Leistungsdiagnostik im Laufsport: Der Laktatstufentest

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Ruben Oliver Medbase

Autorin: Franziska Zehnder, Leiterin Leistungsdiagnostik, Sport- und Bewegungswissenschaftlerin, MAS Ernährung und Gesundheit bei Medbase Zürich Löwenstrasse, Sports Medical Center

 

 

 

Immer mehr Läufer*innen unterziehen sich regelmässigen Leistungstests, denn Leistungsdiagnostik ist die Grundlage für ein gezieltes und effektives Training mit individueller Trainingssteuerung. Durch die sportmedizinische Analyse des aktuellen Leistungszustandes können persönliche Höchstleistungen kurz- und längerfristig geplant werden. Voraussetzung für die Kontrolle der Leistungsentwicklung und eine wirksame Trainingssteuerung sind zuverlässige Tests mit validen Ergebnissen.

Lange Zeit war die Durchführung von Conconi Tests populär, bei welchem die Abflachung des Herzfrequenzanstiegs für die Schwellenbestimmung herangezogen wird. Weil dieser Knick aber bei vielen Läufer*innen nicht vorhanden ist, wird der Test oftmals falsch ausgewertet und folglich in falschen Herzfrequenzzonen trainiert.

Beim Laktatstufentest wird zusätzlich zur Herzfrequenz auch die Laktatkonzentration im Blut analysiert, was ihn deutlich aussagekräftiger macht. Das Laktat entsteht vermehrt, sobald die Sauerstoffversorgung durch die Atmung für die Energiegewinnung im Muskel nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Folglich müssen die Muskelzellen vermehrt Energie über die anaeroben Energiebereitstellungsprozesse gewinnen, was zu einem deutlichen Anstieg der Laktatkonzentration führt.

Der Laktatstufentest sollte möglichst sportartspezifisch durchgeführt werden: Läufer*innen absolvieren diesen bestenfalls auf dem Laufband. Beginnend mit niedrigem Lauftempo wird die Intensität stufenweise (meist nach 3 Minuten) bis zur individuellen Maximalleistung erhöht. Das Ziel ist, möglichst viele Belastungsstufen zu durchlaufen. Am Ende jeder Stufe wird ein Tropfen Blut vom Ohrläppchen zur Bestimmung der Laktatkonzentration entnommen. Zusätzlich werden die Herzfrequenz und das subjektive Belastungsempfinden anhand der Borg-Skala erhoben.

Durch den Verlauf und Anstieg der Blutlaktatkonzentration können Aussagen über die Energiestoffwechselsituation gemacht werden. Je später das Laktat ansteigt, desto besser die Ausdauerleistungsfähigkeit. Kann trotz hoher Laktatwerte noch lange weitergelaufen werden, deutet dies auf ein gutes Stehvermögen hin, was beispielsweise bei Mittelstreckenläufer*innen wichtig ist.

Die Ermittlung der individuellen anaeroben Schwelle wird zur Festlegung der verschiedenen Trainingszonen und Herzfrequenzbereiche herangezogen. Je nach Ziel oder Laufdisziplin können nun die Trainingseinheiten möglichst optimal zusammengesetzt werden.

Ein Leistungstest eignet sich für Sportler jeder Leistungsklasse. Ob Anfänger oder Profis, jeder kann von der Bestimmung der individuellen Herzfrequenzbereiche profitieren: Sei es für Fettstoffwechseltraining, Gewichtsreduktion, Steigerung der Fitness oder zur Wettkampfvorbereitung.

laktatstufentest rc
Abb.: Laktatleistungskurve und Trainingsbereiche einer 18-jährigen Mittelstreckenläuferin

2 Antworten auf „Leistungsdiagnostik im Laufsport: Der Laktatstufentest“

Spannend wäre noch, wie ich das Resultat des Laktatstufentests im RC eingeben kann, sodass mein Trainingsplan mit Hilfe dieses Tests noch genauer wird.

Hallo Martin, bei running.COACH arbeiten wir mit der individuellen anaeroben Schwelle. Du kannst also die erzielte, resp. berechnete Schwelle aus deinem Stufentest eingeben. Mach dies bei den Trainingseinstellungen unter Punkt 3 ‚Mein Lauftempo‘. Wähle dort die Option ‚Ich habe einen Leistungstest gemacht‘ und trage deine Schwellengeschwindigkeit ein.

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