Training und Erholung und andere Gemeinsamkeiten

Seit diesem Jahr amtet Louis Heyer als Cheftrainer Lauf bei Swiss Athletics und führt die Trainer der verschiedenen Disziplinen. Wir haben mit ihm über verschiedene Fragen diskutiert und fanden viele Gemeinsamkeiten im Training der Profisportler und Hobbyläufer.

Louis Heyer ist Cheftrainer Lauf bei Swiss Athletics

Seit diesem Jahr bist du als Cheftrainer Lauf und Mittelstreckennationaltrainer tätig. Wie würdest du deine Funktion und Philosophie zusammenfassen?

Meine Aufgabe ist es zu schauen, dass die Nationaltrainer der verschiedenen Disziplinen (Mittelstrecken, Langstrecken, Steeple, Strasse, Cross, Berglauf und Gehen) einen guten Job machen. Dabei unterstützen wir die Heimtrainer der Athleten und deren Philosophie und sorgen mit Trainingslagern und gemeinsamen wöchentlichen Trainings für optimale Voraussetzungen. Das Ziel ist, unsere Athleten via Nachwuchsgrossanlässe an Europameisterschaften zu bringen. So wie zum Beispiel Selina Büchel oder Fabienne Schlumpf.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten im Training der verschiedenen Distanzen?

Die Grundregeln im Training bleiben stets gleich: Es braucht spezifische Belastungen und adäquate Erholung. Gemeinsam ist das Anforderungsprofil im Bereich der Laufökonomie, der Elastizität des Fussgelenkes und der Kraft. Da liegt auch unser Fokus, denn ich beobachte leider immer wieder, dass man sich auf den Motor konzentriert, die Mechanik und die Effizienz dieses Motors aber vergessen wird.

Langstreckenläufer müssen beissen können

Was zeichnet den Mittelstreckler, was den Langstreckenläufer aus?

Die beiden Läufer sind vom Typ her unterschiedlich: Während der Mittelstreckenläufer eher der wilde Fuchs ist, mit Instinkt laufen muss und Freude an Positionskämpfen haben sollte, ist der Langstreckenläufer eher der geduldige Typ, der lange beissen können muss.

Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse in der Trainingslehre. Was sind für dich die wichtigsten Prinzipien, die zum Erfolg führen?

Es mag vielleicht den Anschein machen, dass es viel Neues gibt. In Tat und Wahrheit sieht es aber so aus, dass die Wissenschaft bloss nach und nach beweist, was die Praxis schon lange macht. Das wichtigste Prinzip ist meiner Meinung wie bereits erwähnt die richtige Dosierung von Belastung und Erholung. Dabei habe ich allgemein die Erfahrung gemacht, dass es sich auszahlt, im Zweifelsfall stets die defensive Variante zu wählen, statt immer bis ans absolute Limit zu gehen.

Zum langfristigen Erfolg findet, wer vielseitig trainiert und athletisch gut ausgebildet ist. Kilometer sammeln allein reicht nicht. Es bedarf einer allgemeinen Stärkung und Stabilisierung des Körpers und Optimierungen im regenerativen Bereich. Ich denke dabei insbesondere an die gesunde Ernährung, genug Schlaf und erholungsfördernde Massnahmen wie zum Beispiel Massage und Eisbäder.

Neue Erkenntnisse haben wir im Trainingsaufbau von verletzten, beziehungsweise rekonvaleszenten Athleten. Da haben sich mehrere Blockwochen von 2-3 Wochen Dauer mit sehr vielen Intervalltrainings (bis 8 pro Woche) auf dem Fahrradergometer bewährt.

In welchem Bereich kann der Hobbysportler vom Profi lernen und umgekehrt?

Der Hobbysportler muss lernen und dazu bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen. Will er schneller werden, muss er wie der Profi Intervalle laufen und nicht immer mit seiner Standardpace die gleiche Runde laufen. Der Profisportler hingegen muss lernen, dass es mehr als ein Athletendasein gibt. Er ist auch ein Mensch und muss glücklich sein und sich nicht nur über seine Leistung definieren. Es braucht ein Stück Gelassenheit, die nötige Lockerheit, um sich ab und zu auch mal etwas zu gönnen. Nur so kann er 102 % aus sich herausholen, wenn’s wirklich zählt.

 

 

 

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