Menstruation im Ausdauersport

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Die Menstruation hat noch immer einen Hauch eines Tabuthemas – auch im Sport. Dabei betrifft es mich und dich, Breitensportlerinnen genauso wie Spitzensportlerinnen.  Gemeinsam mit der Sportärztin Dr. med. Sibylle Matter (leitende Ärztin Sportmedizin Medbase Bern Zentrum) sowie den Spitzensportlerinnen Sabrina Mockenhaupt, Emma Pooley und Judith Wyder  nehmen wir in diesem Artikel verschiedene Aspekte zum Thema weiblicher Zyklus und Ausdauersport auf: Trainingsplanung nach dem Zyklus, Umgang mit Menstruationsbeschwerden sowie Amenorrhoe bei Sportlerinnen.

Dieser Artikel ist nicht nur für sportliche Frauen, sondern auch für deren Partner, Trainer, Trainingskollegen und alle Interessierten gedacht.
Dass die Menstruation eher ein Tabuthema ist, bestätigt Spitzensportlerin (ehemalige Orientierungsläuferin, Berg- und Trailläuferin) Judith Wyder. Auf die Frage, ob die Menstruation überhaupt ein Thema ist unter den Sportlerinnen, antwortet sie: „ Nicht, das ich wüsste. Obwohl wir viel mit dem Frauenteam unterwegs sind, ist es selten ein Thema und wird eher als Tabuthema gehandelt.“
Das bestätigt auch die Tatsache, dass es sich schwieriger gestaltete als angenommen, Spitzensportlerinnen zu finden, welche offen über ihren Zyklus berichten. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Emma, Judith und Sabrina für ihre Beiträge.

Der weibliche Zyklus und das Training

Können die unterschiedlichen Phasen des weiblichen Zyklus auch für die Trainingsplanung genutzt werden?
Der weibliche Zyklus wird hormonell betrachtet in drei Phasen eingeteilt, welche durchaus auch einen Einfluss auf das individuelle Gefühl beim Training haben können, obwohl sich das eigentlich rein statistisch gesehen auf die sportliche Leistung nicht auswirkt, betont Dr. med. Sibylle Matter

1. Zyklustag = 1. Tag der Menstruation (= Beginn der 1. Phase): Menstruationsphase – auch am ersten Tag mit Blutungen sind durchaus Bestleistungen möglich, oft spielt der mentale Aspekt eine grosse Rolle. Leistungsmindernd sind dabei die oft auftretenden Schmerzen und Unterbauchkrämpfe während der Menstruation. Die interviewten Sportlerinnen setzen auf Tampons, wobei die Menstruationstasse sicher auch für Sportlerinnen eine interessante Option ist, ergänzt Dr. med. Sibylle Matter.
1. Phase: In der Follikelphase steigt der Östrogenspiegel, was insgesamt eher einen anabolen Effekt hat. Laut Dr. med. Sibylle Matter können deshalb Ausdauersportlerinnen die erste Zyklusphase für das Krafttraining nutzen und in diesem Zeitraum beispielsweise Maximalkraft trainieren.
Als 2. Phase kann man die (jedoch sehr kurze) Phase des Eisprungs bezeichnen, da dann kurzfristig Östrogen und Progesteron ansteigen.
3. Phase: In der Lutealphase dominiert nach dem Eisprung das Hormon Progesteron. Während den Tagen vor der Blutung leiden Frauen häufig am prämenstruellen Syndrom (PMS), was sich mit physischen sowie psychischem Unwohlsein und Wassereinlagerungen bemerkbar macht. „Das kann zu einem Leistungsabfall führen“, bestätigt Dr. med. Sibylle Matter, „wobei die jüngeren Athletinnen die Auswirkungen im Allgemeinen eher spüren und sich stärker darauf fokussieren.“

Fazit: Dr. med Sibylle Matter betont aber auch, dass es statistisch gesehen im Verlaufe des Zyklus kaum Veränderungen der sportlichen Leistungen und den entsprechenden Parametern innerhalb des Zyklus gibt, individuell allerdings sehr wohl. Sie empfiehlt Sportlerinnen mit einem regelmässigen Zyklus, die Phasen in Zusammenhang mit sportlicher Leistung zu bringen und entsprechend nutzen zu lernen.

Der Zyklus bei Spitzensportlerinnen

Wie empfinden Spitzensportlerinnen die verschiedenen Phasen des Zyklus und wie gehen Sie damit um?
Im Verlauf einer Karriere kann sich das Empfinden gegenüber den verschiedenen Phasen verändern. Generell können „ausgereifte“ Athletinnen die positiven Aspekte besser nutzen und passen das Training intuitiv an. Sie spüren mit der Erfahrung die verschiedenen Auswirkungen von Training, Erholung und Zyklus besser und können dadurch diese Einflüsse besser differenzieren und gezielt nutzen. Eher junge Athletinnen spüren die negativen Auswirkungen wie das PMS, psychische Schwankungen oder die Schmerzen während der Menstruation eher und fokussieren sich auch darauf. Sind die Beschwerden ausgeprägt nehmen sie deshalb oft die Pille oder andere hormonelle Verhütungsmethoden, um einen weniger schwankenden Hormonspiegel zu haben und die Beschwerden zu vermindern was ihnen folgend ein regelmässiges Training besser ermöglicht. Allerdings kann dabei je nach Präparat der positive Effekt des Östrogens weniger genutzt werden.
Judith Wyder hat ihr Training noch nie bewusst nach ihrem Zyklus geplant und aufgebaut. Sie passt das Training aber situativ an, wenn sie Beschwerden oder Unwohlsein aufgrund der Menstruation verspürt. Generell fühlt sie sich weniger agil und aktiv während der Menstruation. Ihr Trick: „Ich versuche dies als ‚normal‘ zu betrachten und schenke dem nicht viel Aufmerksamkeit.“ Judith nimmt die Hormon-Spirale Mirena und hat dadurch aktuell nur selten eine Blutung. Sie hat sie aber nicht deswegen einsetzen lassen, sondern weil diese nach diversen anderen Präparaten für sie am besten verträglich ist, da sie an sehr starken Bauchschmerzen litt. „Diese sind nun besser und kontrollierter und ich fühle mich im Alltag besser.“
Die Läuferin Sabrina Mockenhaupt hat jahrelang die Pille genommen, um den Zyklus zu steuern. Nach dem Absetzen hat sie Leistungsschwankungen wahrgenommen, welche sie so mit der Pille nicht hatte. Sie spürt den Zeitpunkt des Eisprunges gut und ihre Leistungsfähigkeit ist dann sehr gering. Beim Einsetzen der Menstruation hingegen fühlt sie sich meistens gut im Training.
Wie auch Judith Wyder nimmt Emma Pooley (Radfahrerin, Läuferin, und Triathletin) die Hormon-Spirale Mirena – bei ihr bleiben aber Blutungen dadurch aus: „Bevor ich die Mirena-Spirale hatte, habe ich unter Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall gelitten während der Menstruation. Aufgrund der Spirale habe ich seit zehn Jahren fast keine Menstruation, obwohl der hormonelle Zyklus eigentlich trotzdem zykliert. Es ist aber schwieriger zu wissen, in welcher Phase des Zyklus ich bin!“

Gegner PMS: Beschwerden lindern


Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, ist ein Sammelbegriff für verschiedene Beschwerden (wie z.B. Wassereinlagerung, Schweregefühl) an den Tagen bevor die Menstruation einsetzt. Diese Beschwerden können das normale Trainings- oder Wettkampfgeschehen für Athletinnen, aber auch für viele Breitensportlerinnen, aus dem Gleichgewicht bringen.
Was kann bei PMS helfen?

  • Die PMS-Symptomatik kann durch regelmässiges sportliches Training positiv beeinflusst werden. Einerseits kann das durch eine mögliche sportinduzierte Reduktion der weiblichen Geschlechtshormone erfolgen, ebenso können auch die zahlreichen neuroendokrinen Effekte verantwortlich sein, die durch die sportliche Aktivität ausgelöst werden.*
  • Als pflanzliches Mittel kann beispielsweise Mönchspfeffer bei PMS empfohlen werden.
  • Für eine Pille braucht es gemäss Dr. med. Sibylle Matter eine Besprechung und Verschreibung durch eine Ärztin oder einen Arzt, da es damit verbundene Risiken (z.B. Thrombose) gibt. Zudem sollte die individuelle Reaktion auf das Produkt besser vorgängig (nicht erst in der Wettkampfphase) ausgetestet werden.

Amenorrhoe im Sport

Nicht selten bleibt bei Sportlerinnen, auch viele Hobbysportlerinnen sind davon betroffen, die Menstruation aus, was als Amenorrhoe bezeichnet wird. Je nach Sportart und Leistungsniveau, sind es gemäss Dr. med. Sibylle Matter zwischen 10 bis sogar 60% welche betroffen sind. Im Vergleich dazu sind es nur 2-5% der inaktiven Frauen.
Bei  einer Amenorrhoe ist es für die weiteren Abklärungen und Suche nach der Ursache mit entscheidend, ob jemand bereits einmal die Menstruation hatte (sekundäre Amenorrhoe) oder noch keine bis Ende des 15. Lebensjahres (primäre Amenorrhoe).
Beide Formen der Amenorrhoe sind gerade bei Ausdauersportlerinnen verbreitet. Weshalb kommt es dazu? Die Ursachen sind vielfältig, doch bei Sportlerinnen beruhen die Zyklusstörungen oft auf einem regelmässig vorhandenen Energiedefizit. Zu den Zyklusstörungen gehören auch verlängerte Abstände von mehr als 6 Wochen zwischen den Menstruationsblutungen. Auch diese sollen als Warnsymptome des Körpers interpretiert und ärztlich abgeklärt werden.
Wenn der Zyklus länger als drei Monate ausfällt, braucht es eine fachspezifische Abklärung (Frauenarzt, Sportmedizin).
Denn ein länger andauerndes Energiedefizit kann folgende Probleme verursachen:

  • Verminderte Knochendichte
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit
  • psychische Probleme (kann auch Ursache sein für eine Amenorrhö)
  • Reduzierte Muskelmasse
  • Blutbildveränderungen
  • Herzrhythmusstörungen, etc.

Dr. med. Sibylle Matter betont, dass bei Spitzensportlerinnen ein langfristig vorhandenes Energiedefizit leider sehr oft zu einer ausgelaugten Situation mit Leistungsintoleranz bis hin zum Karriereende führt.
Emma Pooley bestätigt, dass Zyklusunregelmässigkeiten unter Sportlerinnen ein verbreitetes Problem ist: „Im Austausch mit Sport-Kolleginnen fällt mir auf, dass viele Frauen, die viel Sport machen, entweder sehr unregelmässige Zyklen haben, oder gar total amenorrhoisch sind. Bei mir war es auch so, bevor ich die Mirena Spirale hatte. Meistens ist das ein Zeichen, dass das Körpergewicht und der Fettanteil tief sind – hängt oft mit vielem Training und Spitzensport zusammen.“ Der unregelmässige Zyklus empfand Emma als Nachteil, weil dann die Menstruation immer zu einem ungünstigen Zeitpunkt einsetzte, beispielsweise beim Start eines Etappenrennens.
Zyklusstörungen bei Sportlerinnen sind NICHT normal, und eine fachspezifische Abklärung wird sehr empfohlen. Hier gibt es beispielsweise weiterführende Informationen zum Thema Amenorrhoe: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2018/10/ToolboxSportlerelternZH.pdf ; Abschnitt E.01: Wachstum und Entwicklung

Verfasserin Blogbeitrag: Stefanie Meyer
* Quelle: Sport und prämenstruelles Syndrom (Uni Bochum) 

Der Ausnahmeathlet Kilian Jornet

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“Hi, my name is Kilian Jornet, I’m thirty years old and I’ve been training for thirty years”. Dies sind die Worte mit denen sich der Spanier Kilian Jornet (30) in einem Sponsoring Video selbst beschreibt. Kilian Jornet (30) ist einer der besten (wenn nicht der beste) Ultrasportler der Welt. Erfahre hier mehr über das Leben, das Training und die Überzeugungen des Ausnahmeathleten.

Kilian Jornet hat eine schier übermenschliche Leistungskapazität, womit er sich bereits einige Rekorde geholt hat. Sein maximales Sauerstoffaufnahmevermögen liegt beispielsweise bei 85-90ml/kg/min, was ein absoluter Spitzenwert ist. Er dominiert mit Skibergsteigen und Trailrunning gleich zwei Sportarten. Während andere vielleicht über spezifische Distanzen schneller sind als Kilian, zeichnet er sich vor allem durch seine extreme Ausdauer und seine Vielseitigkeit aus. Man kann ihn als Athleten, als Sportler, als Läufer, als Skibergsteiger, als Nomade oder als Abenteurer bezeichnen – selber nennt er sich lieber einfach „Bergfreund“. Doch wie ist er zu dem ausgezeichneten Ultrathleten geworden, der er heute ist? Wie sieht sein Trainingsalltag aus und was macht er abseits des Sports?

Bild: runners.es

Ein paar Fakten:
Persönlich: Geburtstag: 27.10.1987, Wohnort: nahe Åndalsnes (NOR)
Körperbau: Grösse: 171 cm, Körpergewicht: 58-59 kg, Fettanteil: 8.72 %, Muskelanteil: 46.1 %, Knochenanteil: 21.0 %
Leistungsdiagnostik: Maximalpuls: 205, Ruhepuls: 35, Lungenkapazität: 5.3 l

Vorgeschichte

Kilian Jornet wuchs im Skiort Refugio de montaña de Cap del Rec in den katalanischen Pyrenäen auf. Dort verbrachten er und seine Schwester schon als Kinder viel Zeit mit Sport, da es gar nicht viele andere Möglichkeiten zum Zeitvertreib gab. Sobald sie nach der Schule zu Hause waren, rannten sie im Sommer in den Wäldern und Bergen rund um das Refugio herum und spielten zusammen, im Winter dann dasselbe auf den Skis. Seine Eltern, beides begeisterte Berggänger, nahmen ihre Kinder auch regelmässig mit auf Touren auf irgendwelche Gipfel. So, sagt Kilian, habe er schon früh, mehr oder weniger unbewusst, die Liebe zum Sport und zu den Bergen verinnerlicht.
Als Kilian im Alter von 13 Jahren per Zufall entdeckte, dass es an seiner Schule ein Trainingszentrum für Skibergsteiger gab, bewarb er sich kurzerhand und wurde angenommen. Dort lernte er den Sport aus der Wettkampfperspektive kennen und lieben. Er begann mit regelmässigem, zielgerichtetem Training und bald kamen die ersten Teilnahmen an spanischen Meisterschaften und Europameisterschaften, bald gefolgt durch die ersten Erfolge. Da die Skibergsteiger oft auch diejenigen sind, die im Sommer als Training Bergläufe/Trailrunning bestreiten, begann Kilian bald selbst damit. Heute bestreitet er im Winter die Saison der Skibergsteiger und im Sommer als Bergläufer/Trailrunner.
Man hat aber nicht immer einfach als Vertreter von Randsportarten. Kilian ist sich dessen bewusst und betont, wie wichtig die Unterstützung im eigenen Umfeld dabei sei. Zu seiner Schulzeit sei es seine Mutter gewesen, die ihn und seine Schwester vor der Schule geweckt und mit auf eine Tour genommen habe. Auch bei Rennen sei er darauf angewiesen gewesen, dass ihn seine Eltern begleiteten.
Obwohl Kilian schon in jungen Jahren viel Zeit in den Sport investierte, absolvierte er normal die Schule und schliess auch erfolgreich ein Studium ab. Als er 2005/2006 seinen Bachelor erlangte, entschloss er sich definitiv, voll auf die Karte Sport zu setzen. Um aber trotzdem einen Plan B in der Hand zu haben, studierte er weiter und begann an der französischen Universität Font Romeu ein Studium in STAPS (Wissenschaften der sportlichen und physischen Aktivitäten), wo er sein Training gleich in den Unterricht einbinden konnte. Ausserdem profitierte er von einem speziellen Programm für Spitzensportler, das es ihm erlaubte, die nötige Zeit in seine eigene Karriere zu investieren. Heute lebt er voll und ganz vom Sport, finanziert durch Sponsoren und Institutionen. Neben ihm können es sich aber kaum andere Bergsportler leisten, nur vom Sport zu leben.

Training

«Hat man denn als Profi nicht viel zu viel Zeit?», kann man sich fragen. Wenn man sich Kilians Trainingsumfänge anschaut, wird einem schnell klar, dass dies bei ihm nicht der Fall ist. Bis zu 35 Stunden pro Woche trainiert der 30-jährige phasenweise. Normalerweise absolviert er längere Einheiten am Morgen (3-4 Stunden) und eine kürzere am Nachmittag (1-2 Stunden). Während der Wettkampfsaison kann der Umfang aber auch mal auf 15 Stunden «sinken». Total kommt der Extremsportler auf ca. 1000 Trainingsstunden pro Jahr und 550’000 Höhenmeter, etwa die Hälfte davon auf den Skis und die andere Hälfte zu Fuss. Ruhetage gibt es bei ihm keine, er trainiert 7 Tage die Woche. Kilian versucht aber, immer seine 8 Stunden pro Nacht zu schlafen, um genügend Energie für das viele Training zu haben. Insgesamt legt er pro Jahr etwa 7’000km rennend, 6’000 auf Skis, 1’000 auf dem Rad, 50’000 mit dem Auto und unzählige («viel zu viele», sagt Kilian) per Flugzeug zurück. Früher hatte er einen Trainer, seit einigen Jahren arbeitet er aber selbständig, weil er keinen Trainer gefunden hat, der seine Trainingsmethoden unterstützt. Da er aber merke, dass es für ihn so gut funktioniere, habe er momentan auch kein Bedürfnis danach, einen Trainer zu engagieren.

Wettkämpfe

Die Wettkämpfe im Winter sind tendenziell kürzer als diejenigen im Sommer. Er mag aber beide Sportarten gleich gerne und er schätzt es, dass sie sich gegenseitig so gut ergänzen. Die kürzeren Wettkämpfe im Winter (alles von 1km kurzen, extrem steilen Strecken bis Wettkämpfe à 90min) hälfen ihm im Sommer für die Schnelligkeit und die längeren Wettkämpfe im Sommer legten eine super Basis für die Wintersaison. Auch könne er so eine zu einseitige Belastung für den Körper verhindern. Gerade die Wettkämpfe im Winter können besonders hart sein. Die vielen Höhenmeter (die meisten davon viele Meter über dem Meeresspiegel bewältigt), die es zu überwinden gibt, verlangen einem alles ab. Dies musste er 2010 bei einem Rennen über 100km selbst schmerzlich erfahren, als er die letzten 30km total dehydriert und von Krämpfen geplagt zurücklegen musste. Aber er kämpfte sich ins Ziel und beendete das Rennen auf dem 3. Rang. Laut Kilian liessen einen die überwältigenden Emotionen nach dem Erreichen der Ziellinie jegliche Schmerzen auf dem Weg dazu vergessen.

Bild: Ariño Visuals

Wenn man hört, welcher unglaublichen Belastung Kilians Körper regelmässig ausgesetzt ist, liegt die Vermutung nahe, dass da auch Verletzungen an der Tagesordnung sind. Jedoch hat er mit einem Kniescheibenbruch 2006 und einer Schulteroperation 2018 erst zweimal schwerwiegendere Verletzungen und Eingriffe verzeichnen müssen. Er sagt aber auch selber, er habe sehr viel Glück mit seinem Körper und damit, dass er nur so selten durch Lädierungen gebremst werde.
Aber wie schafft es Kilian, sich während einer solch extremen Belastung zu motivieren? Wenn es wirklich fast nicht mehr geht, woran denkt er da? Während langen Wettkämpfen werde das Laufen zum Automatismus, sagt Kilian, fast wie das Atmen. Man lenke sich ab mit der Freude am Wettkampf, danach mit der Landschaft oder mit Musik. Selber denke er auch oft daran, was er jetzt machen müsste wenn er zu Hause wäre oder arbeiten müsste. Und wenn es langsam hart werde, setze er sich einfach kleine Zwischenziele. «Noch bis zum nächsten Hügel», sage er sich zum Beispiel. Und so könne er immer wieder kleine Siege feiern, die ihn anspornen, bis im Ziel alles zu geben. Wenn er wirklich total erschöpft sei, könne es aber auch vorkommen, dass er gar nichts mehr denken könne und sich nur noch in einer Art Trance vorwärtskämpfe.

Bild: Philipp Reiter, Salomon Running

Ultrawettkämpfe sind also zu einem grossen Teil auch eine mentale Angelegenheit. Die Hilfe eines Psychologen nimmt Kilian zwar nicht in Anspruch, er arbeitet jedoch gerne mit Visualisierungstechniken und geht jeweils die Läufe vorher in seinem Kopf durch (Umgang mit anderen Läufern, Verpflegungen, etc.). Im Wettkampf sei es extrem wichtig, rational und positiv zu denken, vor allem wenn etwas Unvorhergesehenes passiere, dann das passiere fast immer! Da sei es wichtig, richtig zu reagieren und das könne er mit der richtigen Vorbereitung beeinflussen.

Kilian persönlich

Wenn Kilian einmal nicht gerade am trainieren ist, kann man ihn an einem ruhigen Plätzchen an einem Bergsee beim Lesen finden oder auch zuhause am Entspannen. Dabei helfen ihm auch Musik oder das Zeichnen. Natürlich hat er als Bewegungsfanatiker aber auch Hobbies, bei denen man sich bewegt, wie zum Beispiel Slackline oder Klettern.

Bild: Kilian Jornet Official Facebook Page

Kilian ist sicher sehr sehr diszipliniert und weiss, was er erreichen will. Kilians grösste Stärke scheint aber die Freude an der ganzen Sache zu sein. Er betont immer wieder, wie wichtig es sei, Spass zu haben an dem was man mache und dass es nicht primär um den Erfolg, sondern um die persönliche Erfüllung gehe. Dies zeigt auch sein Statement in Bezug auf Doping. Doping sei ein Problem. Aber nicht unbedingt nur geldbedingt verursacht, sondern vor allem, durch falsche Ziele der Sportler. Viele sähen nur das Ziel und nicht den Weg. Da läge der Griff zum Doping nahe, um möglichst schnell zu diesem Ziel zu gelangen.
Besonders gefällt ihm aber auch die Verbindung zur Natur, die in den Bergen ganz speziell sei. Leuten, die mit Bergsport beginnen wollen, würde er auch raten, den Sport als Erlebnis zu sehen, es Schritt für Schritt anzugehen und den Weg zu geniessen. Es müsse und könne nicht von 0 auf 100 gehen. Sein Rat: «geniess das was du machst und höre auf deinen Körper!».
Bei Kilian ist es einfach, ihm das abzukaufen. Wer so viel Zeit in Training und Wettkampf investiert und dabei so viel Bereitschaft zum Leiden zeigt, der kann das fast nicht aus anderen Gründen machen als aus der Liebe zum Sport.

Dieser Blog-Beitrag wurde verfasst von: Marion Aebi

Kohlenhydratperiodisierung zur Leistungssteigerung

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Kohlenhydratperiodisierung im Ausdauersport – eine Möglichkeit um effizient die Leistung zu steigern und dabei Fett abzubauen.
Deine Laufleistung setzt sich aus vielen verschiedenen Puzzleteilen zusammen. Wird das Lauftraining ganz neu aufgenommen, wird schnell eine Leistungssteigerung ersichtlich. Irgendwann bist du aber vielleicht an dem Punkt, wo es schwierig wird, neue und vor allem auch effiziente Reize zu setzen. Das trifft bei weitem nicht nur auf Leistungssportler zu. Man versucht an einzelnen Puzzleteilen zu feilen, um die Leistung zu verbessern. Die Ernährung ist vielleicht eines davon. In diesem Beitrag schreibt die Sport- und Ernährungswissenschaftlerin Dr. sc. nat. Joëlle Flück, welchen Einfluss die Kohlenhydratperiodisierung im Ausdauersport auf die Leistung und den Fettabbau hat.

Kohlenhydrate notwendig für maximale Leistungsfähigkeit

Gerade im Ausdauersport ist das Wettkampfgewicht ein Dauerthema. Doch eine Gewichtsabnahme während einer Wettkampfsaison ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Zu gross sind die Leistungseinbussen durch die fehlende Energie. Ein zweiter Dauerbrenner ist die Art, wie man sich ideal ernähren soll. Zu viele Ernährungsformen wie „Ketogene Diät“, „Low Carb“, „Paleo“, etc. hat man zur Auswahl und es ist oft schwierig, den Überblick zu behalten und sich für die „richtige“ Ernährungsform zu entscheiden. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass Kohlenhydrate benötigt werden, um die maximale Leistungsfähigkeit bei intensiven oder maximalen Belastungen erreichen zu können. So macht wahrscheinlich eine Low Carb Diät während intensiven Wettkampfphasen wenig Sinn.

Low Carb und High-Carb Diät kombinieren

Sportwissenschaftler haben sich intensiv mit dem Thema der Ernährung zur optimalen Leistungssteigerung auseinander gesetzt. Dabei haben sie zum Beispiel auch untersucht, ob eine Low-Carb-High-Fat Diät einen leistungssteigernden Effekt erzeugen kann. Viele Studien zeigen, dass kurzfristig gesehen, die Fettverbrennung gesteigert werden kann, jedoch langfristig eine solche Ernährungsweise eher nachteilig wirkt, wenn es darum geht, die maximale Leistung abzurufen und sich zu verbessern. Trotzdem können jedoch genau diese kurzfristigen Effekte im Training genutzt werden, um die Ausdauerleistung noch effektiver zu maximieren. So sind die Wissenschaftler auf die Idee gekommen, die Low Carb Diät mit einer High-Carb Diät zu kombinieren und die Vorteile beider Ernährungsformen sinnvoll zu nutzen und optimal einzusetzen. Daraus ist das Konzept der Kohlenhydratperiodisierung entstanden.

Studienergebnisse Kohlenhydratperiodisierung

Marquet et al. (2016) haben in ihrer Studie zwei Gruppen von Triathleten untersucht. Die eine Gruppe hat sich so ernährt, wie es die gängigen Sporternährungsrichtlinien vorgeben: Genügend Kohlenhydrate vor der intensiven Belastung zur Steigerung der maximalen Leistung und genügend Kohlenhydrate nach dem Intervalltraining zur Förderung der optimalen Regeneration. Die andere Gruppe hat sich nach dem Prinzip der Kohlenhydratperiodisierung ernährt: Ganz normale Kohlenhydratzufuhr vor dem Intervalltraining und danach eine Low-Carb-Phase vor dem Schlafengehen. Am Morgen danach hat diese Gruppe eine Trainingseinheit mit tiefer Intensität auf nüchternem Magen durchgeführt, wobei die erste Gruppe erst nach einem kohlenhydratreichen Frühstück trainiert hat. Dies wurde über drei Wochen jeweils zweimal wöchentlich angewandt. Nach drei Wochen Trainings- und Ernährungsintervention zeigte die Gruppe der Kohlenhydratperiodisierung eine stärkere Verbesserung bei einer vorgegebenen Fahrradbelastung (+12% länger gefahren als drei Wochen zuvor) und in einem 10km-Lauf (3% schneller gelaufen). Zudem hat sich bei dieser Gruppe die Fettmasse um 0.8 kg reduziert. Die andere Gruppe konnte ihre Leistung über die drei Wochen nicht signifikant steigern und auch das Körpergewicht sowie die Zusammensetzung blieben unverändert.

Abbildung 1: Beispiel eines Wochenplans mit Kohlenhydratperiodisierung (adaptiert aus Marquet et al. 2016), GA = Grundlagenausdauer, HIT = High Intensity Intervall Training

Fazit

Diese Studie zeigt, dass es möglich ist, die Leistung sowie die Körperzusammensetzung durch ein optimales Zusammenspiel aus Phasen mit wenigen Kohlenhydraten und Phasen mit viel Kohlenhydraten zu verbessern. Eine genaue Planung von Training, Ernährung und Erholung, sowie dem Durchführungszeitpunkt in der Trainingsplanung ist von zentraler Bedeutung. Es wird auch geraten, solche Low-Carb-Phasen nicht zu häufig pro Woche zu wiederholen, da sie bei zu hoher Trainingsbelastung auch an den Reserven des Körpers zehren. Die Infektanfälligkeit sowie das Risiko in ein Übertraining oder in eine Überlastung zu kommen, steigt an. Es wird deshalb empfohlen, mit einer Fachperson zusammen zu sitzen und die Ernährung individuell und professionell auf das Trainings- sowie Wettkampfplan abzustimmen, um schlussendlich eine optimale Leistungssteigerung sowie eine Gewichtsreduktion zu erreichen.

Joëlle FlückDieser Blogbeitrag wurde von der Sport- und Ernährungswissenschaftlerin Dr. sc. nat. Joëlle Flück verfasst. Sie arbeitet in der Sportmedizin in Nottwil und betreut dort sport- und ernährungswissenschaftlich Athleten aller Leistungsstufen bis hin zum Leistungssportler. Gleichzeitig führt sie auch selbst Studien im Sporternährungsbereich durch und ist Vizepräsidentin der Swiss Sports Nutrition Society. Als ehemalige Mittelstreckenläuferin hat sie unzählige Medaillen an Schweizermeisterschaften gewonnen und ist heute auf längeren Distanzen unterwegs.
Weitere Blogartikel von Dr. sc. nat. Joëlle Flück auf unserem Blog:
Vitamin D und Sport
Randensaft und Ausdauerleistung

Regeneration und Ernährung

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Die Ernährung während der Regeneration ist wichtig und es gibt hierzu auch ein breites Angebot von Regenerations-Produkten. Aber für wen ist ein Regenerationsshake eigentlich sinnvoll? Und wann kommt er am besten zum Einsatz? 

«Die Ernährung unmittelbar nach einer sportlichen Leistung spielt für die Regenerationszeit eine wesentliche Rolle», sagt Samuel Mettler, Ernährungswissenschafter beim Bundesamt für Sport BASPO. Der Spezialist schränkt allerdings ein: «Voraussetzung ist natürlich, dass es auch wirklich etwas zu regenerieren gibt, sprich eine sportliche Belastung sehr lange und/ oder sehr intensiv war und dadurch die gewohnte Alltagsernährung nicht ausreicht. Wenn man eine Stunde Joggen war oder auf einer ein-bis zweistündigen Trainingsfahrt mit dem Velo und dies vielleicht zwei oder dreimal die Woche macht, muss man sich bezüglich Regeneration ausser einer guten und ausgewogenen Basisernährung keine grossen Gedanken machen.»

Alkohol: der Regenerations-Killer 

«Wenn man nach einer strengen Velotour baldmöglichst wieder regeneriert sein muss, gibt es durchaus zwei, drei Ernährungsmassnahmen, die Sinn machen», so Samuel Mettler. «Die Devise lautet, möglichst rasch die verloren gegangene Energie wieder zu sich zu nehmen, also unmittelbar nach der Belastung mit der Regeneration zu starten. Bei langen Ausdauerbelastungen müssen vor allem die Kohlenhydratspeicher rasch wieder aufgefüllt werden, aber auch eine adäquate Proteinzufuhr ist angezeigt. Beides kann entweder mit fester Nahrung in Form von Sandwiches, Riegeln, Biberli und Ähnlichem in Kombination mit Sport-und anderen Süssgetränken geschehen oder durchaus auch mit einer fertigen Mischung eines Regenerations-Shakes, wenn man die Energie flüssig zu sich nehmen will.» Das beliebte Bier hingegen macht laut Mettler die regenerative Anstrengung locker wieder zunichte. «Alkohol ist ein regelrechter Regenerations-Killer. Er fördert unter anderem die Wasserausscheidung über den Darm und ist somit kontraproduktiv, wenn man grössere Flüssigkeitsdefizite ausgleichen muss.» Sofort Kohlenhydrate und Protein einnehmen und anschliessend ein alkoholfreies Bier trinken wäre laut Ernährungsexperte Mettler hingegen eine absolut sinnvolle Regenerationsmöglichkeit.

Eine gesunde Basisernährung reicht im Normalfall

Für sportlich aktive Menschen ist eine gesunde und vielseitige Basisernährung wichtig und meist auch ausreichend, um leistungsfähig zu bleiben. Kurz vor, während und nach einem Wettkampf oder einer sehr intensiven Belastung können sich die Prioritäten aber kurzfristig verändern. Im Ausdauersport werden durch lange und anstrengende Trainingseinheiten in erster Linie die Kohlenhydrat-und Zuckerspeicher der Muskulatur entleert, wodurch deren Wiederauffüllung höchste Priorität zukommt. Die Muskelzellen können in den ersten ein bis zwei Stunden sehr viel Zucker aufnehmen, später sinkt die Kapazität stark ab. Wenn wenig Zeit zur Verfügung steht (wie bei mehrtägigen Belastungen, einer Turniersituation oder einem spätabendlichen Training), ist diese frühe Phase optimal zu nutzen. Proteine sind für die Regeneration ebenfalls von Bedeutung. Mit den Proteinen stellt man dem Körper nach einer Belastung die Baustoffe für Adaptionsprozesse und für die Reparatur von beschädigten Strukturen zur Verfügung. Und auch bei den Proteinen ist es wichtig, sie unmittelbar nach der Belastung einzunehmen.

Flüssig oder fest?

Ob die Energie nach dem Sporteinsatz in fester oder flüssiger Form eingenommen wird, spielt grundsätzlich keine Rolle. Flüssige Lebensmittel werden allerdings unmittelbar nach einer harten Belastung meist besser vertragen. Zudem weisen viele Sportler zu diesem Zeitpunkt keinen grossen Hunger auf und möchten lieber etwas trinken. Auch die Trainingsumstände können eine Rolle spielen, welche Ernährungsvarianten angezeigt sind. Samuel Mettler: «Eine häufige Trainingssituation im Alltag eines Breitensportlers ist die, dass er abends nach der Arbeit noch trainieren geht und dadurch das Zeitfenster zwischen Trainingsschluss und Schlafenszeit recht kurz ist.» In solchen Fällen muss sich der Sportler die Frage stellen, ob es zu später Stunde noch Sinn macht, eine ausgiebige Mahlzeit einzunehmen mit der Gefahr, dadurch den Schlaf zu beeinträchtigen. Oder ob er sich die Energie lieber mit Snacks, Riegeln oder konzentrierten Fertigdrinks zuführen soll. Gerade wegen solch praktischen Fragestellungen haben sich speziell hergestellte Regenerations-Produkte in den letzten Jahren an breiter Front durchgesetzt. Sie werden entweder fixfertig als Drink oder als Pulver zum Anrühren (meist mit Wasser) angeboten. Inhaltlich unterscheiden sie sich von den herkömmlichen Sportgetränken durch einen erhöhten Proteingehalt, den Geschmack und häufig auch durch Anreicherung von Mineralstoffen und Vitaminen.

Protein-Kohlenhydrate-Verhältnis ist entscheidend

Über das Einsatzgebiet eines Konzentrats entscheidet vor allem das Protein-Kohlenhydrate-Verhältnis. Samuel Mettler: «Je höher der Energiebedarf beim Sport war, desto höher liegt idealerweise der prozentuale Anteil der Kohlenhydrate. Viele Regenerationsgetränke weisen ein Eiweiss-Kohlenhydrate-Verhältnis von etwa 1:3 bis 1:5 auf, womit sowohl eine optimal hohe Kohlenhydrat- wie auch Proteinmenge eingenommen werden kann. Nach einem Kraft- oder Sprungkrafttraining oder einem schnellen Intervalltraining hingegen ist die benötigte Gesamtenergiemenge kleiner, während die erforderliche Proteinmenge immer noch gleich hoch ist. Hier können Regenerationsprodukte mit einem höheren Proteinanteil – z.B. Verhältnis 1:1 – eingesetzt werden. Eine relativ kleine Pulvermenge enthält so immer noch eine optimale Proteinmenge, aber weniger – und in diesem Falle überflüssige – Kohlenhydrate.» In Regi-Shake-Mischungen sind meist mehrere, unterschiedlich schnell verfügbare tierische Proteinquellen enthalten (vor allem Milchproteine wie z.B. Molkeprotein, ein Bestandteil des Milchproteins, welches sehr schnell verfügbar ist). Einige Anbieter haben auch Produkte mit pflanzlichen Proteinquellen (z. B. auf Sojabasis) im Angebot.

Fazit

Wie so oft gilt: Pauschalrezepte gibt es auch in Sachen Regeneration keine. Punktuell können durchaus auch Hobbysportler in die Situation eines Profisportlers geraten und aufgrund der sportlichen Belastung kurzfristig eine erhöhte Kohlenhydrat- wie auch Proteinmenge benötigen, sei es durch eine auszehrende Velotour, ein Trainingslager oder auch durch intensive Krafttrainingsphasen. Ob man danach das Defizit mit natürlichen Nahrungsmitteln, fest, flüssig oder mit speziellen Fertigmischungen kompensieren will, ist eine Frage der benötigten Energiemenge, der vorhandenen Erholungszeit bis zur nächsten Belastung, der Gewohnheit, des Geschmacks, der Verträglichkeit – und schlussendlich wohl auch eine Frage der Bequemlichkeit und gar des Glaubens.

Dieser Blogbeitrag wurde durch Fit for Life zur Verfügung gestellt. Fit for Life ist das Schweizer Magazin für Fitness, Lauf- und Ausdauersport. Möchtest du regelmässig solche Artikel lesen? Dann klicke hier.
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Laufen hilft gegen Asthma

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Wer Ausdauersport treibt, beansprucht seine Atmung. Asthma hingegen beeinträchtigt die Atmung. Dennoch ist Sport bei Asthma kein Widerspruch – im Gegenteil.
Das Wort Asthma stammt aus dem Griechischen und bedeutet „erschwertes Atmen“, was die Situation treffend beschreibt. Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege (Asthma bronchiale). Die Bronchien von Asthmatikern reagieren unverhältnismässig stark auf alle möglichen und unmöglichen Reize mit einer variablen Verengung der Atemwege, die teilweise rückbildungsfähig ist. Die Beschwerden machen sich meist mit anfallsweiser Atemnot bemerkbar, die entweder spontan oder nach Inhalation von Medikamenten („Asthmaspray“) wieder abklingt. Gelegentlich äussert sich ein Asthma alleine durch trockenen Reizhusten (z.B. nach Anstrengung), durch ein Engegefühl auf der Brust und/oder mit vermehrter Müdigkeit und Leistungsintoleranz. Die Entzündung verursacht generell eine Zunahme der Empfindlichkeit der Atemwege auf eine Vielzahl von Reizen wie Kälte, Staub, Allergene, Rauch, Ozon oder körperliche Anstrengung. Rund 5% der Erwachsenen und bis 10% der Kinder sind von Asthma betroffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen.

Zwei unterschiedliche Asthmaformen

Man unterscheidet das allergische vom nicht allergischen Asthma, wobei häufig Mischformen zu beobachten sind. Das allergische Asthma wird verursacht durch Allergene wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Insektengift, oder Tierhaare. Das nicht-allergische Asthma wird hauptsächlich ausgelöst durch Atemwegsinfektionen, aber auch durch Überempfindlichkeit gegen Medikamente oder toxische Reize (Chemikalien). Eine Sonderform ist das sogenannte Anstrengungsinduzierte- oder auch Kälteasthma, welches auf einer chronischen Entzündung der Bronchien beruht, ausgelöst durch intensive sportliche Betätigung in der Kälte. Dabei kommt es nach rund 5-10 Minuten Belastungsdauer zu Asthma-ähnlichen Beschwerden mit (trockenem) Husten und/oder Atemnot, einhergehend mit einer Leistungsverminderung. Die Beschwerden bessern sich typischerweise unter Fortsetzung der körperlichen Aktivität, was man auch als „running through“-Phänomen bezeichnet. Vor allem trockene und kalte Luft können die Beschwerden auslösen; typischerweise sind Wintersportler davon häufiger betroffen.

Sport als Bestandteil der Therapie

Asthma und Sport ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Sportliche Betätigung ist für jeden Asthmatiker wichtig und Bestandteil der Asthmatherapie. Eine gute körperliche Kondition erhöht die Leistungsreserven und insbesondere auch die Leistungsfähigkeit der Lunge, unter anderem durch die Stärkung der Atemmuskulatur. Zudem sorgt Sport für eine Verbesserung des Körperempfindens und der Eigenbeobachtung, wodurch wiederum die Angst vor einem Asthmaanfall reduziert werden kann. Dank regelmässiger sportlicher Aktivitäten werden Anstrengungen allgemein besser toleriert und zudem kann die Erschöpfung hinausgeschoben werden.
Grundsätzlich darf jeder Sport ausgeübt werden. Ideale Sportarten sind solche mit gleichbleibender Belastung sowie Wassersportarten, die kaum eine Austrocknung der Atemwege verursachen. Ein feuchtwarmes Klima ist für Asthmatiker in der Regel besser geeignet als kalte oder trockene Luft, weshalb ein Belastungsasthma vermehrt in der kalten Jahreszeit auftritt oder im Frühsommer während der Pollenzeit. Auf Sport verzichten sollte man bei einem akuten Asthmaanfall, was auf der Hand liegt. Sport im Freien einschränken sollten Asthmatiker zudem bei hoher Luftverschmutzung (Ozon, Smog) und sehr kalten Aussentemperaturen (Minus acht Grad und darunter).

Tipps zur Vorbeugung

Die Grundregel ist simpel: Wenn man allergisch auf gewisse Substanzen reagiert, sollte man diese meiden. Dies ist jedoch nicht immer möglich, wie z.B. bei Pollen. Eine Variante ist in diesem Fall die Durchführung einer Desensibilisierung bei Heuschnupfen oder Milbenallergie. In ausgewählten Fällen kann dies vorbeugend gegen einen sogenannten „Etagenwechsel“ wirken. Ein Etagenwechsel bedeutet, dass ein Heuschnupfen mit Augen-und Nasensymptomatik im späteren Leben in ein Asthma bronchiale übergehen kann.

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Für viele Asthmatiker ein Muss: Inhalieren

Die Asthmatherapie beruht in erster Linie auf einer Basis- und Bedarfstherapie mit entzündungshemmenden sowie Bronchien erweiternden Medikamenten zur Inhalation. Zusätzlich können antiallergische und entzündungshemmende Medikamente in Tablettenform eingesetzt werden. Bei einem Infekt-bedingten Asthma muss der Infekt behandelt werden, evtl. mit Antibiotika. Bei Anstrengungs- und Kälteasthma hilft therapeutisch ein Bronchus erweiternder Asthmaspray (z. B Ventolin), am besten rund 15 Minuten vor dem Sport.
Ausserdem sollte man sich vor sportlichen Aktivitäten ausreichend aufwärmen, dies bei niedriger Intensität mit kurzen Intervallläufen dazwischen, allenfalls auch mit integrierten Atemübungen. Beim Sport in der Kälte kann allenfalls ein LungPlus-Gerät von Nutzen sein. Das ist ein einzigartiges, im Mund getragenes Wärme- und Feuchtigkeitsausstausch-Gerät, welches die kalte eingeatmete Luft anwärmt und gleichzeitig befeuchtet. Eine ärztliche Abklärung bei Asthmaverdacht ist immer angezeigt, dies zur Klärung der Ursache und zur Einleitung einer passenden Therapie.

akroDieser Beitrag wurde von Dr. med. Alexandra Kronenberg geschrieben. Sie ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin und arbeitet bei Medbase Thun und Bern.

Laufen als Therapie

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Wer kennt sie nicht, die Momente, in denen man sich traurig, einsam oder gar niedergeschlagen fühlt? Doch wie erkennt man eine aufkeimende Depression, was sind die Auslöser – und welchen Einfluss haben dabei Sport und Bewegung? Eine Bestandesaufnahme.

Stimmungstiefs gehören zu unserem Leben dazu – wo Licht ist, da sind immer auch Schatten. Was aber, wenn die Schatten grösser werden – und wir dadurch als Folge…
…unser Selbstvertrauen verlieren,
…nicht mehr schlafen können,
…uns erschöpft fühlen,
…uns nicht mehr konzentrieren können,
…die Freude und das Interesse an vielen Dingen verlieren,
…ängstlich und nervös sind oder oft Kopfschmerzen haben,
…über Magenprobleme, Rücken- oder andere Schmerzen klagen,
…keine Lust auf Sex haben,
…und uns für alles zuerst überwinden müssen?

Treten drei oder mehrere der oben genannten Symptome gleichzeitig und während mindestens 14 Tagen auf, können sie auf eine depressive Erkrankung hinweisen. Eine Depression ist dabei so individuell wie der Mensch, der unter ihr leidet. Und ebenfalls wichtig zu wissen: Eine Depression unterscheidet sich von einem Stimmungstief. Wer depressiv ist, hat grosse Mühe, im Alltag zu bestehen und soziale Kontakte zu pflegen. Arbeitsunfähigkeit kann eine Folge davon sein. Im deutschsprachigen Raum leiden rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression.

Auslöser einer Depression

Die Ursachen einer Depression sind vielschichtig und nicht vollumfänglich geklärt. Mögliche Auslöser können anhaltender negativer Stress sein, belastende Lebenssituationen, traumatische Kindheitserlebnisse, Mobbing, Arbeitslosigkeit, der Tod eines geliebten Menschen, Alkohol- und Drogensucht sowie viele weitere Gründe, etwa auch eine erbliche Komponente.
Das Krankheitsbild einer Depression ist nicht immer offensichtlich. Denn viele depressive Menschen halten sich nicht für krank, sondern für Versager. Dabei ist die Depression aus medizinischer Sicht eine Krankheit. Viele Fachleute vermuten, dass für eine Depression unter anderem ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn (sogenannte Neurotransmitter) verantwortlich ist. In der Therapie werden deshalb Medikamente eingesetzt, die dieses Ungleichgewicht im chemischen Haushalt des Gehirns wiederherstellen sollen.

Kann Sport helfen?

Depressionen lassen sich im Allgemeinen gut ambulant behandeln. Zur Verfügung stehen verschiedene psychotherapeutische Methoden, Medikamente sowie seltener auch Lichttherapie, Wachtherapie (Schlafentzug) und in ganz schweren Fällen die Elektrokrampfbehandlung. Ist die Depression sehr schwer oder droht gar Suizidgefahr, ist eine Hospitalisation hilfreich.
Auch Sport kann einen positiven Einfluss auf den Verlauf einer Depression ausüben. Dass Bewegung bei psychischen Problemen helfen kann, ist keine neue Idee. Doch erst seit einigen Jahren untersucht die moderne Medizin mit wissenschaftlichen Methoden, inwieweit Sport sich konkret dazu eignet, die Schatten von der Seele depressiver Menschen zu vertreiben.
Amerikanische Forscher teilten 156 Patienten mit Depression nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen ein. Eine Gruppe wurde rein medikamentös behandelt, die zweite nahm Medikamente ein und absolvierte zudem regelmässig ein spezielles Ausdauertraining, und die dritte Gruppe betrieb lediglich das Sportprogramm. Fazit: Die besten Ergebnisse wurden mit der Kombination aus Sport- und Medikamenten-Therapie erzielt. Regelmässiges Ausdauertraining alleine hatte eine vergleichbar stimmungsaufhellende Wirkung wie die alleinige Behandlung mit Antidepressiva. In Sachen Rückfallquote schnitt „Sport pur“ sogar am besten ab.

Ausdauersport besonders geeignet

Hauptsache regelmässig! Untersuchungen zeigen, dass die stimmungsaufhellende Wirkung körperlicher Bewegung sich schnell wieder verflüchtigt, wenn die Depressionspatienten längere Pausen einlegen. Zwar gibt es keine offiziellen Leitlinien, aber ein- bis zweimal pro Woche sollte man schon die Sportschuhe schnüren. Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen sind Studien zufolge als Mittel gegen Depressionen besonders gut geeignet. Nicht übertreiben, lautet die Devise, vor allem zu Beginn einer regelmässigen Sportaktivität. Das Sportprogramm sollte sich immer an der körperlichen Leistungsfähigkeit orientieren, damit es zu einem positiven Erlebnis wird.
Mittlerweile gilt es als wissenschaftlich erwiesen, dass Bewegung und körperliche Aktivität bei leichten bis mittelschweren Depressionen ein wirksames Therapeutikum sind. Und auch in schweren Fällen kann Sport zumindest eine wertvolle Unterstützung zu Antidepressiva und Psychotherapie sein. Dennoch sollten Betroffene nicht versuchen, der Erkrankung in Joggingschuhen davonzulaufen. Problematisch dabei ist, dass einerseits der Bewegungsdrang von depressiven Menschen eher eingeschränkt ist, und andererseits kann exzessiv betriebener Sport auch ein Hinweis auf eine Depression sein. Auf jeden Fall stellen Depressionen eine ernstzunehmende Problematik dar und erfordern die Behandlung durch einen qualifizierten Arzt beziehungsweise durch einen Psychotherapeuten. Dass Sport dabei eine gute Therapieoption darstellt – ob allein oder in Kombination mit Medikamenten – ist mittlerweile auch den meisten Medizinern und Psychologen bewusst.

pnDr. med. Patrik Noack ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Manuelle Medizin und Sportmedizin. Er arbeitet bei Medbase Abtwil als Co-Leiter Medizin.