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Wettkampf

Der GP Bern 2017: statistische Fakten

Mit 29’773 klassierten Läuferinnen und Läufer verzeichnet die 36. Ausgabe des GP Bern einen neuen Rekord. Als offizieller Trainingsplan-Partner war auch running.COACH mit von der Partie. Und die Rangliste eines solchen Laufevents liefert einige spannende Fakten. Fünf davon haben wir für euch herausgepickt.

So wenig Stundenknacker wie noch nie

Dieses Jahr knackten weniger als 100 Läuferinnen oder Läufer die Stundenmarke für die coupierten 10 Meilen – so wenig wie noch nie in der Geschichte des GP Bern. Und dies obwohl die Anzahl Finisher im Verlaufe der Jahre um ein Vielfaches zugenommen hat. Zu den Anfangszeiten des GP Bern liefen rund 5-7% des Feldes unter einer Stunde, bei der diesjährigen Austragung waren es lediglich 0.3%. Einerseits waren wohl die Bedingungen für schnelle Zeiten nicht optimal, andererseits widerspiegelt dies den Trend, dass Laufen vorwiegend ein Gesundheitssport wurde und nicht nur auf den Leistungssport fokussiert ist.

Anzahl Personen unter einer Stunde im Jahresvergleich

Die Verteilung der Finisherzeiten

Da eben nur 0.3% aller Teilnehmenden unter einer Stunde gelaufen sind, war der grosse Rest der Läuferschar zwischen einer und zwei Stunden unterwegs. Die meisten Läuferinnen und Läufer absolvieren die coupierte 10-Meilen-Strecke in einer Zeit zwischen 80 und 90 Minuten (siehe Grafik). Das heisst, dass sie im Schnitt zwischen fünf und fünfeinhalb Minuten für einen der 16.093 Kilometer benötigen. Die meist gelaufene Zeit liegt bei 1:24:00.

Verteilung der GP-Finisherzeiten

Der stärkste Jahrgang

1982 sind sie geboren – die schnellsten Läuferinnen und Läufer des GP Ausgabe 2017 und benötigten durchschnittlich 1:25:12 für die 10 Meilen. Wobei die Jahrgänge 1983 und 1974 leistungsmässig nicht weit hinterherhinken. Die besten Zeiten werden generell zwischen 35 und 40 Jahren gelaufen, anschliessend steigen die Durchschnittszeiten fast linear mit dem Alter. Wobei auch Läufer über 50 Jahre noch unter eine Stunde laufen, wie die Kategorie M55 zeigt.

Leistung der einzelnen Jahrgänge

Die meisten Läufer pro Jahrgang

Mit 86 Jahren am GP Bern erfolgreich teilnehmen? Das geht, wie uns der älteste Teilnehmer bewiesen hat. Die meisten Läufer sind jedoch Mitte 30, auch hier schwingt der Jahrgang 1982 mit über 450 Teilnehmenden oben aus. Die Grafik zeigt, dass die grosse Masse der Teilnehmenden zwischen 25 und 50 Jahre alt sind. Jüngere scheint der Ausdauersport noch nicht so sehr anzuziehen, Ältere wechseln mit zunehmendem Alter auf kürzere Distanzen.

Anzahl Läufer/innen pro Jahrgang

running.COACH Prognose

Um die 600 Teilnehmenden des GP Bern haben den Wettkampf im running.COACH als Wettkampf angegeben. Wir haben untersucht, wie genau unsere Wettkampfprognose war. Das Ergebnis: Im Durchschnitt waren die running.COACH-User 1.4% langsamer, als wir vorausgesagt haben. Um das zu verdeutlichen: Bei einer Zeit von beispielsweise 1:24:00 wären das eine Minute und 10 Sekunden. Ob dieses schlechtere Abschneiden an den unerwarteten warmen Temperaturen gelegen hat, bleibt natürlich nur eine Vermutung. So oder so, dran bleiben und wir freuen uns bereits jetzt auf den GP Bern im nächsten Jahr. Keep on running.

Im Durchschnitt waren die running.COACH User 1.4% langsamer als die Prognose


Dieser Blogbeitrag wurde von Stefan Lombriser verfasst, welcher selber ein Stundenknacker ist und den diesjährigen GP erfolgreich in 59:34 beendet hat. Stefan arbeitet als Geschäftsführer von Quevita AG/running.COACH und ist selbst begeisterter Läufer, OL-Läufer und Multisportler. Diese Leidenschaft für den Laufsport versucht er tagtäglich als Mitentwickler der ersten Stunde in den running.COACH hineinzubringen.
Titelfoto: swiss-image.ch

27 Antworten auf „Der GP Bern 2017: statistische Fakten“

Hallo zusammen, vor 1.5 Jahren konnte ich wegen Gliederschmerzen nur noch rückwärts die Treppe runter. Nach anfänglicher Diagnose Angstzustand!!! wurde dann eine Poliatritis mit Antikörpern und Asthma gefunden. Seit da spritze ich mir jede Woche Metrothrexxat. Mit der Hilfe von runningcoach.me und viiiilen Stunden Training habe ich am Sonntag den GP Bern unter 2 Stunden geschafft. Welch ein Gefühl. Ich danke allen beteiligten für die Hilfe…. und werde weiter renne.

Hallo Karin,
Vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte. Toll und herzliche Gratulation zu deinem GP-Finish! Schön, dass du dran bleibst. Falls du Lust hast, deine persönliche Geschichte auf dem Blog zu teilen, darfst du dich gerne bei mir melden: stefanie.meyer@runningcoach.me – ich würde mich freuen!
Beste Grüsse
Stefanie

Hallo Daniele
Danke dir. Wir nehmen das gerne auf und können eine solche Auswertung auch für andere Rennen machen. Was ist dein Wunsch?
Gruss
Stefanie

Hallo Karin,
Vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte. Toll und herzliche Gratulation zu deinem GP-Finish! Schön, dass du dran bleibst. Falls du Lust hast, deine persönliche Geschichte auf dem Blog zu teilen, darfst du dich gerne bei mir melden: stefanie.meyer@runningcoach.me – ich würde mich freuen!
Beste Grüsse
Stefanie

Hallo Daniele
Danke dir. Wir nehmen das gerne auf und können eine solche Auswertung auch für andere Rennen machen. Was ist dein Wunsch?
Gruss
Stefanie

Ein Faktor hasst Du ausser acht gelassen – die Temperaturen!
Ein Vergleich mit den Zeiten von 2016 zeigt, dass sämtliche Spitzenläufer ca. 2 Minuten langsamer waren als vor einem Jahr.
Es war am Samstagnachmittag schwül-warm und an der Sonne deutlich über 25 Grad. Verhältnisse, bei denen die meisten dieses Jahr noch nie trainieren konnten.
Nimmst du 1:30 Zeitverlust als Grundwert, bist Du wieder bei ca. 150 Läufer unter 1:00:00 wie 2016.

Hallo Markus
Danke für deinen interessanten Input und die Ausrechnung. Mit „Einerseits waren wohl die Bedingungen für schnelle Zeiten nicht optimal“ wird das Wetter angesprochen. Das kann ein guter Grund sein. Aber tendenziell sind die Anzahl Stundenknacker eher tiefer in den letzten Jahren. Welche Erklärungen gibt es hier? Hast du eine Erklärung?
Lieber Gruss
Stefanie

Ein Faktor hasst Du ausser acht gelassen – die Temperaturen!
Ein Vergleich mit den Zeiten von 2016 zeigt, dass sämtliche Spitzenläufer ca. 2 Minuten langsamer waren als vor einem Jahr.
Es war am Samstagnachmittag schwül-warm und an der Sonne deutlich über 25 Grad. Verhältnisse, bei denen die meisten dieses Jahr noch nie trainieren konnten.
Nimmst du 1:30 Zeitverlust als Grundwert, bist Du wieder bei ca. 150 Läufer unter 1:00:00 wie 2016.

Hallo Markus
Danke für deinen interessanten Input und die Ausrechnung. Mit „Einerseits waren wohl die Bedingungen für schnelle Zeiten nicht optimal“ wird das Wetter angesprochen. Das kann ein guter Grund sein. Aber tendenziell sind die Anzahl Stundenknacker eher tiefer in den letzten Jahren. Welche Erklärungen gibt es hier? Hast du eine Erklärung?
Lieber Gruss
Stefanie

Es liegt nicht an den Läufer/innen sondern an der Statistik :-). Ihr Vergleicht Äpfel mit Birnen, da die Strecken nicht identisch sind. Zu Beginn ging die Strecke bis nach Muri und zurück und hatte nicht so viel mit der heutigen Strecke gemeinsam. 1988 war man z.B. bei der Sulgeneckstrasse bei Km 10,5 (http://www.gpbern.ch/cgi-bin/xcms/customers/28/files/Ranglisten/1988%20Ausgabe%20112%20Sonderbeilage_web.pdf), heute ist dort ca. Km 12.
Von 2002 bis 2014 lief man von unten her in den Dählhölzliwald, mit einer viel kürzeren, dafür steileren Steigung und nicht die lange Steigung der Jubiläumsstrasse hoch.
Daher gilt z.B. bei den Frauen auch nicht die Zeit von Grete Waitz als Streckenrekord (1988/52.31,5) sondern die von Marleen Renders (2002/52.58,7).

Danke vielmals für diese Statistik!

Für mich interessant zu wissen: wie viele % der LäuferInnen den letzten Stutz *deutlich* über ihrem Kilometerschnitt liefen oder ob es allenfalls gar solche gab, die schneller waren?

Man darf nicht vergessen: wer unter einer Stunde läuft, rennt den Kilometer in ca. 3’38. Das heisst einen Halbmarathon in gut 1.17. Unter meinen normalsterblichen Laufkollegen kenne ich keinen, der auch nur annähernd so schnell läuft.

Mit meinen 1:11 bin ich bei meiner Premiere sehr zufrieden, zudem ich zur Gruppe Ü50 zähle und die Strecke nicht kannte und die Temperaturen auch als eher ziemlich warm empfand.

Ich kann mir aber vorstellen, dass sehr motivierte Läufer den Lauf wegen der mittlerweile erreichten Grösse des Anlasses meiden. Es war rund um die Expo schon ziemlich eng. Die Handschuhe abzuholen, hätte bedeutet, recht lange anzustehen. Und die Duschen glichen einem Viehmarkt. Das ist nicht jedermanns Sache, ich kannte sie vom Jungfrau Marathon.

Die Vermutung, dass sehr ambitionierte Läuferinnen und Läufer den Lauf wegen der Grösse und dem Rummel (und auch der Startzeit erst am Nachmittag, wenn es am heissesten ist) meiden, teile ich. Jedenfalls die Nicht-Berner unter ihnen. Bei den Bernern gehört der GP wohl trotz allem einfach dazu… Wäre mal interessant zu sehen, welcher Anteil der Stundenknacker aus Bern und Umgebung kam, und ob das dem Anteil am gesamten Feld entspricht oder anders ist…?

Sehr spannende Auswertung. Vielen Dank dafür!
Nun, da kann man natürlich nur spekulieren, aber ich denke schon auch, dass Laufen insgesamt einfach auch mehr zum Gesundheitssport geworden ist. Vor allem gehe ich aber auch davon aus, dass es insbesondere gegenüber den 80- und 90iger-Jahre heute wesentlich mehr Laufveranstaltungen gibt. Ambitionierte (Hobby-) Athleten haben so natürlich eine viel grössere Auswahl an Rennen, bei denen Sie schnelle Zeiten laufen können. Daher verteilt sich das Teilnehmerfeld von schnelleren Läufern vielleicht auch mehr auf die verschiedenen Events. Bis Mitte Mai der GP stattfindet, sind die grossen Frühlingsmarathon fast alle vorbei und viele starke Athleten befinden sich in der Erholungsphase und können nicht schon wieder einen harten Wettkampf laufen.
Geht der Anspruch von diesen starken Läufern immer mehr auf schnelle, flache Strecken? Der Halbmarathon boomt ja wie blöd und vielleicht suchen sich viele gegenüber früher vermehrt die HM-Distanz aus, anstatt an heute nicht mehr so oft gelaufenen Distanzen wie irgendwas um 15km oder eben 10 Meilen zu arbeiten.
Und: der GP ist nun wirklich ein knüppelharter Kurs und unter einer Stunde zu laufen bedeutet wie vom Kollegen obendran erwähnt eine Pace von gegen (ich komme auf) 03:43min/km. Da muss man natürlich schon „huere parat“ sein, um auf dieser coupierten Strecke eine solche Pace laufen zu können und das kommt ja nicht einfach von nix. Ich werde da jedenfalls dran bleiben und hoffentlich in ein bis zwei Jahren (oder so) dann dazu beitragen können, die Anzahl an „Stundenknackern“ wieder zu erhöhen. 😛

Diese Ansicht teile ich hingegen nicht. An vielen anderen Veranstaltungen, wo man schnelle Zeiten laufen kann – wofür der GP ja eigentlich nicht so prädestiniert ist – herrscht genau so grosser Rummel. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass das ein ausschlaggebender Grund ist. Selber bin ich auch in Block 1 gestartet und dort ist es eigentlich sehr ruhig zu und her gegangen (bezogen auf die Anzahl Leute, da gab es überhaupt kein Gedränge und wer vorne startet, kann sich auch gäbig vor der Startlinie aufwärmen und muss dafür nicht in den Pulk hinein. Daran dürfte es also nicht scheitern).
Dass viele Leute knapp anreisen und das Teilnehmergeschenk erst rund eine Stunde vor dem Start abholen, wenn alle anderen es auch tun, dafür kann die Veranstaltung selber ja auch nichts.

Hallo zämmä
Besten Dank für die spannenden Statistiken. Im 2015 hatte ich mit einer Vorbereitung von ca. 3 Monaten die 10 Meilen in 1.14h absolviert. Aus zeitlichen Gründen konnte ich dieses Jahr nicht trainieren sprich, knapp 10 Trainingseinheiten seit Anfangs Jahr und 3 davon Intervall auf dem Laufband. War mit 1.16h zwei Minuten langsamer. Ist dies ein proportionaler normaler Unterschied?
Freue mich auf euer Feedback
Gruss
Lukas

Coole Statistiken: geben einen guten Überblick, wer mitgemacht hat und welche Altersgruppen wie gut sind! Gut zu sehen, dass die durchschnittliche Laufzeit im Bereich 35-40 liegt – ist es das optimale Laufalter oder sind Personen im diesem Alter eifriger am Trainieren?
Wenn man vor allem auf die Stundenknacker (bestes Prozent) fokussiert, dann ist das Breitensportargument nicht ganz passend. Liegt wohl eher daran, dass die Vereine weniger Mitglieder haben, von wo viele gute Läufer kamen. Ob allgemein weniger schnell gelaufen wird, da sollte man den Mittelwert oder Median im Zeitverlauf betrachten. Könnte gut sein, dass langsamer gelaufen wird und dies nicht an der Streckenführung liegt.
Temperatureinfluss kann hier nur gemutmasst werden. Habe letztes Jahr die GP-Daten der vergangenen Jahre analysiert und in ein multivariates Regressionsmodell zeigt, dass +1 Grad die Laufzeit im Durchschnitt um 8 Sekunden erhöht (von 17 auf 25 Grad macht entsprechend eine Minute aus).
Sorry, nun genug Bla Bla. Wer aber schnell laufen will, sollte bereits heute gut trainieren und nicht zu lange die Zahlen studieren. Der Aufwand wird belohnt in einer Sportart, wo die Technik und das Bewegungstalent nicht die primären Erfolgsfaktoren sind :-).

Hi Stefan – Wow sehr interessante Einschätzung. Hast du bei deiner multivariaten Methode auch herausgefunden, bei welcher Temperatur die schnellsten GP Zeiten gelaufen wurden?
g stefan

Hallo Stefan
Die untersuchte Zeitreihe war bei mir relativ kurz; es waren in etwa 6 Jahre und ich habe nur den linearen Zusammenhang getestet und keinen Quadratterm verwendet. Aus meiner Lauferfahrung hätte ich gesagt, dass die optimale Lauftemperatur (für uns Personen aus den gemässigten Klimazonen) bei 12-15 Grad liegt und diese Temperaturen gab es beim GP noch gar nie, daher würde es mich nicht überraschen, wenn man bei GP-Daten kein Optimum findet (eher je kälter umso besser). Spannend wären ev. Daten von einem Lauf in diesem Temperaturbereich, z.B. Berlin Halbmarathon. Man müsste dann ev. um weitere externe Einflüsse korrigieren (Wind, Regen oder Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, etc.). Wenn ihr einen spannenden Paneldatensatz hättet, helfe ich gerne bei der Datenanalyse; ist ja dann rasch gemacht.
Liebe Gruess
Stefan

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