Der Kopf bestimmt!

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Jeder Läufer gelangt früher oder später an den Punkt, an dem sich sein Kopf, beziehungsweise sein Geist, über die physischen Fähigkeiten stellt. Irgendeinmal ist der Saft aus den Beinen, der Atem aufgebraucht. An diesem Punkt, man nennt ihn auch die Grenze, ist der Einsatz des Willens gefragt. Nur mit Hilfe positiver Einstellung kann eine solch schwierige Aufgabe gemeistert werden.

Eine positive Einstellung hilft schwierige Situationen zu meistern
Eine positive Einstellung hilft schwierige Situationen zu meistern

Was tun, wenn es nicht mehr geht?
Die Frage ist nun, wie man eine Ermüdung des Körpers mit Hilfe mentaler Stärke überwinden kann. Hierzu existiert ein Konzept, das zwei verschiedene Typen Läufer beschreibt. Es handelt sich dabei um das Konzept der Handlungs- und Lageorientierung.
Lageorientierte Menschen beschäftigen sich ganz stark mit der Lage, die durch das auftretende Problem (=Ermüdung des Körpers) eintritt. So denkt ein Langstreckenläufer bei den ersten Schmerzen im Bein bereits an das drohende Scheitern und die daraus folgenden Konsequenzen. Solche Gedanken lähmen das eigentliche Vorhaben, man verliert das Ziel aus den Augen.
Handlungsorientierte Personen hingegen konzentrieren sich voll und ganz auf die Handlung selbst, und versuchen durch Kontrolle, das Ziel zu erreichen. Ein handlungsorientierter Läufer spricht sich während eines Rennens immer wieder gut zu, um sich zu motivieren. Er erinnert sich an technische Hinweise und bemüht sich, durch richtige Armführung und Atemtechnik das Ziel zu erreichen. Ausserdem steckt er sich immer mehrere kleine Zwischenziele. Während des Laufens fokussieren sich seine Gedanken auf das nächste Zwischenziel. Ist dies erreicht, gibt das einen weiteren Schub positiver Energie -> Motivation.
Wie verarbeite ich Misserfolge? Wie gehe ich mit Erfolgen um?
Nicht nur die Gedankengänge während des Rennens selber sind wichtig, auch die Beurteilung einer Leistung ist zentral für das Aufrechterhalten der Motivation. Bei der Attributionstheorie unterscheidet man die Läufer ebenfalls in zwei Typen: Die erfolgsorientieren und die misserfolgsorientierten Menschen.
BLog
Ein erfolgsorientierter Mensch erklärt sich einen Misserfolg anhand externaler Gründe. Er gibt zum Beispiel dem heissen Wetter die Schuld für seine schlechte Rangierung. Aus seiner Sicht ist die Ursache veränderbar, und liegt nicht in ihm selber.
Der Erfolg jedoch ist ganz klar sein eigener Verdienst. Die Gründe für den Sieg sind internal und stabil. Diese positive Ursachenklärung führt zu einer Stärkung des Selbstvertrauens -> man ist motivierter.
Eine misserfolgsorienterte Person führt einen Misserfolg auf internal-stabile Ursachen zurück. Der Läufer erkennt die Niederlage als seine eigene Schuld, er ist einfach nicht genügend schnell. Noch 100 Trainings mehr hätten kein besseres Resultat hervorgebracht, ihm fehlt es gänzlich an Begabung.
Der Erfolg hingegen wird auf externale Ursachen zurückgeführt. Er hat einfach durch Zufall gewonnen. Die Bedingungen lagen gerade zu seinen Gunsten, ein Glück! Durch diese negative Ursachenklärung wird das Selbstvertrauen durch Erfolge nicht gestärkt, durch Misserfolge aber geschwächt.

Diese 5 Regeln helfen, wenn es hart wird
Diese 5 Regeln helfen, wenn es hart wird

5 goldene Regeln: An das sollst du dich während eines Rennens erinnern!
-> Tipps aus den Interviews routinierter Bergläufer

  • Fokussiere dich auf die Lauftechnik statt auf dein drohendes Scheitern. So fällt es dir leichter, auftretende Tiefs zu überwinden und bis zum Schluss zu kämpfen!
  • Sprich dir während des Rennens immer wieder gut zu. Erinnere dich an gute Trainings, motiviere dich selber!
  • Steck dir Zwischenziele, die helfen dir, deine Motivation aufrecht zu erhalten!
  • Fühl dich verantwortlich für deine Erfolge und schiebe die Gründe nicht auf gute Verhältnisse oder schlechte Gegner ab. Für einen Misserfolg darfst du ruhig mal etwas/jemand anderem die Schuld geben, das motiviert dich und macht dich stärker!
  • Glaube an dich und deine Fähigkeiten, ein starkes Selbstvertrauen bringt die grösste Motivation!

Der Inhalt des obigen Beitrags stammt aus der Maturaarbeit von Chantal von Gunten, in der sie über die Motivation zum Laufen an der Grenze schreibt. Die Arbeit basiert auf einer empirischen Untersuchung, welche drei ausführliche qualitative Interviews mit routinierten Bergläufern beinhaltet.

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