichtet, verlagern sich nun die intensiven Einheiten in anderes Gelände: Intervall mit Steigungen, Tempoläufe im hügeligen Gelände, Longjogs mit möglichst vielen Höhenmetern veränderten das Training und die Beanspruchung der Muskulatur markant. Verstärkt orientiere ich mich nun an Intensität und Puls und kann dafür die Pace ausser Acht lassen.
Mittlerweile habe ich auch wettkampfmässige Erfahrungen im ansteigenden Gelände gemacht und einen Berglauf absolviert. Der Hundwilerhöhelauf mit rund 800 Metern Anstieg auf rund 9 km machte vorstellbar, was mich am Jungfrau Marathon erwarten könnte. Etwas häufiger als in meiner Vorstellung musste ich vom Laufen ins Gehen wechseln. Diese Rhythmuswechsel sind sehr anspruchsvoll und lösten kurzzeitig heftiges Seitenstechen aus, das aber nach einigen Minuten mit gedrosseltem Geh-Tempo wieder verschwand. Nach einer guten Stunde war’s geschafft: das Ziel war erreicht und wir mit einer Bratwurst und einer grandiosen Aussicht mit Abendstimmung belohnt.
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Der Mühe Lohn: Abendstimmung auf der Hundwilerhöhe

Eine Erkenntnis aus dieser Erfahrung ist, dass ich hin und wieder längere steile Passagen in mein Training einbauen möchte. Und versuchen werde, die optimale Taktik im Wechsel von Laufen und Gehen zu finden. Zudem zeigte der anschliessende Muskelkater noch Ausbaupotential im Bereich der oberen Wade und der Pobacken. Ich spüre, woran ich noch arbeiten möchte, und bin gespannt, wie weit ich in den kommenden Wochen meine Kraftausdauer am Berg steigern kann.

Urban Halter's Lauf-Träume und Ziele

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In meinem ersten Blog habe ich berichtet, wie ich zum Laufen und zu meinem diesjährigen Laufziel Jungfrau-Marathon gekommen bin. „Der Berlin-Marathon geht bei mir immer noch unter die Sparte Traum…“, lautete ein Kommentar auf den Blog.
Einen solchen Traum habe ich auch, dachte ich mir. Das hat mich dazu bewogen, über meine eigenen Lauf-Träume zu schreiben. Vermutlich hat sie jede Läuferin, jeder Läufer: eine gewisse Zeit am Stück laufen zu können, eine noch nie gelaufene Distanz, eine Bestzeit, ein Lauf an einem ganz besonderen Ort oder gar eine Kombination aus allem.
Einer meiner Träume ist es, einmal einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Meine Bestzeiten sind in den ersten Monaten und Jahren auf der 10-Kilometer-, Halbmarathon- und Marathondistanz fast schon von Wettkampf zu Wettkampf gepurzelt. Um Fortschritte zu machen reichte es aus, regelmässig weiter zu trainieren. Fast selbstverständlich unterbot ich jeweils auch die Vorgaben des running.COACH. Dies hat sich vor rund einem Jahr geändert. Nicht schlagartig, aber merklich. Die Fortschritte wurden kleiner, manche Wettkämpfe habe ich langsamer beendet als im Vorjahr. Die Euphorie, das Gefühl fast alles erreichen zu können hat nachgelassen. Ich merkte, dass ich Gefahr lief, verbissen neue Bestzeiten und den Traum „sub 3“ zu  jagen. Dabei ging Leichtigkeit verloren, und unter die Freude an erfolgreich gelaufenen Wettkämpfen mischte sich eine gewisse Unzufriedenheit, weil ich in meiner Vorstellung doch gerne noch etwas schneller gelaufen wäre.
urbanhalter
Schon zu Beginn meiner Laufkarriere, als die Fortschritte noch grösser waren, war mir bewusst, dass sich dies ändern wird. Dass die Fortschritte kleiner werden und es irgendwann mit steigendem Alter Rückschritte geben wird. Für mich als Späteinsteiger ein Thema, mit dem ich erst noch umzugehen lernen muss.
Ich musste umdenken. Meinen Traum „sub 3“ habe ich immer noch, aber diesem stelle ich meine Ziele nicht mehr unter. Aber Ziele zu setzen, über Wochen und Monate zu verfolgen ist für mich nach wie vor ein wichtiger Faktor und quasi das Salz in der Suppe im Lauftrainings-Alltag.
Die Freude am Laufsport zu behalten ist dabei das Wichtigste. Deshalb habe ich dieses Jahr ein Ziel gesetzt, das keinen direkten Bezug zu meinem Traum hat. Ich werde bestimmt nicht enttäuscht sein, den Jungfrau-Marathon nicht unter drei Stunden zu finishen ;-). Auch wenn ich mich auch dort über eine gute Endzeit und Klassierung freuen würde. Aber im Vordergrund wird das Erlebnis stehen, der Blick auf den Weg und die Bergwelt anstelle der Pace-Anzeige auf der Laufuhr. Gepackt hat mich der Gedanke letztes Jahr, als ich bei running.COACH eine Teilnahme am Aletsch-Halbmarathon gewann. Ein unvergessliches Erlebnis, das Tempo immer wieder zu wechseln, ans Terrain, die Steigung und die eigenen Kraftreserven anzupassen, und schliesslich oben anzukommen und stolz auf das Erreichte hinunterzuschauen.  Und wenn das Wetterglück wieder auf der Seite der LäuferInnen steht, wird auch der Jungfrau-Marathon bestimmt zum unvergesslichen Erlebnis.
Welche Träume und Visionen habt ihr? Welchen Zielen rennt ihr entgegen oder gar hinterher?

Urban Halter’s Lauf-Träume und Ziele

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In meinem ersten Blog habe ich berichtet, wie ich zum Laufen und zu meinem diesjährigen Laufziel Jungfrau-Marathon gekommen bin. „Der Berlin-Marathon geht bei mir immer noch unter die Sparte Traum…“, lautete ein Kommentar auf den Blog.

Einen solchen Traum habe ich auch, dachte ich mir. Das hat mich dazu bewogen, über meine eigenen Lauf-Träume zu schreiben. Vermutlich hat sie jede Läuferin, jeder Läufer: eine gewisse Zeit am Stück laufen zu können, eine noch nie gelaufene Distanz, eine Bestzeit, ein Lauf an einem ganz besonderen Ort oder gar eine Kombination aus allem.

Einer meiner Träume ist es, einmal einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Meine Bestzeiten sind in den ersten Monaten und Jahren auf der 10-Kilometer-, Halbmarathon- und Marathondistanz fast schon von Wettkampf zu Wettkampf gepurzelt. Um Fortschritte zu machen reichte es aus, regelmässig weiter zu trainieren. Fast selbstverständlich unterbot ich jeweils auch die Vorgaben des running.COACH. Dies hat sich vor rund einem Jahr geändert. Nicht schlagartig, aber merklich. Die Fortschritte wurden kleiner, manche Wettkämpfe habe ich langsamer beendet als im Vorjahr. Die Euphorie, das Gefühl fast alles erreichen zu können hat nachgelassen. Ich merkte, dass ich Gefahr lief, verbissen neue Bestzeiten und den Traum „sub 3“ zu  jagen. Dabei ging Leichtigkeit verloren, und unter die Freude an erfolgreich gelaufenen Wettkämpfen mischte sich eine gewisse Unzufriedenheit, weil ich in meiner Vorstellung doch gerne noch etwas schneller gelaufen wäre.

urbanhalter

Schon zu Beginn meiner Laufkarriere, als die Fortschritte noch grösser waren, war mir bewusst, dass sich dies ändern wird. Dass die Fortschritte kleiner werden und es irgendwann mit steigendem Alter Rückschritte geben wird. Für mich als Späteinsteiger ein Thema, mit dem ich erst noch umzugehen lernen muss.

Ich musste umdenken. Meinen Traum „sub 3“ habe ich immer noch, aber diesem stelle ich meine Ziele nicht mehr unter. Aber Ziele zu setzen, über Wochen und Monate zu verfolgen ist für mich nach wie vor ein wichtiger Faktor und quasi das Salz in der Suppe im Lauftrainings-Alltag.

Die Freude am Laufsport zu behalten ist dabei das Wichtigste. Deshalb habe ich dieses Jahr ein Ziel gesetzt, das keinen direkten Bezug zu meinem Traum hat. Ich werde bestimmt nicht enttäuscht sein, den Jungfrau-Marathon nicht unter drei Stunden zu finishen ;-). Auch wenn ich mich auch dort über eine gute Endzeit und Klassierung freuen würde. Aber im Vordergrund wird das Erlebnis stehen, der Blick auf den Weg und die Bergwelt anstelle der Pace-Anzeige auf der Laufuhr. Gepackt hat mich der Gedanke letztes Jahr, als ich bei running.COACH eine Teilnahme am Aletsch-Halbmarathon gewann. Ein unvergessliches Erlebnis, das Tempo immer wieder zu wechseln, ans Terrain, die Steigung und die eigenen Kraftreserven anzupassen, und schliesslich oben anzukommen und stolz auf das Erreichte hinunterzuschauen.  Und wenn das Wetterglück wieder auf der Seite der LäuferInnen steht, wird auch der Jungfrau-Marathon bestimmt zum unvergesslichen Erlebnis.

Welche Träume und Visionen habt ihr? Welchen Zielen rennt ihr entgegen oder gar hinterher?

running.COACH Team: Urban Halter stellt sich vor

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Nach Geneviève Racine stellt sich an dieser Stelle das zweite running.COACH Teammitglied vor. Urban Halter hatte 40 Jahre lang nichts mit Laufen am Hut, zwei Jahre später lief er den Berlin Marathon. Dieses Jahr will er am Jungfrau-Marathon hoch hinaus. Das hier ist seine Geschichte.

In meinen ersten 40 Lebensjahren (ich bin 45) war Laufen für mich überhaupt kein Thema. In der Schule war ich auf der Bahn nie besonders schnell, und die 12-Minuten-Läufe in der Schule waren habe ich grossteils gehend absolviert. Sport hat mich nie besonders interessiert, gelegentliche Velotouren bedeuteten waren das Highlight. Und was ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass etwas so Anstrengendes, Atemraubendes wie Laufen Spass machen könnte. Ich konnte nie verstehen, was jemanden dazu bewegt, in der Gegend rumzurennen…
Am Anfang stand die Suche nach einem Ausgleich zum bewegungsarmen Büro-Job, ich wollte mich bewegen, draussen in der Natur sein, herunterfahren. Ein Outdoor-Ausdauersport war gesucht. Velofahren macht bei schlechtem Wetter gar keinen Spass, und so freundete ich mich über Wochen und Monate hinweg langsam mit dem Gedanken an, es vielleicht doch mal mit Laufen zu versuchen.

40 Jahre lang war Laufen fürs Urban Halter kein Thema
40 Jahre lang war Laufen fürs Urban Halter kein Thema

Eines schönen Frühlings-Tages vor 4 Jahren fiel dann der Entscheid. Ich ging zum Laufgeschäft, kaufte mir ein Paar Laufschuhe, eine Laufhose und ein Lauf-Shirt.
Meine ersten Trainings fanden auf der Finnenbahn im nahen Wald statt. Erste Trainingseinheit: 5 x 2 Minuten Laufen + 3 Minuten langsames Gehen. Von Anfang an habe ich darauf geachtet, mich nicht zu überfordern. Das Wissen über den Laufsport habe ich aus dem Internet und Büchern besorgt. Immer begleitet von einem Trainingsplan, anfänglich 3, später 4 Einheiten pro Woche.
Rasch habe ich gemerkt, dass es mir sehr gut hilft beim Abschalten, ich aber auch physisch rasch Fortschritte machte. Und bald gehörte ich auch zu denen, die man regelmässig in der Gegend rumrennen sieht.
Noch in meinem ersten Laufjahr kam mein erster Wettkampf, ein Halbmarathon. Unvergesslich, und mit 01:52 deutlich unter meinem Ziel sub 2h. Ein Jahr später – mit 42 – meine ersten 42.195 km, auch hier mit 03:36 einiges schneller als ich es für möglich hielt. In meinen bisher vier Jahren als Läufer habe ich 33 Wettkämpfe bestritten – vom kleinen lokalen Lauf bis zum Berlin Marathon.
Urban Halter in Berlin
Urban Halter in Berlin

Seit zwei Jahren trainiere ich mit running.COACH – meist mit Spass und Freude und immer mit dem Gefühl, etwas Gutes zu tun. In der ganzen Zeit war ich nie verletzt – auch dank forderndem, aber nicht überforderndem Trainingsplan und den ergänzenden Kraftgymnastik-Übungen, die ich nicht mit ganz so viel Freude, aber trotzdem regelmässig durchführe.
Mein Hauptziel dieses Jahr ist der Jungfrau Marathon. Hier werde ich also regelmässig berichten, wie die Vorbereitung läuft, wie sich die etwas kürzeren Bergläufe auf dem Weg dahin anfühlen und wie mein Jungfrau-Marathon gelingt.