Boston Marathon nach einer dreifachen Bypass-Operation – Die Geschichte von Dave McGillivray

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Nach einer dreifachen Bypass-Operation wird der Renndirektor des Boston Marathon, Dave McGillivray, am 15. April selbst am Start stehen. Dieser Artikel erzählt die Geschichte eines leidenschaftlichen Läufers, der auf brutale Weise erkennen muss, dass Fitness und Gesundheit nicht immer Hand in Hand gehen.
Dave McGillivray läuft praktisch schon sein Leben lang. Dave ist der Inbegriff eines Ausdauersportlers. Seinen ersten Marathon lief er im Alter von 18 Jahren und viele weitere folgten. Mit 23 durchquerte er rennend Amerika. Er hat auch mehrere Ironman-Wettkämpfe bestritten. Er war einer der Typen, die nicht zu bremsen sind und kannte keine Grenzen für die Leistungen seines Körpers. Doch nach 59 Jahren Lauf-Abenteuer, im Jahr 2013, änderte sich alles. Alles fing an mit Atemproblemen während des Laufens. „Es fühlte sich ein wenig an wie Asthma“, beschreibt Dave. Zunächst versuchte er, seine Probleme zu verstecken, weil er sich dafür schämte. Er, der doch so stark und ausdauernd war, sah seine Atemschwierigkeiten als eine Schwäche an. Er fing an, alleine zu trainieren, statt mit Freunden, aus Angst, jemand könnte etwas bemerken. Nach einem Jahr waren die Probleme immer noch nicht verschwunden und er beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Die üblichen Tests beim Arzt zeigten nichts beunruhigendes. Seine Form war immer noch deutlich über dem Durchschnitt für Leute in seinem Alter. Das war einerseits erfreulich, andererseits machte es ihn aber ratlos, da er dem Grund seiner Atemschwierigkeiten nicht näher gekommen war. Nach 1.5 Jahren mit weiteren Tests und Eliminieren von möglichen Ursachen beschloss er, eine Computertomographie seines Herzens zu machen. Er erhielt einen Termin im Oktober 2013. Die Diagnose: „stark blockierte Arterien und chronisch-ischämische Herzkrankheit“ (eine Krankheit, die zu Durchblutungsstörungen in den Blutgefässen des Herzens führt).

Bild: Dave am Tag seiner Computertomographie im Oktober 2013
Mehrere Arterien in seinem Herz waren stark blockiert! Laut den Ärzten war es gefährlicher zu operieren, als nicht zu operieren. In Anbetracht der langen Geschichte von Herzkrankeiten in Daves Familie war der Bescheid eigentlich kaum überraschend: beide seine Grossväter starben an Herzversagen, sein Vater hat bereits 5 Bypass-Operationen hinter sich und leidet an einer Aortenklappenerkrankung und seine Schwester musste auch eine dreifache Bypass-Operation über sich ergehen lassen. Aber für Dave war es schlicht undenkbar gewesen, dass er auch betroffen sein könnte. Er war doch sein ganzes Leben lang so fit und gesund gewesen! Da begann er erstmals, die Gleichung „fit=gesund“ in Frage zu stellen. Er begann, an seinem Lebensstil zu zweifeln und kam zum Schluss, dass er Dinge wie Schlaf, gesundes Essen und Stressreduktion zu stark vernachlässigt hatte. Er dachte nie, dass diese Dinge wichtig wären, da er ja in so guter physischer Form war. Er dachte, seine Fitness halte ihn gesund. Andererseits kannte Dave persönlich 6 sehr gute Athlet/innen, die aufgrund eines Herzversagens starben und erst durch seine eigenen Probleme sah er nun ein, dass die Fitness dieser Leute allein sie nicht vor Krankheit und Tod zu schützen vermochte. Dave beschloss deshalb, alles dafür zu tun, um nicht nur fit, sondern auch gesund zu werden. Von da an krempelte er seinen Lebensstil komplett um: er begann zu meditieren, er schlief mehr als früher und er verlor auch sofort Gewicht. Der nächste medizinische Check war 2014, einige Wochen vor dem Ironman Hawaii im Oktober. Seine Lebensumstellung schien sich auszuzahlen! Die Blockaden in seinen Arterien hatten sich um ganze 40% reduziert! Dave konnte sein Glück kaum fassen. Er bekam die Erlaubnis, zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder am Ironman in Hawaii an den Start zu gehen.

Bild: Dave im Ziel des Ironman Hawaii 2014
In den nächsten 3.5 Jahren folgten viele sportliche Höhepunkte, Daves Wettkampfform war so gut wie seit Jahren nicht mehr. Anfang 2018 krönte er das Ganze mit der „World Marathon Challenge“, wobei er sieben Marathons in sieben Tagen auf sieben verschiedenen Kontinenten lief. Im März und April desselben Jahres dann aber der Rückschlag: die Atemprobleme tauchten wieder auf. Bald darauf bestätigten die Ärzte, dass sich der Zustand der Arterien wieder stark verschlechtert hatte. Eine dreifache Bypass-Operation war notwendig geworden. Er musste einsehen, dass er seine Gesundheit mit einem gesunden Lebensstil zwar verbessern, aber damit nicht seine genetische Veranlagung besiegen konnte. Nachdem er die Neuigkeit seiner geplanten Operation öffentlich gemacht hatte, erhielt er hunderte von unterstützenden Nachrichten. Es erstaunte ihn, wie viele Leute ihm dabei von ihren eigenen Herzproblemen erzählten, viele davon gute Athlet/innen. Dies verdeutlichte einmal mehr die Tatsache, dass auch fitte Menschen krank sein können. Die Operation erfolgte am 12. Oktober 2018. Alles lief gut ab und Dave folgte brav jeder einzelnen Anweisungen der Ärzte. Obwohl ihm seine Fitness nicht dabei geholfen hatte, gesund zu bleiben, half sie ihm nun beim Erholungsprozess. Er erholte sich extrem viel schneller als es Patienten normalerweise nach Bypass-Operationen tun.

Bild: Dave nach der Operation im Oktober 2018 (links) und bei seinem ersten Probe-Lauf am 1. Dezember (rechts)
Am 1. Dezember 2018 durfte Dave zum ersten Mal nach der Operation rennen. Zu diesem Zeitpunkt war es sein Ziel, den Boston Marathon nächsten Montag zu bestreiten. Wir hoffen, Dave am kommenden Sonntag am Start zu sehen und dass er diesen Marathon nach allem, was er durchgemacht hat, in vollen Zügen geniessen wird! Go Dave!
 
Verfasst von: Marion Aebi, basierend auf der Erzählung von Dave Gillivray

Training trotz Erkältung? – Ja!

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Solange man ein paar Dinge beachtet, tut Bewegung dem Körper gut – auch, wenn die Nase läuft.
Autor: Raphael Huber, MSc. Bewegungs- und Sportwissenschaften, MAS in Nutrition & Health, Medbase Winterthur WIN4
 
 
Aktive Menschen haben nicht nur einen fitteren Körper als Couch-Potatoes, sondern auch ein stärkeres Immunsystem. Denn Sport verbessert die Immunabwehr. Das macht den Körper widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern.
Irgendwann aber erwischt es auch Sportler einmal: Laufende Nase, Kratzen im Hals, leichtes Kopfweh – soll man da wirklich laufen? Ja, lautet die Antwort, aber gehen Sie es locker an!

Fit fürs Lauftraining?

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Empfehlenswert ist es, sich gut einzupacken. So sorgt beispielsweise ein Schal um den Mund dafür, dass die kalte und trockene Winterluft nicht direkt eingeatmet wird.
Das Warm-Up vor dem Lauf erledigt man bei Erkältung am besten in der Stube. Wer da schon spürt, dass er nicht so gut fühlt, wie es fürs Training nötig ist, kann jetzt noch einfach aufhören  – und zum Auskurieren daheim bleiben.
Dasselbe gilt natürlich auch draussen: Merkt man zum Beispiel bei Kilometer drei, dass man nicht so kann wie gewohnt, beendet man den Lauf am besten – und spaziert wieder heim.

Genesung dank lockerer Bewegung

Vor allem Amateure neigen dazu, ihr Körpergefühl zu «übergehen», wenn es ihnen eine Krankheit anzeigt. Damit tun sie ihrem Organismus jedoch keinen Gefallen.
Denn etwas Bewegung unterstützt bei einer Erkältung die Immunabwehr. Als Nebeneffekt werden beim Laufen die Nasenschleimhaut besser durchblutet und die Atemwege gut «durchlüftet». Beides fördert die Genesung.
Zu intensives Training aber bewirkt das Gegenteil: Es schwächt den Körper und macht ihn verletzungs- und infektionsanfällig. Konkret heisst das deshalb: Kein hochintensives Training bei Erkältung, kein plyometrisches Training, kein Intervalltraining und selbstverständlich keine Teilnahme an einem Wettkampf. Kein falscher Ehrgeiz zum falschen Zeitpunkt!

Bei Fieber kein Training

Fieber ist – im wahrsten Sinn – ein No-Go. Der Grund: Beim Sport steigt die Körperkerntemperatur an. Fieber plus Sport kann die Körpertemperatur derart in die Höhe treiben, dass dadurch lebenswichtige Eiweissstoffe im Organismus zerstört werden. Ebensowenig bereit fürs Training ist der Körper bei allgemeinem Krankheitsgefühl, Schwindel, Halsschmerzen, Atemproblemen oder wenn sich der Husten bei Aktivität verstärkt. Besteht mindestens eines dieser Symptome, pausiert man besser noch.
Eine optimale Regeneration ist von vielen Faktoren abhängig. Genügend Flüssigkeit, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sind die Schlüssel zum baldigen Trainingswiedereinstieg.

Training bei Erkältung

Wichtig ist generell, bei Erkältung im Training nicht ans Limit zu gehen. Leichtes Schwitzen beim Laufen ist in dieser Situation gut, voll ins Schwitzen geraten dagegen mutet dem Körper zu viel zu.
Eine gute Richtschnur gibt die Pulsfrequenz. Ist der Ruhepuls morgens höher als gewohnt, kann dies ein Hinweis sein, dass der Körper noch mit der Immunabwehr beschäftigt ist. Dann lässt man lieber mal ein Training ausfallen.
Wer seine Herzfrequenzzonen (Trainingspuls) auf der Laufstrecke kennt, kann sich unterwegs daran orientieren. Schlägt das Herz schneller als sonst oder fühlt sich die Etappe anstrengender an, dann braucht der Körper noch Schonung – und zwar sofort, nicht erst nach beendetem Lauf.
Neben dem Laufen können auch lockeres Krafttraining, Gymnastik oder Stretching sinnvoll sein. Schwimmen wäre von der körperlichen Belastung her zwar ebenfalls geeignet, trotzdem lässt man es während einer Erkältung besser sein. Denn das Desinfektionsmittel im Wasser kann die Atemwege zusätzlich reizen und die Keime im warmen Hallenbad tun ein Übriges.

Tipps:

  • Verboten sind bei Erkältung hochintensive Trainingseinheiten und Wettkämpfe
  • Wenn es draussen kalt ist, bei Erkältung lieber eine Schicht mehr anziehen als sonst
  • Bei starker Erkältung genügend trinken, genügend schlafen, gesund essen, sich Zeit geben und dafür sorgen, dass sich der Stress in Grenzen hält
  • Ein guter Trainingsplan verbessert sowohl die Fitness als auch das Immunsystem. Zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Intensität zu trainieren bringt mehr, als im Training immer «Vollgas» zu geben

 

Laufen mit Rückenschmerzen

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Immer diese Rückenschmerzen. Sie sind lästig und schränken einen oft im Training, sowie im Alltag ein. Lies hier, was die Medizin dazu sagt.
Rückenschmerzen gehören zum Volksleiden Nummer eins. Wie sinnvoll ist es, trotz diesen Schmerzen die Laufschuhe zu schnüren? 
Früher haben Ärzte empfohlen, sich auszuruhen, wenn man Rückenschmerzen hat und jegliche körperliche Aktivität zu reduzieren oder gar einzustellen. Diese Einstellung entsprach auch dem gesunden Volksempfinden. Schwimmen wurde vielleicht noch toleriert, aber Laufen auf keinen Fall. Heute wissen wir, dass genau das Gegenteil der Fall ist.
Endorphine können es richten
Rückenschmerzen bewirken, dass wir uns verspannen, wodurch die Schmerzen zunehmen können. Dagegen hilft Bewegung – soweit der Schmerz es zulässt. Neben alltäglichen Verrichtungen kann darum auch gut Sport getrieben werden. Wer gerne läuft, sollte darum wenn möglich nicht darauf verzichten. Der Körper setzt dabei das Hormon Endorphin frei, welches das Schmerzempfinden und Muskelverspannungen verringert. Zudem wirkt das Laufen aktiv Stress entgegen, der in sehr vielen Fällen für die Rückenschmerzen verantwortlich ist.
Die Wahl der richtigen Ausrüstung
Um von der positiven Wirkung des Laufens auf den Rücken und die Gesundheit generell profitieren zu können, ist neben der Wahl der Strecke und Trainingsintensität auch die Ausrüstung wichtig. Der Körper federt bei jedem Laufschritt dreimal sein Eigengewicht ab. Bei schon vorhandenen Rückenbeschwerden sollten darum harte Impacts vermieden und die Schuhwahl wenn möglich mit einer Fachperson besprochen werden. Wenn irgendwie möglich, sollte zudem auf langes Abwärtslaufen verzichtet werden. Beim Abwärtslaufen setzen wir vermehrt über die Ferse auf, wodurch unsere natürlichen Dämpfungsmechanismen nicht so gut funktionieren und es vermehrt zu Belastungsspitzen kommen kann.
 
Autor: *Dieser Beitrag wurde durch Dr. rer. nat Michael Schwarz erstellt. Er arbeitet als Sportwissenschaftler und Leistungsdiagnostiker im Medbase Sports Medical Center Zürich. Das spezialisierte Zentrum für Sportmedizin betreut Team- und Einzelsportler und bietet ein breites Spektrum vom Leistungstest über sportmedizinische Checkups bis zur sportspezifischen Physiotherapie und Rehabilitation. www.medbase.ch
 

Gesund und verletzungsfrei durch den Winter: So machen es die Profis

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Immer noch hat uns die Grippewelle im Griff. Wir als Sportler fragen uns da besonders, wie wir uns am besten davor schützen. Wer könnte dies besser wissen, als die Profis? Wir haben vier der besten Schweizer Ausdauersportler zu ihren Erfahrungen in Bezug auf Krankheiten und Verletzungen im Winter befragt. Das Resultat: Auch sie sind nicht immun dagegen. Trotzdem haben sie aber einige Tipps und Tricks auf Lager, die man sich von ihnen abgucken kann. 
Das Wintertraining legt die Basis für die Saison. Dies gilt für die meisten Sommersportarten und damit natürlich auch für den Laufsport. Die Trainingsmengen steigen über den Winter an und dem Körper wird viel abgefordert. Jedoch ist das auch die Jahreszeit, während der es besonders leicht ist, krank zu werden oder sich zu verletzen. Einerseits sind wir besonders anfällig gegenüber den vielen Viren (siehe auch Blogbeitrag Winter Booster) und andererseits führt die Kälte dazu, dass unsere Muskeln länger brauchen, um warm zu werden, was oft zu Zerrungen oder anderen Verletzungen führen kann. Wie schafft man es also, hartes Training und Gesundheit unter einen Hut zu bringen? Vier denen dies regelmässig gelingt sind: Triathlon Olympiasiegerin Nicola Spirig, der aufstrebende Marathonläufer Adrian Lehmann, die 23-fache Orientierungslauf-Weltmeisterin Simone Niggli und Marathon Europameister und Olympiasechster Viktor Röthlin. Sie haben uns im Interview Rede und Antwort gestanden.
 

1) Bist du im Winter verletzungsanfälliger? Wenn ja, worauf? Was machst du, um dies zu verhindern/behandeln?

Nicola Spirig: Im Winter bin ich durch die Kälte verletzungsanfälliger. Ich versuche deshalb zum Beispiel, sehr intensive Lauftrainings auf dem Laufband in der Wärme durchzuführen, anstatt draussen.
Adrian Lehmann: Bis vor gut einem Jahr galt es als mein grösstes Talent, dass ich viel trainieren konnte und ich mich nie verletzte. Als einziges hatte ich einmal einen gebrochenen Mittelhandknochen, weil ich im Wintertraining beim Schwung holen zu einem Sprung auf einen Schwedenkasten meine Hand verletzte und den Knochen zertrümmerte. Dieser Unfall hätte aber auch in einer anderen Jahreszeit passieren können. Meine Überlastungserscheinungen, die ich seit dem Sommer 2016 immer wieder gehabt habe, kamen immer in der Marathonvorbereitung oder kurz nach dem Marathon. Also genau dann, als die Belastung auf den Körper am grössten war. Eine Abhängigkeit zur Jahreszeit konnte ich aber nicht feststellen. Darum behaupte ich, dass ich persönlich im Winter nicht verletzungsanfälliger bin. Achten sollte man aber trotzdem auf gute ASICS Schuhe, die einem auch auf rutschigen Strassen den nötigen Halt bieten.
Simone Niggli: Der Winter mit den kühleren Temperaturen und den teilweise vereisten Unterlagen ist schon oft eine gefährliche Zeit für Verletzungen. Die Muskeln sind nicht gleich durchblutet wie bei warmen Temperaturen und sind so anfälliger auf Verletzungen. Vereiste Unterlagen können zu Stürzen führen oder auch zu Überbelastungen des Bewegungsapparates, da man anderen ungewohnten Bewegungen ausgesetzt ist. Ich versuche mit der Bekleidung der Kälte vorzubeugen. Ich ziehe lieber am Anfang des Trainings eine Schicht zu viel als zu wenig an und kann dann immer noch das Jäckli umbinden, wenn es mir zu warm wird. Wenn ich z.B. Probleme mit den Waden habe, trage ich dort eine extra Schicht, um die Muskeln warm zu halten. Ein gutes Aufwärmen speziell vor intensiven Einheiten ist auch ein wichtiger Teil der Vorbeugung. Ich versuche, mein Training auf möglichst unterschiedlichen Unterlagen zu absolvieren und wenn die Wege vereist sind, laufe ich quer durch den Wald (was im Winter ja meistens gut möglich ist). Mit regelmässiger Physiotherapie/Massage kann man auch kleine Überbelastungen im Griff behalten, so ist man immer etwas unter Kontrolle.
Viktor Röthlin: Ein gutes Warm-up ist im Winter natürlich noch wichtiger als bei warmen Temperaturen. Nur wenn die Muskulatur gut durchblutet ist, darf man im Training Vollgas geben. Und natürlich ist spielt auch die richtige Ausrüstung (insbesondere Schuhe) eine wichtige Rolle. Darum laufe ich bei nasskalten Bedingungen häufig mit Trailrunning-Schuhen meine Trainingsrunden.
 

2) Was machst du, um im Winter den Viren zu trotzen? 

Nicola Spirig: Ich versuche sicher, mich im Winter entsprechend warm anzuziehen, genügend Vitamine zu mir zu nehmen und ich spüle und creme meine Nasenschleimhäute.
Adrian Lehmann: Gerade in harten Trainingsphasen bin ich merkbar anfälliger auf Krankheiten. Speziell im Winter sind viele im Umlauf und darum bin ich auch immer mal wieder krank. Natürlich versuche ich alles, um dies zu verhindern. So befeuchte ich zum Beispiel im Winter regelmässig meine Schleimhäute und streiche die Haut mit Bodylotion ein. Soviel ich weiss, ist man so weniger anfällig. Ausserdem versuche ich, mich gesund und ausgewogen zu ernähren. Zusätzlich supplementiere ich mit Burgerstein Sport und mit Vitamin D. Bei Anzeichen einer aufziehenden Erkältung nehme ich Echinaforce und reduziere je nach Intensität und Wichtigkeit der Trainingswoche mein Trainingspensum. Ich habe so tatsächlich schon Krankheiten verhindern können, jedoch nicht immer. Darum stellte ich mir auch schon die Frage, ob ich nicht einfach solange trainieren soll, wie es geht und erst dann aussetze, sobald das Training unmöglich, gefährlich oder nicht mehr sinnvoll ist. Einen einfachen Tipp habe ich, wobei er nicht für viele umsetzbar ist: Zum Beispiel in Kenia ist es auch im Winter warm und Erkältungen waren dort noch nie unser Problem.
Simone Niggli: In der kalten Jahreszeit achte ich bei der Ernährung besonders auf genügend Vitamine. Ich gehe jeden Tag an die frische Luft, auch wenn es manchmal etwas mehr Überwindung braucht als im Sommer. Während der Winter-Monate nehme ich mit Vitamin C und Zink Supplemente zu mir, die ich als Spitzensportler brauche. Und wenn die Erkältungswelle aufkommt, achte ich speziell auf die Hygiene, auch bei den Kindern.
Viktor Röthlin: Ich achte darauf, dass ich in einem guten Raumklima (richtiges Verhältnis der Feuchtigkeit) schlafe. Zusätzlich befeuchte ich meine Nasenschleimhäute mit einer Nasensalbe und mache abends vor dem zu Bett gehen eine Nasenspülung mit Salzwasser. Nach den intensiven Trainings achte ich darauf, dass ich mich sofort warm und trocken anziehe bevor ich Auslaufen gehe.
 

3) Wenn es dich trotzdem erwischt hat, was machst du, um wieder gesund zu werden? 

Nicola Spirig: Da ich zusätzlich zum Training, welches durch den Energieverlust und das Schwitzen immer ein Risiko darstellt, auch noch zwei Kinder habe, die Krankheiten vom Kindergarten etc. mit nach Hause tragen, erwischt es mich mehrmals im Winter mit Krankheiten, oftmals mit Schluckweh, laufender Nase und Husten. Ein Zaubermittel habe auch ich nicht dagegen. Bei Fieber unterbreche ich das Training und lasse den Körper sich ohne grosse Aktivitäten erholen. Habe ich kein Fieber, versuche ich den Körper mit Training im Ausdauerbereich darin zu unterstützen, die Krankheit aus dem System zu schaffen, gebe ihm eine extra Portion Zink und Vitamin C, bei sehr akuten Krankheiten zum Teils auch Neocitran und Ibuprofen. Und natürlich helfen Tee und viel Schlaf.
Adrian Lehmann: Ein Wundermittel kenne ich leider auch nicht. Bei einer Grippe oder starken Erkältung trinke ich viel Tee und schlafe vor allem viel. Aufs Training verzichte ich bei starkem Krankheits- und Schwächegefühl vollkommen. Je nach dem versuche ich den Schleim mit natürlichen Mitteln zu lösen, nehme fiebersenkende Medikamente oder was sonst halt so nötig ist. Aber ich denke, in diesem Fall unterscheide ich mich nicht von einem nicht-Sportler. Abschliessend möchte ich anmerken, dass nach einer abklingenden Krankheit nicht gerade wieder voll trainiert werden sollte. Oft lässt die Muskelspannung nach und der Körper ist weniger belastbar. Darum empfehle ich zuerst Gymnastik- und Stabilisationsübungen zu machen und die Laufintensität langsam zu steigern.
Simone Niggli: Bei einer Grippe braucht es die nötige Ruhe, da ist es vor allem wichtig, dass ich nicht zu früh wieder viel (sportliches) Programm habe. Als Faustregel ruhe ich gleich viele Tage, wie ich Fieber hatte, so dass ich wieder mit dem Training einsteigen kann. Bei einer Erkältung hingegen, kann ich oft mein Training normal fortsetzen, allenfalls braucht es eine Anpassung bei den intensiven Einheiten. Bei der Symptombekämpfung helfen mir Echinaforce, Infekt-Blocker, Meerwasser-Nasenspülung und aufgeschnittene Zwiebeln in der Nacht. Riecht zwar unangenehm,erleichtert jedoch die Atmung beim Schlafen ungemein.
Viktor Röthlin: Bei einer Grippe lasse ich alle Trainings sein und werde als erstes gesund. Anschliessend steige ich langsam wieder ein und versuche nicht, verpasstes aufzuholen. Mit einer Erkältung laufe ich trotzdem, lgasse aber die intensiven Einheiten weg.
Verfasserin Blogbeitrag: Marion Aebi
 

Salz – weisses Gold in neuem Licht

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Regelmässig Sporttreibende können eine allfällige Angst vor dem Salzkonsum fallen lassen. Salz steht wie Cholesterin und Fett immer wieder zu Unrecht in den Schlagzeilen.
Unser Körper braucht einen ganzen Stapel an Nährstoffen. Die beiden Bestandteile des Salzes, Natrium und Chlorid, gehören auch dazu. Salz steht aber wie Cholesterin und Fett immer wieder in den Schlagzeilen. Zu Unrecht. In der Schweiz ist die Salzzufuhr mit gut 9 g pro Tag fast doppelt so hoch wie die Zielgrösse von weniger als 5 g (1). Zu viel Salz soll den Blutdruck erhöhen und dieser steigert die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit einer Reduktion des Salzkonsums erhofft man sich daher weniger Bluthochdruck und folglich weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So weit die Wunschvorstellung. Die aktuelle Zusammenfassung der entsprechenden Studien kommt aber zu einem anderen Schluss. Man erkennt bei einer Salzreduktion keinen nennenswerten Nutzen bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2). Noch erstaunlicher: Die geringste Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen soll gar nicht bei weniger als 5 g, sondern zwischen 7,5 und 12,5 g Salz pro Tag liegen (3). Dies würde bedeuten, die aktuellen Strategien zur Senkung der Salzzufuhr sind nicht nur ohne erhoffte Wirkung, sondern sie wären gar überflüssig!
Salz ist ein Kristall bestehend aus Natrium und Chlorid, die beide für den normalen Ablauf des Stoffwechsels unerlässlich sind. Zentrale Aufgaben sind die Aufrechterhaltung des Blutvolumens, die Übertragung von Signalen an die Zellwände sowie der Transport anderer Substanzen wie zum Beispiel die Glucose (4). Ein erhöhter Bedarf besteht bei hohen Schweissverlusten, da der Schweiss etwas Salz enthält. Bei Belastungen ab rund 30 bis 45 Minuten kann die Zufuhr von Kohlenhydraten und Flüssigkeit die Ermüdung hinauszögern. Der Salzverlust über den Schweiss ist aber per se nicht leistungsmindernd und muss daher auch nicht bereits während der Belastung ersetzt werden, sofern diese nicht sehr lange andauert. Erst bei sehr hohen Schweissverlusten könnte die Zufuhr von Salz während der Belastung auf indirektem Wege von Vorteil sein. Wenn dann wegen des erhöhten Durstgefühls etwas mehr getrunken wird, könnte es zu einer geringeren Dehydration kommen und deswegen zu einer kleineren Leistungseinbusse (5). Es gibt aber noch zu wenig gute Daten hierzu und die erforderliche Salzmenge ist unbekannt.

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Zu Unrecht in Negativschlagzeilen: Salz

Salz und Hyponatriämie

Bei langen Ausdauerwettkämpfen und Märschen (Militär, Outdoorsport) kommt es immer wieder zu Fällen von belastungsbedingter Hyponatriämie, einem zu tiefen Gehalt an Natrium im Blut. Falls nicht richtig erkannt und behandelt, kann sie im Extremfall zum Tode führen. Die Ursache ist aber nicht eine zu geringe Natrium- bzw. Salzzufuhr, sondern eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme während der Belastung (6). Es ist deshalb ratsam, die sinnvolle Trinkmenge für Belastungen ab rund drei Stunden zu kennen. Ein Online-Tool zur Berechnung der Trinkmenge gibt es hier.

Salz für die Erholung

Eine Dehydration am Ende einer Belastung kann man effizienter und rascher ausgleichen, wenn man während der Regeneration neben Flüssigkeit auch etwas Natrium einnimmt. In welcher Form dies geschieht, ist nicht relevant. Schokoladenmilch ist aber ein ideales Regenerationsgetränk, da sie nicht nur Wasser und Natrium, sondern gleich die anderen beiden in der Regeneration erforderlichen Nährstoffe, Kohlenhydrate und Protein, liefert. Die eingangs erwähnte negative Beurteilung des Salzes wegen seines berichteten Zusammenhangs mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen wird in der Wissenschaft heftig diskutiert. Gut möglich, dass in Zukunft eine generelle Neubeurteilung des Salzes erfolgt. Regelmässig Sporttreibende bzw. Schwitzende können aber bereits jetzt eine allfällige Angst vor dem Salz fallen lassen, da sie einen höheren Bedarf haben. In der unmittelbaren Regeneration und sofern innert kurzer Zeit wieder geleistet werden muss, können sie sogar bewusst eine Salzquelle einsetzen. Generell sollte die Devise viel eher lauten: Beim Kochen und Essen Salz als normales Gewürz einsetzen, anstatt zu versuchen, Salz möglichst überall zu meiden.
Referenzen:
(1) Bundesamt für Gesundheit. Salz Strategie 2013–2016. Bern, 2013
(2) Adler AJ et al. Cochrane Database Syst Rev 2014; 12: CD009217
(3) O’Donnell M et al. Circ.Res. 2015; 116: 1046–57
(4) FNB, IOM. Dietary reference intakes for water, potassium, sodium, chloride, and sulfate. Washington, DC: National Academy of Sciences, 2004
(5) Del Coso J et al. Scand.J.Med.Sci.Sports 2015
(6) Hoffman MD, Stuempfle KJ. Med.Sci.Sports Exerc. 2014
Dieser Blog wurde durch Fit for Life zur Verfügung gestellt. Fit for Life ist das Schweizer Magazin für Fitness, Lauf- und Ausdauersport. Möchtest du regelmässig solche Artikel lesen? Dann klicke hier.
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