Der Fuss des Läufers

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Läufer sind zwar ständig auf den Beinen, neigen aber dazu, ihre Füsse zu vernachlässigen. Regelmässiges Fusstraining bringt Tempo und mehr Stabilität auf unebenen Strecken.

Einlagen fürs Laufen – sinnvoll oder unsinnig?

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Ob ein Läufer besser mit oder ohne orthopädische Einlagen rennt, wird immer wieder in Laufmagazinen erörtert und beurteilt. Klar ist, dass das Tuning mit speziellen Einlagen bei Läufern immer beliebter wird. Die in den Laufschuhen vorhandenen Originaleinlagen sind kaum anatomisch geformt und erfüllen keine wesentlichen Funktionen.
Autorin: Angela Ruwell, Stv. Leitung Medizin Medbase Zürich Löwenstrasse, Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin DGSP, Manuelle Medizin DGMM
 
Nachgerüstete Laufschuheinlagen, welche in Sportgeschäften erworben werden können, verfügen meist über Zusatzfunktionen, wie eine verbesserte Dämpfung. Anatomische Varianten werden hierbei jedoch nicht berücksichtigt, Fehlstellungen nicht suffizient ausgeglichen. Diese Einlagen sind nicht individuell anpassbar, sondern uniform und „von der Stange“.
Individuell angepasste Einlagen werden von Orthopädischen Schuhmachern gefertigt und berücksichtigen die anatomischen Gegebenheiten der Füsse. Dieser Artikel wird das Thema aus sportmedizinischer und orthopädischer Sicht beleuchten.

Anatomie des Fusses und Laufschuhe

Die Anatomie des Fusses ist äusserst komplex. Er besteht aus 28 Knochen, über 30 Gelenken und einer Vielzahl an Muskeln und Bändern. Insbesondere beim Laufsport sind die Füsse einer hohen Belastung ausgesetzt, zumal sie als unterster Körperteil die gesamte Last tragen. Da es viele anatomische Varianten gibt, die jedoch sämtlich noch als physiologisch, also „normal,“ gelten, wird klar, dass es nicht für jede Fussform den optimal passenden Laufschuh geben kann.
Eine Verbesserung der Passform und auch des Komforts kann durch eine customized, also eine an den jeweiligen Fuss angepasste Einlage, erreicht werden. Einlagen können zudem eine Beschwerdelinderung bei bereits bestehenden Krankheitssymptomen oder nach Verletzungen erbringen.

Biomechanik und Laufschuheinlage

Neben der Fussform sind weitere Gegebenheiten des Bewegungsapparates zu berücksichtigen. So können auch angeborene oder erworbene Deformitäten im Knie- oder Hüftgelenksbereich, Abweichungen der Wirbelsäule, Beinlängenunterschiede und ein Beckenschiefstand relevant sein und müssen bei einer Einlagenversorgung berücksichtigt werden. Die biomechanischen Zusammenhänge sind ausschlaggebend für die Anfertigung einer optimalen Laufschuheinlage.
Laufstile sind sehr unterschiedlich und können mitverantwortlich sein für Beschwerden am Bewegungsapparat, z.B. aufgrund einer mangelnden Bein-, Becken-, Rumpfstabilität, einem vermehrten Einknicken des Fusses oder anderer anatomischer Varianten. Zudem ist zwischen Vor- und Rückfussläufern zu unterscheiden, dies muss bei der Einlagenfertigung berücksichtigt werden.
Um all dies beurteilen zu können, ist eine ausführliche Untersuchung des Bewegungsapparats durch einen Sportmediziner zu empfehlen. Er kann Abweichungen der Achse der Wirbelsäule sowie im Becken-, Bein-, Fussbereich oder Deformitäten feststellen und somit eine Erstbeurteilung und medizinische Indikation zur Einlagenfertigung stellen.
Um abbilden zu können, ob der Sportler tatsächlich von einer Einlage profitieren würde, stellt die Durchführung einer Bewegungsanalyse und Fussdruckmessung sowie eine Beurteilung des Laufstils einen weiteren Schritt in der Diagnostik dar. Dies erfolgt durch einen qualifizierten Orthopädietechniker. Dabei werden unter anderem die Abrollbewegung und die Stellung des Fusses beim Gehen und Rennen auf dem Laufband mit einer Kamera aufgenommen. Diese dynamische Untersuchung liefert genaue Daten über die Becken-, Beinachse auf dem Weg zur optimalen Einlagenversorgung.

Verschiedene Einlagen

Unterschieden wird zwischen einerseits bettenden, unterstützenden orthopädischen Einlagen, die das Quer- und Längsgewölbe passiv abstützen und Sehnen und Bänder entlasten. Sie vermeiden Überlastungsschäden durch ihre unterstützende Wirkung und bieten einen gewissen Komfort durch die Fussbettung.
Andererseits gibt es sensomotorische Masseinlagen. Hierbei handelt es sich um aktivierende Einlagen. Durch ein speziell eingearbeitetes Relief, sendet die Einlage Reize an die Nervenendigungen der Fusssohle, welche an das Gehirn weitergeleitet werden. Durch die Verarbeitung der Informationen im Gehirn werden motorische Impulse an Muskeln und Gelenke rückgesendet, der Körper reagiert mit veränderten Muskel- und Sehnenspannungen, wodurch die Stellung der Gelenke und die Körperstatik verändert werden. Man spricht hier von einem propriozeptiven Lerneffekt.
Gefertigte Einlagen müssen auf den jeweiligen Laufschuh angepasst werden, damit sie nicht im Schuh rutschen, sondern eine passgenaue Form aufweisen. Und sie sollten in Kombination mit Neutralschuhen getragen werden, um Überkorrekturen zu vermeiden.

Fazit

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass pauschal weder zu einer Einlagenversorgung geraten, noch abgeraten werden kann. Jeder Sportler muss individuell orthopädisch, sportmedizinisch untersucht und beurteilt werden, erst dann ist eine Indikationsstellung zur Einlagenfertigung medizinisch korrekt möglich.

Schmerzende Füsse laufen nicht gerne

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Wenn morgens nach dem Aufstehen bei jedem Schritt die Füsse schmerzen, ist rasches Handeln angesagt. Ignoriert man diese Zeichen, werden die Füsse dies mit chronischer Entzündung und langwieriger Behandlung quittieren. Passende Laufschuhe, eine langsame Steigerung des Lauftrainings und fleissiges Dehnen können einen Fersensporn vorbeugen.
Unsere Füsse tragen uns gerne, solange sie gesund sind. Wir sind dafür verantwortlich, dass das komplizierte Gebilde aus Bändern, Sehnen, Muskeln, Knochen und Gelenken nicht überlastet wird. Muten wir diesen filigranen Strukturen zu viel zu, reagiert der Fuss mit Einlagerungen und Entzündungen.
Ein typisches Fussproblem von Laufsportlern ist der untere Fersensporn. Sind die Füsse überlastet, kann sich der Ansatz der Sehnenplatte, der sogenannten Plantarfaszie, entzünden. Die fächerförmige Sehnenplatte reicht vom Fersenbein bis zu den Zehen und unterhält die Spannung des Längsgewölbes am Fuss. Unternimmt man nichts gegen die Entzündung, schützt der Körper den Ansatz der Plantarfaszie mit Kalkeinlagerungen. Diese entwickeln sich mit der Zeit zu einem dornartigen Knochenauswuchs am Fersenbein, der bei jedem Schritt höllisch schmerzt. Nicht der Sporn, sondern die Entzündung der Sehnenplatte tut weh. Beschwerden können deshalb auch ohne einen Sporn auftreten.

Laufen will gelernt sein

Die Ursachen für einen unteren Fersensporn sind vielfältig. Überbelastung durch das Laufen auf harten Böden, Training ohne Aufwärmen, schlechte Laufschuhe, Fehlbildungen des Fusses oder eine falsche Lauftechnik begünstigen ihn. Auch Übergewicht und langes Bergablaufen wirken sich negativ aus, weil die Füsse eine überdurchschnittlich hohe Belastung aushalten müssen.
Sinnvoll ist, nicht von heute auf morgen stundenlang zu trainieren, sondern seinen Körper langsam anzugewöhnen und die Füsse richtig zu belasten. Ein Laufcoach oder Physiotherapeut kann helfen, den Laufstil zu verbessern. Auch die Auswahl der Schuhe ist wichtig und gehört in die Hände von Fachleuten. Ratsam ist zudem, sein Gewicht zu reduzieren, wenn etwas zu viel auf den Füssen lastet. Stretching der Unterschenkel, Fussgymnastik und Fussmassage halten die Gewebe zudem elastisch und stärken die Muskeln.

Zähne zusammenbeissen und weitermachen ist falsch

Treten erste Anzeichen eines Fersensporns auf, ist es wichtig, sofort Massnahmen zu ergreifen und die Belastung zu reduzieren. Im besten Fall ist die Entzündung nach gut einer Woche weg. Ansonsten kann es zu einer langwierigen, monatelangen Erkrankung kommen. Wenn trotz allen Vorsichtsmassnahmen ein Fersensporn entsteht, sollte ein Arzt konsultiert werden. Gegebenenfalls hilft ein Ultraschall oder MRI das Ausmass der Verletzung festzustellen und die entsprechenden Therapien einzuleiten. Diese reichen von einer Trainingspause über Dehnungsübungen bis zur Stosswellentherapie oder der Verschreibung von orthopädischen Fusseinlagen. Nur in ganz hartnäckigen Fällen ist eine Operation angesagt.
Dieser Beitrag wurde durch Dr. med. Hanspeter Betschart erstellt. Er arbeitet in der allg. Inneren Medizin FMH und Sportmedizin SGSM im Zentrum für Medizin und Sport bei Medbase Abtwil.