Mit Isokinetik gegen den Schmerz im Knie

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Isokinetik

Gitta Molnár lief und lief und lief … bis es ihrem Knie zuviel wurde. Mit Hilfe der Isokinetik und weiteren Übungen gewinnt sie ihre frühere Leistungsfähigkeit zurück.

 

 

 

 

 

 

Vor zehn Jahren begann Gitta Molnár mit dem Laufen. Erst kleine Strecken, dann immer längere. «Balaton Supermarathon» in Ungarn 2016, Schnebelhorn Panoramatrail 2017, Drei-Länder-Marathon 2018 … Die Liste ihrer Wettläufe wurde mit jedem Jahr länger.

Im März 2019 stand ein Ultralauf auf dem Programm, vier Tage lang täglich 50 Kilometer – Molnár erreichte Platz 4. Im April dann der Zürich Marathon mit guten Resultaten und im Juni 2019 der 100-Kilometer-Lauf von Biel. Gitta Molnár schaffte es dort auf Platz 2 AK. «Das war ein ganz besonderes Erlebnis. Aber es war zuviel für mein linkes Knie», sagt die 37-jährige Amateurläuferin rückblickend.

Das Knie macht Probleme

Bereits vorher schon hatte sich das Knie bemerkbar gemacht. «Ich konnte nicht mehr gut laufen.» Molnár begann im Internet zu recherchieren, fand aber keine guten Informationen, die ihr weitergeholfen hätten. Die Schmerzen vorne an der Kniescheibe wurden immer stärker und zwangen ihr schliesslich eine Laufpause auf. «Es war schlimm.»

Im Juli 2020 fand die Läuferin schliesslich einen Arzt, der ihr sagen konnte, was Sache ist: Patellaspitzensyndrom, lautete die Diagnose. Ihre linke Kniescheibensehne war chronisch entzündet und hatte bereits einen Defekt. Sie müsse sich auf einen langen, mindestens sechs Monate dauernden Heilungsprozess einstellen, prophezeite Martin Narozny, Leiter Medizin am Sports Medical Center in Zürich.

«Man trainiert soviel – und plötzlich darf man gar nichts mehr machen. Das fällt schwer, auch mental», sagt Gitta Molnár. Anstelle des gewohnten Trainings traten nun Eigenbluttherapie, Stosswellenbehandlungen, Dehn- und Physioübungen für zu Hause und einmal wöchentlich Massage oder Manualtherapie.

Isokinetik-Trianing

Kern der Therapie waren drei Serien Isokinetik-Training. Dabei wird der Patient in einem speziellen Stuhl festgeschnallt und das Bein in die Isokinetik-«Maschine» eingespannt. Sie sorgt dafür, dass das Training in jedem Winkel mit wechselndem Widerstand trainiert wird, und zwar jeweils in jedem Winkel mit dem individuellen Maximum.

«Bei den klassischen Trainingsgeräten, bei denen ein Gewicht eingestellt wird, wird der Muskel nur in einem Winkel maximal ausbelastet und ist über den Rest der Bewegung unterfordert. Das Isokinetik-Gerät sorgt dafür, dass man während des Bewegungsablaufs an jedem Punkt mit seinem individuellen Maximum trainieren kann. Die Maschine misst die Kraft und passt den Widerstand in jedem Moment an», erläutert Sarina Fröhlich, Physio- und Sportphysiotherapeutin am Medbase Sports Medical Center in Zürich.

Der diagnostische Einsatz der Isokinetik

«Die Isokinetik lässt sich nicht nur therapeutisch einsetzen, sondern auch diagnostisch», sagt Sarina Fröhlich. «Man sieht da ziemlich gut, wo man im Training oder in der Rehabilitation steht.» Vor dem Training wird ein Test auf der Isokinetik-«Maschine» durchgeführt. Dabei wird die Kraft und deren Verlauf gemessen und aufgezeichnet. Dadurch können koordinative Defizite, Maximalkraftdefizite im Seitenvergleich und muskuläre Dysbalancen innerhalb des Beins erkannt werden. Dann kann gezielt am Defizit trainiert, die Belastbarkeit des Gewebes erhöht und Fortschritte gemessen werden.

Isokinetik-Training sei immer nur eine Ergänzung zur weiteren Behandlung, «es ist nie die alleinige Methode», betont die Physiotherapeutin Rebecca Steinemann. Sie hat Molnár an der Maschine angeleitet. Die physiotherapeutische Begleitung sei ein Muss, sagt Steinemann.

Peu à peu durfte die Läuferin beim Isokinetik-Training kontrolliert immer mehr Kraft ausüben. Auf dem Bildschirm ist die Kraftkurve für Therapeut und Läufer sichtbar und kann stets überprüft werden.

Die Einsatzmöglichkeiten der Isokinetik

Prinzipiell lasse sich das Isokinetik-Training auch bei Schulter- oder Achillessehnenproblemen einsetzen. Am gebräuchlichsten sei jedoch der Einsatz am Knie, sei es nach einer Kreuzband-Operation, einem Patellasehnenriss, wegen eines Femoropatellären Syndroms oder – wie bei Gitta Molnár – wegen eines Patellaspitzensyndroms.

«Selbst nach wochenlanger Behandlung waren die Schmerzen immer noch schlimm. Das Knie tat lange weh», erinnert sich die Läuferin. «In so einer Zeit muss man stark bleiben, auch im Kopf.»

Ein Höhepunkt für Gitta Molnár war das «AlterG»-Training: Des eigenen Körpergewichts «enthoben», durfte die Läuferin ab Herbst 2020 sozusagen halb schwebend immer wieder auf diesem speziellen Laufband trainieren. «Herrlich» sei das gewesen, schwärmt sie jetzt noch.

«Das Knie lebt nicht allein von der Kraft», gibt Sarina Fröhlich zu Bedenken. «Deshalb genügte das Isokinetik-Training allein nicht. Es braucht zum Beispiel zusätzliche Übungen für die Stabilität.» Sechs Monate lang absolvierte Molnár ihr Rekonvaleszenz-Programm, das nebst der Isokinetik auch normales Krafttraining beinhaltete, Dehnungsübungen, Stabilitätsübungen, Deep Friction und Triggerpunkttherapie.

Molnàrs Fazit

«Es hat sich gelohnt», sagt die angefressene Läuferin jetzt. Ende Dezember 2020 gab ihr der Arzt erstmals grünes Licht für eine kurze Joggingrunde. Mittlerweile legt Molnár wieder 35 Kilometer pro Woche zurück. Ihr früheres Niveau hat sie indes noch nicht erreicht. «Damals bin ich 60 bis 80 oder sogar 100 Kilometer wöchentlich gelaufen.»

Trotzdem ist die Läuferin zufrieden: «Die Schmerzen sind weg. Hätte ich das Isokinetik-Training und das ganze Programm nicht gemacht, hätte ich vermutlich jetzt immer noch Probleme. Wenn weiterhin alles gut geht, hoffe ich, dass ich dieses Jahr noch einen Marathon laufen kann. Ich mag Wettkämpfe.»

Folgende Medbase Sports Medical Center bieten Isokinetik-Training an:

Medbase Sports Medical Center Abtwil, https://www.medbase.ch/standorte/detail/medbase-abtwil/

Medbase Sports Medical Center Luzern Allmend, https://www.medbase.ch/standorte/detail/medbase-luzern-allmend/

Medbase Winterthur WIN4, https://www.medbase.ch/standorte/detail/medbase-winterthur-win4/

Medbase Sports Medical Center Zürich Löwenstrasse, https://www.medbase.ch/standorte/detail/medbase-zuerich-loewenstrasse/

Autorin: Martina Frei, Medizin- und Wissenschaftsjournalistin, Ärztin

 

Wer ist Medbase?

Medbase ist das grösste multidisziplinäre sportmedizinische Netzwerk der Schweiz und bietet spezialisierte sportmedizinische Dienstleistungen für Athletinnen und Athleten, Vereine und Sportverbände aller Aktivitätsstufen in den Bereichen Sportmedizin, Sportphysiotherapie, Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung.

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