Schul- oder Alternativmedizin?

Gerade Sportler nehmen bei Beschwerden häufig nicht nur die klassische Schulmedizin, sondern auch Alternativmethoden in Anspruch – und dies aus guten Gründen.

Regelmässig trainierende Sportler sehen sich immer wieder mit Beschwerdebildern konfrontiert, die nicht klar einzuordnen sind oder bei denen nicht eindeutig ist, welches die ideale Behandlung ist. Was tun? Den klassischen Gang durch die medizinischen Untersuchungsmethoden durchspielen oder es allenfalls zuerst mit alternativen Heilmethoden versuchen? Oder eine Kombination beider Philosophien?

Die Antwort ist nicht leicht und von Fall zu Fall abzuwägen. Fakt aber ist: Die Alternativmedizin kommt heutzutage eindeutig mehr und früher zur Anwendung, da eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seines Körpers im Vordergrund steht und bei vielen Problemen die Schulmedizin an ihre Grenzen stösst.

Die Sportmedizin etabliert sich immer stärker als wissenschaftliche Fachdisziplin. Mehr und mehr verschwinden die „Wunder-Gurus“ und immer stärker wird auch die Alternativmedizin wissenschaftlich abgestützt. Durch diese ganzheitliche Sichtweise haben viele Sportler ein besseres Körperbewusstsein als früher, sie denken langfristiger und sind aufgeschlossen gegenüber komplementären Behandlungsmethoden. Für den Sportler wichtig ist es, dass er seine Ziele in nützlicher Zeit erreichen kann. Deshalb kommen komplementäre Methoden wie z.B. die Eigenblutplasma-Therapie – nicht zu verwechseln mit der verbotenen Praktik des Eigenblutdopings! – relativ rasch zur Anwendung, obwohl erste Studien zur Wirksamkeit der Methode in diesem speziellen Bereich noch nicht abgeschlossen sind.

Gerade im Sport spielen die strikten Regeln im Umgang mit Substanzen, die auf der Dopingliste stehen, eine gewichtige Rolle für die Kombination zwischen Schul- und Alternativmedizin. Einige anerkannte und wirkungsvolle schulmedizinische Behandlungen können wegen den herrschenden Dopingvorgaben nicht, nur reduziert oder nur mit hohem bürokratischem Aufwand eingesetzt werden, wenn der Sportler weiter an Wettkämpfen teilnimmt. Die Alternativmedizin kann in solchen Fällen eine gute Alternative bieten.

Akupunktur

Akupunktur kann eine wirksame alternative Behandlungsmethode sein. Ein Allheilmittel ist aber auch sie nicht.

Optimales Zusammenspiel wichtig

Wie meist gilt es im Zusammenspiel zwischen der klassischen- und der alternativen Sportmedizin, eine gute Balance zu behalten. Die Alternativmedizin ist kein Wundermittel und muss genauso gezielt eingesetzt werden wie die Schulmedizin. Gerade dies stellt die Sportmedizin vor eine grosse Herausforderung, da eine erfolgreiche Methode schnell einmal als Allheilmittel bei allen möglichen Problemen angewendet wird (wie z.B. die Akupunktur).

Im Gespräch mit dem Sportler ist man als Arzt gefordert, nach passenden Behandlungsmethoden zu suchen und diese anzuwenden. Wenn mit alternativen Methoden erste Erfolge eintreten, erhöht sich die Bereitschaft, häufiger diese Kombination einzusetzen.

Wann Alternativmedizin?

Der Einsatz von alternativen Behandlungsmethoden empfiehlt sich vorwiegend bei Entzündungen und Reizzuständen von Bindegewebestrukturen. Dazu gehören Sehnen, Sehnenansätze, Schleimbeutel, die Gelenkskapsel und die Knochenhaut. Weiter sprechen auch unfallbedingte Schädigungen an Muskeln und Bändern sowie Blutergüsse auf alternative Heilmethoden an – und nicht zu vergessen ist die Wirksamkeit bei Abnützungserscheinungen. Der frühzeitige Einsatz von Alternativmedizin kann dazu beitragen, Langzeitschäden vorzubeugen.

Welche Methoden nutzt der Schulmediziner?

Manuelle Therapieformen in der Physiotherapie, Chiropraktik oder im Rahmen komplementärer Therapien wie der Craniosacraltherapie und Osteopathie sind mittlerweile Standard-Behandlungsmethoden in der Schulmedizin und werden bei Sportlern sehr häufig eingesetzt. Ergänzend werden Akupunktur, Stosswellentherapie oder Kältetherapie eingesetzt. Auch eine Therapie mit Blutegeln oder Eigenblutplasma kann in spezifischen Fällen sehr sinnvoll sein und eine grosse Wirksamkeit haben.

Wenn es um die Gesundheit geht, ist es nach wie vor wichtig, nicht einfach alles auszuprobieren, sondern sich zuerst mit dem Hausarzt abzusprechen oder bei klar sportspezifischen Fragen oder Problemen direkt einen Sportmediziner oder ein Sportmedizinisches Zentrum aufzusuchen und da die Therapie der Wahl zu besprechen.

mbDr. med. Konrad Birrer, Facharzt für Chirurgie und Sportmedizin bei Medbase Luzern geschrieben.

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