Gastbeitrag einer Psychologin: Warum das Training trotz positiver Effekte Überwindung braucht

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Die Psychologin Rebecka Merz beschreibt im Text die positiven Effekte der Bewegung auf Körper und Geist. Zudem beleuchtet sie, weshalb Menschen mit Motivationsproblemen zu kämpfen haben, obwohl die positiven körperlichen Auswirkungen unbestritten und bekannt sind.

Wir alle träumen vom perfekt ausbalancierten Leben. Gleichzeitig sind die Erwartungen und Ansprüche an die berufliche Karriere, das Familienleben und die Freizeitgestaltung extrem hoch und somit die Findung des Gleichgewichts herausfordernd. Dies belegen nicht zuletzt Statistiken zum Thema Stress, Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen, welche alle auf steigende Fälle von psychischen Erkrankungen hinweisen.

Studien dazu, dass körperliche Bewegung einen positiven Einfluss auf die mentale und physische Gesundheit hat gibt es zuhauf und sind in den Ergebnissen unbestritten. Die Weltgesundheitsorganisation rät entsprechend zu täglich 30 Minuten aktiver Bewegung (zum Beispiel rasches spazieren) oder zweieinhalb Stunden Trainingsbelastung pro Woche.

Die Auswirkungen von regelmässiger aktiver Bewegung

Die oben erwähnten gesundheitlichen Benefits sind zahlreich. Ein paar davon möchte ich hier kurz erläutern:

Verringertes Risiko verfrühter Sterblichkeit und positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System.
Mehr dazu in folgendem Artikel.

Positive Auswirkungen auf den Hormonhaushalt
Zahlreiche positive Effekte werden über den Hormonhaushalt generiert. So bewirkt physische Aktivität zum Beispiel, dass sich die Blutzirkulation verbessert, was wiederum beim Abbau schädlicher Stoffe und Hormone hilft. Dies ist beispielsweise beim Stresshormon Cortisol der Fall, welches bei zu hoher Konzentration mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und Fehlfunktionen des Immunsystems in Verbindung gebracht werden kann.

Durch das Training werden auch Hormone ausgeschüttet, welche uns Energie und ein Gefühl der Zufriedenheit bescheren. Der Einfluss aufs Hormonsystem geschieht jedoch nicht ausschliesslich im direkten Anschluss ans Training, sondern kann auch langfristig wirken und so eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von psychischen Erkrankungen haben. Regelmäßige Bewegung hilft auch bei der Behandlung von Depressionen, verbessert die Schlafqualität und die Konzentration. Entdecken Sie in diesem Artikel die wichtigsten Vorteile der sportlichen Betätigung für unsere psychische Gesundheit

Was hindert Menschen dann trotz positiver Effekte am Training?

Das menschliche Gehirn ist in vielerlei Hinsicht fantastisch und dessen Fähigkeit, sich an neue Umstände anzupassen ist herausragend. Gleichzeitig ist es in gewissen Bereichen ganz einfach nicht an die Verhaltensmuster der heutigen Gesellschaft angepasst.

Die Informationsverarbeitung und die Entscheidungsfindung wird, extrem vereinfacht ausgedrückt, von zwei verschiedenen Systemen im Gehirn gesteuert: Ein langsam und „denkendes“ System und ein schnelles, automatisch und „willenloses“ System.

Beim langsamen System werden Informationen in den vorderen Bereich des Hirnes geleitet, wo diese verarbeitet werden. Zusammen mit in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen wird dann ein gut durchdachte Entscheidung getroffen.

Das zweite System ist schnell und geht durch das Gefühlszentrum des Gehirns. Es wird ein schneller, willenloser Entscheid aufgrund des entstehenden Gefühls getroffen. Die beiden Systeme können dabei nicht gleichzeitig unter Hochdruck arbeiten und die schnelle Variante geniesst ein Vorlaufs-Recht, da es sich besser als Alarmsystem eignet.

Beispiel Hand auf der heissen Herdplatte: Das langsame durchdachte System würde hier ganz einfach zu lange brauchen, um den Befehl zum Wegziehen der Hand auszusprechen. 

Diese Programmierung des Gehirns hat aber den Nebeneffekt, dass wir in manchen Fällen stärker von unseren Impulsen und Gefühlen beeinflusst werden, als dies nötig wäre. Zum Beispiel dann, wenn schlechtes Wetter eine gefühlsmässige Abneigung gegen die körperliche Aktivität suggeriert, obwohl man rational die Gewissheit hat, dass das Training langfristig einen positiven Effekt haben würde.

Dazu kommt, dass der Mensch aus evolutionärer Perspektive lange einen Nutzen aus einem kräfteschonenden Verhalten ziehen konnte, um in einer Notlage oder bei der Nahrungssuche von ausreichenden Kraftreserven profitieren zu können.

Oder vereinfacht ausgedrückt: Auch wenn es rational völlig einleuchtend ist, dass Bewegung aus heutiger Perspektive viele Vorteile mit sich bringt, so gibt es immer ein Risiko dafür, dass unser gefühlsbasiertes Denken oder evolutionäre Bequemlichkeit ein ungutes Gefühl in Verbindung mit dem Training wecken. Wie gross dieser Einfluss des gefühlsbasierten Systems ist, scheint dabei extrem individuell zu sein.

Zwei Tipps, um die Trainingsmotivation aufrecht zu erhalten:

  • Unterteile deine langfristigen Ziele in kleine Zwischenziele, die du einfach erreichen kannst.
    Ist es dein Ziel, dass du nach einer Verletzung wieder zu deiner früheren Form zurückfinden möchtest, können die Trainings zu Beginn gerade bei intensiven Läufen eher schlechte Gefühle auslösen, da die Form natürlich noch nicht auf dem gewünschten Niveau ist. Ein erstes kleines Teilziel könnte also sein, einmal pro Woche ein intensives Training durchzuführen, dabei aber keine Pacevorgaben zu beachten.
  • Zeige Verständnis gegenüber dir selbst, wenn du Mal nicht auf bestem Weg zu deinem langfristigen Ziel sein solltest.
    Stell dir in diesem Fall ganz einfach die Frage: Was macht es momentan so schwierig, aufs gewünschte Niveau zu kommen? Hattest du viel Stress oder mit körperlichen Problemen zu kämpfen? Fällt es dir schwerer als Anderen, gegen die oben erwähnten negativen Gefühle anzukommen und deine Trainings durchzuführen? Sei ehrlich und versuche die Ursache herauszuarbeiten. Dies wird dir helfen, mehr Verständnis gegenüber dir selber zu erlangen. Im Anschluss wird es dir zudem einfacher fallen, dich für geglückte Teilziele zu belohnen und stolz auf dich zu sein. Solche Erfolgsmomente sind auf dem Weg zum übergeordneten Ziel von grosser Bedeutung.

1 Antwort auf „Gastbeitrag einer Psychologin: Warum das Training trotz positiver Effekte Überwindung braucht“

Ich möchte dieses Jahr meinen zehnten Irontrail in Davos laufen. Ich bereite mich seit zehn Monaten vor und es hat sich fast kein Training gut angefühlt.

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