Um jeden Preis über die Ziellinie

Szenen, die sich immer wieder wiederholen. Läufer die kurz vor der Ziellinie schwanken und sich kaum mehr aufrecht halten können. Zuletzt gesehen beim London Marathon am Sonntag: David Wyeth kollabiert kurz vor dem Ziel. Mitläufer Matthew Rees hebt ihn auf, motiviert ihn weiterzulaufen und schleppt ihn gemeinsam mit einem Offiziellen ins Ziel (siehe hier). Matthew wird im Netz als Held gefeiert und die beiden gehen definitiv in die Geschichte des London Marathons ein.

Einerseits wirft es ein positives Licht auf die Läufercommunity, dass ein Läufer nicht nur den Tunnelblick aufgesetzt und die eigene Zeit im Kopf hat, sondern auch nach links und rechts schaut und eben Hilfe leistet. Andererseits fragt man sich, wieviel Sinn es macht, einen kollabierenden Läufer ins Ziel zu schleppen.

Weshalb streiken die Beine überhaupt? 

Wenn der Körper keine Energiereserven mehr hat, läuft man im wahrsten Sinne des Wortes gegen die Wand. Nichts geht mehr und die Beine geraten ausser Kontrolle. Es ist ein Warnzeichen des Körpers, dass alle Energiereserven geleert sind und besser gestoppt werden sollte. Da hat der Kopf aber noch ein Wörtchen mitzureden.

Körper vs. Kopf 

Der Körper will nicht mehr, der Kopf aber schon. Macht es Sinn dann auf den Körper zu hören und zu stoppen? Oder das Rennen um jeden Preis zu beenden? Hier gibt es wohl keine eindeutigen Antworten und sicher unterschiedliche Meinungen. Natürlich sollte man seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen. Aber alle die bereits für ein grosses Ziel trainiert haben, wissen auch, wie wichtig der Finish ist. So kurz vor der Ziellinie gibt niemand gerne auf. Es steckt viel Trainingsfleiss und Aufwand dahinter, welcher für den Tag X investiert wurde.

Wie verhindert man einen solchen Zusammenbruch?

Die Vorbereitung sowie das entsprechende Training für das Ziel sind entscheidend und müssen passen. Nicht von null auf hundert, sondern das Ziel passend zu seinen Voraussetzungen wählen und auch langfristig darauf hinarbeiten. Dann ist gerade bei einem Marathon die Pace entscheidend. Am Start fühlt sich die vielleicht noch langsam an und man ist motiviert, mit der Masse mitzugehen. Aber es lohnt sich, sich zurückzuhalten und das zahlt sich spätestens in der zweiten Hälfte aus. Auch bei kürzeren Läufen sollte das Rennen bewusst eingeteilt werden. Und zuletzt ist es wichtig, den Körper relativ früh mit Flüssigkeit und Nahrung (Gel, Riegel, ev. Obst) regelmäßig zu versorgen, wenn die Wettkampfdauer länger als eine Stunde ist.

Die Frage bleibt dennoch: Muss wirklich um jeden Preis gefinished werden? Wäre es nicht schlauer, 200 m vor Ziellinie der Gesundheit wegen aufzuhören, oder überwiegt der Sportsgeist des helfenden Läufers. Was meint ihr?

Quelle Bild: https://www.virginmoneylondonmarathon.com/en-gb/news-media/gallery/726/46028/

 

3 Comments

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  • Ich glaube, dass man dies durchaus differenzieren muss.
    Es ist wohl schon ein Unterschied ob 2000 Meter oder 200 Meter vor dem Ziel. Und da sie unter 3 Std. einliefen kann man auch davon ausgehen, dass Wyeth eigentlich körperlich absolut fit und die Gefahr einer gesundheitliche Gefährdung eher als gering einzustufen war. Läuft jemand nach 5 Std. so ein, sieht dieser Punkt wohl etwas anders aus.

  • Finde es gut vom Mann, dass er ihm geholfen hat. Er sollte einfach das nächste Mal sich etwas zurücknehmen und langsamer angehen

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