Jungfrau Marathon: Top Tipps

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Ein Bergmarathon ist nicht vergleichbar mit einem flachen und die Renneinteilung ist wohl noch wichtiger. Aber auch nicht unbedingt einfacher. Wie viel Gas darf ich auf der Fläche geben? Wo liegen die Herausforderungen? Wir haben dir ein paar Tipps zusammengestellt, damit dein Jungfrau Marathon ein Erfolg wird.
Die Kulisse des Jungfrau Marathons ist wohl kaum zu überbieten. Aber die 1829 Höhenmeter haben es auch in sich. Deshalb lohnt es sich, das Rennen gut einzuteilen, damit der Aufstieg auf die kleine Scheidegg auch ein wenig Genuss ist und nicht zum Leidensweg wird. Die grosse Herausforderung liegt wohl darin, das Rennen richtig einzuteilen und sich bewusst sein, dass die Leistungskilometer eben mehr sind als bei einem „normalen“ Marathon.

Leistungskilometer

Der Jungfrau Marathon entspricht natürlich kilometermässig auch einem Marathon. Aber, und das ist nicht ohne, berücksichtigt man die Höhenmeter, sind es um die 57 Leistungskilometer. Und weil eben die erste Hälfte verhältnismässig relativ flach ist, ist also nicht beim Halbmarathon die leistungsmässige Rennhälfte. Beim Halbmarathon hat man nämlich erst ungefähr 2/5 der Gesamtleistung. Die Hälfte ist ungefährt dort, wo die Strecke in die Bergwege mündet, also bei ca. 26.5km. Das ist einerseits wichtig für den Kopf und die mentale Vorbereitung. Andererseits aber auch für die Renneinteilung.

Renneinteilung zu Beginn

Wie immer beim Marathon lohnt es sich, zu Beginn nicht zu überpacen und sich vor allem auf den ersten flachen zehn Kilometer etwas zurückzuhalten. Wer beim Jungfrau Marathon zu schnell angeht, riskiert beim Wechsel in die Steigung Krämpfe und einen Einbruch. Wir empfehlen dir ungefähr folgende Pace über die ersten zehn Kilometer für die entsprechenden Endzeiten:

3:30h – 3:40min/km -> Halbmarathon: 1:25h
4:00h – 4:07min/km -> Halbmarathon: 1:37h
4:30h – 4:35min/km -> Halbmarathon:  1:49h
5:00h – 5:02min/km -> Halbmarathon: 2:01h
5:30h – 5:30min/km -> Halbmarathon: 2:13h
6:00h – 6:00min/km -> Halbmarathon: 2:25h
6:30h – 6:30min/km -> Halbmarathon: 2:37h

Tipps für die Steigung

Oft tauchen beim Wechsel vom flacheren Teil in die Steigung Krämpfe auf. Vorbeugend kann bei diesem Wechsel eine Salztablette eingenommen werden (je nach Wetterverhältnisse) oder auch dann, wenn man spürt, dass sich Krämpfe anbahnen. Generell lohnt es sich, in der Steigung schnell einen guten Rhythmus zu finden. Das kann teilweise bei sehr steilen Passagen auch Gehen (zügiger Schritt) statt Laufen sein. Hier ist Gehen manchmal sogar effizienter als Laufen und man spart zudem noch Energie. Es ist wohl eher eine Einstellungssache, ob man lieber schneller gehen oder durchlaufen möchte. Bei flacheren Teilabschnitten lohnt es sich aber definitiv, wieder zu laufen. Zwischen Kilometer 30 und 38 ist eine gute Mittelphase, wo man erneut etwas Tempo aufbauen kann. Denn bei der Moräne ist die Entscheidung wohl bereits gefallen und ab dort gibt es wohl nicht mehr viel aufzuholen.

Ultimative Herausforderung: Der Lauf über den schmalen und steilen Weg auf der berühmten Moräne am Fusse des Eigergletschers. Impression vom 24. Jungfrau Marathon am 10. September 2016. swiss-image.ch/Photo Remy Steinegger

Vielmehr entscheidet sich das Rennen irgendwo zwischen 30 und 38 Kilometer. Und immer daran denken: Auch beim Laufen können die Arme eingesetzt werden und sind gerade aufwärts eine Hilfe. Mit dem Oberkörper sollte man nicht allzu sehr einknicken und einen ökonomischen Gang/Lauf aufrechterhalten.

Verpflegung

Sehr wichtig ist bereits die Verpflegung in der Rennwoche. Hier gibt es Tipps und Inputs (mit Rezepten) für die Ernährung eine Woche vor dem Wettkampf. Während dem Lauf ist wichtig, dass man genügend zu sich nimmt, aber nicht zu viel. Und ebenfalls nur, was man ausprobiert hat und erprobt ist. Und das mitführen einer Salztablette wird sehr empfohlen.

running.COACH Marschtabelle

Willst du eine individuelle Marschtabelle für deine Zielzeit? Dann komm an der Expo an unserem Stand vorbei und hole dir deine Kilometer-Marschtabelle, die dich an deine persönliche Zielzeit heranführt.

Erholung nach dem Jungfrau Marathon

Da der Jungfrau Marathon eben viel Steigungen enthält, ist die Belastung für den Bewegungsapparat geringer. Das wirkt sich auf die Erholungszeit aus, welche sich dadurch verkürzt. Deshalb kann der Jungfrau Marathon beispielsweise auch eine gute Vorbereitung für einen späten Herbstmarathon sein. Franziska Rochat-Moser, ehemalige Schweizer Langstreckenläuferin, gewann beispielsweise 1997 den Jungfrau Marathon und einige Wochen später auch den New York Marathon.
Wir wünschen dir ein gutes Rennen und denke daran, den Lauf auch zu geniessen und den Blick mal nach links und rechts schweifen zu lassen und die Kulisse um dich herum aufzusaugen.
Hier entlang geht es zu unserem Schätzwettbewerb.
Bildquelle (inkl. Titelbild): https://www.swiss-image.ch und https://www.liveimage.ch/
Verfasser Blogbeitrag: Stefanie Meyer und Gabriel Lombriser

Urban Halter: Höhepunkt Jungfrau Marathon

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1830 Höhenmeter galt es zu bezwingen auf dem Weg zum grossen Jahresziel auf der Kleinen Scheidegg. Der Jungfrau-Marathon, der grösste und attraktivste Marathon der Schweiz.
Die Wetterprognosen waren gut, im schlimmsten Fall war mit einzelnen Schauern gegen Nachmittag zu rechnen. Die Vorbereitung war leicht durchzogen, aufgrund der dreiwöchigen Zwangspause fehlten mir ein paar Kilo- und Höhenmeter. Was mir aber mehr Sorgen bereitete, war eine Erkältung, die sich eine Woche vor Start mit einem kratzigen Hals ankündigte.
So liess ich die letzte etwas schnellere Trainingseinheit am Montag vor dem Lauf aus und beschränkte mich auf kurze Regenerationsläufe. Und versuchte mit Lutschtabletten, Kräuterbonbons und Nasenspray die Symptome zu dämmen. Das gelang auch einigermassen, aber ob ich wirklich fit war, blieb eine offene Frage.
Am Freitag vor dem Lauf nahm ich mir einen Tag frei, um noch etwas auszuruhen und dann am Nachmittag mit der Familie nach Interlaken in die bereits vor einem Jahr reservierte Jugendherberge zu reisen. Aufgestanden bin ich mit Kopfschmerzen – wohl bedingt durch die Erkältung, oder war das der steigenden Nervosität bzw. der Anspannung zu verdanken? Die Nacht auf Samstag schlief ich recht gut; früh aufstehen war angesagt, damit der Körper genug Zeit hat, in Schwung zu kommen. Frisch geduscht fühlte ich mich heute viel besser als am Vortag. Bei Eröffnung des Frühstückbuffets um 6 Uhr herrschte bereits Hochbetrieb. LäuferInnen aus verschiedenen Länder waren da. Ich kam ins Gespräch mit einem 13-fachen Finisher am Nebentisch, er schwärmte von der landschaftlichen Schönheit der Strecke, der ausgezeichneten Organisation und gab mir letzte Tipps, wie ich welche Streckenabschnitte angehen sollte. Vor allem nicht zu schnell auf den ersten 10 Kilometern! Das hatte ich mir auch vorgenommen.
Zweilütschinen
Um 9 Uhr war es soweit. Der Startschuss fiel. Im anfänglich dicht gedrängten Läuferfeld galt es das eigene Tempo zu finden. Vor der Jugendherberge feuerte mich meine Familie an und ich nahm den Weg Richtung Lauterbrunnen voller Energie unter die Füsse. Ich fand problemlos die Pace, die ich mir vorgenommen hatte, und lief locker mit dem Gefühl, noch Reserven zu haben.
Leider verliess mich diese Lockerheit nach rund 20 Kilometern. Ich spürte, dass ich Mühe bekam, mein Tempo zu halten. Spürte immer deutlicher, dass das Kreislaufsystem doch nicht voll leistungsfähig war am heutigen Tag. Die Herausforderung bestand nun primär darin, mit den verbliebenen Energiereserven so umzugehen, dass ich oben ankommen und dabei den Lauf und die Landschaft geniessen konnte. In der ersten steilen Steigung hinauf nach Wengen suchte ich die Belastungsintensität, die ich heute auf den verbleibenden 17 meist steilen Kilometern halten konnte. Es war hart, zahlreiche Läuferinnen und Läufer vorbeiziehen zu lassen. Einen Strassen-Marathon hätte ich vermutlich an dieser Stelle aufgegeben.
Heute kam das aber hier nicht in Frage; ich drosselte mein Tempo so weit wie nötig und liess mir Zeit, genug zu trinken und mich zu verpflegen. Wasser, Iso, Bouillon, ja sogar Cola habe ich becherweise zu mir genommen. Das war wegen dem warmen Wetters nötig und aufgrund des tieferen Tempos hier etwas einfacher als bei schnellen flachen Wettkämpfen.
Wengernalp-min
Auch den Blick für die kraftvolle imposante Bergwelt verlor ich nicht, das richtete mich immer wieder auf und zauberte zwischendurch ein Lächeln aufs Gesicht. Auf dem flacheren Zwischenstück vor und nach Wengen versuchte ich, wieder ein paar Energiereserven für den steilen Schlussaufstieg zu sammeln. Der finale Anstieg war dann anstrengend wie erwartet: Es dauerte gefühlte Ewigkeiten zwischen den Distanzanzeigen, obwohl diese im 250Meter-Abstand gesetzt wurden. Der Dudelsack-Spieler oben auf der Moräne erlöste die in Einerkolonne wandernden LäuferInnen, und auf dem Schlussabschnitt konnte man die Beine nochmals fliegen lassen und den Zieleinlauf geniessen.
Nach dem Zieleinlauf entdeckte ich dann auch meine Familie in den Zuschauermassen und genoss in ihren Armen die intensiven Emotionen. Den Stolz, es trotz nicht optimaler Verfassung geschafft zu haben und dabei auch das Laufen und die Natur-Eindrücke sowie die zahlreichen Zuschauer genossen zu haben, die am Wegrand die Läufer anfeuerten. Das Gefühl, das Beste aus den heute vorhandenen Möglichkeiten gemacht zu haben. Unglaublich schöne Momente, emotional sicher mein Jahres-Höhepunkt.

Urban Halter: Im und am Rhein

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Einige Wochen sind ins Land gezogen seit meinem letzten Blogbeitrag. Unmittelbar nach dem Hundwilerhöhe-Lauf, über den ich hier berichtete, erwischte mich eine fiese und hartnäckige Magen-Darm-Grippe, die die Trainings-Vorbereitung auf mein nächstes grosses Ziel, den Jungfrau-Marathon am 10. September, etwas durcheinander brachte. 
Das erste Training, langsam und vorsichtig, anderthalb Wochen nach Krankheitsbeginn verlief harzig, und auch während den Ferien im Bündnerland – eigentlich prädestiniert für Bergtrainings – war ich gerade ein einziges Mal im Lauftempo unterwegs. Immerhin war ich da schon wieder soweit auf der Höhe, dass wir fast täglich eine kürzere oder längere Wanderung unternehmen konnten und ich mich so wieder ans Training herantasten konnte.

Es dauerte insgesamt volle drei Wochen, bis ich mich wieder ganz gesund fühlte und wieder richtig Lust auf intensivere Laufeinheiten bekam.

So blieb denn die Höhen- und Kilometerausbeute im Juli deutlich unter dem Plan und meinen Vorstellungen, obwohl das immer wieder mal kühle Wetter eigentlich gute Trainingsbedingungen geboten hätte. Aber auch der Umgang mit Verletzungen und Krankheiten will gelernt sein. Zu meinem eigenen Erstaunen fiel mir der Verzicht aufs Training leicht, ich hatte über weite Phasen überhaupt keine Lust darauf. Auch wenn ich es natürlich sehr schade fand, mich nicht wie geplant vorbereiten zu können.

Nach dieser Phase wartete aber ein nächstes Abenteuer, das eine ungewohnte Vorbereitung erforderte: der  Schaffhauser Triathlon.

SH-Tri 2016-08-19-PHOTO-00002152
Der älteste der Schweiz und auch sonst ein ganz spezieller: Die Wechselzone befindet sich traditionell auf einem Getreide-Stoppelfeld, geschwommen wird im Rhein, und die Radstrecke weist in der Kurzdistanz 400 Höhenmeter auf. Ein Anlass, der nicht nur gestandene Triathleten, sondern auch Ausdauer-Breitensportler anzieht, die sonst kaum an solchen Anlässen zu finden sind.
Auch ich habe mich durch den Gewinn eines Gratis-Startplatzes zu einem Start über die Kurzdistanz (2.1 km Schwimmen, 31.6 km Radfahren, 7.5 km Laufen) hinreissen lassen, nachdem ich früher auch schon als Staffel-Läufer im Dreierteam teilgenommen hatte. Mein fast 20-jähriges Rennrad, das ein langes Schattendasein gefristet hatte, erwies sich nach einem Service beim Velomechaniker als durchaus tauglich für mein Vorhaben. So wurde nun mein Laufplan zusätzlich aufgemischt durch Velo-Trainings, wobei aus Zeitgründen insgesamt vier Fahrten auf der Triathlon-Strecke genügen mussten. Aber gerade an heissen Sommertagen fand ich das Radfahren eine ausgezeichnete Alternative zum Lauftraining, der Fahrtwind lässt einen doch einige Grade mehr ertragen.
SH Tri Ausstieg aus dem Rhein
Dass ich kein grosser Schwimmer bin wusste ich. Auf Schwimmtraining hatte ich abgesehen von einer Schwimmstreckenbesichtigung verzichtet; ich setzte darauf, dass der Rhein relativ viel Wasser führte und mich sozusagen die 2.1 Kilometer hinunter tragen würde. Das klappte dann auch einigermassen, der Zeitverlust hielt sich in Grenzen, aber fast am Schluss des Feldes anzukommen war dann doch eine eher ungewohnte Situation. Die aber den Vorteil hatte, dass ich auf der Radstrecke zum Überholen ansetzen konnte, das spornte zusätzlich an.
Was mich dann aber völlig überraschte, war der Wechsel vom Rad zum Laufen, auf „meine“ Disziplin: meine Beine waren schwer wie Blei, obwohl ich mich auf dem Rad noch gut gefühlt hatte. Ich hatte den Eindruck, kaum vorwärts zu kommen. Erst nach zwei bis drei Kilometern fühlte sich das Laufen wieder normal an und ich konnte nochmals einige Teilnehmer überholen. Nach etwas mehr als zwei Stunden konnte ich meinen ersten Triathlon mit einem Lachen auf der Zielkurve beenden.
Ja, wenn das Schwimmen nicht wäre, vielleicht würde ich wieder einmal – wir werden sehen, ob mein erster auch mein letzter war. Aber mit Sicherheit war es ein tolles Erlebnis. Triathlon ist ein sehr vielfältiger und abwechslungsreicher, in vieler Hinsicht fordernder Sport. Und ich liebe Herausforderungen.

Eine Woche später folgte schon der nächste Wettkampf am Rhein: der Rheinfall-Lauf.

Auch das ein ungewöhnlicher Anlass: ein Lauf mit 50% Single-Trail-Passagen, die durch ständiges Auf und Ab einiges an Kraftausdauer fordern. Mittlerweile war das meine vierte Teilnahme, und jedes Mal habe ich auf den letzten Kilometern den Eindruck, am Ende meiner Kräfte zu sein. So auch diesmal. Ob es am Triathlon eine Woche zuvor oder an der Tagesverfassung lag: ich zog nicht meinen stärksten Tag ein. Gegen Ende des Laufs kämpfte ich auf den Steigungen gar gegen den Gedanken, den Rest des Laufes gehend zu beenden. Zumindest der Kopf blieb Sieger: ich zog den Lauf im Laufschritt durch – auch wenn dieser in den Aufwärts-Passagen sehr sehr kurz wurde. Und konnte den Lauf zumindest als erfolgreiche mentale Vorbereitung auf härte Momente auf dem Weg zur Kleinen Scheidegg  abbuchen.

So stehe ich jetzt kurz vor meinem grossen Jahresziel, dem Jungfrau-Marathon.

Etwas unsicher, wie gut meine Vorbereitung wirklich war. Aber da ja diesmal das Ziel „oben ankommen und geniessen“ heisst, haben Zeit und Rangierung keine grosse Bedeutung. Das Kribbeln und die Vorfreude aber steigen und steigen.

Urban Halter: Lauf mal anders

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Die ersten Monate dieser Laufsaison verliefen noch in gewohnten Bahnen. Der Zürich Marathon stellte den ersten Hauptwettkampf des Laufjahres dar. Das Vorbereitungstraining lief optimal, ich konnte den Trainingsplan ohne Beschwerden und Krankheitsphasen durchziehen. Damit war aber das Bewegen im vertrauten Rahmen vorläufig zu Ende…
Ein erstes Novum in meinen Marathonerlebnissen bildete am Wettkampftag das Wetter: Kurz vor dem Start setzte Regen und Graupelschauer ein, der im Verlaufe des Rennens in Schneefall überging. Zeitweise war sogar eine leicht rutschige Matschschicht unter den Füssen zu spüren, die in durchnässten Schuhen steckten. Nicht nur für Adrian Lehmann und Martin Ott, die die Olympialimite im Visier hatten, sondern auch für alle anderen Marathonis schwierige Bedingungen. Da ich die ersten rund 15km zusammen mit zwei anderen Läufern aus Schaffhausen laufen konnte, war für Ablenkung gesorgt. Bis km 30 konnte ich meine Pace halten, dann zollte ich der nicht optimalen Tapering-Phase (Städteferien und zwei schlafreduzierte Nächte im Schlafwagen) sowie dem nass-kalten Wetter Tribut und musste Tempo rausnehmen. Dank Endspurt auf den letzten 200 Metern reichte es aber doch noch zu einer Zeit knapp unter 03:15 – erfreulich angesichts der Umstände!

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Urban Halter beim Zürich Marathon

Aus den Begegnungen am Zürich Marathon und dem ersten gemeinsamen Training entstand anschliessend eine weitere Premiere: nach vier Jahren als einsamer Autodidakt schloss ich mich einer Laufgruppe an, den WhatsApp Runners Schaffhausen. Und entdeckte dabei Vorzüge von gemeinsamen Trainings- und Wettkampferlebnissen. Sich über die gemeinsame Leidenschaft austauschen, neue Trainingsstrecken kennenlernen, sich über Erreichtes, nächste Ziele und Träume austauschen, die Freuden und Leiden der gemeinsamen Leidenschaft zu teilen macht Spass, bereichert und motiviert.
Auch zum ersten Mal wagte ich mich über die Marathondistanz hinaus: Aus der Lust auf eine neue Herausforderung heraus schloss ich mich einem Trainingslauf von zwei Kollegen an, die bereits Ultra-Erfahrung gesammelt hatten. Die Strecke von Schaffhausen nach Romanshorn dem Rhein entlang war ideal geeignet, es gab mehrere Gelegenheiten abzubrechen und mit dem Zug zurück zu fahren. Einer von uns dreien musste leider eine der ersten Gelegenheiten bereits wahrnehmen, und alleine hätte ich die 50km nie durchgezogen. Aber es dann doch gemeinsam geschafft zu haben, eine Grenze verschoben zu haben war ein Gefühl fast wie nach dem ersten Marathon. Daraus könnte durchaus ein neuer Lauftraum entstehen.
Eine weiterer neuer Aspekt zeigte sich im Trainingsplan: da sich dieser nun auf den Jungfrau Marathon als nächsten Hauptwettkampf ausrichtet, verlagern sich nun die intensiven Einheiten in anderes Gelände: Intervall mit Steigungen, Tempoläufe im hügeligen Gelände, Longjogs mit möglichst vielen Höhenmetern veränderten das Training und die Beanspruchung der Muskulatur markant. Verstärkt orientiere ich mich nun an Intensität und Puls und kann dafür die Pace ausser Acht lassen.
Mittlerweile habe ich auch wettkampfmässige Erfahrungen im ansteigenden Gelände gemacht und einen Berglauf absolviert. Der Hundwilerhöhelauf mit rund 800 Metern Anstieg auf rund 9 km machte vorstellbar, was mich am Jungfrau Marathon erwarten könnte. Etwas häufiger als in meiner Vorstellung musste ich vom Laufen ins Gehen wechseln. Diese Rhythmuswechsel sind sehr anspruchsvoll und lösten kurzzeitig heftiges Seitenstechen aus, das aber nach einigen Minuten mit gedrosseltem Geh-Tempo wieder verschwand. Nach einer guten Stunde war’s geschafft: das Ziel war erreicht und wir mit einer Bratwurst und einer grandiosen Aussicht mit Abendstimmung belohnt.
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Der Mühe Lohn: Abendstimmung auf der Hundwilerhöhe

Eine Erkenntnis aus dieser Erfahrung ist, dass ich hin und wieder längere steile Passagen in mein Training einbauen möchte. Und versuchen werde, die optimale Taktik im Wechsel von Laufen und Gehen zu finden. Zudem zeigte der anschliessende Muskelkater noch Ausbaupotential im Bereich der oberen Wade und der Pobacken. Ich spüre, woran ich noch arbeiten möchte, und bin gespannt, wie weit ich in den kommenden Wochen meine Kraftausdauer am Berg steigern kann.

Urban Halter's Lauf-Träume und Ziele

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In meinem ersten Blog habe ich berichtet, wie ich zum Laufen und zu meinem diesjährigen Laufziel Jungfrau-Marathon gekommen bin. „Der Berlin-Marathon geht bei mir immer noch unter die Sparte Traum…“, lautete ein Kommentar auf den Blog.
Einen solchen Traum habe ich auch, dachte ich mir. Das hat mich dazu bewogen, über meine eigenen Lauf-Träume zu schreiben. Vermutlich hat sie jede Läuferin, jeder Läufer: eine gewisse Zeit am Stück laufen zu können, eine noch nie gelaufene Distanz, eine Bestzeit, ein Lauf an einem ganz besonderen Ort oder gar eine Kombination aus allem.
Einer meiner Träume ist es, einmal einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Meine Bestzeiten sind in den ersten Monaten und Jahren auf der 10-Kilometer-, Halbmarathon- und Marathondistanz fast schon von Wettkampf zu Wettkampf gepurzelt. Um Fortschritte zu machen reichte es aus, regelmässig weiter zu trainieren. Fast selbstverständlich unterbot ich jeweils auch die Vorgaben des running.COACH. Dies hat sich vor rund einem Jahr geändert. Nicht schlagartig, aber merklich. Die Fortschritte wurden kleiner, manche Wettkämpfe habe ich langsamer beendet als im Vorjahr. Die Euphorie, das Gefühl fast alles erreichen zu können hat nachgelassen. Ich merkte, dass ich Gefahr lief, verbissen neue Bestzeiten und den Traum „sub 3“ zu  jagen. Dabei ging Leichtigkeit verloren, und unter die Freude an erfolgreich gelaufenen Wettkämpfen mischte sich eine gewisse Unzufriedenheit, weil ich in meiner Vorstellung doch gerne noch etwas schneller gelaufen wäre.
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Schon zu Beginn meiner Laufkarriere, als die Fortschritte noch grösser waren, war mir bewusst, dass sich dies ändern wird. Dass die Fortschritte kleiner werden und es irgendwann mit steigendem Alter Rückschritte geben wird. Für mich als Späteinsteiger ein Thema, mit dem ich erst noch umzugehen lernen muss.
Ich musste umdenken. Meinen Traum „sub 3“ habe ich immer noch, aber diesem stelle ich meine Ziele nicht mehr unter. Aber Ziele zu setzen, über Wochen und Monate zu verfolgen ist für mich nach wie vor ein wichtiger Faktor und quasi das Salz in der Suppe im Lauftrainings-Alltag.
Die Freude am Laufsport zu behalten ist dabei das Wichtigste. Deshalb habe ich dieses Jahr ein Ziel gesetzt, das keinen direkten Bezug zu meinem Traum hat. Ich werde bestimmt nicht enttäuscht sein, den Jungfrau-Marathon nicht unter drei Stunden zu finishen ;-). Auch wenn ich mich auch dort über eine gute Endzeit und Klassierung freuen würde. Aber im Vordergrund wird das Erlebnis stehen, der Blick auf den Weg und die Bergwelt anstelle der Pace-Anzeige auf der Laufuhr. Gepackt hat mich der Gedanke letztes Jahr, als ich bei running.COACH eine Teilnahme am Aletsch-Halbmarathon gewann. Ein unvergessliches Erlebnis, das Tempo immer wieder zu wechseln, ans Terrain, die Steigung und die eigenen Kraftreserven anzupassen, und schliesslich oben anzukommen und stolz auf das Erreichte hinunterzuschauen.  Und wenn das Wetterglück wieder auf der Seite der LäuferInnen steht, wird auch der Jungfrau-Marathon bestimmt zum unvergesslichen Erlebnis.
Welche Träume und Visionen habt ihr? Welchen Zielen rennt ihr entgegen oder gar hinterher?

Urban Halter’s Lauf-Träume und Ziele

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In meinem ersten Blog habe ich berichtet, wie ich zum Laufen und zu meinem diesjährigen Laufziel Jungfrau-Marathon gekommen bin. „Der Berlin-Marathon geht bei mir immer noch unter die Sparte Traum…“, lautete ein Kommentar auf den Blog.

Einen solchen Traum habe ich auch, dachte ich mir. Das hat mich dazu bewogen, über meine eigenen Lauf-Träume zu schreiben. Vermutlich hat sie jede Läuferin, jeder Läufer: eine gewisse Zeit am Stück laufen zu können, eine noch nie gelaufene Distanz, eine Bestzeit, ein Lauf an einem ganz besonderen Ort oder gar eine Kombination aus allem.

Einer meiner Träume ist es, einmal einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Meine Bestzeiten sind in den ersten Monaten und Jahren auf der 10-Kilometer-, Halbmarathon- und Marathondistanz fast schon von Wettkampf zu Wettkampf gepurzelt. Um Fortschritte zu machen reichte es aus, regelmässig weiter zu trainieren. Fast selbstverständlich unterbot ich jeweils auch die Vorgaben des running.COACH. Dies hat sich vor rund einem Jahr geändert. Nicht schlagartig, aber merklich. Die Fortschritte wurden kleiner, manche Wettkämpfe habe ich langsamer beendet als im Vorjahr. Die Euphorie, das Gefühl fast alles erreichen zu können hat nachgelassen. Ich merkte, dass ich Gefahr lief, verbissen neue Bestzeiten und den Traum „sub 3“ zu  jagen. Dabei ging Leichtigkeit verloren, und unter die Freude an erfolgreich gelaufenen Wettkämpfen mischte sich eine gewisse Unzufriedenheit, weil ich in meiner Vorstellung doch gerne noch etwas schneller gelaufen wäre.

urbanhalter

Schon zu Beginn meiner Laufkarriere, als die Fortschritte noch grösser waren, war mir bewusst, dass sich dies ändern wird. Dass die Fortschritte kleiner werden und es irgendwann mit steigendem Alter Rückschritte geben wird. Für mich als Späteinsteiger ein Thema, mit dem ich erst noch umzugehen lernen muss.

Ich musste umdenken. Meinen Traum „sub 3“ habe ich immer noch, aber diesem stelle ich meine Ziele nicht mehr unter. Aber Ziele zu setzen, über Wochen und Monate zu verfolgen ist für mich nach wie vor ein wichtiger Faktor und quasi das Salz in der Suppe im Lauftrainings-Alltag.

Die Freude am Laufsport zu behalten ist dabei das Wichtigste. Deshalb habe ich dieses Jahr ein Ziel gesetzt, das keinen direkten Bezug zu meinem Traum hat. Ich werde bestimmt nicht enttäuscht sein, den Jungfrau-Marathon nicht unter drei Stunden zu finishen ;-). Auch wenn ich mich auch dort über eine gute Endzeit und Klassierung freuen würde. Aber im Vordergrund wird das Erlebnis stehen, der Blick auf den Weg und die Bergwelt anstelle der Pace-Anzeige auf der Laufuhr. Gepackt hat mich der Gedanke letztes Jahr, als ich bei running.COACH eine Teilnahme am Aletsch-Halbmarathon gewann. Ein unvergessliches Erlebnis, das Tempo immer wieder zu wechseln, ans Terrain, die Steigung und die eigenen Kraftreserven anzupassen, und schliesslich oben anzukommen und stolz auf das Erreichte hinunterzuschauen.  Und wenn das Wetterglück wieder auf der Seite der LäuferInnen steht, wird auch der Jungfrau-Marathon bestimmt zum unvergesslichen Erlebnis.

Welche Träume und Visionen habt ihr? Welchen Zielen rennt ihr entgegen oder gar hinterher?