Ermüdungsbruch – und jetzt?

Es kann jeden treffen. Sowohl Stressreaktion wie Ermüdungsbruch sind untrügliche Signale einer Überlastung. Die erste Massnahme muss daher lauten: Laufpause!

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Der menschliche Knochen ist zeitlebens einem Umbauprozess unterworfen, bei dem sich Auf- und Abbau im Idealfall die Waage halten. Um stärker zu werden, muss der Knochen gefordert werden, wird die Belastung jedoch zu gross, kann als Folge eine Stressreaktion oder ein Ermüdungsbruch, eine sogenannte Stressfraktur, auftreten. Aus medizinischer Sicht kommt es nach einer Überlastung im Knochen zu einer Knochenhautentzündung und einer Einlagerung von Wasser (= Stadium 1 = teilweises Knochenmarködem). Bei Fortsetzung der Belastung geht diese Wassereinlagerung komplett durch den Knochen (= Stadium 2 = vollständiges Knochenmarködem). Im Stadium 3 kommt es zu einer Veränderung der Anordnung der Knochenbälkchen, welche die Traglinien des Knochens repräsentieren. Es stellen sich erste kleine Spaltbildungen in diesen Traglinien dar, noch ohne vollständigen Bruchspalt. Dieser Bruchspalt beginnt sich aber dann im Stadium 4 bei Trainingsfortsetzung definitiv mit der eigentlichen Stressfraktur auszubilden. Die Art der Beschwerden kann unterschiedlich sein, von leichten Muskelschmerzen bis hin zu einem dumpfen oder auch stechenden Schmerz. Charakteristisch ist der bei Belastung auftretende Schmerz im Knochen «innendrin», der mit der Zeit auch beim normalen Gehen verspürt wird. Gerade von Sportlern werden erste schleichende Symptome zwar meist feinfühlig wahrgenommen, oft aber verdrängt. Sowohl Stressreaktion wie Ermüdungsbruch sind untrügliche Signale einer Überlastung. Die erste Massnahme muss daher lauten: den auslösenden Faktor sofort abstellen. Oder mit anderen Worten: Laufpause!

Vorbeugen: Trainingsumfang langsam erhöhen

Theoretisch können Ermüdungsreaktionen in allen Knochen auftreten, bei Laufsportlern sind aber meist die unteren Extremitäten (Mittelfuss, Fusswurzelknochen Schienbein) und etwas seltener höhere Regionen (Knie, Oberschenkel, Hüftregion, Kreuzbein) betroffen. Eine Ermüdungsreaktion tritt häufiger bei Frauen auf als bei Männern, ein (zu) geringes Körpergewicht (Untergewicht) begünstigt die Entstehung ebenfalls. Von Ermüdungsbrüchen können auch Hobbyläufer betroffen sein. Es gibt Sportler, die laufen jahrelang über hundert Kilometer pro Woche ohne Probleme, andere laufen nur zwanzig und erleiden einen Ermüdungsbruch. Oft treten Ermüdungsbrüche (oder auch andere klassische Überlastungsbeschwerden wie Fusssohlenentzündung oder Achillessehnenschmerzen) nach einer abrupten Erhöhung des Trainingsaufwands auf, z. B. wenn vor einem Wettkampf die Kilometerumfänge innert kurzer Zeit vergrössert werden. Entscheidend ist daher für alle Laufsportler ein umsichtiger und langfristiger Aufbau. Die Regeneration nach einer Stressreaktion dauert in der Regel sechs bis acht Wochen – in schweren Fällen auch bis zu sechs Monaten.

Ermüdungsbruch im Kreuzbein

Die drei Schweizer Langstreckenläufer Marcel Berni, Adrian Lehmann und Tadesse Abraham haben alle einen Ermüdungsbruch im Kreuzbein erlitten. Ist es einfach nur Pech? Oder ist es das Dauerrisiko eines Langstreckenläufers? Die Einschätzungen der Sportmediziner German Clénin und Peter Züst und der entsprechende Artikel gibt es hier.

Dieser Blogbeitrag wurde durch Fit for Life zur Verfügung gestellt. Fit for Life ist das Schweizer Magazin für Fitness, Lauf- und Ausdauersport. Möchtest du regelmässig solche Artikel lesen? Dann klicke hier.

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